TOPModel Forum

Dies & Das

Tipps für sicheres SurfenInfos für ElternHilfe

Moderiert durch Basejumper, Highheels4life, Shopaholic, Shopping-Queen, DieYvi, TOPModel-Team, Dressman, Chanel, shoppingfever, Elaela, Zazou1201, Sweety73, linelikes, karlfjord

Re: Brauchst du Credits?

sophie5000
05.04.12 um 18:32
Avatar von sophie5000
Die Kartoffel ist eine sehr proteinreiche Pflanze. Die Nährstoffe in der Kartoffel kann unser Gehirn brauchen um zu denjen oder anderen krimskrams. Eigentlich hab ich kein bock das hier zu schreiben aber ich will das Geld ja verdienen.Also schreibt fleißig weiter eure sophie5000!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Lissy20
05.04.12 um 18:35
Avatar von Lissy20

Re: Brauchst du Credits?

Hinterm Horizont (Musical)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Musicaldaten
Originaltitel: Hinterm Horizont
Originalsprache: Deutsch
Musik: Udo Lindenberg
Buch: Thomas Brussig
Uraufführung: 13. Januar 2011
Ort der Uraufführung: Berlin, Theater am Potsdamer Platz
Ort und Zeit der Handlung: Ost-Berlin
Rollen/Personen

Udo
Jessy
Elmar
Steve
Marco
Mareike
Maximilian
u.a.

Hinterm Horizont ist ein Musical, das auf Liedern des Sängers Udo Lindenberg basiert.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Hintergrund
2 Besetzung
3 Liederfolge
4 CD-Veröffentlichung
5 Weblinks

Hintergrund [Bearbeiten]

Das Buch stammt von Thomas Brussig (Sonnenallee), die Regie führt Ulrich Waller. Die Uraufführung fand am 13. Januar 2011 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin statt.
Besetzung [Bearbeiten]
Original Besetzung, Welturaufführung 2011, Berlin
Udo Serkan Kaya
Jessy jung Josephin Busch
Jessy alt Aline Staskowiak
Elmar Christian Sengewald
Steve Christopher Brose
Jessies Vater, Marco alt, Eddy Kante Thomas Schumann
Stasi Patschinsky Holger Dexne
Stasi Krause Ralf Novak
Mutter, Pressesprecherin Dorina Maltschewa
Mareike Nadja Petri
Marco jung Sebastian Stipp
Minister Rainer Brandt
Barbara Saftig Ilona Schulz
Stasi Fritsche Florian Hacke
Kmetsch Marco Fahrland
Kremer Lorenz Liebold
Der Irre Patrick Adrian Stamme
Dr. Werner, Prof. Scheuerlich Joachim Paul Assboeck
Liederfolge [Bearbeiten]

Mädchen aus Ost-Berlin
Boogie-Woogie-Mädchen
Ich träume oft davon, ein Segelboot zu klauen
Vom Frieden singen unsre Lieder
Odyssee
Bis ans Ende der Welt
Ich bin Rocker
Gegen die Strömung
Straßen-Fieber
Radiosong
Reeperbahn
Verbotene Stadt
Gitarren gegen Knarren
Sonderzug nach Pankow
Daumen im Wind
Moskau
Hinterm Horizont
Alles das bist du für mich
Wenn du durchhängst
Seid willkommen in Berlin
Ich lieb dich überhaupt nicht mehr
Im ***
Mr. Nobody
Andrea Doria
Was hat die Zeit mit uns gemacht
Ganz anders
Hinterm Horizont (Reprise)
Mein Ding

CD-Veröffentlichung [Bearbeiten]

Hinterm Horizont - das Musical - Castalbum, 2011

Weblinks [Bearbeiten]

Hinterm Horizont Internetauftritt des Veranstalters
Hinterm Horizont Rezension bei www.musicalzentrale.de
In Udo-Lindenbergs-Musical wird zu wenig gesungen, Rezension auf welt-online, 13. Januar 2011, abgerufen am 13. Januar 2011

Kategorie:

Musical (Werk)

Anmelden / Benutzerkonto erstellen

Artikel
Diskussion

Lesen
Bearbeiten
Versionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel

Mitmachen

Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden

Drucken/exportieren
Werkzeuge

Diese Seite wurde zuletzt am 13. Januar 2012 um 13:18 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.
Lissy20
05.04.12 um 18:37
Avatar von Lissy20

Re: Brauchst du Credits?

Seil
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das elastische Element zur Übertragung von Zugkräften. Zur gleichnamigen Insel der Inneren Hebriden, siehe Seil (Schottland), zum Längenmaß siehe Seil (Einheit)

Ein Seil ist ein aus zusammengedrehten Natur- oder Kunstfasern oder Drähten bestehendes längliches, biegeschlaffes, elastisches Element, das meist zur Übertragung von Zugkräften, aber auch zu einer Vielzahl anderer Zwecke verwendet wird.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Geschichte
2 Bezeichnungen
3 Ideales und reales Seil
4 Bestandteile und Aufbau
4.1 Materialien
4.2 Materialeigenschaften
4.3 Herstellung
5 Micro-Computertomographische Darstellung eines Seilaufbaus
5.1 2D Schnittbilder
5.2 2D Durchflüge durch Schnittbilder
5.3 3D Renderings
5.4 3D Flug um Rendering
6 Kennzeichnung der Seile
6.1 Duodess
6.2 Triodess
6.3 Dynamische Seile
6.4 Statische Seile
7 Geflochtene Seile
8 Stahlseile
9 Aufbewahrung und Pflege
10 Kleedern (Kleeden) und Smarten (Schmarten)
11 Bänder und Gurte
12 Siehe auch
13 Einzelnachweise
14 Weblinks

Geschichte [Bearbeiten]
Erste Darstellung einer Seilerei in Ägypten
Historische Darstellung eines Seilers aus dem 16. Jahrhundert

Bereits für das Mesolithikum sind Seile und Fischernetze aus Weidenbast nachgewiesen.[1] Die ersten dokumentierten Seiler fand man im alten Ägypten. Seile wurden beim Bau von verschiedenen Bauwerken wie Tempeln und Pyramiden eingesetzt.

In Europa wurden in der Renaissance und der Entwicklung der Seefahrt zunehmend Seile im größeren Maße hergestellt. Die Herstellung auf industrieller Weise fing im 19. Jahrhundert an. Dabei wurde zunehmend anderes Material außer Hanf, wie Stahl, verwendet.

Im Kaisertum Österreich war eines der bedeutendsten Hersteller Joh. B. Petzl & Sohn, der sich auf die Herstellung von Hanf- und Drahtseilen spezialisierte.[2]
Bezeichnungen [Bearbeiten]

Die Bezeichnung Seil wird gleichermaßen für Seile aus Natur- und Kunstfasern wie auch für Drahtseile verwendet. Textile Seile werden umgangssprachlich beispielsweise auch als Strick oder Kordel bezeichnet. Faden, Bindfaden, Garn, Zwirn und Schnur werden nicht zu den Seilen gezählt, obwohl sie in Aufbau und Wirkungsweise vergleichbar, wenn auch dünner und schwächer sind. Auch bei dem stärkeren Tau und der schweren Trosse wird nicht von einem Seil gesprochen.

Im maritimen Zusammenhang spricht man niemals von Seilen. Die Oberbegriffe heißen Tauwerk bzw. laufendes und stehendes Gut, für das es eine Vielzahl von genauen Bezeichnungen nach der Machart oder der Verwendung gibt.

Auch im Klettersport unter***t man Seile nach verschiedenen Kriterien.
Ideales und reales Seil [Bearbeiten]

Die Physik unter***t ideale und reale Seile. Das ideale Seil - ein Modell - ist masselos, straff, nicht dehnbar und ohne Biege***igkeit. Es vereinfacht etwa die Abhandlung (reibungsfrei idealisierter) Flaschenzüge. Für den Durchhang in Form einer Kettenlinie oder die Wellenbewegungen des hängenden oder gespannten Seils muss es jedoch (nur) Masse haben.
Bestandteile und Aufbau [Bearbeiten]
Materialien [Bearbeiten]
Manila-Tampen mit Z-Schlag, Typ ?sZ?

Stahlseil mit Z-Schlag und (Litzen-)Gleichschlag Typ ?zZ?

Kupfer- seil mit S-Schlag

Naturfaser-Seile
werden aus folgenden Faserpflanzen hergestellt:
(Baumwolle), Flachs, Hanf, Kokos, Manila und Sisal

Kunstfaser-Seile
haben folgendes Ausgangsmaterial (Beispiele):
Aramid (Technora/Twaron/Nomex/Kevlar), Dyneema[3], Flüssigkristallpolymer, Polyester, Polyamid (Nylon, DeDeRon, Perlon), Polypropylen, Polyethylen, auch Polyethen (Spectra) sowie Zylon [4]

Metall- bzw. Drahtseile
werden aus Stahl oder Edelstahl hergestellt,
für Elektrische Leitungen werden auch Seile aus Kupfer, Messing, Aluminium und Speziallegierungen verwendet.

Stahlseil mit Z-Schlag und gegenläufigen Litzen


Materialeigenschaften [Bearbeiten]
Vorteile Nachteile Verwendung
Baumwolle vergleichsweise geringe Festigkeit, gegen Motten anfällig Textilien, Kordeln
Flachs Springseil
Hanf höchste Festigkeit bei den Naturfasern geringe Bruchdehnung, Fasern sind grob und hart, im Freien verrottet Hanf langsam, Knoten in feuchten Seilen nur schwer zu lösen (vgl. alte Bergseile im Regen) Dichtungsmaterial, Tauziehen, Deko, ehemalig Taue in der Takelage
Kokos sehr hohe Scheuerfestigkeit, gute Elastizität, geringe Schmutzaufnahme, gute Schockabsorption Fußmatten, Baumbinder, früheres Füllmaterial in Autokopfstützen
Manila reißfest, widerstandsfähig gegen Meerwasser, leicht Taue in der Seefahrt
Sisal hohe Reiß- und Scheuerfestigkeit, leicht und gut färbbar, widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit Schiffstaue, Seile, Fußmatten, Netze, Teppiche, Katzenkratzbäume
Polypropylen (PP) sehr leicht (schwimmfähig), nimmt kein Wasser auf, chemisch beständig gegenüber den meisten Säuren und Laugen, verhältnismäßig preisgünstig, hohe UV-Beständigkeit nur ausgerüstet abriebfest und temperaturbeständig Schwimmleine, günstige Festmacher, Allzweckseile z.B. für Baustellen, Wurfleine
Polyamid (PA) hohe Festigkeit und hohe Bruchdehnung, d.h. hohe Energieaufnahme quillt im Wasser auf, verliert Festigkeit bei Kontakt mit Wasser, wird u.U. hart, nicht komplett beständig gegen einige Säuren und UV-Strahlung Klettern, Sichern, Hochwertige Festmacher
Polyester (PES) hohe Festigkeit, nimmt kein Wasser auf, sehr beständig gegenüber Witterungseinflüssen und den meisten Chemikalien, sehr hohe UV-Beständigkeit relativ schwer, niedrige Bruchdehnung
Hochfestes Polyethylen (PE) "Dyneema", extrem hohe Bruchfestigkeit (5-fache von Polyamid), sehr leicht (schwimmfähig), nimmt kein Wasser auf, äußerst beständig gegenüber Säuren und Laugen extrem geringe Bruchdehnung, Temperaturbeständig nur bis 70 °C

Die früher z.B. beim Segeln und Bergsteigen verwendeten Seile waren meist aus Hanf; heute werden überwiegend synthetische Materialien verwendet. Sie sind bei geringerem Gewicht und Durchmesser stabiler, scheuerfester und besser knotbar. Außerdem saugen sie abhängig von der Imprägnierung kaum Wasser auf und frieren dadurch nicht so leicht ein. Allerdings altern Kunststoffseile durch die UV-Strahlung des Sonnenlichts schneller, so dass ihre Haltbarkeit und Festigkeit mit der Zeit abnimmt.
Herstellung [Bearbeiten]

Seile, plattdeutsch Reepe, wurden früher vom Reepschläger per Hand auf Seilerbahnen, auch Reeperbahnen genannt, gedreht. Heutzutage erfolgt die Herstellung maschinell mittels Seilschlagmaschinen. Sie tragen diesen Namen, weil man das Verdrillen auch schlagen nennt, um es vom Flechten zu unter***n. Historisch wurde das Drehen der einzelnen Seilstränge mit einer Warbel [5] vorgenommen. [6]

Mehrere aus Fasern gesponnene Fäden bzw. einige Drähte werden zunächst zu Litzen zusammengedreht. Aus mehreren Litzen wird dann das Seil geschlagen. Ein dünnes Seil besteht aus 3 bis 4 solcher Litzen, die verdrillt werden.
S-Schlag (linksdrehend) Z-Schlag (rechtsdrehend)

Die Schlagrichtung, mit der Litzen und Seile verdrillt werden, kann linksdrehend (gegen den Uhrzeigersinn) oder rechtsdrehend (im Uhrzeigersinn) sein. Man spricht dabei von einem S-Schlag bzw. Z-Schlag. Ein kleines "s" oder "z" dient der Kennzeichnung der Schlagrichtung der Litzen, Großbuchstaben kennzeichnen die Schlagrichtung des Seiles.
a) Gleichschlag b) Kreuzschlag

Gleichschlagseile sind Seile, bei denen die Verdrillung der einzelnen Litzen und deren Verdrillung untereinander in derselben Drehrichtung erfolgt. Die Litzen bleiben dadurch zueinander verschieblich. Dadurch wird das Seil geschmeidiger und damit biegsamer.

Bei Kreuzschlagseilen sind die Verdrillungen der Litzenbündel in sich und zueinander verschieden. Das Seil ist somit in sich ausgefacht, da durch die Reibung der Litzen zueinander eine Art Fachwerk entsteht. Das Seil ist somit ***er.[7]

Dickere Seile (Trossen) bestehen wiederum aus mehreren dünneren Seilen, die miteinander verdrillt werden und in dieser Funktion Kardeelen heißen. Die Schlagrichtung der Kardeelen und des gesamten Seils sind einander entgegengesetzt, was ein Aufdrehen des Seiles verhindert.

Das Verbinden von Seilenden erfolgt durch Spleißen, bei dem die Seilenden ineinander verflochten werden. Die Seilenden eines Naturfaserseiles werden durch ein Takling vor dem Aufdröseln geschützt, bei Kunstfaserseilen werden häufig die Seilenden verschmolzen oder mit einem einfachen Klebeband umwickelt. Für Drahtseile gibt es dazu verschiedene Zubehörteile. Zur Befestigung von Seilen oder zu ihrer Verbindung untereinander werden eine Vielzahl von Knoten verwendet.

Der Seiler bei der Arbeit
Seilherstellung auf einer Vorrichtung aus dem Jahr 1928.
Der Führungsdorn um die Litzen zusammen zu verdrillen.
Der Seiler auf dem Weg zum fertigen Seil.
Handwerkliche Seilherstellung in einer Seilerei.

Micro-Computertomographische Darstellung eines Seilaufbaus [Bearbeiten]
2D Schnittbilder [Bearbeiten]

Micro-CT braided polymer rope 2D top view.jpg
Micro-CT braided polymer rope 2D top view zoom.jpg
Micro-CT braided polymer rope 2D lateral view.jpg
Micro-CT braided polymer rope 2D lateral view 2.jpg

2D Durchflüge durch Schnittbilder [Bearbeiten]

Micro-CT Rope HighRes 2D Top 2050x2050.ogv
Micro-CT 2D top view flight-through of a braided polymer climbing rope Zoom.ogg
Micro-CT Rope HighRes 2D Right 2560x550 750f 25fps.ogv
Micro-CT Rope HighRes 2D Rotation 2560x550 750f 25fps.ogv

3D Renderings [Bearbeiten]

Micro-CT braided polymer rope 3D 02.jpg
Micro-CT braided polymer rope 3D 03.jpg
Micro-CT braided polymer rope 3D 05.jpg
Micro-CT braided polymer rope 3D 07.jpg
Micro-CT braided polymer rope 3D 08.jpg
Micro-CT braided polymer rope 3D 10.jpg
Micro-CT braided polymer rope 3D 11.jpg

3D Flug um Rendering [Bearbeiten]

Micro-CT Rope HighRes 3D.ogv

Kennzeichnung der Seile [Bearbeiten]

In der gesamten Länge eines Seiles befinden sich im Kern farbige Fasern (eine oder zwei). Nach der Farbe der Faser kann das Herstellungsjahr bestimmt werden. Die Farbenkombination wiederholt sich nach 11 Jahren und können unter den Herstellern abweichend sein.
Beispiel eines Kletterseilherstellers:
1986 rot/gelb 1987 blau/gelb 1988 grün/gelb 1989 schwarz/gelb 1990 rot/blau 1991 rot/grün 1992 rot/schwarz 1993 grün
1994 blau 1995 gelb 1996 schwarz 1997 rot/gelb 1998 blau/gelb 1999 grün/gelb 2000 schwarz/gelb 2001 rot/blau
2002 rot/grün 2003 rot/schwarz 2004 grün 2005 blau 2006 gelb 2007 schwarz 2008 rot/gelb 2009 blau/gelb
Duodess [Bearbeiten]

Bei geflochtenen Kletterseilen kann eine eingewebte Markierung in der Seilmitte mit dem Duodess-Verfahren hergestellt werden. Markierungen mit (eventuell schädigenden) Filzmarkern, oder verrutschenden Klebebändern sind somit nicht mehr nötig, um die Einschätzung der Restseilmenge vornehmen zu können.[8]
Triodess [Bearbeiten]

Wie beim Duodess-Verfahren kommt es beim Triodess-Verfahren zu einer eingewebten Markierung (Musterwechsel) auf den letzten fünf bis sieben Metern. [9] An dieser ?Seil-Gefahrenzone? ist somit erkenntlich, dass es höchste Zeit wird sich einen geeigneten Standplatz zu suchen.[10]
Dynamische Seile [Bearbeiten]
Kletterseil-Innenleben

Kletterseile (nach EN 892) sollen bei Sturz enorm hohe Kräfte sicher aufnehmen, ohne eine für den Menschen durch zu hohe Bremsbeschleunigung gefährliche Wirkung zu verursachen, sowohl bei der Seilsicherung beim Klettern wie auch beim Anseilen zur Seilschaft. Sie werden um eine Seele aus einem elastischen Material gefertigt. Durch die Kräfteumwandlung im Seil (siehe Helix) wird die Energie in der elastischen Seele zwischengespeichert, und die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Seils in der Länge nimmt langsam ab (dynamischer Kräfteverlauf, geringe Beschleunigungen). Das Seil wird dabei länger, aber deutlich dünner. Nachdem sie zum Stillstand gekommen ist, überträgt sie sich zurück auf Seil, und die Last pendelt in der Vertikalen aus. Extremste Anwendung dieses Prinzips ist das Bungee-Jumping.
Statische Seile [Bearbeiten]

Als statische Seile werden allgemein Seile und auch Reepschnüre mit niedriger Dehnfähigkeit (EN 1891) bezeichnet. Sie sind für die Personensicherung bei Höhenarbeiten, für Seilzugänge, für Personenrettung, für Speläologie und andere ähnliche Tätigkeiten geeignet. Bei diesen Tätigkeiten ist es wichtig, dass das Seil eine minimale Dehnfähigkeit und maximale Festigkeit aufweist.
Geflochtene Seile [Bearbeiten]

Neben geschlagenen Seilen werden auch geflochtene Seile hergestellt, die meist elastischer sind und sich nicht aufdrehen, aber eine größere Oberfläche haben. Sie werden um eine innere Faser oder Litze, die man Seele nennt, herum angefertigt. Dazu nimmt man meist ein anderes Material, und stellt so eine Form von Verbundwerkstoff her, der die Eigenschaften beider Materialien vereint.
Stahlseile [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Drahtseil

Drahtseile, die heute regelmäßig aus Stahl sind, werden in unterschiedlichen Größen und Arten zu den verschiedensten Zwecken verwendet, angefangen vom dünnen und biegsamen Zugseil für die Gangschaltung am Fahrrad, dem weniger biegsamen und stärkeren Bowdenzug für die Bremsen und den eher ***en Deckenbefestigungen für Halogenleuchten über Seile für Aufzüge, Winden, Bagger, Krane und Seilbahnen bis zu den Seilen für Schrägseil- und Hängebrücken. Im Bauingenieurwesen werden Seile auch immer häufiger für Dachkonstruktionen nach dem Vorbild der Zeltdächer im Münchner Olympiapark verwendet. Entsprechend den verschiedenen Verwendungszwecken werden zahlreiche Arten von Drahtseilen mit unterschiedlichen Eigenschaften hergestellt, z. B. solche mit einer Stahl- oder einer Hanfseele oder heute einer Kunststoffseele mit oder ohne integriertem Lichtwellenleiter. Bei Seekabeln dienen Stahlseile unter Wasser auch als Schutzummantelung. In Stahlseile werden oft textile Fäden eingearbeitet, die mit Öl getränkt sind. Durch ständige Abgabe des Öles beim Bewegen des Seiles erfolgt eine geringe Schmierung des Seiles und es wird geschmeidiger. Außerdem wird Rost im Seil verhindert. Drähte für Stahlseile haben eine Zugfestigkeit um 2000 N/mm².
Aufbewahrung und Pflege [Bearbeiten]

verschiedene Phasen des Kleedens auf einem Drahttau von rechts nach links. (die blauen Türkenbunde dienen als optische Abgrenzung des Trensens vom Schmarten und sind nicht Bestandteil der Kleedung)

Historisches Bild vom Kleedern (Ropewalk engl.) mit einer Kleedkeule

Für längere Aufbewahrung ist es für viele Seile am besten, sie auf einer Seiltrommel aufzuspulen; trockene und nicht zu warme Räume sind im Allgemeinen vorzuziehen, doch brauchen manche Materialien eine gewisse Feuchtigkeit. Des Weiteren sollten insbesondere Kunststoffseile bei der Lagerung nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da die UV-Strahlung sie dann schnell altern lässt und ihre Reißfestigkeit reduziert. Beim Waschen von Kletterseilen verwendet man kaltes Wasser und lässt sie dann langsam an der Luft - keinesfalls in praller Sonne - trocknen. Polyesterseile dürfen wegen ihrer Laugenempfindlichkeit nicht mit Seife gewaschen werden.
Kleedern (Kleeden) und Smarten (Schmarten) [Bearbeiten]

In der Seefahrt wurde das Tauwerk zum Schutz vor Abrieb, Rott (Naturfaser) oder Korrosion (Drahttauwerk) mit Hüsing gekleedert (?umkleidet?). Im ersten Arbeitsgang werden die "Rillen" (Keepen) des Tauwerks mit Strängen von Abfalltauwerk ausgefüllt ("Trensen"). Über die Trensung erfolgt eine Wicklung aus Leinwand ("Schmartung"), die meist als Schrägstreifen geschnitten wurde. Vielfach wurde die Schmartung bei Drahttauwerk mit einem Schutzanstrich aus Bleimennige überstrichen. Über die Schmartung wurde dann das "Kleed" gewunden. Nach jedem Arbeitsgang wurde das Tau meist mit Labsal konserviert. Trensung und Schmartung folgen stets dem "Schlag" des Tauwerks, die Kleedung entgegen ("Trens' und schmarte wie gedreht, anders 'rum geht es beim Kleed"). Bei stärkerem Tauwerk wird dazu die Kleedkeule verwendet.
Bänder und Gurte [Bearbeiten]

Flach geflochtene Seile nennt man Band (Mehrzahl: Bänder) oder Gurt (Mehrzahl: Gurte). Sie werden als Hebezeug, als Antriebsriemen, oder Spanngurt eingesetzt.

im Handwerk
Befestigungsgurt als: Sicherheitsgurt oder Tragegurt, Möbelgurt, Rollladengurt

beim Sport
Klettern: Klettergurt, Bandschlinge
Segeln: Lifebelt, Strecktau
Slackline (Balancieren)

Siehe auch [Bearbeiten]

Seilwinde, Seiltransmission
Krangeln (Seilverdrehung)
Wellrad, Flaschenzug
Tauziehen
Leiterseile
Zu Knoten siehe Knoten (Knüpfen), Knotenkunde und Liste der Knoten.
Zu Seilen im Bereich BDSM vgl. Bondage und Shibari
Brückenseilbesichtigungsgerät
Förderseil

Einzelnachweise [Bearbeiten]

? Almut Bick: Die Steinzeit. Theiss WissenKompakt, Stuttgart 2006. ISBN 3-8062-1996-6
? Franz Baur?s Söhne. In: Die Gross-Industrie Oesterreichs. Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Oesterreichs 1898. 4, Wien 1898, S. 326-328.
? KunstfaserseilMaterial
? Knotenmaterial
? Bild eines gezeichneten Warbelbrettes
? Historische Seilherstellung mit Warbel Die Warbel ist ein Brett mit gekröpften Haken. Durch eine kreisende Bewegung mit dem Warbelgeschirr wurden die einzelnen Seilstränge gleichmäßig verdrillt. Erste Belege für die Warbeltechnik finden sich in einem Testament eines Lübecker Reepschlägers um 1350 (Weber, 1971)
? Kreuzschlag oder Gleichschlag
? Bild von der Duodess-Seilmitte
? Mammut Seilkunde Duo- + Triodess
? ?Seilkunde?, Bruckmann Basic, 2007, ISBN 3-7654-3906-1 (Seite 10)

Weblinks [Bearbeiten]
Commons: Ropes ? Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Seil ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Die Geschichte des Bergseils & Historische Seil-Daten
PDF-Handbuch über statische und dynamische Seile (1,77 MB)
Seilerei im Mittelalter (Erläuterung, Materialien und Technik)
Aufblasbares Seil wird durch eingepumpte Luft starr (www.wissenschaft.de)
Seilerei von der Zeit Karl des Grossen bis zur Industriellen Revolution, (Hanf Museum Berlin)
Kletterseil - worauf man beim Seilkauf achten sollte.

Kategorien:

Seilerware
Knotenkunde
Anschlagmittel

Anmelden / Benutzerkonto erstellen

Artikel
Diskussion

Lesen
Bearbeiten
Versionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel

Mitmachen

Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden

Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen

????
???????
Aymar aru
??????????
??????????? (???????????)?
?????????
Brezhoneg
Català
?esky
Dansk
????????
English
Español
?????
Suomi
Français
Gàidhlig
?????
?????
??????
Hrvatski
Kreyòl ayisyen
Magyar
Ido
Italiano
???
Kurdî
Latina
Bahasa Melayu
N?huatl
Nederlands
?Norsk (nynorsk)?
?Norsk (bokmål)?
Polski
Português
Runa Simi
Român?
???????
Srpskohrvatski / ??????????????
Simple English
Sloven?ina
Sloven??ina
chiShona
?????? / Srpski
Svenska
??????
Tagalog
Türkçe
??????????
Ti?ng Vi?t
??

Diese Seite wurde zuletzt am 4. April 2012 um 19:59 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.
Lissy20
05.04.12 um 18:38
Avatar von Lissy20

Re: Brauchst du Credits?

Zitat von Lissy20Hinterm Horizont (Musical)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Musicaldaten
Originaltitel: Hinterm Horizont
Originalsprache: Deutsch
Musik: Udo Lindenberg
Buch: Thomas Brussig
Uraufführung: 13. Januar 2011
Ort der Uraufführung: Berlin, Theater am Potsdamer Platz
Ort und Zeit der Handlung: Ost-Berlin
Rollen/Personen

Udo
Jessy
Elmar
Steve
Marco
Mareike
Maximilian
u.a.

Hinterm Horizont ist ein Musical, das auf Liedern des Sängers Udo Lindenberg basiert.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Hintergrund
2 Besetzung
3 Liederfolge
4 CD-Veröffentlichung
5 Weblinks

Hintergrund [Bearbeiten]

Das Buch stammt von Thomas Brussig (Sonnenallee), die Regie führt Ulrich Waller. Die Uraufführung fand am 13. Januar 2011 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin statt.
Besetzung [Bearbeiten]
Original Besetzung, Welturaufführung 2011, Berlin
Udo Serkan Kaya
Jessy jung Josephin Busch
Jessy alt Aline Staskowiak
Elmar Christian Sengewald
Steve Christopher Brose
Jessies Vater, Marco alt, Eddy Kante Thomas Schumann
Stasi Patschinsky Holger Dexne
Stasi Krause Ralf Novak
Mutter, Pressesprecherin Dorina Maltschewa
Mareike Nadja Petri
Marco jung Sebastian Stipp
Minister Rainer Brandt
Barbara Saftig Ilona Schulz
Stasi Fritsche Florian Hacke
Kmetsch Marco Fahrland
Kremer Lorenz Liebold
Der Irre Patrick Adrian Stamme
Dr. Werner, Prof. Scheuerlich Joachim Paul Assboeck
Liederfolge [Bearbeiten]

Mädchen aus Ost-Berlin
Boogie-Woogie-Mädchen
Ich träume oft davon, ein Segelboot zu klauen
Vom Frieden singen unsre Lieder
Odyssee
Bis ans Ende der Welt
Ich bin Rocker
Gegen die Strömung
Straßen-Fieber
Radiosong
Reeperbahn
Verbotene Stadt
Gitarren gegen Knarren
Sonderzug nach Pankow
Daumen im Wind
Moskau
Hinterm Horizont
Alles das bist du für mich
Wenn du durchhängst
Seid willkommen in Berlin
Ich lieb dich überhaupt nicht mehr
Im A***
Mr. Nobody
Andrea Doria
Was hat die Zeit mit uns gemacht
Ganz anders
Hinterm Horizont (Reprise)
Mein Ding

CD-Veröffentlichung [Bearbeiten]

Hinterm Horizont - das Musical - Castalbum, 2011

Weblinks [Bearbeiten]

Hinterm Horizont Internetauftritt des Veranstalters
Hinterm Horizont Rezension bei www.musicalzentrale.de
In Udo-Lindenbergs-Musical wird zu wenig gesungen, Rezension auf welt-online, 13. Januar 2011, abgerufen am 13. Januar 2011

Kategorie:

Musical (Werk)

Anmelden / Benutzerkonto erstellen

Artikel
Diskussion

Lesen
Bearbeiten
Versionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel

Mitmachen

Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden

Drucken/exportieren
Werkzeuge

Diese Seite wurde zuletzt am 13. Januar 2012 um 13:18 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.
Lissy20
05.04.12 um 18:38
Avatar von Lissy20

Re: Brauchst du Credits?

Zitat von Lissy20
Zitat von Lissy20Hinterm Horizont (Musical)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Musicaldaten
Originaltitel: Hinterm Horizont
Originalsprache: Deutsch
Musik: Udo Lindenberg
Buch: Thomas Brussig
Uraufführung: 13. Januar 2011
Ort der Uraufführung: Berlin, Theater am Potsdamer Platz
Ort und Zeit der Handlung: Ost-Berlin
Rollen/Personen

Udo
Jessy
Elmar
Steve
Marco
Mareike
Maximilian
u.a.

Hinterm Horizont ist ein Musical, das auf Liedern des Sängers Udo Lindenberg basiert.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Hintergrund
2 Besetzung
3 Liederfolge
4 CD-Veröffentlichung
5 Weblinks

Hintergrund [Bearbeiten]

Das Buch stammt von Thomas Brussig (Sonnenallee), die Regie führt Ulrich Waller. Die Uraufführung fand am 13. Januar 2011 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin statt.
Besetzung [Bearbeiten]
Original Besetzung, Welturaufführung 2011, Berlin
Udo Serkan Kaya
Jessy jung Josephin Busch
Jessy alt Aline Staskowiak
Elmar Christian Sengewald
Steve Christopher Brose
Jessies Vater, Marco alt, Eddy Kante Thomas Schumann
Stasi Patschinsky Holger Dexne
Stasi Krause Ralf Novak
Mutter, Pressesprecherin Dorina Maltschewa
Mareike Nadja Petri
Marco jung Sebastian Stipp
Minister Rainer Brandt
Barbara Saftig Ilona Schulz
Stasi Fritsche Florian Hacke
Kmetsch Marco Fahrland
Kremer Lorenz Liebold
Der Irre Patrick Adrian Stamme
Dr. Werner, Prof. Scheuerlich Joachim Paul Assboeck
Liederfolge [Bearbeiten]

Mädchen aus Ost-Berlin
Boogie-Woogie-Mädchen
Ich träume oft davon, ein Segelboot zu klauen
Vom Frieden singen unsre Lieder
Odyssee
Bis ans Ende der Welt
Ich bin Rocker
Gegen die Strömung
Straßen-Fieber
Radiosong
Reeperbahn
Verbotene Stadt
Gitarren gegen Knarren
Sonderzug nach Pankow
Daumen im Wind
Moskau
Hinterm Horizont
Alles das bist du für mich
Wenn du durchhängst
Seid willkommen in Berlin
Ich lieb dich überhaupt nicht mehr
Im A***
Mr. Nobody
Andrea Doria
Was hat die Zeit mit uns gemacht
Ganz anders
Hinterm Horizont (Reprise)
Mein Ding

CD-Veröffentlichung [Bearbeiten]

Hinterm Horizont - das Musical - Castalbum, 2011

Weblinks [Bearbeiten]

Hinterm Horizont Internetauftritt des Veranstalters
Hinterm Horizont Rezension bei www.musicalzentrale.de
In Udo-Lindenbergs-Musical wird zu wenig gesungen, Rezension auf welt-online, 13. Januar 2011, abgerufen am 13. Januar 2011

Kategorie:

Musical (Werk)

Anmelden / Benutzerkonto erstellen

Artikel
Diskussion

Lesen
Bearbeiten
Versionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel

Mitmachen

Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden

Drucken/exportieren
Werkzeuge

Diese Seite wurde zuletzt am 13. Januar 2012 um 13:18 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.
laylam
05.04.12 um 18:39
Avatar von laylam

Re: Brauchst du Credits? A

A, bzw. a (gesprochen: [?a?]) ist der erste Buchstabe des lateinischen Alphabets und steht für unterschiedlich ausgesprochene Vokalklänge. Er entspricht dem Alpha im Griechischen und dem Buchstaben ? im Kyrillischen Alphabet. Der Buchstabe A hat in deutschen Texten eine durchschnittliche Häufigkeit von 6,51 % und ist somit der sechsthäufigste Buchstabe in deutschen Texten hinter dem R und vor dem T. Im Morsealphabet werden A und a mit ?? dargestellt.
Außer in Fremdwörtern und Namen ist das A der einzige Buchstabe in der deutschen Sprache, der zweifach am Anfang eines Wortes stehen darf, etwa im Wort Aal.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Herkunft
2 Darstellung
3 Aussprache
4 Zitate
5 Weblinks
6 Siehe auch
Herkunft [Bearbeiten]


Ägyptischer Ochsenkopf
Proto-semitischer Ochsenkopf
Phönizisches Aleph
Griechisches Alpha

Etruskisches A
Lateinisches A
Frühkyrillisches A
Kyrillisches A
Die aus dem proto-semitischen Alphabet stammende Urform des Buchstabens ist wahrscheinlich der Kopf eines Ochsen. Die Phönizier gaben diesem Buchstaben den Namen Aleph (Ochse). Im phönizischen Alphabet im 9. Jahrhundert v. Chr. war das Schriftzeichen bereits stark stilisiert, die Hörner des Ochsen wurden durch zwei Striche nach rechts angedeutet. Der Lautwert des Aleph bei den Phöniziern war der Knacklaut [?]. Bereits bei den Phöniziern hatte Aleph die erste Stelle im Alphabet inne, dies wurde auch im hebräischen Alphabet übernommen, außerdem besteht eine Verwandtschaft mit dem ersten Buchstaben des arabischen Alphabets, dem Alif (???).
Als die Griechen das phönizische Alphabet übernahmen, drehten sie das Zeichen um 90 Grad und machten daraus das Alpha. Dabei hatten sie keinen Bedarf an dem stimmlosen glottalen Plosiv der Aussprache, der bei den Phöniziern vorhanden war, und da das Griechische reich an Vokalen war, verwendeten sie das Zeichen für den Lautwert [a]. Bei den ältesten griechischen Schriftstücken aus dem 8. Jahrhundert vor Christus wurde der Buchstabe dabei noch liegend verwendet, die um 90° gedrehte Version tauchte dann in späteren Schriftstücken auf und setzte sich durch.
Die Etrusker übernahmen das frühgriechische Alpha und ließen es größtenteils unverändert. Lediglich zur besseren Schreibung (von rechts nach links) versahen sie das Zeichen mit einem Abschwung nach links. Als die Römer das lateinische Alphabet schufen, verwendeten sie das A aus dem etruskischen Alphabet, der Lautwert ist ebenfalls seit den Griechen beibehalten worden. Dieses Alphabet wird bis heute für eine Vielzahl von Schriftsprachen genutzt, darunter für die meisten der europäischen Sprachen. Von diesem fand es auch Eingang in das kyrillische Alphabet.
Darstellung [Bearbeiten]

Das Grundaussehen der Großbuchstaben ist das zweier (symmetrisch) diagonal oben zusammenlaufender Linien und einer Waagerechten in der Mitte, aber nicht alle Schriftarten und -familien folgen diesem Konzept. Die Außenlinien können in Richtung und Strichstärke asymmetrisch sein oder unten parallel verlaufen und dann in einen Bogen (z. B. Bauhaus) oder in eine vierte, waagerechte Linie (z. B. Siebensegmentanzeige) übergehen. Teilweise entfällt die Mittellinie, wodurch sich das Aussehen einem griechischen Lambda (?) oder einem vergrößerten kleinen n annähert. In manchen gebrochenen Schriften (z. B. Fraktur) sinkt die Mittellinie auf die Grundlinie und die linke Außenlinie wird zu einem nach innen gewölbten Bogen, wodurch der Buchstabe oben statt unten offen ist. In der Schreibschrift wird die Mittellinie häufig und manchmal auch die Spitze oben als Schleife ausgeführt; manchmal sieht der Großbuchstabe auch dem runden Kleinbuchstaben sehr ähnlich (z. B. Sütterlin).

Blackletter-A
Unzial-A
Initial-A
Sütterlin-A

Fraktur-A
Modern-Roman-A
Modern-Italic-A
Modern-Script-A
Es gibt zwei Grundformen der Kleinbuchstaben: offen und geschlossen/rund. Beide haben sich über die Schreibschrift (mit Feder) aus dem Großbuchstaben entwickelt. Die offene Form ähnelt einem kleinen, um 180° gedrehten e mit einem Abschluss unten rechts. Die geschlossene Form, bei der die Mittellinie ganz fehlt, hat Ähnlichkeit mit einem kleinen o, dem auf der rechten Seite eine senkrechte Tangente angefügt wurde. Ansonsten sind je nach Schriftart die für alle Buchstaben üblichen Schleifen und Serifen anzutreffen. In Standard-Druckschriften wird meist die offene, in kursiven und in Schreibschriften die geschlossene Minuskel verwendet.
In Unicode wird das große ?A? durch U+0041 und das kleine ?a? durch U+0061 dargestellt. Im ASCII ist das große ?A? der Code 65, das kleine ?a? der Code 97, daraus folgt im binär aufgebauten Dualsystem die Zeichenfolge 01000001 für das kleine ?a? und 01100001 für das große ?A?. Im EBCDIC ist der Code für das große ?A? die 193 und für das kleine ?a? die 129. Die numerischen Darstellungen in HTML und XML sind ?A? und ?a? für den Groß- und den Kleinbuchstaben.
Neben diesen direkten Darstellungen gibt es noch diverse bildliche oder sonstige Darstellungen des Buchstabens ?A?. Dazu gehört beispielsweise der Morsecode: ·? . In der Brailleschrift wird das ?A? durch eine Erhebung dargestellt. Weitere Darstellungsformen gibt es in der Gebärdensprache in Form der geschlossenen Faust im Fingeralphabet, in der optischen Telegrafie sowie im international gültigen Flaggenalphabet:

A in der Brailleschrift
A im Flaggenalphabet
A in der optischen Telegrafie
Aussprache [Bearbeiten]

Der Buchstabe A steht in verschiedenen Sprachen für unterschiedliche Vokalklänge.
Im Deutschen und vielen anderen Sprachen steht er für den offenen vorderen ungerundeten Vorderzungenvokal [a]: A ist der klangreichste der Vokale, bei dessen Hervorbringen der Stimmton frei aus den weit geöffneten Lippen hervorkommt, während die Zunge in eine flache Stellung niedergedrückt wird. Stellt man das Verhältnis der drei Hauptvokale a, i, u durch eine senkrechte Linie dar, so kommt i als der hellste an das obere, u als der dumpfeste an das untere Ende, a als der mittlere Vokal genau in die Mitte derselben zu stehen. Im Deutschen gibt es zwei verschiedene Phoneme des Vokals: den Kurzvokal a, wie z. B. in satt, und den weiter hinten im Rachenraum gebildeten Langvokal a, wie z. B. in Rat.
Die Länge des Vokals ist unterschiedlich gekennzeichnet.
Langer Vokal:
Folgend Einzelkonsonant: Rat, Tag
Verdopplung des Vokals: Aar, Haar, Aachen
folgendes h: Bahre
am Silbenende: ja, Na(-)me, Ta(-)ler
Kurzer Vokal:
Folgend mehrere Konsonanten: Amt, Matsch
Verdopplung des folgenden Konsonanten: Matte
vor -ch, -sch, -st, -tz: ***
Aus einem A kann sich unter bestimmten Bedingungen ein Umlaut ?ä? bilden.
hat: hätte
Haus: Häuser
Abgeleitete Zwielaute (Diphthonge) sind:
au (Haut)
äu (Häute)
Zitate [Bearbeiten]

Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offb 1,8 LUT ).
A, der edelste, ursprünglichste aller laute, aus brust und kehle voll erschallend, den das kind zuerst und am leichtesten hervor bringen lernt, den mit recht die alphabete der meisten sprachen an ihre spitze stellen (aus dem Grimmschen Wörterbuch)
Wer A sagt, muss auch B sagen. (Sprichwort)
Wer A sagt, der muß nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war. (Bertolt Brecht)

Wikipedia Suchbegriff: A
laylam
05.04.12 um 18:40
Avatar von laylam

Re: Brauchst du Credits? Seilwinde

Seilwinde


einfache elektrische Seilwinde


Seilwinde, ca. 1945, über Flachriemenantrieb mit Dieselmotor (4 PS)


Mooringwinch auf einem Schiff
Eine Seilwinde ist prinzipiell eine Vorrichtung, mit der man mit Hilfe eines Seils etwas ziehen kann. Dabei wird das Seil meist auf einer durch einen Motor oder durch Muskelkraft angetriebenen zylindrischen Trommel aufgewickelt.
Die Windenseile können aus herkömmlichem Seil sein, wobei bei schweren Lasten meist Stahlseile und seit jüngerer Zeit auch Plasmaseile aus beispielsweise ?ultrahochmolekularem? Polyethylen (PE-UHMW) zum Einsatz kommen.
Die Zugkraft lässt sich durch Einsatz eines Flaschenzuges steigern.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Trommelwinde
2 Spillwinde oder Treibscheibenwinde
3 Anwendungen
3.1 Einbau und Betrieb in Kraftfahrzeugen (Feuerwehr, THW, Katastrophenschutz)
3.2 Weitere Anwendungen/Bauformen
4 Sicherheit
5 Siehe auch
6 Weblinks
Trommelwinde [Bearbeiten]

Die Seilwinde ist eine Seiltrommel, die mechanisch, elektrisch oder hydraulisch angetrieben wird und auf der ein Seil aufgerollt wird. Das Seil kann sich selbständig nebeneinander gleichmäßig aufrollen, wenn die freie Strecke des Seiles vor der Trommel lang genug ist. Anderenfalls kann eine zusätzliche Seilführung zum Einsatz kommen, die das Seil "ordentlich aufrollt", indem sie es seitlich versetzt.
In diesen Fällen wird die ganze Zugkraft vom Seil auf die Trommel übertragen. Dabei muss man berücksichtigen, dass die Zugkraft mit der Anzahl der Lagen auf der Trommel abnimmt, da sie vom Antriebsdrehmoment und dem Hebelarm (Radius auf der Trommel) abhängig ist. So ist bei einer Winde mit einer Zugkraft von 50 kN auf der innersten Lage auf der äußersten Lage (normalerweise 4 - 5 Lagen) je nach Seildurchmesser nur mehr eine Zugkraft von 20 - 30 kN vorhanden.
Mit Hilfe moderner Steuerungssysteme und durch entsprechende Auslegung der Seilwinde ist es heute möglich, auch bei Trommelwinden konstante Zugkraft lagenunabhängig sicherzustellen.
Spillwinde oder Treibscheibenwinde [Bearbeiten]

Es gibt aber auch andere Winden, bei denen das Seil um ein Seilspill herumgeschlungen wird und erst dann auf einer Haspel aufgewickelt wird. Sie werden Spillwinden oder Treibscheibenwinde genannt. Im Schiffbau ist diese Windenform auch als Winsch bekannt. Die Haspel übt nur eine Vorspannung aus, damit das Seil die notwendige Reibung am Spillkopf hat. In diesem Fall hat die Winde über die gesamte Seillänge dieselbe Zugkraft und Seilgeschwindigkeit. Diese Winde hat aber einen größeren Platzbedarf und ist wesentlich aufwendiger gebaut.
Eine Sonderform sind Kettenzüge.
Anwendungen [Bearbeiten]

Die Anwendungsart bestimmt die Größe und die genauere Konstruktion einer Seilwinde.
Einbau und Betrieb in Kraftfahrzeugen (Feuerwehr, THW, Katastrophenschutz) [Bearbeiten]


Bergung eines PKW mittels Seilwinde
Winden können entweder heckseitig beim Fahrzeug oder nach vorne angebaut sein. Bei den heckseitigen Winden ist die Belastung des Fahrgestells günstiger, da der Rahmen auf Druck und nicht auf Zug wie bei Frontwinden belastet wird.
Bei den Heckwinden wird das Seil im Fahrzeugrahmen entweder frei oder durch Rohre und Umlenkrollen nach vorne geführt. An der Vorderseite des Fahrzeuges ist entweder ein so genanntes Seilfenster mittels vier Rollen, die das Seil führen oder eine so genannte Propellerrolle (das sind zwei Umlenkrollen, die sich um 360 Grad drehen können) angebracht. Der Zugwinkel darf aber trotzdem nicht mehr als 15 Grad nach links oder rechts von der Fahrzeugachse abweichen, da sonst Schäden am Fahrgestell auftreten können und sich die Zugkraft verringert. Einige Winden werden dann automatisch über einen Schalter heruntergeschaltet und die Zugkraft wird dann reduziert.
Um das Seil bei der unbelasteten Winde schneller ausziehen zu können, haben die Winden meistens einen Freilauf oder einen Schnellgang. Dabei wird die Trommel durch eine Kupplung vom Antrieb getrennt und kann sich frei durchdrehen. Dieser Freilauf darf sich aber nur in unbelastenen Zustand schalten lassen.
Die Seilgeschwindigkeit wird bei mechanischen Winden über die Motordrehzahl, bei hydraulischen über ein Steuerventil geregelt.
Um eine zu hohe Belastung der Winde und des Seils zu vermeiden, sind bei hydraulischen Antrieben Überdruckventile oder bei mechanischen Winden Scherbolzen als Sollbruchstelle eingebaut. Bei modernen Winden wird die gezogene Last, in Prozent, am Bedienungsdisplay angezeigt.
Die übliche Zugkraft einer Feuerwehrseilwinde beträgt 50 kN (beispielsweise RW 1 und LF 24, beziehungsweise RF oder RLF), und sie hat eine Zuglänge von 50 bis 60 m. Dabei ist zu berücksichtigen, dass noch mehrere Seilwindungen auf der Trommel verbleiben müssen, damit die Zugkraft auch durch die Reibung auf die Trommel und nicht die ganze Kraft über das Seilschloss übertragen wird.


Magirus-Deutz F 250 D 25 A mit Spillwinde
Gesteuert werden die Windenbewegungen meistens aus technischen Gründen vom Fahrersitz aus. Es gibt allerdings auch Fernsteuerungen, mit der sich der Maschinist vom Fahrzeug wegbewegen kann und die Steuerung der Seilwinde bedient.
Auch beim Betrieb von Seilwinden ist Sicherheit das oberste Gebot. Deshalb dürfen sich die Feuerwehrangehörigen nicht im Bereich des Seiles aufhalten (1,5-fache Seillänge als Sicherheitsabstand), wenn die Winde unter Zug ist. Das Seil muss regelmäßig kontrolliert und gewartet werden. Wenn Litzen gebrochen sind oder Seilknicke auftreten, muss das Seil ausgemustert werden.
Damit ein Fahrzeug die Windenleistung ausnützen kann, muss das Fahrzeug selbst gut verankert sein. Das kann auf verschiedene Arten passieren. Die einfachste Art ist, Unterlegkeile unter die Räder zu legen. Auch eine Allradbremse kann verwendet werden oder das Fahrzeug wird beispielsweise an einem starken Baum verankert, wobei die Zugkräfte berücksichtigt werden müssen, die der Fahrzeugrahmen dabei übertragen muss.
Weitere Anwendungen/Bauformen [Bearbeiten]


Winde an einem Polizeihubschrauber
Mehrzweckzug
zum Starten von Segelflugzeugen beim Windenstart; in kleinerer Ausführung auch zum Starten von Gleitschirmen oder Hängegleitern
zum Starten von Segelflugmodellen
an Bergrettungsfahrzeugen und an Rettungshubschraubern auch zur Rettung von Patienten
an Geländefahrzeugen als Bergungswinde oder zur Unterstützung beim Bewältigen großer Steigungen oder beim Bewegen großer Schneemassen (Pistenfahrzeug)
in der Forstwirtschaft als eigenständige Geräte (Forstwinde) oder als Anbaugeräte bei Traktoren
im Kranbau auf so genannten Laufkatzen
für Artisten im Rahmen von Shows
in der Schifffahrt, beispielsweise eine Ankerwinde (meist mit Kette) oder Winsch
Im Eisenbahnbetrieb zum Wagenverschub bei Anschlussbahnen.
Sicherheit [Bearbeiten]

Bei gewerblich eingesetzten Seilwinden ist eine jährliche Sicherheitsüberprüfung U-VV Prüfung (nach Richtlinien der Berufsgenossenschaften ) in Verbindung mit den VDE Vorschriften (bei Elektroseilwinden) vorgeschrieben.


Differentialseilwinde
Siehe auch [Bearbeiten]

Zahnstangenwinde

Wikipedia: seilwinde
Rihanna4ever
05.04.12 um 19:52
Avatar von Rihanna4ever

Re: Brauchst du Credits?

Zitat von -ChaneLDie Kartoffel (Solanum tuberosum), in Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auch als Erdapfel (Herdöpfel) oder Grundbirne (Grumbeer) und im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt, ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch Tomate, Paprika und Tabak gehören. Das Wort Kartoffel leitet sich von tartufolo, dem italienischen Wort für Trüffel ab, das wiederum vom lateinischen "terrae tuber" abgeleitet ist. Der Name der Süßkartoffel (Ipomoea batatas) leitet sich von der ähnlichen Verwendung und dem ähnlichen Aussehen der Knollen ab, nicht von einer Verwandtschaft. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ?Kartoffel? für die unterirdischen Knollen verwendet. Über diese Knollen kann sich die Pflanze vegetativ vermehren.
Die Samen werden in tomatenähnlichen Beeren gebildet, welche wie alle grünen Teile der Pflanze und die Keime der Knolle für Menschen ungenießbar bis leicht giftig sind.
Weltweit werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Die Kartoffel ist das viertwichtigste Nahrungsmittel der Welt; daneben aber auch Futtermittel und Industrierohstoff.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Beschreibung
1.1 Genom
2 Herkunft
2.1 Ursprüngliche Herkunft
2.2 Kultivierung
3 Systematik
4 Kartoffelanbau
4.1 Wirtschaftliche Bedeutung
4.2 Anbaubedingungen
4.3 Europa
4.4 Anbau weltweit
4.5 Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008
5 Kartoffelsorten
5.1 Reifezeit
5.2 Verwendungszweck
5.3 weitere Unterscheidungskriterien
6 Wichtige Krankheiten und Schädlinge
6.1 Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze
6.2 Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.3 Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.4 Insekten (Insecta)
6.5 Asseln
6.6 Fadenwürmer (Nematoda)
7 Lagerung
8 Verwendung
8.1 Futterkartoffel
8.2 Stärkekartoffel
8.3 Biotechnologie
8.4 Volksmedizin
9 Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten
9.1 Alkaloide in Kartoffeln
10 Regionale Namen
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Einzelnachweise
14 Weblinks
Beschreibung [Bearbeiten]



Unterer Teil einer Pflanze. Die Mutterknolle ist dunkel gezeichnet.


Früchte der Kartoffelpflanze
Kartoffeln sind aufrecht oder kletternd wachsende, krautige Pflanzen, die über 1 m hoch werden können. Die Sprossachse ist manchmal vierkantig, teilweise sogar geflügelt. Unterirdisch oder knapp über der Oberfläche bildet die Pflanze knollentragende Stolone aus.
Die wechselständig stehenden Blätter sind unpaarig gefiedert, kurzstielig und werden 10 bis 30 cm lang und 5 bis 15 cm breit. Die Teilblätter sind leicht bis stark behaart, stehen sich gegenüber oder sind wechselständig, oft von unterschiedlichster Form und Größe. Die größeren Teilblätter besitzen zum Teil eigene Blattstiele, sind zwischen 2 bis 10 cm lang und 1 bis 6 cm breit. Sie sind eiförmig bis länglich-eiförmig, an der Spitze zugespitzt bis stark zugespitzt. Die kleineren Teilblätter besitzen eine stumpfere Spitze, mit einer eher herzförmigen Basis, meist eiförmig bis kugelförmig und besitzen einen Durchmesser von 2 bis 15 mm.
Die Blüten stehen in trugdoldenförmigen Blütenständen. Die Blütenstandstiele sind 5 bis 15 cm lang und behaart, die Blütenstiele sind ebenfalls behaart und 3 bis 35 mm lang. Der Blütenkelch ist glockenförmig, 5-lappig und hat einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm. Die Kelchlappen sind spitz bis stark zugespitzt. Die Kronblätter sind weiß bis blau, die Krone ist doppelt so lang wie der Kelch und hat einen Durchmesser von 3,5 bis 4 cm. Die gelben Antheren stehen frei, aufrecht und porig. Die Frucht ist eine gelblich-grüne, zweikammerige Beere mit vielen Samen.[1]
Die Keimung erfolgt epigäisch. Am Beginn treten nur die Wurzelanlage und das Hypokotyl aus der Samenschale hervor, während die Keimblätter zunächst noch in ihr verbleiben. Erst später verlassen auch sie die Samenschale, ergrünen und werden zu den ersten Assimilationsorganen. Die zunächst gebildeten Primärblätter sind noch einfacher gebaut als die später gefiederten Folgeblätter.[2]
An den basalen Teilen des Sprosses treiben Achselknospen aus, die in den Boden eindringen und dort waagrecht (plagiotrop) ausläuferartig weiterwachsen und zu den Stolonen werden. Anstatt Laubblättern tragen sie Schuppenblätter. Die Enden dieser Ausläufer verdicken sich und wandeln sich in die Knollen um. Es handelt sich hierbei um ein primäres Dickenwachstum. Es sind also Sprossknollen. Die Knolle besitzt nur kleine, schuppenartige Blätter, die jedoch hinfällig sind, also früh abfallen. In den Achseln der Blattnarben sitzen die Knospen (hier Augen genannt), aus denen die Knolle nach der Ruhephase wieder austreibt. Die Knolle ist polar differenziert: Die Basis, das der Mutterpflanze zugewendete Ende, wird Nabelende genannt. Es ist die Ansatzstelle des Ausläufers, der nach Reifung der Knolle zugrunde geht. An der Spitze sitzt die Endknospe in einer grubenartigen Vertiefung. Beim Wiederaustrieb wächst bevorzugt die Endknospe aus, die dann senkrecht (orthotrop) wachsend einen Luftspross bildet.[2]
In den grünen Pflanzenteilen der Kartoffel konzentrieren sich Alkaloide, unter anderen Solanin, die eine natürliche Abwehrbarriere zum Beispiel gegen Bakterien und Insekten bilden. Aus diesem Grund sind Kartoffeln, die im Licht gelagert grün geworden sind, nicht mehr genießbar.

Blatt



Habitus



Kartoffelknollen



Junge Knolle am Stolon



Blüten

Genom [Bearbeiten]
Das Potato Genome Sequencing Consortium, ein Team aus 29 Forschungsgruppen aus 14 Ländern, begann im Januar 2006 mit der Arbeit an der Sequenzierung. Am 10. Juli 2011 wurde das Genom der Kartoffel in Nature veröffentlicht. Es enthält mehr als 39.000 Protein-kodierende Gene. Die Kartoffel hat 12 Chromosome. Einige Sorten sind tetraploid und andere diploid. Die Sequenzierung des Genoms soll es Züchtern ermöglichen, Ertrag, Qualität, Nährwert und Krankheitsresistenz zu verbessern. Auch soll die Zeit zur Kreation neuer Sorten (derzeit 10-12 Jahre) verkürzt werden. Die wichtigste Entdeckung sind über 800 Krankheitsresistenzgene, von denen jedes potenziell zur Bekämpfung wichtiger Krankheiten wie Goldnematoden oder Kartoffelfäule eingesetzt werden kann.[3][4]
Herkunft [Bearbeiten]

Ursprüngliche Herkunft [Bearbeiten]
Die heute kultivierten Kartoffeln stammen von verschiedenen Landsorten ab, die in den Anden vom westlichen Venezuela bis nach Argentinien und der Insel Chiloé bzw. dem Chonos-Archipel im Süden von Chile vorkommen. Auf Chiloé fand man die ältesten bekannten Spuren von wilden Kartoffeln, man schätzt ihr Alter auf 13.000 Jahre. Die chilenischen Landsorten stammen ihrerseits jedoch vermutlich von den peruanischen Andensorten (Solanum tuberosum ssp. andigena) ab, wahrscheinlich nach Hybridisierung mit der Wildart Solanum tarijense, die in Bolivien und Argentinien zu finden ist.[5] In dem lange Zeit als Ursprungsland der Kartoffel angesehenen Peru gibt es wiederum mehr als 3.000 endemische Kartoffelsorten. Die meisten können nur in den peruanischen Anden angebaut werden, weil sie aufgrund ihrer geologischen und klimatischen Ansprüche in anderen Weltgegenden nicht gedeihen.[6] Der Haup***rschied der Andenkartoffel zu den in anderen Anbaugebieten kultivierten Sorten besteht darin, dass sie an andere Lichtverhältnisse (Tag- und Nachtzyklus) angepasst ist.
Kultivierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Kulturgeschichte der Kartoffel


Kartoffelanbau, ca. 1910, Russisches Kaiserreich


Kartoffelernte in der DDR
Wann, wie und durch wen die Kartoffel nach Europa kam, ist bis heute nicht genau geklärt. Auf ihrem Weg von Südamerika nach Spanien machte die Kartoffel Zwischenstation auf den (spanischen) Kanarischen Inseln. Dies ist bekannt, weil im November 1567 drei Fässer, die Kartoffeln, Orangen und grüne Zitronen enthielten, von Gran Canaria nach Antwerpen, und im Jahre 1574 zwei Fässer mit Kartoffeln von Teneriffa via Gran Canaria nach Rouen verschifft wurden. Geht man davon aus, dass mindestens fünf Jahre nötig waren, um so viele Kartoffeln zu erhalten, dass sie zum Exportartikel werden konnten, so fand die Einbürgerung der Pflanze auf den Kanaren spätestens 1562 statt.
Der früheste Beleg für die Kartoffel in Spanien findet sich in den Büchern des Hospital de la Sangre in Sevilla, das im Jahre 1573 Kartoffeln eingekauft hat. Man nimmt an, dass die Kartoffel Spanien frühestens 1564/65 und spätestens 1570 erreicht hat, da ansonsten der Botaniker Clusius, der das Land 1564 auf der Suche nach neuen Pflanzen bereiste, sie wohl bemerkt hätte. Von Spanien aus gelangte die Kartoffel nach Italien und breitete sich dann langsam auf dem europäischen Festland aus.
Auf die britischen Inseln soll die Kartoffel ohne den Umweg über Spanien gelangt sein. Wer die Kartoffel dorthin gebracht hat, ist nicht geklärt. Francis Drake war es jedenfalls nicht, wahrscheinlich auch nicht Walter Raleigh oder Thomas Harriot, Namen, die immer wieder in diesem Zusammenhang genannt werden. Erstmals belegt ist die Kartoffel in England im 1596 in London erschienenen Katalog der Pflanzen, die der Botaniker John Gerard in seinem Garten in Holborn züchtete.[7]
Nach Europa wurde die Kartoffel vielfach wegen der schönen Blüte und des üppigen Laubes als reine Zierpflanze importiert und als seltene Pflanze in botanische Gärten aufgenommen. Mitte des 16. Jahrhunderts tauchte sie in den Niederlanden, in Italien und in Burgund auf.
In Deutschland sollen die ersten Kartoffeln während der Regierung Ferdinand III. 1647 in Pilgramsreuth (Oberfranken) angebaut worden sein.[8] Im Kloster Seitenstetten in Niederösterreich verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, das bereits 1621 in Linz erschien.[9] Der Anbau in großem Stil begann 1684 in Lancashire, 1716 in Sachsen, 1728 in Schottland, 1738 in Preußen und 1783 in Frankreich.
Außerhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen wird die Kartoffel heute weltweit angebaut. Nachdem sich ihre Kultur in Europa durchgesetzt hatte und die Kartoffel zu einem Grundnahrungsmittel geworden war, brachten Europäer sie überall mit, wo sie später Fuß fassten. Im Einzelhandel werden heute neben den einheimischen Kartoffeln auch solche aus Sizilien, von den Kanarischen Inseln, aus Ägypten oder aus Südafrika angeboten. Auf Teneriffa oder auf Madeira wachsen Kartoffeln unter Palmen und neben Bananengärten. Dort sind zwei Ernten im Jahr möglich, der Export erfolgt vornehmlich in die Staaten der Europäischen Union. Aus Gründen des Ertrags werden Kartoffeln im Alpenraum nur noch selten bis auf 2.000 Meter Höhe angebaut. Eine dieser Anbauinseln ist der Lungau (Österreich), wo unter der Bezeichnung "Lungauer Eachtling" auf 150 ha verschiedene Sorten angebaut werden[10].
Systematik [Bearbeiten]

Solanum tuberosum wird innerhalb der Gattung der Nachtschatten (Solanum) in die Sektion Petota eingeordnet. Zu dieser Sektion gehören schätzungsweise 190 Arten, von denen viele Wildarten sind, die ebenfalls knollentragend sind. Zudem existiert eine große Anzahl an südamerikanischen Landsorten, die zum Teil mit zu Solanum tuberosum gerechnet werden, andererseits jedoch auch in bis zu 21 eigene Arten aufgeteilt werden. Die nächsten wilden Verwandten der kultivierten Kartoffel werden im Solanum brevicaule-Komplex zusammengefasst. Aufgrund phylogenetischer Untersuchungen konnte die Herkunft der südamerikanischen Landsorten und damit auch der kultivierten Kartoffel auf die südperuanische Art Solanum bukasovii aus dem Solanum brevicaule-Komplex zurückgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung widerlegten damit die These, dass die kultivierten Kartoffeln mehrere Ursprünge besitzen.[5]
Kartoffelanbau [Bearbeiten]

Wirtschaftliche Bedeutung [Bearbeiten]


73 % der Welternte von Kartoffeln wird von 12 Staaten erbracht
Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO [11] betrug im Jahr 2005 die Weltproduktion 322 Millionen Tonnen Kartoffeln.
Die führenden Anbauländer sind: (Produktion in Millionen Tonnen)
Land 1990 2000 2009 Ertrag 2009 (t/ha)
China 32 66 69 14,5
Indien 15 25 34 18,8
Russland 34 31 36 14,3
Ukraine 20 20 13,9
Vereinigte Staaten 18 23 20 46,3
Deutschland 14 12 11 44,1
Polen 36 24 10 19,9
In Deutschland nahm die Anbaufläche in den vergangenen Jahren stark ab. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die bundesweite Anbaufläche bei rund 267.400 Hektar Kartoffeln. 1990 waren es noch 548.000 Hektar. Niedersachsen liegt mit insgesamt 114.100 Hektar an der Spitze der Bundesländer. Auf dem zweiten Platz kommt Bayern mit 52.700 Hektar[12]. Die Erntemenge stieg 2004 auf 12,6 Millionen Tonnen, gegenüber 9,2 Millionen Tonnen im Vorjahr. Deutschland ist zudem wichtigstes Importland für Frühkartoffeln, die überwiegend aus Frankreich, Italien und Ägypten kommen. Wichtige Exportländer sind neben Frankreich die Beneluxstaaten und für Kartoffelprodukte auch Deutschland. Der Selbstversorgungsgrad betrug 2001 in Deutschland rund 108 %.
Marktversorgung von Speisefrühkartoffeln 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Ernte in Tonnen 559.000 468.000 486.000 453.000 514.000 477.000 447.000 508.000
Importe in Tonnen 107.000 130.000 118.000 112.000 146.000 95.000 136.000 121.000
Quelle: Statistisches Bundesamt
Anbaubedingungen [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Maine, USA


Kartoffelfeld von Gut Böckel in Rödinghausen
Unter guten Anbaubedingungen können von einem Hektar Ackerland in subtropischen Gebieten zwischen 25 und 35 Tonnen geerntet werden, im tropischen Klima erreichen die Ernten 15 bis 25 Tonnen je Hektar.
Für kultivierte Kartoffeln liegen die optimalen Temperaturbedingungen bei einem Tagesmittel zwischen 18 und 20 °C. Um die Knollenbildung zu fördern, ist eine Maximalnachttemperatur von 15 °C erforderlich, für das Knollenwachstum ist eine Bodentemperatur von 15 bis 18 °C optimal. Sinken die Temperaturen unter 10 oder steigen sie über 30 °C, stellt die Pflanze das Wachstum nahezu ein.
Kultivierte Kartoffeln werden in frühe (90 bis 120 Tage), mittlere (120 bis 150 Tage) und späte (150 bis 180 Tage) Sorten unterteilt. Wird bei zu kalten Temperaturen gepflanzt, können sich diese Angaben jedoch noch erhöhen. Zum erfolgreichen Anbau früher Kartoffelsorten ist ein Langtag von 15 bis 17 Stunden erforderlich, spätreifende Sorten erzielen sowohl unter Kurztags- als auch Langtagsbedingungen gute Ernten. Siehe dazu Photoperiodismus.
Um die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen zu unterbinden, wird empfohlen, ein Feld nur alle drei Jahre mit Kartoffeln zu bestellen. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 5 und 6 liegen, der Bedarf an Nährstoffen liegt bei 80 bis 120 kg Stickstoff je Hektar, 50 bis 80 kg Phosphor je Hektar und 125 bis 160 kg Kalium je Hektar. Der beste Ertrag für Sorten mit einer Reifezeit von 120 bis 150 Tagen wird bei einer Wassermenge von 500 bis 700 mm jährlichem Niederschlag erreicht.[13]. In Deutschland liegen die Erträge meist bei 30 bis 50 Tonnen je Hektar Anbaufläche[14]. Bei einzelnen Stärkekartoffelsorten wird bei Einsatz gezielter Bewässerung über 80 Tonnen Ertrag je Hektar berichtet[15].
Europa [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Nakkila (Finnland)
Die Vorbereitung des Ackers auf den Anbau von Kartoffeln beginnt in der Regel mit einer wendenden Grundbodenbearbeitung durch Pflügen entweder im vorhergehenden Herbst, um vor allem bei schweren Böden den Effekt der Frostgare auszunutzen, oder im Frühjahr. Bei Herbstpflugfurche erfolgt im Frühjahr nochmals eine lockernde Bodenbearbeitung durch nichtwendende Geräte auf rund 15 cm Tiefe. Das Pflanzbett sollte abgesetzt, feinkrümelig, klutenfrei und trocken sein, um den Legevorgang der Pflanzkartoffeln, den Dammaufbau, etwaige mechanische Pflegemaßnahmen und die Ernte zu erleichtern. Der Boden sollte einen guten Luft-, Wasser- und Wärmeaustausch ermöglichen. Flache, große und zusammenhängende Flächen mit feinen, sandigen Böden ohne Steine eignen sich besonders für den Kartoffelanbau. Zudem sind Gebiete mit geringerer Luftfeuchtigkeit, z. B. in trockeneren Regionen oder in höheren Lagen wegen des reduzierten Krankheitsrisikos besonders interessant für den Kartoffelanbau. Die Kartoffeln werden in allen Systemen in Dämmen angebaut, was dem vorher erwähnten Anspruch an den Boden entgegenkommt. Die Pflanzendichte und -anordnung im Feld (Reihen- und Pflanzenabstände) sind abhängig vom Nutzungszweck: Größere Bestandsdichten sind typisch für die Erzeugung von Pflanzgut und haben kleinere Knollen zur Folge. Beim Anbau der Kartoffeln für Nahrungszwecke sind die Bestandesdichten geringer und die Knollen größer. Angestrebt werden zum Beispiel beim Anbau für Speisezwecke zwischen 40.000 bis 45.000 Pflanzen je Hektar, zur Erzeugung von Pflanzkartoffeln aber rund 60.000 Pflanzen je Hektar. Teils werden Kartoffeln rund zwei Monate vor der Pflanzung vorgekeimt, um einen frühen Reihenschluss sicherzustellen.
Das Setzen der Pflanzkartoffeln erfolgt durch spezielle Legemaschinen, welche die Knollen in eine Tiefe von 8 bis 10 cm setzen und anschließend den Boden wieder in Dammform schließen. Der Abstand der Reihen beträgt zwischen 60 bis 90 cm; in Hinblick auf Spurweiten und Reifenbreiten der verwendeten Maschinen ist in Deutschland ein Reihenabstand von 75 cm gebräuchlich. Der Abstand der Pflanzen zueinander in der Reihe variiert je nach angestrebter Bestandesdichte zwischen 25 und 40 cm.[16]
Die Unkrautregulierung kann durch mechanische Bekämpfungsmaßnahmen, thermische Verfahren, dem Einsatz von Herbiziden oder durch Kombinationen dieser Bekämpfungsmet*** erfolgen. Im konventionellen Landbau ist die Unkrautbekämpfung durch Herbizide üblich[17], im ökologischen Landbau hingegen werden mechanische oder thermische Verfahren eingesetzt. Die mechanische Unkrautbekämpfung kann mit folgenden Geräten betrieben werden: Hackgerät mit Gänsefußschar, Vielfachgerät, Rollsternhacke, Netzegge, Dammformer, Dammfräse, Dammstriegel oder gewöhnlicher Striegel. Ziel der mechanischen Bekämpfung ist es, dass das keimende Unkraut aus dem Boden gelöst wird und dadurch in der Sonne verdorrt. Diese Maßnahme muss bei entsprechendem Auflauf von Unkräutern so oft wie nötig wiederholt werden, bis die Kartoffelstauden den Boden vollständig abdecken.
Am Ende der Vegetationszeit stirbt das Kraut ab. Es wird verbreitet auch abgetötet, wenn die Knollen genügend groß sind, um das Wachstum bei der optimalen Knollenbeschaffenheit zu unterbrechen, die Erntefähigkeit durch Lösen der Knollen von den Stolonen und Festigung der Schalen herbeizuführen und die Ansteckung der Knollen durch Krankheiten zu verhindern. Für diese Abreifebehandlung gibt es verschiedene Met***, welche vom Anbausystem abhängig sein können. Dazu gehören das mechanische Zerstören der oberirdischen Pflanzenteile durch Abschlegeln oder der Einsatz von Herbiziden (Sikkation).
Anbau weltweit [Bearbeiten]


Chuños, Kartoffeln, die nach traditionellem Verfahren in Peru und Bolivien im Boden gefriergetrocknet konserviert werden


Kartoffelernte in Indonesien
Dank der großen Anpassungsfähigkeit der Kartoffel wird diese heutzutage praktisch auf der ganzen Welt angebaut. Während der Anbau in entwickelten Ländern über die letzten zwei Jahrzehnte tendenziell abgenommen hat, war in Drittweltländern eine Zunahme zu beobachten, am deutlichsten in Asien. Diese Zunahme beruht sowohl auf der Ausdehnung der Anbauflächen wie auf der einfachen Einbeziehung der Kartoffel in bestehende Anbausysteme: Die Entwicklung von früh reifenden Sorten mit einer Vegetationszeit von 80 bis 100 Tagen erlaubt es z. B. in Indien, die Anbaupause zwischen Reis- und Weizenanbau ideal zu nutzen.
Die Anbautechniken in der Dritten Welt sind sehr unterschiedlich, je nach Wachstums- und Marktbedingungen. In den Anden, Zentralafrika und dem Himalaja werden Kartoffeln hauptsächlich von kleinen Subsistenzbetrieben von Hand angebaut. Ansonsten ist der Anbau in den meisten Regionen stark mechanisiert worden.
Anbaubeispiel Afrika ? Äthiopien
In Äthiopien werden Kartoffeln hauptsächlich in Rotations- und Mischanbau (?multicropping?)-Systemen während der großen Regenzeit angebaut. Die Saatbettbereitung wird vor der Regenzeit durchgeführt, meist ein bis zwei Monate vor dem Pflanzen. In vielen Regionen ist diese Feldbestellung noch mit Handarbeit oder mit Hilfe von Ochsen verbunden. Als Pflanzgut werden hauptsächlich ganze Knollen verwendet, da diese weniger anfällig auf Krankheiten sind und chemische Pflanzenschutzmittel kaum verwendet werden. Auch die Unkrautkontrolle wird hauptsächlich von Hand erledigt.
Anbaubeispiel Eurasien ? Indien
Die Großzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Indien sind kleine Familienbetriebe. Die Kartoffelproduktion erfolgt während des Monsuns von Juli bis September, wie auch im Winter, allerdings nur bei Bewässerung. Je nach Region sind Rotationen von Mais-Kartoffel-Weizen bzw. mit Reis oder Jute üblich.
Anbaubeispiel Amerika ? Peru
Peru liegt im Ursprungsgebiet der Kartoffel und noch heute gibt es viele wilde Sorten. Seit ungefähr 7.000 Jahren werden Kartoffeln angebaut und stellten lange Zeit das Hauptnahrungsmittel der Menschen dar. Der Hauptanteil der Kartoffelernte wird von Kleinbauern mit weniger als 3 ha Anbaufläche produziert. Grundsätzlich ist der Kartoffelanbau in zwei Zyklen aufgeteilt: das ?frühe Pflanzen? und das ?große Pflanzen?. Je nach Gegend sind die beiden Zyklen unterschiedlich wichtig. In der Fruchtfolge folgen auf Kartoffeln zuerst meist andere südamerikanische Wurzel- oder Knollenfrüchte und danach Quinoa oder Gerste. [18][19][20]
Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008 [Bearbeiten]
Einer Deklaration der UN-Generalversammlung vom November 2005 folgend[21], wurde am 18. Oktober 2007 in New York das Jahr 2008 als das Internationale Jahr der Kartoffel von den Vereinten Nationen eingeführt.[22]
Die Mission des Internationalen Jahrs der Kartoffel ist, das Bewusstsein für die Bedeutung der Kartoffel als Nahrungsmittel in den Entwicklungsländern zu steigern, Forschung und Entwicklung von kartoffelbasierten Systemen zu fördern und damit zum Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen beizutragen.[23] Die Kartoffel hat ein erhebliches Potenzial, bei der Bekämpfung der Unterernährung beizutragen.[24]
Aus Anlass des Jahrs der Kartoffel gab die Schweizerische Post zudem am 4. März 2008 eine Sonderbriefmarke[25] im Wert von 85 Rappen heraus.
Kartoffelsorten [Bearbeiten]



Kartoffel Atlanta


Verschiedene Kartoffelsorten auf einem Markt
Weltweit gibt es rund 5000 Kartoffelsorten. Diese sind aufgrund der vielen verschiedenen Verwendungszwecke und der geographisch weit auseinander liegenden Anbaugebiete gezüchtet worden. Zudem werden ständig weitere Sorten entwickelt. Die weltweit größte Gendatenbank mit zirka 100 wilden und 3800 in den Anden traditionell kultivierten Kartoffelsorten unterhält das internationale Kartoffelinstitut mit Sitz in Lima, Peru.
Die verschiedenen Sorten können nach der Reifezeit und dem Verwendungszweck unterschieden werden:
Reifezeit [Bearbeiten]
Dieses Kriterium ist für den Produzenten von großer Wichtigkeit. Die Sortenwahl hängt von den klimatischem Bedingungen und der Dauer der Vegetationsperiode ab. Folgende Kategorien werden unterschieden:
Die frühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 90?110 Tagen auf. Meist kann man sie im Juni-Juli ernten (wenn die Knollen im März-April gepflanzt worden sind). In Küstengebieten, welche schon früher frostfrei sind, ist sogar noch eine frühere Ernte möglich. Damit die frühreife Kartoffel bereits im Juni?Juli geerntet werden kann, muss schon früh die Anlage für die Knollen gebildet werden sowie auch das Wurzelwachstum schnell erfolgen. Dabei wird nicht nur der Ertrag, sondern auch die Stärkeeinlagerung in die Knollen reduziert, da diese verzögert zum Volumenwachstum erfolgt.
Beispiele für die frühreifen Sorten sind: Agata, Amandine, Birte Derby, Frühgold, Lady Christl, Lady Felicia
Die mittelfrühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 120?140 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrühreifen Sorten sind: Gourmandine, Bintje, Victoria, Ditta, Nicola, Urgenta, Pamela, Naturella, Désirée, Agria, Eden, Allians
Die mittelfrüh-späten Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 140?160 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrüh-späten Sorten sind: Atlanta, Lady Jo, Lady Claire, Innovator, Lady Rosetta, Marlen, Fontane, Hermes, Eba, Markies, Panda
Verwendungszweck [Bearbeiten]


Kartoffeleimer aus Email, Niederlande
Speisekartoffeln werden nach ihren Kocheigenschaften unterschieden. Nach der Handelsklassenverordnung müssen alle im Handel (auch lose) angebotenen Kartoffeln nach diesen Kocheigenschaften eingeordnet werden. In der EU werden Speisekartoffeln in vier Kochtypen eingeteilt, die mit den Buchstaben A bis D sowie Kombinationen daraus bezeichnet werden. Deutsche Kartoffeln werden darüber hinaus mit einem farbigen Streifen auf der Verpackung gekennzeichnet.
Kartoffel zu Speisezwecken
Festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: A und A-B
Farbkennzeichnung: grün
Sorten: Annabelle, Agata, Amandine, Anais, Belana, Charlotte, Cilena, Ditta, Filea, Hansa, Kipfler, Marabel[26], Linda, Nicola, Primura, Princess, Renate, Selma, Sieglinde, Spunta, Stella, Vitelotte
Form: Länglich bis oval
Konsistenz: fest, feinkörnig, feucht
Kocheigenschaften: Kein Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Bratkartoffeln, Gratins, Kartoffelsalat
Vorwiegend festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-A und B
Farbkennzeichnung: rot
Sorten: Agria, Arkula, Astilla, Atica, Bamberger Hörnchen, Bolero, Christa, Colette, Désirée, Finka, Gala, Gloria, Grandifolia, Granola, Hela, Jelly, Laura, Leyla, Maja, Quarta (Kartoffel), Rosara, Saskia, Saturna, Secura, Solara, Satina, Tizia, Ukama
Form: uneinheitlich
Konsistenz: feinkörnig, mäßig feucht
Kocheigenschaften: Geringes Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Salz- und Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Suppen
Mehlig kochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-C und C
Farbkennzeichnung: blau
Sorten: Adretta, Afra, Arkula, Aula, Bintje, Blauer Schwede, Freya, Karat, Karlena, Koretta, Libana, Likaria, Lipsi, Mariella, Melina, Naturella, Schwarzblaue aus dem Frankenwald
Form: uneinheitlich
Konsistenz: grobkörnig, trocken
Kocheigenschaften: häufiges Aufspringen
Geschmack: angenehm kräftig
Gerichte: Eintöpfe, Kartoffelpüree
übrige Kochtypen
Kochtypen: C-D und D
dies sind keine Kochtypen im Sinn der Handelsklassenverordnung
Konsistenz: stark mehlig, trocken
Kocheigenschaften: besonders locker bis zerfallend.
Sorten zur Weiterverarbeitung
Veredlungskartoffel
Pommes frites: Agria, Eba, Fontane, Innovator, Markies, Felsina
Kartoffelchips: Erntestolz, Fontane, Hermes, Lady Claire, Lady Rosetta
Kartoffelflocken: Saturna, Eba
Wirtschaftskartoffel
hoher Stärkegehalt
Futterkartoffel
Pflanzkartoffel
weitere Unterscheidungskriterien [Bearbeiten]


Kartoffeln mit violetter Fleischfarbe (Sorte Salad Blue)


rosa Kartoffeln (Sorte Rote Emmalie)
Stärkegehalt
Schalenfarbe
gelb: Karlena etc.
rot: Rode Eersteling etc.
blau: Blauer Schwede, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Fleischfarbe
weiß: Urgenta etc.
hellgelb: Charlotte, Ostara etc.
gelb: Bernadette, Gala, Donella etc.
blau-violett: Blauer Schwede, Salad Blue, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Knollenform
lang: Bernadette etc.
oval: Marabel, Donella etc.
kugelrund: Gala, Adretta etc.
nierenförmig
Schalenbeschaffenheit
glatt: Marabel etc.
Kartoffelsorten sind in Deutschland beim Bundessortenamt in Hannover registriert und unterliegen für dreißig Jahre einem Sortenschutz. Dies bedeutet, dass bei Anbau Lizenzabgaben an den jeweiligen Schutzrechtsinhaber fällig werden können. Dadurch kann es zu Konflikten mit Anbietern kommen, etwa wenn etablierte Sorten nach Ablauf der Schutzfrist vom Markt genommen werden ? ein freier Verkauf von Saatgut ist nicht mehr erlaubt (siehe Kartoffelsorte Linda). Die Vermehrung aus eigenen Beständen und der Verkauf zum Verbrauch sind dagegen erlaubt.
In der Schweiz wird die Weiterentwicklung der Kartoffel von den Forschungsstationen Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) und Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) betrieben. Die aktuelle Sortenliste umfasst 31 Sorten.
Wichtige Krankheiten und Schädlinge [Bearbeiten]

Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze [Bearbeiten]
Kartoffelfäule, auch als Kraut- und Knollenfäule bekannt (Phytophthora infestans)
Dürrf***krankheit oder Hartfäule (Alternaria solani)
Weißhosigkeit, Kartoffelpocken, Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani)
Pulverschorf (Spongospora subterranea)
Weißfäule (Kartoffel) (Fusarium coeruleum)
Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum)
Silberschorf (Helminthosporium solani)
Fusarium-Welke (Fusarium oxysporum)
Colletotrichum-Welkekrankheit (Colletotrichum coccodes)
Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Schwarzbeinigkeit und Nassfäule (Erwinia carotovora)
Kartoffelschorf (Streptomyces scabies)
Bakterienringfäule (Clavibacter michiganensis subsp. sepedonicus)
Schleimkrankheit (Ralstonia solanacearum)
Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Blattrollkrankheit, verursacht durch Blattrollvirus (Potato leafroll virus, PLRV)
Strichelkrankheit, verursacht durch Y-Virus
Mosaikkrankheiten: (Leichte Mosaik-Krankheit und Kräuselmosaik-Krankheit)
Stängelbuntkrankheit, verursacht durch Tabakmosaikvirus
Eisenfleckigkeit bzw. Tabak-Rattle-Virus (TRV) oder Tabak-Mosaik-Virus (TMV)
Insekten (Insecta) [Bearbeiten]


Von den Larven des Kartoffelkäfers befallene Kartoffelstaude
Saatschnellkäfer (Agrigotes obscurus)
Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)
Blattläuse (Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae), Grüne Pfirsichblattlaus (Myzodes persicae))
Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) resp. Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani)
Wintersaateule (Agrotis segetum)
Asseln [Bearbeiten]
Kellerassel
Fadenwürmer (Nematoda) [Bearbeiten]
Goldnematoden (Heterodera rostochiensis)
Stengelälchen (Ditylenchus dispaci)
[27] [28]
Lagerung [Bearbeiten]



Ergebnis falscher Lagerung
Damit Kartoffeln das gesamte Jahr über angeboten werden können, werden diese nicht nur aus fernen Anbaugebieten importiert, sondern auch hierzulande eingelagert. Sie werden in dunklen, gut belüfteten Lagerstätten bei 5?10 °C und etwa 90 % Luftfeuchtigkeit aufbewahrt. Zum Teil kommen hierbei Keimhemmungsmittel und Fungizide zum Einsatz. Bei einer zu kalten Lagerung würden die Knollen ?erfrieren?, die enthaltene Stärke wandelt sich dabei in Zucker um; bei zu warmen Temperaturen und Lichteinfall würden sie zu keimen beginnen und giftiges Solanin bilden. Zu trockene Lagerung lässt die wasserhaltigen Knollen welken, ebenso gilt es Schimmelbildung durch Feuchtigkeitsstau zu vermeiden. Des Weiteren verhindert eine niedrige Schütthöhe schädliche Druckstellen.[29] Das gemeinsame Lagern mit Obst (wie etwa Äpfeln) ist nicht empfehlenswert.
Verwendung [Bearbeiten]

Kartoffeln finden Verwendung als Nahrungs- und Futtermittel sowie zur Herstellung von Stärke und Alkohol. Dabei werden beispielsweise in Deutschland fast 60 % der Kartoffelernte direkt als Nahrungsmittel genutzt. Etwa 30 % der Kartoffelernte wird für die Herstellung von Stärke und etwa 4 % für die Ethanolgewinnung genutzt. Von der verbleibenden Ernte fallen etwa 6 % als Saatgut und gerade mal 1,2 % als Futtermittel an.[30]
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Deutschland immer weniger Kartoffeln gegessen, der Verbrauch hat sich mehr als halbiert. Die Nahrungsmittelindustrie versucht immer mehr Fertiggerichte aus Kartoffeln auf den Markt zu bringen. Kartoffelchips, Pommes frites, Kroketten, Fertig-Rösti und Trockenflocken werden zwar immer mehr konsumiert, als Beilage zum Fleisch werden jedoch auch häufig Alternativen wie Reis und Teigwaren gewählt, die noch leichter zuzubereiten sind.
Der durchschnittliche Kartoffelverbrauch pro Bundesbürger und Jahr liegt etwa bei 50 Kilogramm.[31]
Futterkartoffel [Bearbeiten]
Preisgünstigere Futterimporte, besonders von stärkereichen Futtermitteln, machen der Kartoffel auch als Viehfutter große Konkurrenz.
Seit dem 19. Jahrhundert werden in Mitteleuropa die Schweine mehrheitlich nicht mehr auf die Weide getrieben, sondern im Stall gehalten. Die früher von den Schweinen so geschätzte *** und andere Waldfrüchte wurden zuerst vor allem durch die kostengünstigere Kartoffel ersetzt. Eine Ausnahme sind nur Schweine, die zur Herstellung von Spezialitäten wie dem Jamón Ibérico de Bellota gehalten werden. In den letzten Jahrzehnten werden immer mehr Mastmittel auf dem Weltmarkt eingekauft. Gegen die niedrigen Weltmarktpreise des häufig in Entwicklungsländern produzierten Sojas hat die im Inland angebaute Kartoffel einen schweren Stand.
Stärkekartoffel [Bearbeiten]


Kartoffeldammformer
Neben Kartoffeln gibt es viele Stärkepflanzen, die Organe mit einem hohen Gehalt an Stärke besitzen. Stärke stellt oft einen wichtigen Bestandteil der menschlichen und tierischen Ernährung dar. Zudem ist sie ein nachwachsender Rohstoff (Nawaro), der sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden kann (Stärke als nachwachsender Rohstoff). In Deutschland wurden im Jahr 2008 rund 1,53 Millionen Tonnen (Europa: 9,4 Millionen Tonnen) Stärke produziert. Dabei stammten 42 % der produzierten Stärke aus der Kartoffel. In Europa ist der Anteil der Kartoffel an der Stärkeproduktion mit 16 % bzw. 1,5 Millionen Tonnen geringer.[32]
Ein Teil der Stärke wird in aufgereinigter Form gewonnen und vor allem in der Nahrungsmittelindustrie und für die stoffliche Nutzung verwendet. Stärke besteht ? je nach Art ? zu unterschiedlichen Anteilen aus dem verzweigten Amylopektin und der linearen (unverzweigten) Amylose. Da für die industrielle Verwertung vor allem Amylopektin benötigt wird, werden Stärkepflanzen mit möglichst hohem Amylopektingehalt bevorzugt. In Deutschland benötigt die Papier- und Wellpappeindustrie jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Tonnen native Kartoffelstärke mit hohem Amylopektingehalt während mehr als 250.000 Tonnen für die Herstellung von modifizierten Stärken (vor allem Dextrine, Stärkeester und -ether) genutzt werden. Diese Modifikate werden zu etwa 50 % in der Papierindustrie als Papierstärke genutzt, weitere 17 % gehen in die Produktion von Pappen und Klebstoffen. Das verbleibende Drittel wird in der Lebensmittelindustrie genutzt, vor allem für Fruchtzubereitungen und Milchprodukte.
Biotechnologie [Bearbeiten]
In der EU befand sich die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffelsorte Amflora seit 1996 im Zulassungsverfahren, deren Stärke fast ausschließlich aus Amylopektinen besteht.[33] Amflora wurde im März 2010 zum Anbau und als Futtermittel zugelassen. Daneben hat auch das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) mit dem TILLING-Verfahren eine Karoffelsorte gezüchtet, die ausschließlich Amylopektin enthält. TILLING steht für ?Targeting Induced Local Lesions In Genoms? und ist ein Züchtungsverfahren bei dem durch Zugabe von Chemikalien die natürliche Mutationsrate von Pflanzengenomen erhöht wird. Daher kommt dieses Verfahren ohne gentechnische Veränderung aus.[34]
Es wurden bereits mehrere Bt-Kartoffelsorten getestet, die resistent gegen den Kartoffelkäfer sind. Ihnen wird insbesondere in Osteuropa und Russland Potenzial vorhergesagt.
Volksmedizin [Bearbeiten]
Kartoffelsaft wird in der Volksmedizin innerlich bei Magenbeschwerden und äußerlich bei Verletzungen oder Geschwüren angewendet.
Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten [Bearbeiten]

Gepellte/geschälte Kartoffeln enthalten:[35]
ca. 15 Prozent Kohlenhydrate (Stärke)
ca. 2 Prozent Eiweiß
ca. 0,1 Prozent Fett
ca. 2,1 Prozent Ballaststoffe
ca. 78 Prozent Wasser
ca. 1 Prozent Mineralstoffe und Spurenelemente wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen
zahlreiche Vitamine, hauptsächlich Vitamin C, aber auch Vitamin A und Vitamine der B-Gruppe
Stoffe, die für den Geschmack und den Geruch der Knolle verantwortlich sind; etwa 140 chemische Verbindungen wurden in rohen, gekochten oder dehydrierten Kartoffeln entdeckt. Die wichtigsten sind 1-Octen-3-ol, (E)-2-Octenol, (E)-2-Oct*** und Geraniol, sowie 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin, welches die erdige Note im Geruch und Geschmack hervorruft. Derivate des Pyrazin sind es auch, die das Aroma gebackener Kartoffeln ausmachen.[35][36]
Eiweiß liefert die Kartoffel zwar in be***ner Menge, dafür ist es aber vergleichsweise hochwertig. Von allen pflanzlichen Eiweißlieferanten hat sie den höchsten Anteil an verwertbarem Eiweiß, das Kartoffeleiweiß verfügt also über eine hohe biologische Wertigkeit. Besonders reich ist das Knollengewächs an den Vitaminen B1, B2 und C.
100 Gramm frische Kartoffeln entsprechen einer Energiemenge von etwa 298 Kilojoule, das entspricht 70 Kilokalorien.[37]
Alkaloide in Kartoffeln [Bearbeiten]
Kartoffelschalen und ergrünte Kartoffeln enthalten gegenüber geschälten normalen Kartoffeln ein mehrfaches an Alkaloiden, allen voran das für die Gattung der Nachtschatten typische Solanin, welches in allen Teilen einer Kartoffelpflanze vorkommt. Kartoffeln die bei Tageslicht gelagert werden ergrünen, was ein Zeichen erhöhter Solaningehalte ist. Aus diesem Grunde sollte man Kartoffelschalen und grüne Kartoffeln nicht in größeren Mengen für die Ernährung oder Fütterung verwenden. Der Solaningehalt von Kartoffeln war früher wesentlich höher als heute. Modernere Kartoffelsorten weisen einen Solaningehalt von 3 bis 7 mg/100 g in der Schale auf, der Gehalt im Kartoffelkörper ist wesentlich geringer. Wenngleich die Dosis von 200 mg, bei der erste Vergiftungserscheinungen bei erwachsenen Menschen auftreten können dem Genuss von mehr als 25 Kilogramm ungeschälter roher Kartoffeln entspricht, sollte man Kleinkinder und geschwächte Personen vom Verzehr auch kleiner Mengen ergrünter Kartoffeln fernhalten. Durch Lagerung im Dunkeln, Schälung und Zubereitung wird der Gehalt an Solanin reduziert bzw. abgebaut. Die erhältlichen Kartoffelsorten haben unter den üblichen Bedingungen keinen gesundheitlich bedenklichen Glycoalkaloid-Gehalt.[38] Das gilt jedoch nicht unbedingt für ältere Sorten.
Neben Solanin enthalten grüne Knollen und Keimlinge Chaconin und Leptine.
Regionale Namen [Bearbeiten]

Es haben sich zahlreiche Regionalnamen für die Kartoffel entwickelt, darunter Arber, Ärpel, Bramburi (im Norden Niederösterreichs, vermutlich aus dem tschechischen von Lilek brambor abgeleitet), Erdapfel (Erdtoffel), Erdbirn, Flezbirn, Grübling, Grundbirn, Knulle (im Süden von Brandenburg), Krumbiir, Krumbeer, Nudel, Schucke, Bulwe, Kästen und Erpfel. Im Plattdeutschen wird sie Tüfte, Tüffel oder Pipper genannt. In Franken verwendet man noch vereinzelt die Bezeichnung Potacken oder, näher an der Aussprache, Bodaggn. In Teilen von Rheinland-Pfalz (hauptsächlich der Pfalz) und dem Saarland nennt man die Kartoffeln Grumbeere oder Grumbiere, so auch in den benachbarten Nordelsass, der Kurpfalz und Nordbaden. In Luxemburg sagt man Gromper; in Trier wird Gromper aber eher als Krumpa ausgesprochen. Dafür wird in Schwaben das ähnliche Wort Grombiera verwendet (Herleitung: grom, ähnlich Krume oder Boden, und biera, ähnlich Beere(n), zusammen also Erdfrucht). Im österreichischen Deutsch heißen sie Erdäpfel (Alemannisch Härdöpfel, Berndeutsch Härdöpfu), im Salzburger Lungau sagt man Eachtling dazu. Auf Grund unterschiedlicher Dialektvarianten können die Namen bereits von Ort zu Ort wechseln: Ebbiera und im Nachbarort heißen die Kartoffeln schon: Eaberra.
Der Wortstamm Grumbier hat sich auch in den südslawischen Sprachen verbreitet: auf serbokroatisch heißt die Kartoffel Krumpir.
Ähnlich ist Kumpir, ein türkisches Fastfood-Gericht, es besteht vor allem aus großen Kartoffeln.
Im Russischen und Polnischen wurde dagegen ?Kartoffel? als Fremdwort übernommen, wobei in Polen auch der Begriff ziemniak (Erdling) verbreitet ist. Der tschechische Begriff brambor leitet sich von Braniborsko (Brandenburg) ab, von wo aus die Kartoffel einst nach Böhmen eingeführt wurde.
Siehe auch [Bearbeiten]

Liste von Kartoffelsorten
Kartoffelroder
Kulturgeschichte der Kartoffel
Literatur [Bearbeiten]

Horst Eichhorn (Hrsg.): Landtechnik. 7. Auflage. S. 357 ff., Ulmer, Stuttgart 1952, 1999, ISBN 3-8001-1086-5
Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau. 7. Auflage. S. 219 ff., 283 f., Ulmer, Stuttgart 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6
FAO: INTERNATIONAL YEAR OF THE POTATO 2008: New light on a hidden treasure. Rom 2009, ISBN 978-92-5-306142-8 (formal falsche ISBN). online verfügbar
Einzelnachweise [Bearbeiten]

? James A. Duke: Solanum tuberosum L. In: Handbook of Energy Crops. 1983, unveröffentlicht.
? a b W. Troll: Praktische Einführung in die Pflanzenmorphologie. Erster Teil. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1954, S. 226-230. (ohne ISBN)
? ?Potato Genome Sequence is the cover story in the journal Nature?. Potato Genome Sequencing Consortium, 10. Juli 2011.
? Chloe McIvor: All eyes on the potato genome. Nature, 10. Juli 2011.
? a b David M. Spooner, Karen McLean, Gavin Ramsay, Robbie Waugh, und Glenn J. Bryan: A single domestication for potato based on multilocus amplified fragment length polymorphism genotyping. In: Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America. Volume 102, 2005. Seiten 14694-14699. doi:10.1073/pnas.0507400102
? Centro Internacional de la Papa: Papas nativas poseen ventajas comparativas que deben ser aprovechadas (2006)
? Jos. A. Massard: 300 Jahre Kartoffel in Luxemburg: (I) Europa entdeckt die Kartoffel. (II) Grundbirne, Grompir, Gromper: die Kartoffel erobert Luxemburg. (III) Die Kartoffel in Luxemburg im 19. Jh. Lëtzebuerger Journal 2009, [I] Nr. 15 (22. Jan.): 23; Nr.16 (23. Jan.): 10, Nr. 17 (24./25. Jan.): 11; [II] Nr. 18 (27. Jan.): 23, Nr. 19 (28. Jan.): 21; [III] Nr. 20 (29. Jan.): 9, Nr. 21 (30. Jan.): 21. Text mit Referenzen.
? Erster feldmäßige Kartoffelanbau in Bayern. historisches-franken.de, abgerufen am 27. Mai 2007.
? Honorius Philoponus [= Pseudonym von Caspar Plautz], Nova Typis Transacta Navigatio. Novi Orbis Indiae Occidentalis ..., [Linz] 1621.
? Lungauer Eachtling
? Statistik der FAO
? Henke, Detlef: Kartoffel-Anbau-Rangliste der Bundesländer basierend auf den Daten des Statistischem Bundesamtes(Daten Juni 2009)
? AGLW Water Management Group: Crop Water Management - Potato. FAO. Online Resource, abgerufen am 13. Juni 2007.
? Landwirtschaft MLR Baden-Wuerttemberg
? Landwirtschaft.Sachsen.de, Seite 37
? Bodo Frahm, BGJ Agrarwirtschaft, 4. Auflage, Ulmer, Stuttgart, 1980, 1991, ISBN 3-8001-1049-0, S. 459
? Anbauhinweise der Landwirtschaftskammer NRW
? CIP-Forschung
? Beukema, van der Zaag: Introduction to Potato Production. Pudoc Wageningen 1990
? Paul M. Harris: The potato crop. Chapman and Hall 1992
? United Nations Declaration gefunden am 29. Februar 2008
? Launching of the International Year gefunden am 29. Februar 2008
? IYP concept gefunden am 29. Februar 2008
? Die Kartoffelchance 1999
? Kartoffel-Sondermarke
? Sorte Marabel
? Umfangreiche Beschreibungen der Kartoffelkrankheiten
? oekolandbau.de
? Toffi KISS-Projekt, begleitende Webseite zur Ausstellung über die Kartoffel, Wilfried Ahrens, Fachhochschule Weihenstephan
? Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2007. Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup 2008; Zahlen für Deutschland 2005/6 (in 1000 t): Inlandsverwendung insgesamt: 9687; Saatgut 602; Futter: 108; Verluste: 287; Verwendung für Stärkeherstellung: 2964 (ergibt 710 kt Stärke); Verwendung für Alkoholherstellung: 156 (ergibt 177 khl Alkohol); Nahrungsverbrauch: 5572
? Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass?. In: Südkurier vom 23. März 2011
? Zahlen und Daten zur deutschen Stärkeindustrie. Angaben vom Fachverband der Stärke-Industrie e. V.
? www.bioSicherheit.de: Gv-Stärkekartoffel als Nachwachsender Rohstoff: Amflora - eine Kartoffel für die Industrie. Abgerufen am 8. April 2009.
? Fraunhofer-Gesellschaft: Turbo-Züchtung schafft Super-Kartoffel, Presseinformation vom 8. Dezember 2009
? a b Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.): Die Kartoffel. (PDF)
? G. Reineccius: Sourcebook of Flavors. 2. Auflage. Springer 1993. ISBN 978-0-8342-1307-4. S. 362
? Souci/Fachmann/Kraut. Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, 5. Auflage, 1994.
? Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Solanin (Glycoalkaloide) in Kartoffeln
Weblinks [Bearbeiten]

Commons: Kartoffel ? Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kartoffel ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks: Kochbuch, Gerichte mit Kartoffeln ? Lern- und Lehrmaterialien
Wikiquote: Kartoffel ? Zitate
Kartoffelsortenliste des deutschen Bundessortenamts (2007) (PDF-Datei; 303 kB)
International Potato Center/Centro Internacional de la Papa (Internationales Kartoffelforschungszentrum, englisch/spanisch)
Encyclopedia of Life: umfassende Informationen zur Pflanze (englisch)
United Nations International Year of the Potato 2008 (englisch)
Dieser Artikel wurde in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
Einklappen
Gemüse des Jahres in Deutschland
***bohne (1999) | Gartenmelde (2000) | Tomate (2001) | Flaschenkürbis (2002) | Kartoffel (2003) | Körnerbohne (2004) | Zichorie (2005) | Kopfkohl (2006) | Gartensalat (2007?2008) | Erbse (2009?2010) | Pastinaken (2011?2012)

Kategorien: Wikipedia:LesenswertKartoffelNachtschattenNutzpflanze
Anmelden / Benutzerkonto erstellenArtikelDiskussionLesenQuelltext anzeigenVersionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel
Mitmachen
Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen
?????
Afrikaans
Alemannisch
????
Aragonés
Ænglisc
???????
????
???????
Asturianu
Aymar aru
Az?rbaycanca
?????????
Boarisch
?emait??ka
??????????
??????????? (???????????)?
?????????
?????
???????
Brezhoneg
Bosanski
Català
Cebuano
?????
Corsu
?esky
Kaszëbsczi
Cymraeg
Dansk
Zazaki
Dolnoserbski
????????
English
Esperanto
Español
Eesti
Euskara
?????
Fulfulde
Suomi
Français
Frysk
Gaeilge
??
Gàidhlig
Galego
???????
Gaelg
?????
??????
Hrvatski
Hornjoserbsce
Kreyòl ayisyen
Magyar
???????
Bahasa Indonesia
Iñupiak
Ido
Íslenska
Italiano
???
Basa Jawa
???????
Qaraqalpaqsha
???????
?????
???
????? ????
????????-???????
????? - ?????
Ripoarisch
Kurdî
????
Latina
Lëtzebuergesch
?????
Lumbaart
Lietuvi?
Latvie?u
Basa Banyumasan
???????
Malagasy
??????????
??????
??????
?????
????? ????
Bahasa Melayu
N?huatl
Nnapulitano
Plattdüütsch
Nedersaksisch
??????
????? ????
Nederlands
?Norsk (nynorsk)?
?Norsk (bokmål)?
Diné bizaad
Occitan
????
Kapampangan
Picard
Pälzisch
Polski
??????
Português
Runa Simi
Kirundi
Român?
???????
??????????
Kinyarwanda
?????????
???? ????
Sardu
Sicilianu
Scots
Sámegiella
Srpskohrvatski / ??????????????
Simple English
Sloven?ina
Sloven??ina
Gagana Samoa
chiShona
Shqip
?????? / Srpski
Seeltersk
Basa Sunda
Svenska
Kiswahili
?l?nski
?????
??????
???
Tagalog
lea faka-Tonga
Türkçe
??????????
????
Ti?ng Vi?t
West-Vlams
Walon
Winaray
??
??????
??
Bân-lâm-gú
??
isiZulu
Diese Seite wurde zuletzt am 27. März 2012 um 07:30 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.














ZIITIERT VON ANDERN TM-USERN
Rihanna4ever
05.04.12 um 19:53
Avatar von Rihanna4ever

Re: Brauchst du Credits?

Zitat von Rihanna4ever
Zitat von -ChaneLDie Kartoffel (Solanum tuberosum), in Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auch als Erdapfel (Herdöpfel) oder Grundbirne (Grumbeer) und im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt, ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch Tomate, Paprika und Tabak gehören. Das Wort Kartoffel leitet sich von tartufolo, dem italienischen Wort für Trüffel ab, das wiederum vom lateinischen "terrae tuber" abgeleitet ist. Der Name der Süßkartoffel (Ipomoea batatas) leitet sich von der ähnlichen Verwendung und dem ähnlichen Aussehen der Knollen ab, nicht von einer Verwandtschaft. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ?Kartoffel? für die unterirdischen Knollen verwendet. Über diese Knollen kann sich die Pflanze vegetativ vermehren.
Die Samen werden in tomatenähnlichen Beeren gebildet, welche wie alle grünen Teile der Pflanze und die Keime der Knolle für Menschen ungenießbar bis leicht giftig sind.
Weltweit werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Die Kartoffel ist das viertwichtigste Nahrungsmittel der Welt; daneben aber auch Futtermittel und Industrierohstoff.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Beschreibung
1.1 Genom
2 Herkunft
2.1 Ursprüngliche Herkunft
2.2 Kultivierung
3 Systematik
4 Kartoffelanbau
4.1 Wirtschaftliche Bedeutung
4.2 Anbaubedingungen
4.3 Europa
4.4 Anbau weltweit
4.5 Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008
5 Kartoffelsorten
5.1 Reifezeit
5.2 Verwendungszweck
5.3 weitere Unterscheidungskriterien
6 Wichtige Krankheiten und Schädlinge
6.1 Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze
6.2 Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.3 Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.4 Insekten (Insecta)
6.5 Asseln
6.6 Fadenwürmer (Nematoda)
7 Lagerung
8 Verwendung
8.1 Futterkartoffel
8.2 Stärkekartoffel
8.3 Biotechnologie
8.4 Volksmedizin
9 Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten
9.1 Alkaloide in Kartoffeln
10 Regionale Namen
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Einzelnachweise
14 Weblinks
Beschreibung [Bearbeiten]



Unterer Teil einer Pflanze. Die Mutterknolle ist dunkel gezeichnet.


Früchte der Kartoffelpflanze
Kartoffeln sind aufrecht oder kletternd wachsende, krautige Pflanzen, die über 1 m hoch werden können. Die Sprossachse ist manchmal vierkantig, teilweise sogar geflügelt. Unterirdisch oder knapp über der Oberfläche bildet die Pflanze knollentragende Stolone aus.
Die wechselständig stehenden Blätter sind unpaarig gefiedert, kurzstielig und werden 10 bis 30 cm lang und 5 bis 15 cm breit. Die Teilblätter sind leicht bis stark behaart, stehen sich gegenüber oder sind wechselständig, oft von unterschiedlichster Form und Größe. Die größeren Teilblätter besitzen zum Teil eigene Blattstiele, sind zwischen 2 bis 10 cm lang und 1 bis 6 cm breit. Sie sind eiförmig bis länglich-eiförmig, an der Spitze zugespitzt bis stark zugespitzt. Die kleineren Teilblätter besitzen eine stumpfere Spitze, mit einer eher herzförmigen Basis, meist eiförmig bis kugelförmig und besitzen einen Durchmesser von 2 bis 15 mm.
Die Blüten stehen in trugdoldenförmigen Blütenständen. Die Blütenstandstiele sind 5 bis 15 cm lang und behaart, die Blütenstiele sind ebenfalls behaart und 3 bis 35 mm lang. Der Blütenkelch ist glockenförmig, 5-lappig und hat einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm. Die Kelchlappen sind spitz bis stark zugespitzt. Die Kronblätter sind weiß bis blau, die Krone ist doppelt so lang wie der Kelch und hat einen Durchmesser von 3,5 bis 4 cm. Die gelben Antheren stehen frei, aufrecht und porig. Die Frucht ist eine gelblich-grüne, zweikammerige Beere mit vielen Samen.[1]
Die Keimung erfolgt epigäisch. Am Beginn treten nur die Wurzelanlage und das Hypokotyl aus der Samenschale hervor, während die Keimblätter zunächst noch in ihr verbleiben. Erst später verlassen auch sie die Samenschale, ergrünen und werden zu den ersten Assimilationsorganen. Die zunächst gebildeten Primärblätter sind noch einfacher gebaut als die später gefiederten Folgeblätter.[2]
An den basalen Teilen des Sprosses treiben Achselknospen aus, die in den Boden eindringen und dort waagrecht (plagiotrop) ausläuferartig weiterwachsen und zu den Stolonen werden. Anstatt Laubblättern tragen sie Schuppenblätter. Die Enden dieser Ausläufer verdicken sich und wandeln sich in die Knollen um. Es handelt sich hierbei um ein primäres Dickenwachstum. Es sind also Sprossknollen. Die Knolle besitzt nur kleine, schuppenartige Blätter, die jedoch hinfällig sind, also früh abfallen. In den Achseln der Blattnarben sitzen die Knospen (hier Augen genannt), aus denen die Knolle nach der Ruhephase wieder austreibt. Die Knolle ist polar differenziert: Die Basis, das der Mutterpflanze zugewendete Ende, wird Nabelende genannt. Es ist die Ansatzstelle des Ausläufers, der nach Reifung der Knolle zugrunde geht. An der Spitze sitzt die Endknospe in einer grubenartigen Vertiefung. Beim Wiederaustrieb wächst bevorzugt die Endknospe aus, die dann senkrecht (orthotrop) wachsend einen Luftspross bildet.[2]
In den grünen Pflanzenteilen der Kartoffel konzentrieren sich Alkaloide, unter anderen Solanin, die eine natürliche Abwehrbarriere zum Beispiel gegen Bakterien und Insekten bilden. Aus diesem Grund sind Kartoffeln, die im Licht gelagert grün geworden sind, nicht mehr genießbar.

Blatt



Habitus



Kartoffelknollen



Junge Knolle am Stolon



Blüten

Genom [Bearbeiten]
Das Potato Genome Sequencing Consortium, ein Team aus 29 Forschungsgruppen aus 14 Ländern, begann im Januar 2006 mit der Arbeit an der Sequenzierung. Am 10. Juli 2011 wurde das Genom der Kartoffel in Nature veröffentlicht. Es enthält mehr als 39.000 Protein-kodierende Gene. Die Kartoffel hat 12 Chromosome. Einige Sorten sind tetraploid und andere diploid. Die Sequenzierung des Genoms soll es Züchtern ermöglichen, Ertrag, Qualität, Nährwert und Krankheitsresistenz zu verbessern. Auch soll die Zeit zur Kreation neuer Sorten (derzeit 10-12 Jahre) verkürzt werden. Die wichtigste Entdeckung sind über 800 Krankheitsresistenzgene, von denen jedes potenziell zur Bekämpfung wichtiger Krankheiten wie Goldnematoden oder Kartoffelfäule eingesetzt werden kann.[3][4]
Herkunft [Bearbeiten]

Ursprüngliche Herkunft [Bearbeiten]
Die heute kultivierten Kartoffeln stammen von verschiedenen Landsorten ab, die in den Anden vom westlichen Venezuela bis nach Argentinien und der Insel Chiloé bzw. dem Chonos-Archipel im Süden von Chile vorkommen. Auf Chiloé fand man die ältesten bekannten Spuren von wilden Kartoffeln, man schätzt ihr Alter auf 13.000 Jahre. Die chilenischen Landsorten stammen ihrerseits jedoch vermutlich von den peruanischen Andensorten (Solanum tuberosum ssp. andigena) ab, wahrscheinlich nach Hybridisierung mit der Wildart Solanum tarijense, die in Bolivien und Argentinien zu finden ist.[5] In dem lange Zeit als Ursprungsland der Kartoffel angesehenen Peru gibt es wiederum mehr als 3.000 endemische Kartoffelsorten. Die meisten können nur in den peruanischen Anden angebaut werden, weil sie aufgrund ihrer geologischen und klimatischen Ansprüche in anderen Weltgegenden nicht gedeihen.[6] Der Haup***rschied der Andenkartoffel zu den in anderen Anbaugebieten kultivierten Sorten besteht darin, dass sie an andere Lichtverhältnisse (Tag- und Nachtzyklus) angepasst ist.
Kultivierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Kulturgeschichte der Kartoffel


Kartoffelanbau, ca. 1910, Russisches Kaiserreich


Kartoffelernte in der DDR
Wann, wie und durch wen die Kartoffel nach Europa kam, ist bis heute nicht genau geklärt. Auf ihrem Weg von Südamerika nach Spanien machte die Kartoffel Zwischenstation auf den (spanischen) Kanarischen Inseln. Dies ist bekannt, weil im November 1567 drei Fässer, die Kartoffeln, Orangen und grüne Zitronen enthielten, von Gran Canaria nach Antwerpen, und im Jahre 1574 zwei Fässer mit Kartoffeln von Teneriffa via Gran Canaria nach Rouen verschifft wurden. Geht man davon aus, dass mindestens fünf Jahre nötig waren, um so viele Kartoffeln zu erhalten, dass sie zum Exportartikel werden konnten, so fand die Einbürgerung der Pflanze auf den Kanaren spätestens 1562 statt.
Der früheste Beleg für die Kartoffel in Spanien findet sich in den Büchern des Hospital de la Sangre in Sevilla, das im Jahre 1573 Kartoffeln eingekauft hat. Man nimmt an, dass die Kartoffel Spanien frühestens 1564/65 und spätestens 1570 erreicht hat, da ansonsten der Botaniker Clusius, der das Land 1564 auf der Suche nach neuen Pflanzen bereiste, sie wohl bemerkt hätte. Von Spanien aus gelangte die Kartoffel nach Italien und breitete sich dann langsam auf dem europäischen Festland aus.
Auf die britischen Inseln soll die Kartoffel ohne den Umweg über Spanien gelangt sein. Wer die Kartoffel dorthin gebracht hat, ist nicht geklärt. Francis Drake war es jedenfalls nicht, wahrscheinlich auch nicht Walter Raleigh oder Thomas Harriot, Namen, die immer wieder in diesem Zusammenhang genannt werden. Erstmals belegt ist die Kartoffel in England im 1596 in London erschienenen Katalog der Pflanzen, die der Botaniker John Gerard in seinem Garten in Holborn züchtete.[7]
Nach Europa wurde die Kartoffel vielfach wegen der schönen Blüte und des üppigen Laubes als reine Zierpflanze importiert und als seltene Pflanze in botanische Gärten aufgenommen. Mitte des 16. Jahrhunderts tauchte sie in den Niederlanden, in Italien und in Burgund auf.
In Deutschland sollen die ersten Kartoffeln während der Regierung Ferdinand III. 1647 in Pilgramsreuth (Oberfranken) angebaut worden sein.[8] Im Kloster Seitenstetten in Niederösterreich verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, das bereits 1621 in Linz erschien.[9] Der Anbau in großem Stil begann 1684 in Lancashire, 1716 in Sachsen, 1728 in Schottland, 1738 in Preußen und 1783 in Frankreich.
Außerhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen wird die Kartoffel heute weltweit angebaut. Nachdem sich ihre Kultur in Europa durchgesetzt hatte und die Kartoffel zu einem Grundnahrungsmittel geworden war, brachten Europäer sie überall mit, wo sie später Fuß fassten. Im Einzelhandel werden heute neben den einheimischen Kartoffeln auch solche aus Sizilien, von den Kanarischen Inseln, aus Ägypten oder aus Südafrika angeboten. Auf Teneriffa oder auf Madeira wachsen Kartoffeln unter Palmen und neben Bananengärten. Dort sind zwei Ernten im Jahr möglich, der Export erfolgt vornehmlich in die Staaten der Europäischen Union. Aus Gründen des Ertrags werden Kartoffeln im Alpenraum nur noch selten bis auf 2.000 Meter Höhe angebaut. Eine dieser Anbauinseln ist der Lungau (Österreich), wo unter der Bezeichnung "Lungauer Eachtling" auf 150 ha verschiedene Sorten angebaut werden[10].
Systematik [Bearbeiten]

Solanum tuberosum wird innerhalb der Gattung der Nachtschatten (Solanum) in die Sektion Petota eingeordnet. Zu dieser Sektion gehören schätzungsweise 190 Arten, von denen viele Wildarten sind, die ebenfalls knollentragend sind. Zudem existiert eine große Anzahl an südamerikanischen Landsorten, die zum Teil mit zu Solanum tuberosum gerechnet werden, andererseits jedoch auch in bis zu 21 eigene Arten aufgeteilt werden. Die nächsten wilden Verwandten der kultivierten Kartoffel werden im Solanum brevicaule-Komplex zusammengefasst. Aufgrund phylogenetischer Untersuchungen konnte die Herkunft der südamerikanischen Landsorten und damit auch der kultivierten Kartoffel auf die südperuanische Art Solanum bukasovii aus dem Solanum brevicaule-Komplex zurückgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung widerlegten damit die These, dass die kultivierten Kartoffeln mehrere Ursprünge besitzen.[5]
Kartoffelanbau [Bearbeiten]

Wirtschaftliche Bedeutung [Bearbeiten]


73 % der Welternte von Kartoffeln wird von 12 Staaten erbracht
Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO [11] betrug im Jahr 2005 die Weltproduktion 322 Millionen Tonnen Kartoffeln.
Die führenden Anbauländer sind: (Produktion in Millionen Tonnen)
Land 1990 2000 2009 Ertrag 2009 (t/ha)
China 32 66 69 14,5
Indien 15 25 34 18,8
Russland 34 31 36 14,3
Ukraine 20 20 13,9
Vereinigte Staaten 18 23 20 46,3
Deutschland 14 12 11 44,1
Polen 36 24 10 19,9
In Deutschland nahm die Anbaufläche in den vergangenen Jahren stark ab. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die bundesweite Anbaufläche bei rund 267.400 Hektar Kartoffeln. 1990 waren es noch 548.000 Hektar. Niedersachsen liegt mit insgesamt 114.100 Hektar an der Spitze der Bundesländer. Auf dem zweiten Platz kommt Bayern mit 52.700 Hektar[12]. Die Erntemenge stieg 2004 auf 12,6 Millionen Tonnen, gegenüber 9,2 Millionen Tonnen im Vorjahr. Deutschland ist zudem wichtigstes Importland für Frühkartoffeln, die überwiegend aus Frankreich, Italien und Ägypten kommen. Wichtige Exportländer sind neben Frankreich die Beneluxstaaten und für Kartoffelprodukte auch Deutschland. Der Selbstversorgungsgrad betrug 2001 in Deutschland rund 108 %.
Marktversorgung von Speisefrühkartoffeln 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Ernte in Tonnen 559.000 468.000 486.000 453.000 514.000 477.000 447.000 508.000
Importe in Tonnen 107.000 130.000 118.000 112.000 146.000 95.000 136.000 121.000
Quelle: Statistisches Bundesamt
Anbaubedingungen [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Maine, USA


Kartoffelfeld von Gut Böckel in Rödinghausen
Unter guten Anbaubedingungen können von einem Hektar Ackerland in subtropischen Gebieten zwischen 25 und 35 Tonnen geerntet werden, im tropischen Klima erreichen die Ernten 15 bis 25 Tonnen je Hektar.
Für kultivierte Kartoffeln liegen die optimalen Temperaturbedingungen bei einem Tagesmittel zwischen 18 und 20 °C. Um die Knollenbildung zu fördern, ist eine Maximalnachttemperatur von 15 °C erforderlich, für das Knollenwachstum ist eine Bodentemperatur von 15 bis 18 °C optimal. Sinken die Temperaturen unter 10 oder steigen sie über 30 °C, stellt die Pflanze das Wachstum nahezu ein.
Kultivierte Kartoffeln werden in frühe (90 bis 120 Tage), mittlere (120 bis 150 Tage) und späte (150 bis 180 Tage) Sorten unterteilt. Wird bei zu kalten Temperaturen gepflanzt, können sich diese Angaben jedoch noch erhöhen. Zum erfolgreichen Anbau früher Kartoffelsorten ist ein Langtag von 15 bis 17 Stunden erforderlich, spätreifende Sorten erzielen sowohl unter Kurztags- als auch Langtagsbedingungen gute Ernten. Siehe dazu Photoperiodismus.
Um die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen zu unterbinden, wird empfohlen, ein Feld nur alle drei Jahre mit Kartoffeln zu bestellen. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 5 und 6 liegen, der Bedarf an Nährstoffen liegt bei 80 bis 120 kg Stickstoff je Hektar, 50 bis 80 kg Phosphor je Hektar und 125 bis 160 kg Kalium je Hektar. Der beste Ertrag für Sorten mit einer Reifezeit von 120 bis 150 Tagen wird bei einer Wassermenge von 500 bis 700 mm jährlichem Niederschlag erreicht.[13]. In Deutschland liegen die Erträge meist bei 30 bis 50 Tonnen je Hektar Anbaufläche[14]. Bei einzelnen Stärkekartoffelsorten wird bei Einsatz gezielter Bewässerung über 80 Tonnen Ertrag je Hektar berichtet[15].
Europa [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Nakkila (Finnland)
Die Vorbereitung des Ackers auf den Anbau von Kartoffeln beginnt in der Regel mit einer wendenden Grundbodenbearbeitung durch Pflügen entweder im vorhergehenden Herbst, um vor allem bei schweren Böden den Effekt der Frostgare auszunutzen, oder im Frühjahr. Bei Herbstpflugfurche erfolgt im Frühjahr nochmals eine lockernde Bodenbearbeitung durch nichtwendende Geräte auf rund 15 cm Tiefe. Das Pflanzbett sollte abgesetzt, feinkrümelig, klutenfrei und trocken sein, um den Legevorgang der Pflanzkartoffeln, den Dammaufbau, etwaige mechanische Pflegemaßnahmen und die Ernte zu erleichtern. Der Boden sollte einen guten Luft-, Wasser- und Wärmeaustausch ermöglichen. Flache, große und zusammenhängende Flächen mit feinen, sandigen Böden ohne Steine eignen sich besonders für den Kartoffelanbau. Zudem sind Gebiete mit geringerer Luftfeuchtigkeit, z. B. in trockeneren Regionen oder in höheren Lagen wegen des reduzierten Krankheitsrisikos besonders interessant für den Kartoffelanbau. Die Kartoffeln werden in allen Systemen in Dämmen angebaut, was dem vorher erwähnten Anspruch an den Boden entgegenkommt. Die Pflanzendichte und -anordnung im Feld (Reihen- und Pflanzenabstände) sind abhängig vom Nutzungszweck: Größere Bestandsdichten sind typisch für die Erzeugung von Pflanzgut und haben kleinere Knollen zur Folge. Beim Anbau der Kartoffeln für Nahrungszwecke sind die Bestandesdichten geringer und die Knollen größer. Angestrebt werden zum Beispiel beim Anbau für Speisezwecke zwischen 40.000 bis 45.000 Pflanzen je Hektar, zur Erzeugung von Pflanzkartoffeln aber rund 60.000 Pflanzen je Hektar. Teils werden Kartoffeln rund zwei Monate vor der Pflanzung vorgekeimt, um einen frühen Reihenschluss sicherzustellen.
Das Setzen der Pflanzkartoffeln erfolgt durch spezielle Legemaschinen, welche die Knollen in eine Tiefe von 8 bis 10 cm setzen und anschließend den Boden wieder in Dammform schließen. Der Abstand der Reihen beträgt zwischen 60 bis 90 cm; in Hinblick auf Spurweiten und Reifenbreiten der verwendeten Maschinen ist in Deutschland ein Reihenabstand von 75 cm gebräuchlich. Der Abstand der Pflanzen zueinander in der Reihe variiert je nach angestrebter Bestandesdichte zwischen 25 und 40 cm.[16]
Die Unkrautregulierung kann durch mechanische Bekämpfungsmaßnahmen, thermische Verfahren, dem Einsatz von Herbiziden oder durch Kombinationen dieser Bekämpfungsmet*** erfolgen. Im konventionellen Landbau ist die Unkrautbekämpfung durch Herbizide üblich[17], im ökologischen Landbau hingegen werden mechanische oder thermische Verfahren eingesetzt. Die mechanische Unkrautbekämpfung kann mit folgenden Geräten betrieben werden: Hackgerät mit Gänsefußschar, Vielfachgerät, Rollsternhacke, Netzegge, Dammformer, Dammfräse, Dammstriegel oder gewöhnlicher Striegel. Ziel der mechanischen Bekämpfung ist es, dass das keimende Unkraut aus dem Boden gelöst wird und dadurch in der Sonne verdorrt. Diese Maßnahme muss bei entsprechendem Auflauf von Unkräutern so oft wie nötig wiederholt werden, bis die Kartoffelstauden den Boden vollständig abdecken.
Am Ende der Vegetationszeit stirbt das Kraut ab. Es wird verbreitet auch abgetötet, wenn die Knollen genügend groß sind, um das Wachstum bei der optimalen Knollenbeschaffenheit zu unterbrechen, die Erntefähigkeit durch Lösen der Knollen von den Stolonen und Festigung der Schalen herbeizuführen und die Ansteckung der Knollen durch Krankheiten zu verhindern. Für diese Abreifebehandlung gibt es verschiedene Met***, welche vom Anbausystem abhängig sein können. Dazu gehören das mechanische Zerstören der oberirdischen Pflanzenteile durch Abschlegeln oder der Einsatz von Herbiziden (Sikkation).
Anbau weltweit [Bearbeiten]


Chuños, Kartoffeln, die nach traditionellem Verfahren in Peru und Bolivien im Boden gefriergetrocknet konserviert werden


Kartoffelernte in Indonesien
Dank der großen Anpassungsfähigkeit der Kartoffel wird diese heutzutage praktisch auf der ganzen Welt angebaut. Während der Anbau in entwickelten Ländern über die letzten zwei Jahrzehnte tendenziell abgenommen hat, war in Drittweltländern eine Zunahme zu beobachten, am deutlichsten in Asien. Diese Zunahme beruht sowohl auf der Ausdehnung der Anbauflächen wie auf der einfachen Einbeziehung der Kartoffel in bestehende Anbausysteme: Die Entwicklung von früh reifenden Sorten mit einer Vegetationszeit von 80 bis 100 Tagen erlaubt es z. B. in Indien, die Anbaupause zwischen Reis- und Weizenanbau ideal zu nutzen.
Die Anbautechniken in der Dritten Welt sind sehr unterschiedlich, je nach Wachstums- und Marktbedingungen. In den Anden, Zentralafrika und dem Himalaja werden Kartoffeln hauptsächlich von kleinen Subsistenzbetrieben von Hand angebaut. Ansonsten ist der Anbau in den meisten Regionen stark mechanisiert worden.
Anbaubeispiel Afrika ? Äthiopien
In Äthiopien werden Kartoffeln hauptsächlich in Rotations- und Mischanbau (?multicropping?)-Systemen während der großen Regenzeit angebaut. Die Saatbettbereitung wird vor der Regenzeit durchgeführt, meist ein bis zwei Monate vor dem Pflanzen. In vielen Regionen ist diese Feldbestellung noch mit Handarbeit oder mit Hilfe von Ochsen verbunden. Als Pflanzgut werden hauptsächlich ganze Knollen verwendet, da diese weniger anfällig auf Krankheiten sind und chemische Pflanzenschutzmittel kaum verwendet werden. Auch die Unkrautkontrolle wird hauptsächlich von Hand erledigt.
Anbaubeispiel Eurasien ? Indien
Die Großzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Indien sind kleine Familienbetriebe. Die Kartoffelproduktion erfolgt während des Monsuns von Juli bis September, wie auch im Winter, allerdings nur bei Bewässerung. Je nach Region sind Rotationen von Mais-Kartoffel-Weizen bzw. mit Reis oder Jute üblich.
Anbaubeispiel Amerika ? Peru
Peru liegt im Ursprungsgebiet der Kartoffel und noch heute gibt es viele wilde Sorten. Seit ungefähr 7.000 Jahren werden Kartoffeln angebaut und stellten lange Zeit das Hauptnahrungsmittel der Menschen dar. Der Hauptanteil der Kartoffelernte wird von Kleinbauern mit weniger als 3 ha Anbaufläche produziert. Grundsätzlich ist der Kartoffelanbau in zwei Zyklen aufgeteilt: das ?frühe Pflanzen? und das ?große Pflanzen?. Je nach Gegend sind die beiden Zyklen unterschiedlich wichtig. In der Fruchtfolge folgen auf Kartoffeln zuerst meist andere südamerikanische Wurzel- oder Knollenfrüchte und danach Quinoa oder Gerste. [18][19][20]
Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008 [Bearbeiten]
Einer Deklaration der UN-Generalversammlung vom November 2005 folgend[21], wurde am 18. Oktober 2007 in New York das Jahr 2008 als das Internationale Jahr der Kartoffel von den Vereinten Nationen eingeführt.[22]
Die Mission des Internationalen Jahrs der Kartoffel ist, das Bewusstsein für die Bedeutung der Kartoffel als Nahrungsmittel in den Entwicklungsländern zu steigern, Forschung und Entwicklung von kartoffelbasierten Systemen zu fördern und damit zum Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen beizutragen.[23] Die Kartoffel hat ein erhebliches Potenzial, bei der Bekämpfung der Unterernährung beizutragen.[24]
Aus Anlass des Jahrs der Kartoffel gab die Schweizerische Post zudem am 4. März 2008 eine Sonderbriefmarke[25] im Wert von 85 Rappen heraus.
Kartoffelsorten [Bearbeiten]



Kartoffel Atlanta


Verschiedene Kartoffelsorten auf einem Markt
Weltweit gibt es rund 5000 Kartoffelsorten. Diese sind aufgrund der vielen verschiedenen Verwendungszwecke und der geographisch weit auseinander liegenden Anbaugebiete gezüchtet worden. Zudem werden ständig weitere Sorten entwickelt. Die weltweit größte Gendatenbank mit zirka 100 wilden und 3800 in den Anden traditionell kultivierten Kartoffelsorten unterhält das internationale Kartoffelinstitut mit Sitz in Lima, Peru.
Die verschiedenen Sorten können nach der Reifezeit und dem Verwendungszweck unterschieden werden:
Reifezeit [Bearbeiten]
Dieses Kriterium ist für den Produzenten von großer Wichtigkeit. Die Sortenwahl hängt von den klimatischem Bedingungen und der Dauer der Vegetationsperiode ab. Folgende Kategorien werden unterschieden:
Die frühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 90?110 Tagen auf. Meist kann man sie im Juni-Juli ernten (wenn die Knollen im März-April gepflanzt worden sind). In Küstengebieten, welche schon früher frostfrei sind, ist sogar noch eine frühere Ernte möglich. Damit die frühreife Kartoffel bereits im Juni?Juli geerntet werden kann, muss schon früh die Anlage für die Knollen gebildet werden sowie auch das Wurzelwachstum schnell erfolgen. Dabei wird nicht nur der Ertrag, sondern auch die Stärkeeinlagerung in die Knollen reduziert, da diese verzögert zum Volumenwachstum erfolgt.
Beispiele für die frühreifen Sorten sind: Agata, Amandine, Birte Derby, Frühgold, Lady Christl, Lady Felicia
Die mittelfrühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 120?140 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrühreifen Sorten sind: Gourmandine, Bintje, Victoria, Ditta, Nicola, Urgenta, Pamela, Naturella, Désirée, Agria, Eden, Allians
Die mittelfrüh-späten Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 140?160 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrüh-späten Sorten sind: Atlanta, Lady Jo, Lady Claire, Innovator, Lady Rosetta, Marlen, Fontane, Hermes, Eba, Markies, Panda
Verwendungszweck [Bearbeiten]


Kartoffeleimer aus Email, Niederlande
Speisekartoffeln werden nach ihren Kocheigenschaften unterschieden. Nach der Handelsklassenverordnung müssen alle im Handel (auch lose) angebotenen Kartoffeln nach diesen Kocheigenschaften eingeordnet werden. In der EU werden Speisekartoffeln in vier Kochtypen eingeteilt, die mit den Buchstaben A bis D sowie Kombinationen daraus bezeichnet werden. Deutsche Kartoffeln werden darüber hinaus mit einem farbigen Streifen auf der Verpackung gekennzeichnet.
Kartoffel zu Speisezwecken
Festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: A und A-B
Farbkennzeichnung: grün
Sorten: Annabelle, Agata, Amandine, Anais, Belana, Charlotte, Cilena, Ditta, Filea, Hansa, Kipfler, Marabel[26], Linda, Nicola, Primura, Princess, Renate, Selma, Sieglinde, Spunta, Stella, Vitelotte
Form: Länglich bis oval
Konsistenz: fest, feinkörnig, feucht
Kocheigenschaften: Kein Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Bratkartoffeln, Gratins, Kartoffelsalat
Vorwiegend festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-A und B
Farbkennzeichnung: rot
Sorten: Agria, Arkula, Astilla, Atica, Bamberger Hörnchen, Bolero, Christa, Colette, Désirée, Finka, Gala, Gloria, Grandifolia, Granola, Hela, Jelly, Laura, Leyla, Maja, Quarta (Kartoffel), Rosara, Saskia, Saturna, Secura, Solara, Satina, Tizia, Ukama
Form: uneinheitlich
Konsistenz: feinkörnig, mäßig feucht
Kocheigenschaften: Geringes Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Salz- und Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Suppen
Mehlig kochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-C und C
Farbkennzeichnung: blau
Sorten: Adretta, Afra, Arkula, Aula, Bintje, Blauer Schwede, Freya, Karat, Karlena, Koretta, Libana, Likaria, Lipsi, Mariella, Melina, Naturella, Schwarzblaue aus dem Frankenwald
Form: uneinheitlich
Konsistenz: grobkörnig, trocken
Kocheigenschaften: häufiges Aufspringen
Geschmack: angenehm kräftig
Gerichte: Eintöpfe, Kartoffelpüree
übrige Kochtypen
Kochtypen: C-D und D
dies sind keine Kochtypen im Sinn der Handelsklassenverordnung
Konsistenz: stark mehlig, trocken
Kocheigenschaften: besonders locker bis zerfallend.
Sorten zur Weiterverarbeitung
Veredlungskartoffel
Pommes frites: Agria, Eba, Fontane, Innovator, Markies, Felsina
Kartoffelchips: Erntestolz, Fontane, Hermes, Lady Claire, Lady Rosetta
Kartoffelflocken: Saturna, Eba
Wirtschaftskartoffel
hoher Stärkegehalt
Futterkartoffel
Pflanzkartoffel
weitere Unterscheidungskriterien [Bearbeiten]


Kartoffeln mit violetter Fleischfarbe (Sorte Salad Blue)


rosa Kartoffeln (Sorte Rote Emmalie)
Stärkegehalt
Schalenfarbe
gelb: Karlena etc.
rot: Rode Eersteling etc.
blau: Blauer Schwede, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Fleischfarbe
weiß: Urgenta etc.
hellgelb: Charlotte, Ostara etc.
gelb: Bernadette, Gala, Donella etc.
blau-violett: Blauer Schwede, Salad Blue, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Knollenform
lang: Bernadette etc.
oval: Marabel, Donella etc.
kugelrund: Gala, Adretta etc.
nierenförmig
Schalenbeschaffenheit
glatt: Marabel etc.
Kartoffelsorten sind in Deutschland beim Bundessortenamt in Hannover registriert und unterliegen für dreißig Jahre einem Sortenschutz. Dies bedeutet, dass bei Anbau Lizenzabgaben an den jeweiligen Schutzrechtsinhaber fällig werden können. Dadurch kann es zu Konflikten mit Anbietern kommen, etwa wenn etablierte Sorten nach Ablauf der Schutzfrist vom Markt genommen werden ? ein freier Verkauf von Saatgut ist nicht mehr erlaubt (siehe Kartoffelsorte Linda). Die Vermehrung aus eigenen Beständen und der Verkauf zum Verbrauch sind dagegen erlaubt.
In der Schweiz wird die Weiterentwicklung der Kartoffel von den Forschungsstationen Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) und Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) betrieben. Die aktuelle Sortenliste umfasst 31 Sorten.
Wichtige Krankheiten und Schädlinge [Bearbeiten]

Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze [Bearbeiten]
Kartoffelfäule, auch als Kraut- und Knollenfäule bekannt (Phytophthora infestans)
Dürrf***krankheit oder Hartfäule (Alternaria solani)
Weißhosigkeit, Kartoffelpocken, Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani)
Pulverschorf (Spongospora subterranea)
Weißfäule (Kartoffel) (Fusarium coeruleum)
Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum)
Silberschorf (Helminthosporium solani)
Fusarium-Welke (Fusarium oxysporum)
Colletotrichum-Welkekrankheit (Colletotrichum coccodes)
Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Schwarzbeinigkeit und Nassfäule (Erwinia carotovora)
Kartoffelschorf (Streptomyces scabies)
Bakterienringfäule (Clavibacter michiganensis subsp. sepedonicus)
Schleimkrankheit (Ralstonia solanacearum)
Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Blattrollkrankheit, verursacht durch Blattrollvirus (Potato leafroll virus, PLRV)
Strichelkrankheit, verursacht durch Y-Virus
Mosaikkrankheiten: (Leichte Mosaik-Krankheit und Kräuselmosaik-Krankheit)
Stängelbuntkrankheit, verursacht durch Tabakmosaikvirus
Eisenfleckigkeit bzw. Tabak-Rattle-Virus (TRV) oder Tabak-Mosaik-Virus (TMV)
Insekten (Insecta) [Bearbeiten]


Von den Larven des Kartoffelkäfers befallene Kartoffelstaude
Saatschnellkäfer (Agrigotes obscurus)
Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)
Blattläuse (Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae), Grüne Pfirsichblattlaus (Myzodes persicae))
Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) resp. Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani)
Wintersaateule (Agrotis segetum)
Asseln [Bearbeiten]
Kellerassel
Fadenwürmer (Nematoda) [Bearbeiten]
Goldnematoden (Heterodera rostochiensis)
Stengelälchen (Ditylenchus dispaci)
[27] [28]
Lagerung [Bearbeiten]



Ergebnis falscher Lagerung
Damit Kartoffeln das gesamte Jahr über angeboten werden können, werden diese nicht nur aus fernen Anbaugebieten importiert, sondern auch hierzulande eingelagert. Sie werden in dunklen, gut belüfteten Lagerstätten bei 5?10 °C und etwa 90 % Luftfeuchtigkeit aufbewahrt. Zum Teil kommen hierbei Keimhemmungsmittel und Fungizide zum Einsatz. Bei einer zu kalten Lagerung würden die Knollen ?erfrieren?, die enthaltene Stärke wandelt sich dabei in Zucker um; bei zu warmen Temperaturen und Lichteinfall würden sie zu keimen beginnen und giftiges Solanin bilden. Zu trockene Lagerung lässt die wasserhaltigen Knollen welken, ebenso gilt es Schimmelbildung durch Feuchtigkeitsstau zu vermeiden. Des Weiteren verhindert eine niedrige Schütthöhe schädliche Druckstellen.[29] Das gemeinsame Lagern mit Obst (wie etwa Äpfeln) ist nicht empfehlenswert.
Verwendung [Bearbeiten]

Kartoffeln finden Verwendung als Nahrungs- und Futtermittel sowie zur Herstellung von Stärke und Alkohol. Dabei werden beispielsweise in Deutschland fast 60 % der Kartoffelernte direkt als Nahrungsmittel genutzt. Etwa 30 % der Kartoffelernte wird für die Herstellung von Stärke und etwa 4 % für die Ethanolgewinnung genutzt. Von der verbleibenden Ernte fallen etwa 6 % als Saatgut und gerade mal 1,2 % als Futtermittel an.[30]
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Deutschland immer weniger Kartoffeln gegessen, der Verbrauch hat sich mehr als halbiert. Die Nahrungsmittelindustrie versucht immer mehr Fertiggerichte aus Kartoffeln auf den Markt zu bringen. Kartoffelchips, Pommes frites, Kroketten, Fertig-Rösti und Trockenflocken werden zwar immer mehr konsumiert, als Beilage zum Fleisch werden jedoch auch häufig Alternativen wie Reis und Teigwaren gewählt, die noch leichter zuzubereiten sind.
Der durchschnittliche Kartoffelverbrauch pro Bundesbürger und Jahr liegt etwa bei 50 Kilogramm.[31]
Futterkartoffel [Bearbeiten]
Preisgünstigere Futterimporte, besonders von stärkereichen Futtermitteln, machen der Kartoffel auch als Viehfutter große Konkurrenz.
Seit dem 19. Jahrhundert werden in Mitteleuropa die Schweine mehrheitlich nicht mehr auf die Weide getrieben, sondern im Stall gehalten. Die früher von den Schweinen so geschätzte *** und andere Waldfrüchte wurden zuerst vor allem durch die kostengünstigere Kartoffel ersetzt. Eine Ausnahme sind nur Schweine, die zur Herstellung von Spezialitäten wie dem Jamón Ibérico de Bellota gehalten werden. In den letzten Jahrzehnten werden immer mehr Mastmittel auf dem Weltmarkt eingekauft. Gegen die niedrigen Weltmarktpreise des häufig in Entwicklungsländern produzierten Sojas hat die im Inland angebaute Kartoffel einen schweren Stand.
Stärkekartoffel [Bearbeiten]


Kartoffeldammformer
Neben Kartoffeln gibt es viele Stärkepflanzen, die Organe mit einem hohen Gehalt an Stärke besitzen. Stärke stellt oft einen wichtigen Bestandteil der menschlichen und tierischen Ernährung dar. Zudem ist sie ein nachwachsender Rohstoff (Nawaro), der sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden kann (Stärke als nachwachsender Rohstoff). In Deutschland wurden im Jahr 2008 rund 1,53 Millionen Tonnen (Europa: 9,4 Millionen Tonnen) Stärke produziert. Dabei stammten 42 % der produzierten Stärke aus der Kartoffel. In Europa ist der Anteil der Kartoffel an der Stärkeproduktion mit 16 % bzw. 1,5 Millionen Tonnen geringer.[32]
Ein Teil der Stärke wird in aufgereinigter Form gewonnen und vor allem in der Nahrungsmittelindustrie und für die stoffliche Nutzung verwendet. Stärke besteht ? je nach Art ? zu unterschiedlichen Anteilen aus dem verzweigten Amylopektin und der linearen (unverzweigten) Amylose. Da für die industrielle Verwertung vor allem Amylopektin benötigt wird, werden Stärkepflanzen mit möglichst hohem Amylopektingehalt bevorzugt. In Deutschland benötigt die Papier- und Wellpappeindustrie jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Tonnen native Kartoffelstärke mit hohem Amylopektingehalt während mehr als 250.000 Tonnen für die Herstellung von modifizierten Stärken (vor allem Dextrine, Stärkeester und -ether) genutzt werden. Diese Modifikate werden zu etwa 50 % in der Papierindustrie als Papierstärke genutzt, weitere 17 % gehen in die Produktion von Pappen und Klebstoffen. Das verbleibende Drittel wird in der Lebensmittelindustrie genutzt, vor allem für Fruchtzubereitungen und Milchprodukte.
Biotechnologie [Bearbeiten]
In der EU befand sich die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffelsorte Amflora seit 1996 im Zulassungsverfahren, deren Stärke fast ausschließlich aus Amylopektinen besteht.[33] Amflora wurde im März 2010 zum Anbau und als Futtermittel zugelassen. Daneben hat auch das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) mit dem TILLING-Verfahren eine Karoffelsorte gezüchtet, die ausschließlich Amylopektin enthält. TILLING steht für ?Targeting Induced Local Lesions In Genoms? und ist ein Züchtungsverfahren bei dem durch Zugabe von Chemikalien die natürliche Mutationsrate von Pflanzengenomen erhöht wird. Daher kommt dieses Verfahren ohne gentechnische Veränderung aus.[34]
Es wurden bereits mehrere Bt-Kartoffelsorten getestet, die resistent gegen den Kartoffelkäfer sind. Ihnen wird insbesondere in Osteuropa und Russland Potenzial vorhergesagt.
Volksmedizin [Bearbeiten]
Kartoffelsaft wird in der Volksmedizin innerlich bei Magenbeschwerden und äußerlich bei Verletzungen oder Geschwüren angewendet.
Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten [Bearbeiten]

Gepellte/geschälte Kartoffeln enthalten:[35]
ca. 15 Prozent Kohlenhydrate (Stärke)
ca. 2 Prozent Eiweiß
ca. 0,1 Prozent Fett
ca. 2,1 Prozent Ballaststoffe
ca. 78 Prozent Wasser
ca. 1 Prozent Mineralstoffe und Spurenelemente wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen
zahlreiche Vitamine, hauptsächlich Vitamin C, aber auch Vitamin A und Vitamine der B-Gruppe
Stoffe, die für den Geschmack und den Geruch der Knolle verantwortlich sind; etwa 140 chemische Verbindungen wurden in rohen, gekochten oder dehydrierten Kartoffeln entdeckt. Die wichtigsten sind 1-Octen-3-ol, (E)-2-Octenol, (E)-2-Oct*** und Geraniol, sowie 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin, welches die erdige Note im Geruch und Geschmack hervorruft. Derivate des Pyrazin sind es auch, die das Aroma gebackener Kartoffeln ausmachen.[35][36]
Eiweiß liefert die Kartoffel zwar in be***ner Menge, dafür ist es aber vergleichsweise hochwertig. Von allen pflanzlichen Eiweißlieferanten hat sie den höchsten Anteil an verwertbarem Eiweiß, das Kartoffeleiweiß verfügt also über eine hohe biologische Wertigkeit. Besonders reich ist das Knollengewächs an den Vitaminen B1, B2 und C.
100 Gramm frische Kartoffeln entsprechen einer Energiemenge von etwa 298 Kilojoule, das entspricht 70 Kilokalorien.[37]
Alkaloide in Kartoffeln [Bearbeiten]
Kartoffelschalen und ergrünte Kartoffeln enthalten gegenüber geschälten normalen Kartoffeln ein mehrfaches an Alkaloiden, allen voran das für die Gattung der Nachtschatten typische Solanin, welches in allen Teilen einer Kartoffelpflanze vorkommt. Kartoffeln die bei Tageslicht gelagert werden ergrünen, was ein Zeichen erhöhter Solaningehalte ist. Aus diesem Grunde sollte man Kartoffelschalen und grüne Kartoffeln nicht in größeren Mengen für die Ernährung oder Fütterung verwenden. Der Solaningehalt von Kartoffeln war früher wesentlich höher als heute. Modernere Kartoffelsorten weisen einen Solaningehalt von 3 bis 7 mg/100 g in der Schale auf, der Gehalt im Kartoffelkörper ist wesentlich geringer. Wenngleich die Dosis von 200 mg, bei der erste Vergiftungserscheinungen bei erwachsenen Menschen auftreten können dem Genuss von mehr als 25 Kilogramm ungeschälter roher Kartoffeln entspricht, sollte man Kleinkinder und geschwächte Personen vom Verzehr auch kleiner Mengen ergrünter Kartoffeln fernhalten. Durch Lagerung im Dunkeln, Schälung und Zubereitung wird der Gehalt an Solanin reduziert bzw. abgebaut. Die erhältlichen Kartoffelsorten haben unter den üblichen Bedingungen keinen gesundheitlich bedenklichen Glycoalkaloid-Gehalt.[38] Das gilt jedoch nicht unbedingt für ältere Sorten.
Neben Solanin enthalten grüne Knollen und Keimlinge Chaconin und Leptine.
Regionale Namen [Bearbeiten]

Es haben sich zahlreiche Regionalnamen für die Kartoffel entwickelt, darunter Arber, Ärpel, Bramburi (im Norden Niederösterreichs, vermutlich aus dem tschechischen von Lilek brambor abgeleitet), Erdapfel (Erdtoffel), Erdbirn, Flezbirn, Grübling, Grundbirn, Knulle (im Süden von Brandenburg), Krumbiir, Krumbeer, Nudel, Schucke, Bulwe, Kästen und Erpfel. Im Plattdeutschen wird sie Tüfte, Tüffel oder Pipper genannt. In Franken verwendet man noch vereinzelt die Bezeichnung Potacken oder, näher an der Aussprache, Bodaggn. In Teilen von Rheinland-Pfalz (hauptsächlich der Pfalz) und dem Saarland nennt man die Kartoffeln Grumbeere oder Grumbiere, so auch in den benachbarten Nordelsass, der Kurpfalz und Nordbaden. In Luxemburg sagt man Gromper; in Trier wird Gromper aber eher als Krumpa ausgesprochen. Dafür wird in Schwaben das ähnliche Wort Grombiera verwendet (Herleitung: grom, ähnlich Krume oder Boden, und biera, ähnlich Beere(n), zusammen also Erdfrucht). Im österreichischen Deutsch heißen sie Erdäpfel (Alemannisch Härdöpfel, Berndeutsch Härdöpfu), im Salzburger Lungau sagt man Eachtling dazu. Auf Grund unterschiedlicher Dialektvarianten können die Namen bereits von Ort zu Ort wechseln: Ebbiera und im Nachbarort heißen die Kartoffeln schon: Eaberra.
Der Wortstamm Grumbier hat sich auch in den südslawischen Sprachen verbreitet: auf serbokroatisch heißt die Kartoffel Krumpir.
Ähnlich ist Kumpir, ein türkisches Fastfood-Gericht, es besteht vor allem aus großen Kartoffeln.
Im Russischen und Polnischen wurde dagegen ?Kartoffel? als Fremdwort übernommen, wobei in Polen auch der Begriff ziemniak (Erdling) verbreitet ist. Der tschechische Begriff brambor leitet sich von Braniborsko (Brandenburg) ab, von wo aus die Kartoffel einst nach Böhmen eingeführt wurde.
Siehe auch [Bearbeiten]

Liste von Kartoffelsorten
Kartoffelroder
Kulturgeschichte der Kartoffel
Literatur [Bearbeiten]

Horst Eichhorn (Hrsg.): Landtechnik. 7. Auflage. S. 357 ff., Ulmer, Stuttgart 1952, 1999, ISBN 3-8001-1086-5
Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau. 7. Auflage. S. 219 ff., 283 f., Ulmer, Stuttgart 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6
FAO: INTERNATIONAL YEAR OF THE POTATO 2008: New light on a hidden treasure. Rom 2009, ISBN 978-92-5-306142-8 (formal falsche ISBN). online verfügbar
Einzelnachweise [Bearbeiten]

? James A. Duke: Solanum tuberosum L. In: Handbook of Energy Crops. 1983, unveröffentlicht.
? a b W. Troll: Praktische Einführung in die Pflanzenmorphologie. Erster Teil. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1954, S. 226-230. (ohne ISBN)
? ?Potato Genome Sequence is the cover story in the journal Nature?. Potato Genome Sequencing Consortium, 10. Juli 2011.
? Chloe McIvor: All eyes on the potato genome. Nature, 10. Juli 2011.
? a b David M. Spooner, Karen McLean, Gavin Ramsay, Robbie Waugh, und Glenn J. Bryan: A single domestication for potato based on multilocus amplified fragment length polymorphism genotyping. In: Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America. Volume 102, 2005. Seiten 14694-14699. doi:10.1073/pnas.0507400102
? Centro Internacional de la Papa: Papas nativas poseen ventajas comparativas que deben ser aprovechadas (2006)
? Jos. A. Massard: 300 Jahre Kartoffel in Luxemburg: (I) Europa entdeckt die Kartoffel. (II) Grundbirne, Grompir, Gromper: die Kartoffel erobert Luxemburg. (III) Die Kartoffel in Luxemburg im 19. Jh. Lëtzebuerger Journal 2009, [I] Nr. 15 (22. Jan.): 23; Nr.16 (23. Jan.): 10, Nr. 17 (24./25. Jan.): 11; [II] Nr. 18 (27. Jan.): 23, Nr. 19 (28. Jan.): 21; [III] Nr. 20 (29. Jan.): 9, Nr. 21 (30. Jan.): 21. Text mit Referenzen.
? Erster feldmäßige Kartoffelanbau in Bayern. historisches-franken.de, abgerufen am 27. Mai 2007.
? Honorius Philoponus [= Pseudonym von Caspar Plautz], Nova Typis Transacta Navigatio. Novi Orbis Indiae Occidentalis ..., [Linz] 1621.
? Lungauer Eachtling
? Statistik der FAO
? Henke, Detlef: Kartoffel-Anbau-Rangliste der Bundesländer basierend auf den Daten des Statistischem Bundesamtes(Daten Juni 2009)
? AGLW Water Management Group: Crop Water Management - Potato. FAO. Online Resource, abgerufen am 13. Juni 2007.
? Landwirtschaft MLR Baden-Wuerttemberg
? Landwirtschaft.Sachsen.de, Seite 37
? Bodo Frahm, BGJ Agrarwirtschaft, 4. Auflage, Ulmer, Stuttgart, 1980, 1991, ISBN 3-8001-1049-0, S. 459
? Anbauhinweise der Landwirtschaftskammer NRW
? CIP-Forschung
? Beukema, van der Zaag: Introduction to Potato Production. Pudoc Wageningen 1990
? Paul M. Harris: The potato crop. Chapman and Hall 1992
? United Nations Declaration gefunden am 29. Februar 2008
? Launching of the International Year gefunden am 29. Februar 2008
? IYP concept gefunden am 29. Februar 2008
? Die Kartoffelchance 1999
? Kartoffel-Sondermarke
? Sorte Marabel
? Umfangreiche Beschreibungen der Kartoffelkrankheiten
? oekolandbau.de
? Toffi KISS-Projekt, begleitende Webseite zur Ausstellung über die Kartoffel, Wilfried Ahrens, Fachhochschule Weihenstephan
? Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2007. Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup 2008; Zahlen für Deutschland 2005/6 (in 1000 t): Inlandsverwendung insgesamt: 9687; Saatgut 602; Futter: 108; Verluste: 287; Verwendung für Stärkeherstellung: 2964 (ergibt 710 kt Stärke); Verwendung für Alkoholherstellung: 156 (ergibt 177 khl Alkohol); Nahrungsverbrauch: 5572
? Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass?. In: Südkurier vom 23. März 2011
? Zahlen und Daten zur deutschen Stärkeindustrie. Angaben vom Fachverband der Stärke-Industrie e. V.
? www.bioSicherheit.de: Gv-Stärkekartoffel als Nachwachsender Rohstoff: Amflora - eine Kartoffel für die Industrie. Abgerufen am 8. April 2009.
? Fraunhofer-Gesellschaft: Turbo-Züchtung schafft Super-Kartoffel, Presseinformation vom 8. Dezember 2009
? a b Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.): Die Kartoffel. (PDF)
? G. Reineccius: Sourcebook of Flavors. 2. Auflage. Springer 1993. ISBN 978-0-8342-1307-4. S. 362
? Souci/Fachmann/Kraut. Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, 5. Auflage, 1994.
? Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Solanin (Glycoalkaloide) in Kartoffeln
Weblinks [Bearbeiten]

Commons: Kartoffel ? Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kartoffel ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks: Kochbuch, Gerichte mit Kartoffeln ? Lern- und Lehrmaterialien
Wikiquote: Kartoffel ? Zitate
Kartoffelsortenliste des deutschen Bundessortenamts (2007) (PDF-Datei; 303 kB)
International Potato Center/Centro Internacional de la Papa (Internationales Kartoffelforschungszentrum, englisch/spanisch)
Encyclopedia of Life: umfassende Informationen zur Pflanze (englisch)
United Nations International Year of the Potato 2008 (englisch)
Dieser Artikel wurde in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
Einklappen
Gemüse des Jahres in Deutschland
***bohne (1999) | Gartenmelde (2000) | Tomate (2001) | Flaschenkürbis (2002) | Kartoffel (2003) | Körnerbohne (2004) | Zichorie (2005) | Kopfkohl (2006) | Gartensalat (2007?2008) | Erbse (2009?2010) | Pastinaken (2011?2012)

Kategorien: Wikipedia:LesenswertKartoffelNachtschattenNutzpflanze
Anmelden / Benutzerkonto erstellenArtikelDiskussionLesenQuelltext anzeigenVersionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel
Mitmachen
Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen
?????
Afrikaans
Alemannisch
????
Aragonés
Ænglisc
???????
????
???????
Asturianu
Aymar aru
Az?rbaycanca
?????????
Boarisch
?emait??ka
??????????
??????????? (???????????)?
?????????
?????
???????
Brezhoneg
Bosanski
Català
Cebuano
?????
Corsu
?esky
Kaszëbsczi
Cymraeg
Dansk
Zazaki
Dolnoserbski
????????
English
Esperanto
Español
Eesti
Euskara
?????
Fulfulde
Suomi
Français
Frysk
Gaeilge
??
Gàidhlig
Galego
???????
Gaelg
?????
??????
Hrvatski
Hornjoserbsce
Kreyòl ayisyen
Magyar
???????
Bahasa Indonesia
Iñupiak
Ido
Íslenska
Italiano
???
Basa Jawa
???????
Qaraqalpaqsha
???????
?????
???
????? ????
????????-???????
????? - ?????
Ripoarisch
Kurdî
????
Latina
Lëtzebuergesch
?????
Lumbaart
Lietuvi?
Latvie?u
Basa Banyumasan
???????
Malagasy
??????????
??????
??????
?????
????? ????
Bahasa Melayu
N?huatl
Nnapulitano
Plattdüütsch
Nedersaksisch
??????
????? ????
Nederlands
?Norsk (nynorsk)?
?Norsk (bokmål)?
Diné bizaad
Occitan
????
Kapampangan
Picard
Pälzisch
Polski
??????
Português
Runa Simi
Kirundi
Român?
???????
??????????
Kinyarwanda
?????????
???? ????
Sardu
Sicilianu
Scots
Sámegiella
Srpskohrvatski / ??????????????
Simple English
Sloven?ina
Sloven??ina
Gagana Samoa
chiShona
Shqip
?????? / Srpski
Seeltersk
Basa Sunda
Svenska
Kiswahili
?l?nski
?????
??????
???
Tagalog
lea faka-Tonga
Türkçe
??????????
????
Ti?ng Vi?t
West-Vlams
Walon
Winaray
??
??????
??
Bân-lâm-gú
??
isiZulu
Diese Seite wurde zuletzt am 27. März 2012 um 07:30 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.














ZIITIERT VON ANDERN TM-USERN


ZIRTIERT
Rihanna4ever
05.04.12 um 19:54
Avatar von Rihanna4ever

Re: Brauchst du Credits?

Zitat von MelikaZeichnung (Kunst)

Diese Seite wurde zuletzt am 27. März 2012 um 10:44 Uhr geändert.

Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben. Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

Der Vitruvianische Mann von Leonardo da Vinci (Feder und Tinte 1509)

Ägyptisches Ostrakon, Louvre

Mittelalterliche Buchmalerei aus dem Heidelberger Sachsenspiegel, um 1300

Gunter Böhmer: ?Zirzensische Szene? 1981 (Tuschzeichnung) Porträtstudie Max Slevogt von Emil Orlik, Bleistiftzeichnung, 1917

Japanische Tuschmalerei von Sessh? T?y?

Beispiel einer Skizze (von Charles-Alexandre Lesueur, 1831)

Beispiel einer farbigen Zeichnung von Gustav Klimt

Verschiedene Zeichenmittel und -geräte

Beispiel für Linienzeichnung mit Schraffuren und Schattierung ("Schummern")

Unterschied: Schraffur und ?Schummern?

Tintenzeichnung mit Lavierung

Skizzenzeichnung mit Weißhöhungen von William Adolphe Bouguereau

Portrait Martin Heidegger, Pinselzeichnung von Herbert Wetterauer

Eine Zeichnung ist ein Bild, das ein Motiv in vereinfachender Weise mit Linien und Strichendarstellt. Das unter***t die Zeichnung von der Malerei, die ein Motiv durch den Einsatz von Farben und Tonwerten darstellt. Seit dem 19. Jahrhunderthatsich alsFachausdruckfüralle nicht-malerischenzweidimensionalen Darstellungen der Ausdruck Grafik etabliert. Darin kommt auch zum Ausdruck, dass ?zeichnen? begriffsgeschichtlich mit ?Zeichen? verwandt ist. Zur Grafik zählen neben der Zeichnung auch Drucke, Mosaike und Sgraffito.

Nach der klassischen Auffassung betont eine Zeichnung im engeren Sinne die Umrisslinien eines Motivs. Diese Linien können mit Hilfe von weiteren Strichen (Schraffuren) ergänzt werden, um einen räumlichen Eindruck zu erzeugen. Die Darstellung ist dabei entweder monochrom oder verwendet vorgegebene Farben, die nicht vor dem Auftragen zusammengemischt werden. Heute kommen in der künstlerischen Zeichnung allerdings zahlreiche Mischtechniken zum Einsatz, durch die in der Praxis die akademische Grenze nicht immer eindeutig zu ziehen ist. Bereits die Pinselzeichnung setzt neben Linien und Strichendie Lavierung als Darstellungsmittel ein.

In der Regel ist die künstlerische Zeichnung eine Handzeichnung (auch Freihandzeichnung).Zeichnungen können aber auch mit Hilfsmitteln (Lineale, Schablonen) gestaltet werden; oft ist dies bei technischen Zeichnungen der Fall.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]

1 Geschichte 1.1 Anfänge 1.2 Mittelalter 1.3 Neuzeit 1.4 Moderne 1.5 Ostasiatische Zeichenkunst 2 Theorie 3 Zeichenmaterial 3.1 Zeichengründe 3.2 Zeichenmittel 3.3 Zeichengeräte 4 Technik 4.1 Die Linie 4.2 Geschichte der Linie 4.3 Schraffur 4.4 Lavieren 4.5 Kombinierte Techniken 5 Herausragende Zeichner der Kunstgeschichte 6 Literatur 7 Siehe auch 8 Weblinks 9 Einzelnachweise

Geschichte [Bearbeiten]

Anfänge [Bearbeiten]

Die Anfänge der Zeichnung fallen mit dem Beginn der menschlichen Kulturgeschichte zusammen.ÄltesteZeugnisse sindFelszeichnungen ausderZeit vonca. 20.000 v. Chr.. Motive sind vor allem die Jagd, der Krieg und vermutlich magische Symbole. Es wird angenommen,dass diese Werke insgesamtreligiös-magischen Ursprungs sind, etwa um Einfluss zu nehmen auf den Ausgang der Jagd oder kriegerische Auseinandersetzungen. Neben in den Fels geritzten Zeichnungen haben die urzeitlichen Maler Holzkohle, und aus Erden und Pflanzen gewonnene Mal- und Zeichenmittel wie Ocker verwendet. Bedeutende Funde stammen aus dem spanischen Altamira und dem französischen Lascaux.

Alle späteren Hochkulturen haben Werke hervorgebracht, die auf der Verwendung von Linien beruhen. Oft stehen diese Werke entweder in enger Verbindung mit der Entwicklung der Schrift oder sind formalisierte Zeichen und Symbole ohne individuellen Ausdruck. Eine bedeutsameWeiterentwicklung erfährt die Zeichnung ab etwa 3000 v. Chr. in Ägypten und später im Römischen Reich mit dem Fresko, einer dekorativen Wandmalerei, die oft SpurenvonVorzeichnungenaufweisen. Zeichnerische Entwürfe für solche Fresken sind auf Tonscherben (Ostraka) überliefert.Ab 1000 v.Chr.werden Tonvasen zu einembedeutenden Zeichnungsträger, insbesondere in der attischen Kultur. Zunächst wurden Linien in den unbehandelten Ton geritzt. Aus spätererZeit findensich aufwendig gestaltete Zeichnungen auf weiß grundierten Gefäßen. Aus der schriftlichen Überlieferung istbekannt, dass ab 500 v. Chr.imgesamtenMittelmeerraum Zeichnungen auf grundiertem Holz und mit Silberstift auf Pergament angefertigt wurden. Weil das Material aber leicht vergänglich ist, sind keine Beispiele überliefert.

Mittelalter [Bearbeiten]

Im Mittelalter hat die Zeichnung nicht nur Bedeutung als Mittel des Entwurfs für Malerei, Skulptur und Architektur, sondern gewinnt insbesondere in der Buchmalerei einen neuen Entwicklungshöhepunkt. Allerdings bleibt sie in ihrer Funktion eingebunden, ist also nicht selbstständiges Kunstwerk. Wichtigster Ausdruck der Zeichenkunst sind Miniaturen und Marginalzeichnungen am Rande wertvoller Handschriften. Die meisterhafte Beherrschung findet ihren Ausdruck insbesondere in den Handschriften iroschottischer und italienischer Klöster und Abteien. Eines der wichtigsten Dokumente ist das irische Book of Kells aus dem 9. Jahrhundert. Mit der Möglichkeit der Papierherstellung, das ab dem 14. Jahrhundertzunehmendan die Stelle desteuren Pergaments tritt, werden Studien und Übungszeichnungen möglich. In den europäischen Malschulen sind Meisterzeichnungen und Skizzenbücherweitverbreitet, die den Schülern als Vorlagen fürihr reproduzierendes Schaffen nach den Malregeln des jeweiligen Meisters gelten. Obwohl für die mittelalterlichen Buchillustrationendie Bezeichnung Malerei üblich ist, handelt es sich in der Regel um kolorierte Zeichnungen, bei deren Erstellung Zeichner (Adumbrator) und Maler (Illuminator) nacheinander die Illustration erstellten.

Neuzeit [Bearbeiten]

Im 15. Jahrhundert beginnt die Zeichnung an Eigenständigkeit zu gewinnen. Die wichtigste ästhetische Neuerung dieser Zeit ist die Entwicklung der Zentralperspektive, die einhergeht mit einem neuen Bemühen um realistische Darstellung. Die Antike und ihre Kunstwerke werden zum ästhetischen Ideal erhoben (Renaissance). Der Zeichnung kommt hier als Mittel des Studiums und als Entwurfsmedium eine besondere Bedeutung zu. Zudem wird sie zu einem beliebten Sammlerobjekt, was die reichhaltige Überlieferung seit dieser Zeit erklärt.

Einen neuen Höhepunkt erreicht die Zeichnung in der italienischen Renaissance und insbesondere im Manierismus. Viele Zeichnungen sind in Skizzenbüchern enthalten, was darauf verweist, dass die Zeichnung das bevorzugte Mediumfürbildliche Studien war. In der Regel wird auf Papier gezeichnet, wobei Silberstift, Kohle, Rötel und weiße Kreide zu den wichtigsten Zeichenwerkzeugenzählen.AuchFeder,Pinselund Tinte werden verwendet.Stilistisch lassensich deutliche Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa ausfindig machen. Während in Südeuropa das künstlerische Leitmedium die Malerei ist, sind es in Nordeuropa in besonderer Weise Drucke und Stiche. In den Zeichnungen aus Deutschland und Holland ist dieser Einfluss unverkennbar. In Barockzeit und im Rokoko dominiert aber auch im Norden die Malerei den Zeichenstil. Bedeutendster Zeichner diese Zeit ist Rembrandt, der über 2000 Zeichnungen hinterlassen hat, meist Studien und Entwürfe.

Im 18. Jahrhundert geht ein neuer Entwicklungsimpuls für die Zeichnung von der Neuentwicklung von Buntkreiden und Pastellfarben. Vor allem Antoine Watteau hatmitdiesenneuenMedien experimentiert und eine prägende Formsprache entwickelt. Beliebte Sujets sind Porträtstudien ? Ausdruck der bürgerlichen Betonung des Individuums ? und Landschaftszeichnungen.Die Zeichnung gewinnt immer stärker an unterschiedlichen gestalterischen Elementen. Ausdruck dafür ist zum Beispiel die enge Verbindung von Zeichnung und Aquarell.

Moderne [Bearbeiten]

Die moderne Zeichnung seit Ende des 19. Jahrhunderts istgeprägtdurch eine große Freiheit in der Wahl zeichnerischer Mittel. Die Grenze zwischen Malerei und Zeichnung verwischt umso stärker, als die farbliche Gestaltung etwa mit Hilfe von Pastellfarben und Kreiden oder die plastische Gestaltung durch Verwischen und Verreiben die Eindeutigkeit der Linie in den Hintergrund treten lassen. In einigen Richtungen, etwa dem Pointillismus und Impressionismus, scheinen zeichnerische Mittelganz zu verschwinden. ImExpressionismus weicht die Linie dem ausdruckstarken, dramatischen Strich.AufderanderenSeite findensich zumBeispielbei Pablo Picasso Gemälde,die aus nichts weiter als der Linie aufgebaut sind. Ob ein Bild Zeichnung oder Malerei ist, lässt sich mit Hilfe der klassischen Kriterien nicht mehr eindeutig beantworten.Das aber istgerade einZiel derunterschiedlichen Kunstbewegungen bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:Die akademischenFormregelnsollennichtmehrohne weiteres gelten.

Obwohl einige bedeutende Künstler seit Ende des 19. JahrhundertimmerwiederZeichnungenproduzierthaben, spricht man aufgrund der Uneindeutigkeit der zeichnerischenMittelvoneinerKrise derZeichnung inderModerne. Die ästhetische Hochkultur konzentriert sich auf die klassischen Modi Malerei, Skulptur und Architektur. Als eigenständiges Medium erlangt die Zeichnung Bedeutung vor allem in der Populärkultur, zum Beispiel in Gestalt der Karikatur und des Comic. Dessen ungeachtet ist die zeichnerische Produktivität seit Ende desZweitenWeltkriegs ungebrochen. Zeichner wie Alberto Giacometti, Horst Janssen, Gunter Böhmer und A. R. Penck haben auf ihre Weise neue Impulse für die moderne Zeichnung gegeben.

Ostasiatische Zeichenkunst [Bearbeiten]

Im ostasiatischen Raum, insbesondere in China und Japan, hat sich seit der Tang-Dynastie (6. Jahrhundert) eine Zeichenkunstentwickelt, die sich nur bedingt in den europäischen Kategorien von Zeichnung und Malerei einordnen lässt. Diese sogenannte Tuschmalerei ist aus der chinesischen Kalligrafie entstanden und entsteht unter der Verwendung von Pinseln und schwarzer Tusche bzw. Ruß. Als Zeichentechniken dominieren die Pinselzeichnungund die Lavierung,weshalb der ostasiatische Tuschestil oft mit dem Aquarell verglichen wird.

Als Begründer gilt der chinesische Dichter und Kalligraph Wang Wei. Ausgehend vom Pinselstrich beim Schreibenvon Schriftzeichen entwickelte ereine Zeichentechnik, die eine Landschaft auf ihre wesentlichen Linien und Schattierungen reduziert. Bis ins 11. Jahrhundert (Song-Dynastie) wird die Technikimmer weiter entwickelt und verfeinert. Es entwickelt sich ein reichhaltiges Formenvokabular, mit dem die Motive dargestellt werden. Ab dem 12. Jahrhundert treten neben das Landschaftsmotiv weitere Naturmotive und zunehmend auch Detailstudien. Oft werden kalligrafierte Gedichte in die Bildgestaltung miteinbezogen.

Die Tuschezeichnung steht von Anfang an in enger Verbindung mit dem Chan-Buddhismus und ist deshalb zugleich eine Meditationsübung. Ab dem 13. Jahrhundert bringen japanische Mönche, die in China den Chan-Buddhismus studierten, die Tuschezeichnungnach Japan, wo sie unterdemNamen Sumi-e zu einem wichtigen Bestandteil des Zen-Buddhismus wurde. Wie in China waren die meisten Zeichner keine Künstler, sondern Möncheund Priester. Zunächstbleibt der japanische Stil dem chinesischen sehr ähnlich, insbesondere was das Formenvokabular betrifft. Mit Sessh? T?y? (1420?1506), auch er ein Zen-Priester, entwickelt sich allmählicheineigener,japanischerStilheraus,derdie klassischen Darstellungsformen zurücklässtund zunehmendrealistische Abbildungen anstrebt. Mit Sesshu wird Sumi-e zu einer eigenständigen Kunstform, die allerdings den Zen-Hintergrund nie ganz verlässt.

Die asiatische Tuschzeichnung hat auf die europäische Zeichnung und Malerei spätestens seit dem Impressionismus eine starke Faszination ausgeübt.Malerund Zeichner wie Degas, Monet, Picasso bis hin zu Horst Janssen haben sich in ihren Werken deutlich von der Tuschezeichnunginspirierenlassenund selbst Werke insbesondere im Sumi-e-Stil geschaffen.


zitiert!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Kokonus
05.04.12 um 20:00
Avatar von Kokonus

Re: Brauchst du Credits?

Der Wolf (Canis lupus) ist eine Raubtierart aus der Familie der Hunde (Canidae). Wölfe leben und jagen im Rudel, Hauptbeute sind mittelgroße bis große Huftiere. Die Art war früher in ganz Europa verbreitet, wurde jedoch in West- und Mitteleuropa weitgehend ausgerottet. Deutschland wurde erst Ende der 1990er Jahre wieder besiedelt, im Jahr 2000 wurden erstmals Welpen nachgewiesen. Wölfe haben schon frühzeitig Eingang in die Mythen und Märchen vieler Völker gefunden, sie zählen daher zu den bekanntesten Raubtieren.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Merkmale
2 Unterschiede zum Haushund
2.1 Morphologische und anatomische Unterschiede
2.2 Weitere Unterschiede
3 Verbreitung und Lebensraum
4 Systematik
5 Lebensweise
5.1 Soziale Organisation
5.2 Raumorganisation
5.3 Ernährung
5.4 Jagdweise
5.5 Fortpflanzung
6 Bestand und Gefährdung
6.1 Bestand in Europa
6.2 Der Wolf in Deutschland
6.3 Gesetzlicher Schutz
7 Mensch und Wolf
7.1 Domestizierung
7.2 Verhältnis des Menschen zum Wolf
7.2.1 Verehrung
7.2.2 Der Wolf als Feind des Menschen
7.2.3 Angriffe auf Menschen
7.3 Wirtschaftliche Nutzung
7.4 Der Wolf in Mythos und Literatur
7.4.1 Totem-Kultur
7.4.2 Bibel
7.4.3 Griechische Mythologie
7.4.4 Die säugende Wölfin
7.4.5 Germanische Mythologie
7.4.6 Sonstige Kulturen
7.4.7 Literatur
7.4.8 Comic und Zeichentrickfilm
8 Literatur
9 Einzelnachweise
10 Weblinks

Merkmale [Bearbeiten]

Grundsätzlich ähnelt der Wolf einem großen Haushund, wobei der Rumpf im Vergleich zu ähnlich gebauten Haushunden länger und der Brustkorb höher, aber schmaler ist. Der Kopf ist relativ groß, die Stirn ist breit. Die Augen setzen schräg an, die Ohren sind eher kurz. Der buschige *** hat etwa ein Drittel der Kopf-Rumpf-Länge.[1]

Die Färbung ist sehr variabel, es gibt weiße, cremefarbene, dunkle, gelbliche, rötliche, graue und schwarze Wölfe. In den gemäßigten Zonen Europas und Asiens überwiegen graue Wölfe, die nördlichen Populationen zeigen größere Anteile schwarzer und weißer Tiere. Meist überwiegen dunkle Haare auf dem Rücken und dem ***. Bauch, Beine und Schnauze sind meist deutlich heller gefärbt. Nach genetischen Untersuchungen beruht die schwarze Fellfarbe bei Grauwölfen auf einer Mutation, die zuerst unter Haushunden auftrat und später in die Wolfspopulation eindrang.[2]
Wolf im Profil (C. l. lupus)

Maße und Gewichte des Wolfes sind aufgrund seines ausgedehnten Verbreitungsgebietes sehr unterschiedlich (siehe Bergmannsche Regel): Die größten Wölfe in den Waldzonen Lettlands, Weißrusslands, Alaskas und Kanadas erreichen eine Kopfrumpflänge von bis zu 160 cm, der *** ist zusätzlich bis zu 52 cm lang. Die Schulterhöhe beträgt etwa 80 cm. Diese Wölfe können bis zu 80 kg wiegen.

Die kleinsten Wölfe leben im vorderen Orient und auf der Arabischen Halbinsel; ihre Körperlänge beträgt etwa 80 cm bei einem Gewicht von rund 20 kg und einer ***länge von etwa 29 cm. Die Weibchen sind um 2 bis 12 % kleiner als die Rüden und 20 bis 25 % leichter.

Mitteleuropäische Wölfe liegen zwischen diesen Extremen. Männliche polnische Wölfe aus dem Bia?owie?a-Urwald hatten eine Kopf-Rumpf-Länge von im Mittel 119 cm und eine Schulterhöhe von 70-90 cm, Weibchen aus demselben Gebiet eine mittlere Kopf-Rumpf-Länge von 111 cm (Extreme 97-124 cm) und eine Schulterhöhe von 60-80 cm. Männchen aus dem Südosten Polens wogen 35-67 kg, Weibchen 27-50 kg.[3]
Unterschiede zum Haushund [Bearbeiten]

Haushunde sind domestizierte Formen des Wolfes und gehören daher ebenso wie der Dingo der gleichen Art (Canis lupus) an. Anhand einiger charakteristischer Merkmale ist die Unterscheidung von Wölfen und Haushunden meistens möglich, wobei das Ausmaß der Unterschiede je nach Hunderasse stark variieren kann. In einigen Fällen ist es allerdings sehr schwierig festzustellen, ob ein Individuum ein zu 100 % reiner Wolf bzw. Haushund ist.
Morphologische und anatomische Unterschiede [Bearbeiten]

Wölfe tragen ihren *** meist waagerecht oder etwas gesenkt, Hunde hingegen oft nach oben oder eingerollt. Wölfe haben eine Violdrüse an der Oberseite des ***es, die bei vielen Hunden fehlt bzw. reduziert auftritt, bei anderen aber ein weites Drüsenfeld bildet.[4] Insbesondere am Schädel lassen sich zahlreiche Unterschiede zwischen Wolf und Hund feststellen, dies betrifft unter Anderem die Form der Augenhöhle, der Ohrmuschel, des Praesphenoids, des Basis vomerus, der Fissura petrobasialis sowie die Form des Unterkiefers und die Anordnung der Schneidezähne im Unterkiefer.
Weitere Unterschiede [Bearbeiten]

Wölfe bekommen nur einmal jährlich Nachwuchs, Hunde meist zweimal. Bei der Entscheidung, ob Fährten Hunden oder Wölfen zuzuordnen sind, hilft der Verlauf dieser Fährten. Wölfe setzen im Schnee ihre Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten, im Rudel laufen sie hintereinander und setzen ihre Pfoten in die Abdrücke des Vorderwolfes. Daher entsteht oft der Eindruck, dass man der Spur eines einzelnen Wolfes folgt, bis sich die Fährte plötzlich in mehrere Individualfährten aufteilt.
Verbreitung und Lebensraum [Bearbeiten]
Verbreitung des Wolfes
(grün = aktuell, rot = ehemalig)

Der Wolf war bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Er war in ganz Europa und Asien bis nach Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet. In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde die Art durch menschliche Verfolgung ausgerottet. In Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei, und zu einem geringeren Grade dem Iran gibt es noch größere zusammenhängende Populationen. Ansonsten ist der Wolf heute nur in isolierten Beständen (manche umfassen weniger als 100 Tiere) anzutreffen.

Wölfe bewohnen eine Vielzahl von Habitaten. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit lässt sie in der arktischen Tundra ebenso leben wie in den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. Die meisten Wölfe bewohnen Grasland und Wälder. Dass sie vor allem als Waldtiere bekannt wurden, liegt daran, dass der Mensch sie in großen Teilen des Verbreitungsgebietes frühzeitig aus offeneren Landschaften vertrieben hat.
Systematik [Bearbeiten]

Nach Bibikow ist die Unterarten***erung bis heute umstritten; seit 1985 gibt es Versuche einer genetischen Revision der Unterarten des Wolfes (Mitochondrial DNA Method). In den letzten Jahren hat man sich weitgehend auf eine Einteilung in dreizehn lebende und zwei ausgestorbene Unterarten geeinigt. Haushund (Canis lupus familiaris), sowie Neuguinea-Dingo (Canis lupus hallstrom) und australischer Dingo (Canis lupus dingo) sind durch Domestizierung entstandene Unterarten des Wolfs. Wegen ihrer teilweise erheblichen domestikationsbedingten Unterschiede zu den Wildformen wird auf die betreffenden Einzelartikel verwiesen.

Unterarten (Auswahl):
Polarwolf (Canis lupus arctos)
Timberwolf (Canis lupus lycaon)
Arabischer Wolf (Canis lupus arabs)

Polarwolf (C. lupus arctos); kanadische Arktis, Grönland; mittelgroß, weiß oder cremeweiß mit langem Fell; legal bejagt, stabil
Timberwolf (C. l. lycaon); Südostkanada, östliche USA; größere Unterart, sehr variable Fellfarbe von weiß bis schwarz, meist jedoch braun; in Teilen Kanadas legal bejagt, gefährdet
Buffalo Wolf (Canis l. nubilus); südliche Rocky Mountains, Mittlerer Westen, Ost- und Nordostkanada, südwestlichstes Kanada und Südost-Alaska; mittelgroß, meist grau, schwarz, gelbbraun oder rötlich; in Teilen Kanadas legal bejagt, stabil
Mackenzie-Wolf (C. l. occidentalis); Alaska, nördliche Rocky Mountains, West- und Zentralkanada; sehr groß; meist schwarz oder ein gemischtes grau oder braun, allerdings ist das gesamte Farbspektrum vertreten; diese Unterart wurde 1995 im Yellowstone-Nationalpark und in Idaho wiedereingeführt; legal in Alaska und Teilen Kanadas bejagt, sonst geschützt, stabil
Mexikanischer Wolf (C. l. baileyi); Zentral-Mexiko, West-Texas, südliches Neu-Mexiko und Arizona; kleinere Unterart, meist gelbbraun oder rostfarben; seit 1998 in Arizona wieder eingeführt, die Zahl der wildlebenden Tiere beträgt 35-50; vom Aussterben bedroht und geschützt
Tundrawolf (C. l. albus); nördliches Russland, Sibirien; relativ groß, typischerweise cremeweiß oder grau; legal bejagt, stabil
Russischer Wolf (C. l. communis); Zentral-Russland; sehr groß; legal bejagt; stabil oder rückläufig
Eurasischer Wolf (C. l. lupus); Europa, Skandinavien, Russland, China, Mongolei, Himalaya; durchschnittlich groß, gewöhnlich kurzes, graubraunes Fell; die am weitesten verbreitete Unterart Europas und Asiens, geschätzte Zahl 100.000; in einigen Gebieten legal bejagt, in anderen geschützt, stabil
Iberischer Wolf (C. l. signatus); Spanien und Nordportugal; mittelgroß; gewöhnlich graubraunes Fell mit einem charakteristischen Paar dunkler Markierungen an seinen vorderen Beinen und Weißmarkierungen auf den oberen Lippen; gering gefährdet, in Nordspanien teilweise bejagt, sonst geschützt, stabil
Italienischer Wolf (C. l. italicus); Italienische Halbinsel; mittelgroß; Färbung variabel; stark gefährdet und geschützt
Kaspischer Wolf (C. l. cubanensis); zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer; relativ klein; als Schädling verfolgt, stark gefährdet, rückläufig
Hokkaido-Wolf (C. l. hattai); japanische Insel Hokkaido; kleinere Unterart; 1889 aufgrund von Nachstellungen mit Gift ausgestorben
Honshu-Wolf (C. l. hodophilax); japanische Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu; kleinste bekannte Unterart; 1905 durch Tollwut und menschliche Nachstellung ausgestorben
Arabischer Wolf (C. l. arabs); Saudi-Arabien, Jemen, Oman; sehr kleine Unterart, meist braun mit kurzem Fell; wird als Schädling verfolgt, vom Aussterben bedroht, rückläufig
Ägyptischer Wolf (C. l. lupaster); Nordafrika; kleine, schlanke Unterart; Fell meist silbernes bis meliertes grau oder braun; sehr selten, vom Aussterben bedroht.
Tibetischer Wolf (C. l. chanco); Aus dem Gebiet zwischen Transkaspien und dem Fernen Osten beschrieben, allerdings nicht monophyletisch; Wölfe des Himalaya-Gebietes zwischen Kaschmir, Ost-Nepal und Tibet, die ursprünglich dieser Unterart zugerechnet wurden, unter***n sich genetisch deutlich von anderen Wölfen Nordeurasiens und Nordamerikas, aber auch von Indischen Wölfen[5]. Diese Himalaya-Wölfe könnten möglicherweise eine eigene Art C. himalayensis darstellen[6].
Indischer Wolf (C. l. pallipes); Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien; sehr kleine Unterart; typischerweise gelbbraun, sandfarben oder rötlich mit sehr kurzem, dichten Fell; als Schädling verfolgt, stark gefährdet, rückläufig. Stellt möglicherweise eine eigenständige Art dar[7].

Eng verwandt mit dem Wolf sind der Rotwolf (Canis rufus) aus Nordamerika (der vielleicht ein Hybride aus Wolf und Kojote ist), der Kojote (Canis latrans) und der Äthiopische Wolf (Canis simensis). Eine bisher nicht erkannte Form des Wolfs oder zumindest ein enger Verwandter scheint darüber hinaus in Ägypten vorzukommen. DNA-***ysen ergaben, dass sich die ägyptische Unterart des Goldschakals (Canis aureus lupaster) genetisch stark von anderen Goldschakalen unter***t. Diese ägyptischen Schakale, deren Ähnlichkeit zu Indischen Wölfen (Canis lupus pallipes) bereits im 19. Jahrhundert von Zoologen bemerkt wurde, fallen genetisch in die engere Verwandtschaft der Wölfe. Sie sind auch deutlich größer und langbeiniger als typische Goldschakale. Dabei bildet der ägyptische Canide, wie der Indische Wolf und der Himalaya-Wolf auch, offenbar einen basalen Zweig innerhalb der Wölfe. Neben den ägyptischen Tieren wurden Vertreter dieser Form auch im Hochland von Äthiopien 2500 km südöstlich nachgewiesen[8].
Lebensweise [Bearbeiten]
Soziale Organisation [Bearbeiten]
Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald

Obwohl man auch einzelne Wölfe in der Wildnis antrifft, ist die normale Sozialordnung des Wolfes das Rudel. Das Wolfsrudel besteht im Regelfall aus dem Elternpaar und deren Nachkommen, es handelt sich also um eine Familie. Wölfe werden erst mit zwei Jahren geschlechtsreif (Haushunde schon mit 7 bis 11 Monaten) und verbleiben bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. Die vorjährigen Jungwölfe unterstützen das Elternpaar bei der Aufzucht der neuen Welpen. Unter normalen Bedingungen besteht ein Rudel im Herbst also aus dem Elternpaar, dem Nachwuchs aus dem Vorjahr und dem Nachwuchs aus demselben Jahr. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Jungwölfe in der Regel aus dem elterlichen Territorium ab und suchen sich ein freies Revier, wo sie mit einem auf der Wanderung getroffenen und ebenso ausgewanderten Jungwolf als Partner eine eigene Familie gründen.[9] Die Elterntiere sind grundsätzlich ***nt gegenüber ihrem Nachwuchs, Kämpfe um die Rangordnung gibt es daher nicht. Eine Paarung verwandter Tiere findet üblicherweise auch dann nicht statt, wenn keine anderen ***ualpartner zur Verfügung stehen, denn der Rüde verweigert eine solche Paarung.

In der Literatur findet sich häufig die Darstellung einer streng hierarchischen Rangordnung mit einem ***nten Alpha-Paar, das in der Regel die Nachkommen des Rudels zeugt, einer Gruppe nachgeordneter Tiere und einem schwachen Tier am Ende der Rangordnung in der Rolle des ?Prügelknaben? oder Omega-Wolfs. Diese Darstellungen sind das Ergebnis der Forschung an Wölfen in Gefangenschaft und keinesfalls auf natürliche Verhältnisse übertragbar. In Gefangenschaft wurden meist Wölfe unterschiedlicher Herkunft oder Familiengruppen zusammengesperrt und gezüchtet. Hier ist weder eine Abwanderung mit Erreichen der Geschlechtsreife, noch die (mit der Abwanderung verbundene) Vermeidung von Verpaarungen verwandter Tiere möglich. In diesen in Gefangenschaft gehaltenen Rudeln sind daher Auseinandersetzungen häufig.
Heulender Wolf
Raumorganisation [Bearbeiten]

Wolfsrudel leben im Normalfall in festen Revieren, die sowohl gegen andere Rudel als auch gegen einzelne Artgenossen abgegrenzt und falls nötig auch vehement verteidigt werden; die Reviere benachbarter Rudel überschneiden sich daher meist nur minimal. Die Größe der Reviere wird im Wesentlichen durch die Größe der Beutetierarten und die Zahl der Beutetiere bestimmt. Die durchschnittliche Größe der Reviere variiert daher von Region zu Region stark und reicht von einigen Dutzend bis zu 13.000 Quadratkilometern. Aus Mitteleuropa liegen bisher nur Werte aus Polen vor, dort wurden Reviergrößen zwischen 150 und 350 km² festgestellt[10], im Bia?owie?a-Wald waren die Reviere von vier Rudeln im Mittel 238 km² groß.[11] Zur Abgrenzung der Reviere werden vor allem Harnmarkierungen benutzt. Bei ihren Wanderungen durch das Revier setzen Wölfe etwa alle 350 m mit erhobenem Bein Harnmarken ab. Dafür werden markante Objekte wie einzelne Bäume, Sträucher, Steine oder Pfosten ausgesucht. Im Bereich der Reviergrenzen wird besonders intensiv markiert. Als weiteres Mittel zur Reviermarkierung dient das gemeinschaftliche Heulen der Rudelmit***er. Dieses wird meist von den benachbarten Rudeln beantwortet.
Wolf howls.ogg
Lautäußerungen von heulenden Wölfen

Diese Reviere werden regelmäßig von den Rudelmit***ern durchwandert; im Bia?owie?a-Wald lag die durchschnittliche, tägliche Laufstrecke der Wölfe von vier Rudeln bei 22,1 km für Weibchen und 27,6 km für Männchen. Pro Tag wurden dabei etwa 9 % des Reviers genutzt, die an aufeinander folgenden Tagen genutzten Revierteile überschnitten sich jeweils nur minimal. Dies dient mit hoher Wahrscheinlichkeit einerseits der Notwendigkeit, möglichst kontinuierlich im gesamten Revier präsent zu sein, um dieses gegen Artgenossen abzugrenzen, zum anderen aber vermutlich auch zur Erhöhung des Jagderfolges, da die Beutetiere auf die längere Anwesenheit der Wölfe mit erhöhter Vorsicht und Ausweichbewegungen reagieren.[11]
Ernährung [Bearbeiten]

Grundnahrung des Wolfes bilden im größten Teil des Verbreitungsgebietes mittelgroße bis große pflanzen***nde Säugetiere, er nutzt dabei die im jeweiligen Lebensraum dominierenden Arten. Wölfe jagen im Norden ihres Verbreitungsgebietes überwiegend im Rudel vor allem Elche, Rentiere und verschiedene andere Hirscharten. Weiter südlich sind auch Wildschweine und in Gebirgen Wildschafe und Steinböcke eine häufige Beute. Kleinere Säuger wie Hasen, Kaninchen, Wühlmäuse und Lemminge werden ebenfalls häufig erbeutet. In der Nähe des Menschen schlagen sie auch Schafe oder junge Rinder, Haushunde und Hauskatzen.

In nahrungsarmen Zeiten frisst der Wolf sowohl Aas als auch Abfälle.

Neuere Untersuchungen eines Zoologenteams um Chris T. Darimont von der University of Victoria haben erbracht, dass sich Wölfe in der kanadischen Küstenprovinz British Columbia im Herbst bevorzugt von Lachs ernähren. Dessen Anteil an der Nahrung beträgt dann bis zu 70 %, obwohl die Nahrung der Wölfe im restlichen Jahr zu 95 % aus Wild besteht. Erklärt wird dieses Verhalten damit, dass der Lachsfang einfach und gefahrlos ist, und Lachse zudem einen höheren Nährwert als Paarhufer haben.[12]
Ein Amerikanischer Bison verteidigt sich gegen ein Wolfsrudel.

In Mitteleuropa dominieren Wildschweine, Hirschartige und Haustiere im Nahrungsspektrum. So wurden in der Slowakei Wildschweine in 45,5 % aller Wolf***kremente gefunden, zweitwichtigste Beute war dort der Rothirsch (23,3 %), danach folgten Rotfuchs (10,4 %), Haushund (7,9 %) und Reh (5,5 %). Im polnischen Bialowieza konnten Hirschartige (Rothirsch und Reh) im Sommer in 93,1 %, im Winter in 97,0 % aller Exkremente nachgewiesen werden; dort war das Wildschwein im Sommer in 47,7 % aller Exkremente und im Winter in 29,0 % der Exkremente nachweisbar und damit das zweitwichtigste Beutetier.[13]

Freilebende Wölfe ***n nach verschiedenen Untersuchungen täglich so viel Fleisch, welches der Masse von 10-21 % ihres Körpergewichtes entspricht. Bei einem mittleren Gewicht von etwa 40 kg also 4,0-8,4 kg pro Tag.[14] Wölfe können innerhalb von 24 h bis zu 12,5 Kilogramm Fleisch verzehren, ein Teil davon wird jedoch wieder ausgewürgt und als Vorrat verscharrt.
Jagdweise [Bearbeiten]

Wölfe finden Beutetiere meist direkt durch deren Geruch, seltener durch die Verfolgung frischer Spuren. Sie versuchen sich den Beutetieren dann unbemerkt bis auf geringe Distanz zu nähern. Fliehende Tiere werden meist nur wenige Dutzend Meter weit mit hoher Geschwindigkeit verfolgt, gelingt es den Wölfen bis dahin nicht, das Beutetier zu erreichen, wird die Jagd abgebrochen. Längere Hetzjagden über mehrere Kilometer sind seltene Ausnahmen. Häufig versuchen Wölfe, für sie günstige Geländegegebenheiten zu nutzen, indem ein Teil des Rudels die Beute in Richtung anderer Rudelmit***er jagt, die an einer geeigneten Stelle in Deckung liegen. Im Winter versuchen Wölfe, Huftiere auf zugefrorene Seen oder Flüsse zu treiben, wo diese mit ihren g***n Hufen schnell ausrutschen.[15]

Huftiere bis zur Größe eines weiblichen Rothirsches versuchen durch Flucht zu entkommen. Große und wehrhafte Beutetiere wie Elche, Bisons, Moschusochsen oder auch Wildschweine stellen sich den Wölfen oft und verteidigen sich häufig erfolgreich. Elche flüchten bei Angriffen häufig ins Wasser und bleiben dort stehen, sie werden dann meist nicht weiter attackiert.

Kleinere Huftiere werden meist durch einen einzigen, sehr kraftvollen Biss in die Kehle oder in den Nacken getötet. Große Tiere, wie Elche, werden durch Bisse in Hinterteil, Flanken, Rücken und Nase aufgehalten und zu Fall gebracht und dann ebenfalls durch Bisse in die Kehle getötet. Das Opfer wird im Normalfall möglichst vollständig ge***n, große Huftiere werden über mehrere Tage lang genutzt und bis auf große Knochen, das Fell und Teile des Darmtraktes verwertet.[16]
Fortpflanzung [Bearbeiten]
Ein Wolfspaar

In Mitteleuropa fällt die Paarungszeit in den Spätwinter und das zeitige Frühjahr von Ende Januar bis Anfang März. Weibchen sind jeweils etwa 7 Tage lang empfängnisbereit. Wie bei vielen Hundeartigen wird die Paarung durch das sogenannte ?Hängen? abgeschlossen, wobei der angeschwollene *** des Männchens noch bis zu 30 Minuten lang in der *** des Weibchens gehalten wird. Die Tragzeit wird je nach Autor mit 62 bis 64 oder 62 bis 75 Tagen angegeben. Vor der Geburt der Jungen wird im Normalfall eine Erdhöhle gegraben oder von anderen Säugern übernommen und vergrößert. Die Höhlen haben ein oder zwei Eingänge. Von diesen führt ein Gang in die große Kammer. Etwa drei Wochen vor der Geburt verlässt das tragende Weibchen die Höhlenumgebung meist nicht mehr.[17]

Die Geburt der Jungen erfolgt in der Höhle. In einem Wurf befinden sich ein bis zwölf, in der Regel vier bis sechs Welpen. Die frisch geborenen, noch blinden und tauben Welpen wiegen 300 bis 500 g und haben ein feines, dunkles Fell. Die Augen öffnen sich nach 11 bis 15 Tagen, die Welpen können nun auch laufen, knurren sowie kauen. Auch die ersten Zähne sind erkennbar. Etwa um den 20. Tag beginnen die Jungen Laute wahrzunehmen, verlassen erstmals die Höhle und beginnen mit den Geschwistern und älteren Familienmit***ern zu spielen. Ab etwa diesem Alter können die Welpen auch feste Nahrung zu sich nehmen, sie werden jedoch noch bis zum Alter von 6 bis 8 Wochen gesäugt. Die mit Nahrung zurückkehrenden Rudelmit***er werden von den Welpen am Maul beschnuppert und deren Schnauze mit der eigenen Schnauze umklammert, bis sie Nahrung auswürgen. In der 16. bis 20. Lebenswoche wachsen die festen Zähne, nach etwa einem Jahr ist das Skelettwachstum abgeschlossen.[18]
Bestand und Gefährdung [Bearbeiten]
Denkmal für den letzten freien Wolf in Westfalen bei Ascheberg

Seit dem 19. Jahrhundert gilt der Wolf in Nord- und Mitteldeutschland sowie in England als ausgestorben. Wolfspopulationen gab es damals noch in Ungarn, Galizien, Kroatien, der Krain, Serbien, Bosnien, Rumänien, Polen, Russland und Skandinavien.

In vielen Teilen der Welt, in denen der Wolf noch vorkommt, wird er noch heute aktiv verfolgt. Allerdings setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Wolf keine Gefahr für den Menschen oder seine Landwirtschaft darstellt; vielmehr wird der Wolf zunehmend im Rahmen der Naturschutzbemühungen als ein willkommener Bestandteil der Tierwelt gesehen.
Bestand in Europa [Bearbeiten]

Insgesamt nimmt der Bestand des Wolfes in vielen europäischen Ländern wieder zu, beispielsweise in Spanien, Italien, Slowenien, Kroatien und der Slowakei. Die sehr kleine Population in Skandinavien gilt vor allem aufgrund ihrer geringen genetischen Vielfalt als gefährdet.[19] Für das Jahr 2008 gibt das Schwedische Raubtierzentrum den Bestand für Schweden und Norwegen mit etwa 180 Tieren an.[20] Neu besiedelt wurden in den letzten Jahrzehnten Frankreich und die Schweiz. Während es in den südöstlichen Nachbarländern Österreichs Populationen mit jeweils bis zu hundert Wölfen gibt, kommen nur vereinzelt Tiere nach Kärnten.[21] Für das Jahr 2010 schätzte der WWF, dass sich nur drei bis fünf Tiere in den östlichen Bundesländern wild aufhalten.[22] Seit 2009 wurden zudem in Tirol mindestens drei unterschiedliche Wölfe nachgewiesen. Im Herbst 2010 hat ein Wolf, wie durch DNA-Proben nachgewiesen wurde, im Schneeberggebiet, wo man ihn bisher nie beobachtete, einige Schafe gerissen.[23] In dem Gebiet wurden im Herbst 2010 ein männlicher Wolf aus den italienischen Alpen und eine Wölfin aus den Karpaten nachgewiesen. Ob die beiden ein Paar sind, ist nicht klar.[24] Aus den französischen Seealpen kommend sind Tiere inzwischen in den katalanischen Pyrenäen ins Gebiet des Naturparks Cadí-Moixeró von Norden nach Spanien vorgedrungen, einige hundert Kilometer östlich des bisherigen Haupt-Verbreitungsgebietes in der Gegend um Soria.[25]
Der Wolf in Deutschland [Bearbeiten]

In Deutschland, insbesondere in seinen Ostprovinzen, hatte sich der Wolf während des Dreißigjährigen Kriegs wieder stark ausgebreitet. Über sein Auftreten in Pommern bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts liegen statistische Angaben vor.[26][27] Der auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik vorläufig letzte freilebende Wolf wurde am 27. Februar 1904 in der Lausitz erschossen. Er war 160 cm lang, hatte eine Widerristhöhe von 80 cm und wog 41 kg. Da es in der Gegend lange Zeit keinen Wolf mehr gegeben hatte, vermutete man hinter dem gerissenen Wild erst ein ausgebrochenes Zirkustier, weshalb er den Spitznamen ?Tiger von Sabrodt? (Ort des ersten Auftauchens) erhielt. Schon nach dem 2. Weltkrieg wanderten immer wieder Wölfe nach Deutschland ein, bis 1990 wurden in Deutschland mindestens 21 Wölfe geschossen oder mit Fallen gefangen.[28] Auch nach 1990 sind immer wieder Wölfe über die polnische Grenze nach Deutschland eingewandert und hielten sich bevorzugt auf Truppenübungsplätzen auf. Im Jahr 2000 wurde im sächsischen Teil der Lausitz erstmals seit mindestens 100 Jahren wieder eine erfolgreiche Reproduktion des Wolfes in Deutschland nachgewiesen. Seitdem hat der Bestand des Wolfes dort kontinuierlich zugenommen und das Verbreitungsgebiet hat sich beständig vergrößert. Ende Februar 2012 lebten in der Lausitz in Sachsen und Brandenburg elf Rudel und ein Wolfspaar.[29] Außerhalb der Lausitz gibt es weitere territoriale Vorkommen: Ein reproduzierendes Rudel in Sachsen-Anhalt in der Altengrabower Heide und mehrere stationäre Einzeltiere oder Paare in anderen Regionen Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, in Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen, womit man von einem Wolfsbestand von 50 bis 60 frei lebenden Wölfen in Deutschland ausgehen kann.[30][31] Ob die in Hessen und Bayern festgestellten Einzeltiere noch anwesend und am Leben sind, ist unklar.[32][33][34] Mit der wachsenden Gesamtpopulation und seiner langsamen Ausbreitung kann bei weiterem erfolgreichen Schutz davon ausgegangen werden, dass der Wolf in Deutschland wieder dauerhaft ansässig wird. Allerdings fordern einzelne Jäger und Jägervertreter in der Lausitz einen Abschuss bzw. eine kontrollierte Bejagung der dort lebenden Wölfe.[35]

Von drei im Frühjahr 2009 besenderten Wolfsrüden des Nochtener (zwei junge Rüden) bzw. Neustädter Rudels (ca. zwei bis drei Jahre alter Rüde) hatte ein junger Rüde[36] nach einem über 1000 km langen Weg im Sommer 2009 Litauen erreicht.[37] Seit Dezember 2009 wurden von ihm keine Signale mehr empfangen.[38] Dies ist der erste Nachweis des Auswanderns eines in Deutschland freilebend geborenen Wolfes seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein zweiter junger Rüde[39] des Rudels war nach einem zweiwöchigen ?Ausflug? mit Distanzen von bis zu 150 km Anfang April 2009 zu diesem Rudel zurückgekehrt.[40] Inzwischen hat er im Raum Spremberg-Schleife ein eigenes Rudel gegründet.

Obwohl Wölfe in Deutschland streng geschützt und nicht jagdbar sind, wurden sie immer wieder von Jägern geschossen ? angeblich wegen Verwechslungen mit wildernden Hunden. Beispielsweise wurde im Zeitraum August/September 2007 eine einjährige Wölfin illegal in der Nähe von Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald) geschossen. Am 15. Dezember 2007 wurde in einem Wald bei Gedelitz (nahe Gorleben, Landkreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen) während einer Gesellschaftsjagd ein 37 Kilogramm schwerer männlicher Wolf von zwei auswärtigen Jägern getötet. Die Schützen gaben an, das Tier wäre bereits angeschossen gewesen und hätte gelahmt, was im Prozess durch Sachverständigengutachten angezweifelt wurde. Gegen sie wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen Naturschutzrecht eingeleitet, welches für die beiden Jäger in erster Instanz mit einer Verurteilung zu hohen Geldstrafen endete. Der zweijährige Rüde soll eindeutig ein freilebender Wolf gewesen sein. Eine genetische Untersuchung ergab, dass dieses Tier der westpolnisch-sächsischen Population zugerechnet werden kann. Dieses ist wohl der zweite aktuelle Nachweis der Art aus dem niedersächsischen Tiefland. Ein ? wahrscheinlich anderes ? Exemplar ist aus der Lüneburger Heide bekannt, wo es erstmals im September 2006 bei Unterlüß gesichtet wurde. Der letzte Nachweis gelang am 18. Mai 2007 durch eine Fotografie. Aus dem Sommer 2009 liegen nach einer zweijährigen Pause wieder neue glaubhafte Hinweise vor.[41][42] Am 26. Februar 2012 wurde nach Einschätzung des Naturschutzbundes Deutschland ein scheuer Wolf im Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz) gesichtet und fotografiert.[43]
Gesetzlicher Schutz [Bearbeiten]

In Europa ist der Wolf durch drei Richtlinien geschützt:

Dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora) vom 3. März 1973 gehören 152 Staaten an. Es stellt Richtlinien für den Handel mit geschützten Tieren und deren Erzeugnissen auf und schränkt die Ein- und Ausfuhr der Tiere oder ihrer Teile (Felle, Schädel, Knochen?) ein. Der Wolf ist hier in Anhang II (gefährdete Tierart) aufgeführt, einige Subpopulationen sind vom Aussterben bedroht und in Anhang I aufgeführt.

In der Berner Konvention haben sich 45 Staaten auf die Erhaltung und den Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume verständigt. Der Wolf ist in Anhang II der Konvention aufgeführt.

Die FFH-Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG) wurde 1992 von der EU in Kraft gesetzt und soll europaweit die Ausweisung und Erhaltung von Lebensräumen und Wildtieren regeln. Der Wolf ist hier in Anhang IV aufgeführt, sein Lebensraum in Anhang II. Diese Richtlinie ist von allen EU-Mit***sstaaten jeweils in nationales Recht umzusetzen.

Mensch und Wolf [Bearbeiten]
Tamaskan: Einige Haushunde haben eine sichtbare Ähnlichkeit zum Wolf.
Wolfsspuren im Sand
Domestizierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Domestizierung (Haushund)

Heute ist nachgewiesen, dass der Haushund vom Wolf abstammt. Wie Wölfe domestiziert wurden, ist unbekannt. Die Verwandtschaft zum Wolf zeigt sich recht deutlich bei einigen Hunderassen; Samojede, Siberian Husky, Alaskan Malamute, Kanaanhund oder der Akita weisen einen ursprünglichen Typ mit spitzem Fang, spitzen Stehohren und quadratischem Körperbau auf; auch andere Rassen wie der Deutsche Schäferhund zeigen noch eine gewisse äußere Ähnlichkeit zum Wolf. Die Annahme, dass diese Rassen daher enger mit dem Wolf verwandt wären als andere, ist jedoch falsch.

Das Lautverhalten der Wolfs- und Schlittenhunde ähnelt dem der Wölfe, sie bellen kaum und wenn, dann nicht anhaltend, statt dessen jaulen und heulen sie in vielen Variationen.
Verhältnis des Menschen zum Wolf [Bearbeiten]
Verehrung [Bearbeiten]

Viele Völker, die von der Jagd lebten (Nordeuropa, Nordamerika), sahen im Wolf einen ihnen ebenbürtigen oder überlegenen Konkurrenten, dessen Ausdauer und Geschick bewundert und begehrt waren. Der Wolf wurde auch als Beschützer oder als übernatürliches Wesen betrachtet und verehrt. Krieger identifizierten sich mit dem Wolf (Therianthropie). Vornamen wie Wolf, ***, Wolfgang oder Wolfhard erinnern an die Wertschätzung des Tiers. Verschiedene Teile des Wolfs galten auch in Deutschland als heilkräftig. So sollten Schuhe aus Wolfsfell Knaben zu tapferen Männern erwachsen lassen.
Der Wolf als Feind des Menschen [Bearbeiten]

Da der Wolf auch Nutztiere schlägt, wurde er in der Vergangenheit als Feind angesehen. Ab dem Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde die Beziehung des Menschen zum Wolf in Europa zunehmend einseitig von Angst und Dämonisierung geprägt. Die starke Ausbreitung menschlicher Siedlungs- und Agrarflächen, sowie die offene Viehhaltung, hier vor allem die bis ins 19. Jahrhundert verbreitete Waldweide von Rindern, Schafen, Schweinen und Pferden, führte zu zahlreichen Haustierverlusten durch Wölfe. Auch wenn die angegebenen Verluste in vielen Fällen sicher maßlos übertrieben waren oder durch wildernde Hunde verursacht wurden, dürften die Verluste bei dieser Art der Viehhaltung für die Bauern wirtschaftlich häufig bedeutend gewesen sein. Zu der direkten Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Wolf gesellte sich im Laufe der Zeit noch die Verurteilung des Wolfes als Jagdkonkurrent.

Berichte und Geschichten über ?Wolfsplagen? und Angriffe auf Menschen (zum Teil mit Todesfolge) finden sich bis in die Neuzeit in zahlreichen schriftlichen Quellen. So wird schon 1197 von einer ?Wolfsplage? an der Mosel berichtet, die angeblich mehrere menschliche Opfer forderte. Noch 1849, also zu einer Zeit, als Wölfe in Mitteleuropa schon weitgehend ausgerottet waren, wurde aus Kottenheim eine ?Wolfsplage? gemeldet, als ein strenger Winter bis Ostern anhielt.

Diese Einstellung zum Wolf führte in West- und Mitteleuropa zu einer beispiellosen Verfolgungskampagne, deren Ziel schließlich, unabhängig von etwaigen Schäden, die völlige Ausrottung des Wolfes war. Der Wolf wurde unter anderem in Großbritannien (letzte Erlegung 1743), Dänemark (1772), Luxemburg (1893)[44] und Deutschland (1904) ausgerottet. In Süd- und Osteuropa wurde dem Wolf (und anderen Großraubtieren) mit erheblich mehr Toleranz begegnet. Auch wenn dort bei verstärkten Schäden an Haustieren Wölfe regional und zeitlich intensiver verfolgt wurden, war dort die völlige Ausrottung nie das Ziel.
Angriffe auf Menschen [Bearbeiten]

Während die Erbeutung von Haustieren durch Wölfe unstrittig ist, sind Angriffe auf Menschen sehr selten. Häufig spielen Tollwuterkrankungen hierbei eine Rolle.[45] In den letzten 50 Jahren wird über neun Fälle in Europa berichtet, bei denen Menschen durch Wölfe getötet wurden. Bei fünf dieser Fälle konnte bei den Wölfen Tollwut nachgewiesen werden.[46]

In Nordamerika zeigt eine Reihe von Fällen, dass es beim Kontakt von Menschen zu halbzahmen, durch ständige direkte oder indirekte Fütterung an Menschen gewöhnten Wölfen zu Missverständnissen, unbeabsichtigten Provokationen u. ä. mit zum Teil fatalen Folgen kommen kann. In den letzten ca. 30 Jahren sind dort 39 Fälle von gegenüber Menschen aggressiven Wölfen bekannt geworden. In 12 dieser Fälle wurde eine Tollwutinfektion nachgewiesen oder vermutet. In sechs Fällen wurden die Menschen durch Hunde begleitet, vermutlich war hier der Hund Auslöser der Attacke. In 16 Fällen wurden Menschen von nicht mit Tollwut infizierten Wölfen gebissen. Diese Fälle waren durch die Opfer fast ausschließlich provoziert und hätten leicht vermieden werden können. Keine der Bissverletzungen war lebensbedrohlich, aber in sechs Fällen waren die Bissverletzungen ernst (?severe?).[47]

In der Türkei gab es zwischen 1995 und 2005 nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei Angriffe von Wölfen auf Menschen. In einem Fall konnte eine Tollwutinfektion des Wolfs nachgewiesen werden, in dem anderen Fall starben zwei der drei gebissenen Personen an Tollwut, aber es konnte nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei dem tollwütigen Tier um einen Wolf gehandelt hat.[48]
Wirtschaftliche Nutzung [Bearbeiten]

Wölfe wurden über Jahrhunderte verfolgt und teilweise systematisch ausgerottet; daneben diente der Wolf aber auch als Pelzlieferant. Im 19. Jahrhundert wurden Wölfe vor allem mit Strychnin getötet, indem man ein getötetes Schaf damit imprägnierte und dieses auf die bekannten Wechsel der Wölfe warf. Wolfsfelle wurden für Bekleidungszwecke und in den Wohn- und Schlafstätten verwendet; sie galten umso wertvoller, je weißer sie waren. Die Wolfshaut wurde auch zu Leder gegerbt und zu Handschuhen, Pauken- und Trommelfellen verarbeitet. In den meisten Ländern ist die wirtschaftliche Nutzung des Wolfes heute verboten, obwohl teilweise noch Abschussprämien gezahlt werden.
Der Wolf in Mythos und Literatur [Bearbeiten]

Der Wolf spielt als Motiv in den Mythologien, Sagen und Märchen sowie in der Literatur und Kunst zahlreicher Völker eine zentrale Rolle. Dabei spiegelt sich die ambivalente Einstellung des Menschen gegenüber dem Wolf wider. Einerseits verehrt er ihn als starkes und überlegenes Tier, zum anderen projiziert er auf das aggressive Tier verschiedenartigste Ängste.
Totem-Kultur [Bearbeiten]

In etlichen Kulturen erscheint der Wolf als Totem, etwa bei dem Indianerstamm der Tlingit, bei den Irokesen, bei den Turkmenen und bei den Mongolen. Die Usbeken und die Hunnen leiteten ihre Herkunft vom Wolf ab, ebenso galt die Wölfin als Urmutter der alten Türken.
Bibel [Bearbeiten]

Bereits in der Bibel wird der Wolf mehrfach als das herdenreißende, gefährliche Tier dargestellt, so etwa in (Gen 49,27 LUT); (Jer 5,6 LUT); (Joh 10,12 LUT). Wenn ?der Wolf beim Lamme? liegt, so bedeutet dies dementsprechend die Verbindung von Ungleichem und wird daher von Jesus Sirach als Gleichnis für den Umgang zwischen Sündern und Gerechten gebraucht, (Sir 13,21 LUT). Jesaja indes verwendet das utopische Bild als Metapher für den Anbruch des Reiches Gottes, (Jes 65,25 LUT).
Griechische Mythologie [Bearbeiten]

Die griechische Göttin Hekate, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, wurde in der bildenden Kunst häufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Der griechische König Lykaon wurde von Zeus in einen Wolf verwandelt.
Die säugende Wölfin [Bearbeiten]
Die Kapitolinische Wölfin mit Romulus und Remus

Die Gründer der Stadt Rom, die Zwillinge Romulus und Remus, sollen von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen worden sein. Die Geschichte beruht indes auf einem Missverständnis: Das Wort lupa bedeutet im Lateinischen sowohl ?Wölfin? als auch ?***?. Mit diesem Wort war ursprünglich Larentia, die leichtlebige ***nde Gattin des Hirten Faustulus gemeint, der das Brüderpaar aufgezogen hatte. Vergleichbare Überlieferungen gibt es aus dem indischen Raum; auch die slowakischen Recken Waligor und Wyrwidub sowie der Gründer des altpersischen Reiches, Kyros II., sollen von Wölfen aufgezogen worden sein. Auch das moderne Motiv der Wolfskinder hat hier seine Ursprünge.
Germanische Mythologie [Bearbeiten]

In der germanischen bzw. nordischen Mythologie werden dem Siegesgott Odin neben zwei Raben auch die Wölfe Geri und Freki beigesellt, die als streitlustige und tapfere Tiere den Kampf verfolgen und sich auf die gefallenen Leichen stürzen. Sonne und Mond werden von den Wolfsbrüdern Skoll bzw. Hati gejagt[49]. Beide besitzen noch einen weiteren Bruder namens Managarm, der sich vom Fleisch der Toten ernährt. Der Fenriswolf spielt beim Wel***rgang Ragnarök eine ent***nde Rolle. Er verschlingt zu Beginn der Götterdämmerung den Mond, später Odin. Der Wolf Ysengrin des Mythos besitzt viele Wesensmerkmale des verschlagenen Fuchses. Germanischen Ursprungs ist auch die Figur des Werwolfs, der ungeachtet seines Lebens in der bürgerlichen Gesellschaft zeitweilig Wolfsgestalt annimmt.
Sonstige Kulturen [Bearbeiten]

Den Chinesen galt der Wolf als Symbol für Grausamkeit, Gefräßigkeit und Gier.

Die nordamerikanischen Ureinwohner kennen mit dem Waheela eine Art Geist in der Gestalt eines riesigen Wolfes.
Literatur [Bearbeiten]

In Fabeln antiker Autoren wie Äsop und Phädrus, deren Stoffe später insbesondere Jean de Lafontaine und Gotthold Ephraim Lessing aufgriffen, werden negative menschliche Charaktereigenschaften wie Habgier, Streitlust, Heimtücke und Verschlagenheit auf den Wolf projiziert. In Der Wolf und das Lamm etwa sucht der Wolf mit aller Macht einen Vorwand, um das mit ihm am Fluss trinkende Lamm zu zerreißen. In Löwe, Wolf und Fuchs fällt eine vom Wolf angezettelte Intrige auf ihn zurück. In Der Wolf und der Kranich betrügt er einen hilfsbereiten Vogel um seinen Lohn. In Der Wolf und der Hund steht er als Vertreter des gefährdeten, aber freien Lebens im Gegensatz zum unter dem Joch lebenden Haushund. Bekannt ist auch Der Junge, der Wolf schrie vom Hirtenjungen, der so oft um Hilfe wegen angeblicher Wölfe rief, bis ihm niemand half, als eines Tages wirklich ein Wolf seine Herde riss.
Der Wolf an der Seite Rotkäppchens

Im lateinischen Mittelalter ist der Wolf als Ysengrimus, eingedeutscht Isegrim, Fabelwesen eines Tierepos. Als meist negative, bösartige Figur erscheint er auch in den Märchen. In Grimms Rotkäppchen etwa erschleicht er sich das Vertrauen eines kleinen Mädchens, frisst dann dessen Großmutter und will am Ende auch Rotkäppchen selbst ***n. In Der Wolf und die sieben jungen Geißlein verschafft er sich mit durch Kreide verfälschter Stimme Zutritt zum Haus einer Ziegenfamilie und verschlingt alle deren Kinder bis auf eines. In beiden Fällen werden die Opfer gerettet und der Wolf getötet. Einige Märchen der Gebrüder Grimm (Der Wolf und der Mensch, Der Wolf und der Fuchs, Der Fuchs und die Frau Gevatterin) berichten von weiteren Wölfen, denen ihre Habgier und Aggression teuer zu stehen kommt: Sie werden zu Opfern sowohl der überlegenen Körperkraft des Menschen wie der Schläue von Füchsen. Aus dem angelsächsischen Bereich schließlich stammt das Märchen vom Wolf und den drei Schweinchen.

In der modernen Wolfsliteratur findet sich das Wolfsmotiv insbesondere in Rudyard Kiplings Das Dschungelbuch und bei Jack London (Ruf der Wildnis, White Fang). In Hermann Hesses Roman Steppenwolf schließlich wird das Wolfmotiv als Metapher für die animalische, die triebgesteuerte Seite des einsamen und menschenscheuen Protagonisten Harry Haller benutzt. Ein bekannter Fantasy-Roman von Käthe Recheis trägt den Titel Der weiße Wolf.
Comic und Zeichentrickfilm [Bearbeiten]

Auch in Comics und Zeichentrickfilmen tauchen vielfach Wölfe auf. In der sowjetischen Zeichentrickserie Hase und Wolf spielen ein böser, tollpatschiger Wolf sowie ein guter Hase mit.

Im Disney-Zeichentrickfilm Die drei kleinen Schweinchen will ein schlaksiger, schwarzfelliger Wolf mit bunter Latzhose und Schlapphut die Häuschen der drei Schweinchen um***. Bei jenen aus Stroh und Holz gelingt ihm dies, nicht so indes bei dem aus Stein. Unter Aufgreifung des Verkleidungsmotivs aus Rotkäppchen nähert er sich den Schweinchen im Aufzug einer alten Frau. Der Kurzfilm beinhaltete auch den von Frank Churchill geschriebenen berühmt gewordenen Song Who's Afraid of the Big Bad Wolf.

Im Disney-Comic Lil' Bad Wolf versucht ein böser Wolf namens Zeke (deutsch: Ede) erfolglos seinen Jungen nach seinem Bilde zu formen: Stattdessen schließt der Kleine enge Freundschaft mit den kleinen Schweinchen.

Ein weiterer schurkenhafter Vertreter der Gattung tritt im Disney-Film The big bad wolf auf. Er hat auch ein Gastspiel im Mickey-Mouse-Cartoon Mickey's Polo Team von 1936, in dem Disney-Figuren gegen Zeichentrick-Versionen berühmter Schauspieler dieser Zeit Polo spielten.

Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Wolfs-Figuren Lupo, Lupinchen und Eusebia aus Rolf Kaukas Serie Fix und Foxi von 1953.

Auch in der auf Runer Jonssens Büchern beruhenden Zeichentrickserie Wickie und die starken Männer von 1974 kommen häufig Wölfe vor, ausgehungerte Tiere von grotesk-zottiger Magerkeit, die den ängstlichen Wikingerjungen Wickie jagen.
Literatur [Bearbeiten]

Dimitrij I. Bibikow: Der Wolf. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 587. Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2003, ISBN 3-89432-380-9
L. David Mech, Luigi Boitani: Wolves - Behaviour, Ecology, and Conservation. The University of Chicago Press, Chicago 2003, ISBN 0-226-51696-2
Henryk Okarma: Der Wolf. Ökologie, Verhalten, Schutz. Parey, Berlin 1997, ISBN 3-8263-8431-8
Elli H. Radinger: Wolfsangriffe ? Fakt oder Fiktion. Peter von Döllen, Worpswede 2004, ISBN 3-933055-33-4
Elli H. Radinger: Die Wölfe von Yellowstone. Peter von Döllen, Worpswede 2004, ISBN 3-933055-15-6
Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland ([1]; PDF-Datei; 3,3 MB). BfN-Skripten Band 201, Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn 2007
Erik Zimen: Der Wolf: Verhalten, Ökologie und Mythos [...]. Neuauflage, Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09742-0

Über angebliche Wolfsplagen

Walter Lung: Kottenheim ? ein Dorf und seine Landschaft. Louis Schreder, Mayen 1962
Nikolaus Kyll: Zur Trierer Wolfsprozession.. Landeskundliche Vierteljahrblätter. Trier 7.1961, H. 1, S. 16 ff. ISSN 0458-6905
Heinrich Strangmeier: Wolfsplagen und Wolfsjagden in Hilden und anderswo. Eine Sammlung von Quellen und Beiträgen zum Thema. Peters, Hilden 1977

Einzelnachweise [Bearbeiten]

? H. Okarma 1997: S. 11 ff.
? A wolf's dark pelt is a gift from the dogs. NewScientist, abgerufen am 9. April 2009.
? H. Okarma 1997: S. 11-12 und dort zitierte Literatur
? Dorit Urd Feddersen-Petersen: Ausdrucksverhalten beim Hund. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-09863-9.
? Dinesh K. Sharma, Jesus E. Maldonado, Yadrendradev V. Jhala and Robert C. Fleischer: Ancient wolf lineages in India. Proc. R. Soc. Lond. B 2004 271, S1-S4
? R. K. Aggarwal 1 , T. Kivisild 2 , J. Ramadevi 1 and L. Singh: Mitochondrial DNA coding region sequences support the phylogenetic distinction of two Indian wolf species. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research, Volume 45 Issue 2, Pages 163 - 172 (2007)
? R. K. Aggarwal 1 , T. Kivisild 2 , J. Ramadevi 1 and L. Singh: Mitochondrial DNA coding region sequences support the phylogenetic distinction of two Indian wolf species. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research, Volume 45 Issue 2, Pages 163 - 172 (2007)
? Eli Knispel Rueness, Maria Gulbrandsen Asmyhr, Claudio Sillero-Zubiri, David W. Macdonald, Afework Bekele, Anagaw Atickem, Nils Chr. Stenseth: The Cryptic African Wolf: Canis aureus lupaster Is Not a Golden Jackal and Is Not Endemic to Egypt. PLoS ONE, Volume 6, Issue 1, 2011 (pp. 1-5) online
? H. Okarma 1997: S. 61
? Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten Band 201, 2007: S. 18
? a b Jedrzejewski W, Schmidt K, Theuerkauf J, Jedrzejewska B, Okarma H: Daily movements and territory use by radio-collared wolves (Canis lupus) in Bialowieza Primeval Forest in Poland. Can. J. Zool. 79, 2001: S. 1993-2004
? Wölfe: Isegrim Fischt Frischen Fisch. In: bild der wissenschaft, 12/2008. Konradin Medien GmbH, Leinfelden-Echterdingen. ISSN 0006-2375.
? H. Okarma 1997: S. 46 ff. und dort zitierte Literatur
? H. Okarma 1997: S. 50 und dort zitierte Literatur
? H. Okarma 1997: S. 91 ff. und dort zitierte Literatur
? Wildbiologische Gesellschaft München e. V. (Hrsg.): Wer war es? Raubtierrisse erkennen und dokumentieren. Broschüre, München 1997: S. 32-33
? H. Okarma 1997: S. 35-37
? H. Okarma 1997: S. 37-43
? www.wissenschaft.de: Zu enge Familienbande unter skandinavischen Wölfen
? Rovdjurscentret De 5 Stora (schwedisch)
? Der Wolf ist in Kärnten "zu Besuch" im ORF vom 3. Juli 2007 abgerufen am 31. Oktober 2010
? Der Wolf kommt - und Österreich ist schlecht vorbereitet im Standard vom 10. August 2010 abgerufen am 28. Oktober 2010
? Ein Wolf macht Puchberg unsicher auf ORF vom 28. Oktober 2010 abgerufen am 28. Oktober 2010
? "Wölfe sind ein Kompliment an die Landschaft" - Gespräch mit Wolf-Experten Heinrich Dungler
? Portada Quercus nº 302 / Abril 2011 (spanisch). Website quercus.es. Abgerufen am 10. August 2011.
? Th. Schmidt: Jubelschrift zur vierhundertjährigen Stiftungsfeier der Universität Greifswald. Zur naturgeschichtlichen Statistik der in Pommern ausgerotteten Säugetiere. Stettin 1856, S. 27-100.
? Julius v. Bohlen-Bohlendorf: Nachrichten über das Vorkommen und die Verbreitung des Luchses (F. lynx.) und des Wolfes (C. lupus) im ehemaligen Schwedischen Antheil von Pommern im 17. und 18. Jahrhundert. In: Mittheilungen aus dem Naturwissenschaftlichen Vereine von Neu-Vorpommern und Rügen, Band 7/8, Berlin 1873 u. 74, S. 1-30.
? Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten Band 201, 2007: S. 156-157
? Wolfsbüro Lausitz - Bestand in der Lausitz (abgerufen 28. Februar 2012)
? Volksstimme-Artikel Erste Daten zum Wolfs-Telemetrieprojekt
? Naturschutzbund Deutschland e.V. - Nachweis über neue Wolfsfamilie in der Lausitz
? Frankfurter Rundschau-Online: Der Wolf ist tot (14. April 2011)
? NABU.de (11. Januar 2011): Hessischer Wolf stammt aus den Alpen
? Bayerns Wolf: Ist er längst abgeschossen? (21. April 2011)
? taz-Artikel ?Wölfen soll es an den Pelz gehen?
? Wolfsbüro Lausitz - Dritter Jungwolf besendert
? Wolfsbüro Lausitz - Wolf Alan in Litauen (abgerufen 28. Februar 2012)
? Wolfsbüro Lausitz - Besenderter Wolf Alan sendet nicht mehr (abgerufen 28. Februar 2012)
? Wolfsbüro Lausitz - Zweiter Wolf in der Lausitz mit Halsbandsender
? Wolfsbüro Lausitz - Junger Wolf kehrt zum Rudel zurück
? Wolfskonzept Niedersachsen
? Wolfsrüde im Wendland erschossen, Artikel bei nabu.de
? ?Willkommen Wolf? im Westerwald
? Siehe S. 372: J.A. Massard: Wölfe in Luxemburg. In: Lëtzebuerger Almanach 1987, Luxemburg: 353-374. Siehe auch: J.A. Massard: Zum hundertsten Jahrestag der ersten Tollwutimpfung (II): Von Hunden und Wölfen. Tageblatt 1985, Nr. 159 (13. Jul.): 9.
? The fear of wolfes: A review on wolf attacks on humans, John D. C. Linell, Norsk institutt for naturforskning, 2002 (aufgerufen am 7. September 2011)
? Die Wölfe sind zurück - auf bmu.de (abgerufen am 7. September 2011)
? McNay M. E.: A case history of Wolf - Human encounters in Alaska and Canada. Wildlife Technical Bulletin, 2002
? Senem Tu?: Conflicts between humans and wolf: a study in Bozda?, Konya province, Turkey. 2005, S. 36 (online).
? Gylfagynning 12.
Kokonus
05.04.12 um 20:01
Avatar von Kokonus

Re: Brauchst du Credits?

Der Wolf (Canis lupus) ist eine Raubtierart aus der Familie der Hunde (Canidae). Wölfe leben und jagen im Rudel, Hauptbeute sind mittelgroße bis große Huftiere. Die Art war früher in ganz Europa verbreitet, wurde jedoch in West- und Mitteleuropa weitgehend ausgerottet. Deutschland wurde erst Ende der 1990er Jahre wieder besiedelt, im Jahr 2000 wurden erstmals Welpen nachgewiesen. Wölfe haben schon frühzeitig Eingang in die Mythen und Märchen vieler Völker gefunden, sie zählen daher zu den bekanntesten Raubtieren.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Merkmale
2 Unterschiede zum Haushund
2.1 Morphologische und anatomische Unterschiede
2.2 Weitere Unterschiede
3 Verbreitung und Lebensraum
4 Systematik
5 Lebensweise
5.1 Soziale Organisation
5.2 Raumorganisation
5.3 Ernährung
5.4 Jagdweise
5.5 Fortpflanzung
6 Bestand und Gefährdung
6.1 Bestand in Europa
6.2 Der Wolf in Deutschland
6.3 Gesetzlicher Schutz
7 Mensch und Wolf
7.1 Domestizierung
7.2 Verhältnis des Menschen zum Wolf
7.2.1 Verehrung
7.2.2 Der Wolf als Feind des Menschen
7.2.3 Angriffe auf Menschen
7.3 Wirtschaftliche Nutzung
7.4 Der Wolf in Mythos und Literatur
7.4.1 Totem-Kultur
7.4.2 Bibel
7.4.3 Griechische Mythologie
7.4.4 Die säugende Wölfin
7.4.5 Germanische Mythologie
7.4.6 Sonstige Kulturen
7.4.7 Literatur
7.4.8 Comic und Zeichentrickfilm
8 Literatur
9 Einzelnachweise
10 Weblinks

Merkmale [Bearbeiten]

Grundsätzlich ähnelt der Wolf einem großen Haushund, wobei der Rumpf im Vergleich zu ähnlich gebauten Haushunden länger und der Brustkorb höher, aber schmaler ist. Der Kopf ist relativ groß, die Stirn ist breit. Die Augen setzen schräg an, die Ohren sind eher kurz. Der buschige *** hat etwa ein Drittel der Kopf-Rumpf-Länge.[1]

Die Färbung ist sehr variabel, es gibt weiße, cremefarbene, dunkle, gelbliche, rötliche, graue und schwarze Wölfe. In den gemäßigten Zonen Europas und Asiens überwiegen graue Wölfe, die nördlichen Populationen zeigen größere Anteile schwarzer und weißer Tiere. Meist überwiegen dunkle Haare auf dem Rücken und dem ***. Bauch, Beine und Schnauze sind meist deutlich heller gefärbt. Nach genetischen Untersuchungen beruht die schwarze Fellfarbe bei Grauwölfen auf einer Mutation, die zuerst unter Haushunden auftrat und später in die Wolfspopulation eindrang.[2]
Wolf im Profil (C. l. lupus)

Maße und Gewichte des Wolfes sind aufgrund seines ausgedehnten Verbreitungsgebietes sehr unterschiedlich (siehe Bergmannsche Regel): Die größten Wölfe in den Waldzonen Lettlands, Weißrusslands, Alaskas und Kanadas erreichen eine Kopfrumpflänge von bis zu 160 cm, der *** ist zusätzlich bis zu 52 cm lang. Die Schulterhöhe beträgt etwa 80 cm. Diese Wölfe können bis zu 80 kg wiegen.

Die kleinsten Wölfe leben im vorderen Orient und auf der Arabischen Halbinsel; ihre Körperlänge beträgt etwa 80 cm bei einem Gewicht von rund 20 kg und einer ***länge von etwa 29 cm. Die Weibchen sind um 2 bis 12 % kleiner als die Rüden und 20 bis 25 % leichter.

Mitteleuropäische Wölfe liegen zwischen diesen Extremen. Männliche polnische Wölfe aus dem Bia?owie?a-Urwald hatten eine Kopf-Rumpf-Länge von im Mittel 119 cm und eine Schulterhöhe von 70-90 cm, Weibchen aus demselben Gebiet eine mittlere Kopf-Rumpf-Länge von 111 cm (Extreme 97-124 cm) und eine Schulterhöhe von 60-80 cm. Männchen aus dem Südosten Polens wogen 35-67 kg, Weibchen 27-50 kg.[3]
Unterschiede zum Haushund [Bearbeiten]

Haushunde sind domestizierte Formen des Wolfes und gehören daher ebenso wie der Dingo der gleichen Art (Canis lupus) an. Anhand einiger charakteristischer Merkmale ist die Unterscheidung von Wölfen und Haushunden meistens möglich, wobei das Ausmaß der Unterschiede je nach Hunderasse stark variieren kann. In einigen Fällen ist es allerdings sehr schwierig festzustellen, ob ein Individuum ein zu 100 % reiner Wolf bzw. Haushund ist.
Morphologische und anatomische Unterschiede [Bearbeiten]

Wölfe tragen ihren *** meist waagerecht oder etwas gesenkt, Hunde hingegen oft nach oben oder eingerollt. Wölfe haben eine Violdrüse an der Oberseite des ***es, die bei vielen Hunden fehlt bzw. reduziert auftritt, bei anderen aber ein weites Drüsenfeld bildet.[4] Insbesondere am Schädel lassen sich zahlreiche Unterschiede zwischen Wolf und Hund feststellen, dies betrifft unter Anderem die Form der Augenhöhle, der Ohrmuschel, des Praesphenoids, des Basis vomerus, der Fissura petrobasialis sowie die Form des Unterkiefers und die Anordnung der Schneidezähne im Unterkiefer.
Weitere Unterschiede [Bearbeiten]

Wölfe bekommen nur einmal jährlich Nachwuchs, Hunde meist zweimal. Bei der Entscheidung, ob Fährten Hunden oder Wölfen zuzuordnen sind, hilft der Verlauf dieser Fährten. Wölfe setzen im Schnee ihre Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten, im Rudel laufen sie hintereinander und setzen ihre Pfoten in die Abdrücke des Vorderwolfes. Daher entsteht oft der Eindruck, dass man der Spur eines einzelnen Wolfes folgt, bis sich die Fährte plötzlich in mehrere Individualfährten aufteilt.
Verbreitung und Lebensraum [Bearbeiten]
Verbreitung des Wolfes
(grün = aktuell, rot = ehemalig)

Der Wolf war bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Er war in ganz Europa und Asien bis nach Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet. In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde die Art durch menschliche Verfolgung ausgerottet. In Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei, und zu einem geringeren Grade dem Iran gibt es noch größere zusammenhängende Populationen. Ansonsten ist der Wolf heute nur in isolierten Beständen (manche umfassen weniger als 100 Tiere) anzutreffen.

Wölfe bewohnen eine Vielzahl von Habitaten. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit lässt sie in der arktischen Tundra ebenso leben wie in den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. Die meisten Wölfe bewohnen Grasland und Wälder. Dass sie vor allem als Waldtiere bekannt wurden, liegt daran, dass der Mensch sie in großen Teilen des Verbreitungsgebietes frühzeitig aus offeneren Landschaften vertrieben hat.
Systematik [Bearbeiten]

Nach Bibikow ist die Unterarten***erung bis heute umstritten; seit 1985 gibt es Versuche einer genetischen Revision der Unterarten des Wolfes (Mitochondrial DNA Method). In den letzten Jahren hat man sich weitgehend auf eine Einteilung in dreizehn lebende und zwei ausgestorbene Unterarten geeinigt. Haushund (Canis lupus familiaris), sowie Neuguinea-Dingo (Canis lupus hallstrom) und australischer Dingo (Canis lupus dingo) sind durch Domestizierung entstandene Unterarten des Wolfs. Wegen ihrer teilweise erheblichen domestikationsbedingten Unterschiede zu den Wildformen wird auf die betreffenden Einzelartikel verwiesen.

Unterarten (Auswahl):
Polarwolf (Canis lupus arctos)
Timberwolf (Canis lupus lycaon)
Arabischer Wolf (Canis lupus arabs)

Polarwolf (C. lupus arctos); kanadische Arktis, Grönland; mittelgroß, weiß oder cremeweiß mit langem Fell; legal bejagt, stabil
Timberwolf (C. l. lycaon); Südostkanada, östliche USA; größere Unterart, sehr variable Fellfarbe von weiß bis schwarz, meist jedoch braun; in Teilen Kanadas legal bejagt, gefährdet
Buffalo Wolf (Canis l. nubilus); südliche Rocky Mountains, Mittlerer Westen, Ost- und Nordostkanada, südwestlichstes Kanada und Südost-Alaska; mittelgroß, meist grau, schwarz, gelbbraun oder rötlich; in Teilen Kanadas legal bejagt, stabil
Mackenzie-Wolf (C. l. occidentalis); Alaska, nördliche Rocky Mountains, West- und Zentralkanada; sehr groß; meist schwarz oder ein gemischtes grau oder braun, allerdings ist das gesamte Farbspektrum vertreten; diese Unterart wurde 1995 im Yellowstone-Nationalpark und in Idaho wiedereingeführt; legal in Alaska und Teilen Kanadas bejagt, sonst geschützt, stabil
Mexikanischer Wolf (C. l. baileyi); Zentral-Mexiko, West-Texas, südliches Neu-Mexiko und Arizona; kleinere Unterart, meist gelbbraun oder rostfarben; seit 1998 in Arizona wieder eingeführt, die Zahl der wildlebenden Tiere beträgt 35-50; vom Aussterben bedroht und geschützt
Tundrawolf (C. l. albus); nördliches Russland, Sibirien; relativ groß, typischerweise cremeweiß oder grau; legal bejagt, stabil
Russischer Wolf (C. l. communis); Zentral-Russland; sehr groß; legal bejagt; stabil oder rückläufig
Eurasischer Wolf (C. l. lupus); Europa, Skandinavien, Russland, China, Mongolei, Himalaya; durchschnittlich groß, gewöhnlich kurzes, graubraunes Fell; die am weitesten verbreitete Unterart Europas und Asiens, geschätzte Zahl 100.000; in einigen Gebieten legal bejagt, in anderen geschützt, stabil
Iberischer Wolf (C. l. signatus); Spanien und Nordportugal; mittelgroß; gewöhnlich graubraunes Fell mit einem charakteristischen Paar dunkler Markierungen an seinen vorderen Beinen und Weißmarkierungen auf den oberen Lippen; gering gefährdet, in Nordspanien teilweise bejagt, sonst geschützt, stabil
Italienischer Wolf (C. l. italicus); Italienische Halbinsel; mittelgroß; Färbung variabel; stark gefährdet und geschützt
Kaspischer Wolf (C. l. cubanensis); zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer; relativ klein; als Schädling verfolgt, stark gefährdet, rückläufig
Hokkaido-Wolf (C. l. hattai); japanische Insel Hokkaido; kleinere Unterart; 1889 aufgrund von Nachstellungen mit Gift ausgestorben
Honshu-Wolf (C. l. hodophilax); japanische Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu; kleinste bekannte Unterart; 1905 durch Tollwut und menschliche Nachstellung ausgestorben
Arabischer Wolf (C. l. arabs); Saudi-Arabien, Jemen, Oman; sehr kleine Unterart, meist braun mit kurzem Fell; wird als Schädling verfolgt, vom Aussterben bedroht, rückläufig
Ägyptischer Wolf (C. l. lupaster); Nordafrika; kleine, schlanke Unterart; Fell meist silbernes bis meliertes grau oder braun; sehr selten, vom Aussterben bedroht.
Tibetischer Wolf (C. l. chanco); Aus dem Gebiet zwischen Transkaspien und dem Fernen Osten beschrieben, allerdings nicht monophyletisch; Wölfe des Himalaya-Gebietes zwischen Kaschmir, Ost-Nepal und Tibet, die ursprünglich dieser Unterart zugerechnet wurden, unter***n sich genetisch deutlich von anderen Wölfen Nordeurasiens und Nordamerikas, aber auch von Indischen Wölfen[5]. Diese Himalaya-Wölfe könnten möglicherweise eine eigene Art C. himalayensis darstellen[6].
Indischer Wolf (C. l. pallipes); Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien; sehr kleine Unterart; typischerweise gelbbraun, sandfarben oder rötlich mit sehr kurzem, dichten Fell; als Schädling verfolgt, stark gefährdet, rückläufig. Stellt möglicherweise eine eigenständige Art dar[7].

Eng verwandt mit dem Wolf sind der Rotwolf (Canis rufus) aus Nordamerika (der vielleicht ein Hybride aus Wolf und Kojote ist), der Kojote (Canis latrans) und der Äthiopische Wolf (Canis simensis). Eine bisher nicht erkannte Form des Wolfs oder zumindest ein enger Verwandter scheint darüber hinaus in Ägypten vorzukommen. DNA-***ysen ergaben, dass sich die ägyptische Unterart des Goldschakals (Canis aureus lupaster) genetisch stark von anderen Goldschakalen unter***t. Diese ägyptischen Schakale, deren Ähnlichkeit zu Indischen Wölfen (Canis lupus pallipes) bereits im 19. Jahrhundert von Zoologen bemerkt wurde, fallen genetisch in die engere Verwandtschaft der Wölfe. Sie sind auch deutlich größer und langbeiniger als typische Goldschakale. Dabei bildet der ägyptische Canide, wie der Indische Wolf und der Himalaya-Wolf auch, offenbar einen basalen Zweig innerhalb der Wölfe. Neben den ägyptischen Tieren wurden Vertreter dieser Form auch im Hochland von Äthiopien 2500 km südöstlich nachgewiesen[8].
Lebensweise [Bearbeiten]
Soziale Organisation [Bearbeiten]
Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald

Obwohl man auch einzelne Wölfe in der Wildnis antrifft, ist die normale Sozialordnung des Wolfes das Rudel. Das Wolfsrudel besteht im Regelfall aus dem Elternpaar und deren Nachkommen, es handelt sich also um eine Familie. Wölfe werden erst mit zwei Jahren geschlechtsreif (Haushunde schon mit 7 bis 11 Monaten) und verbleiben bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. Die vorjährigen Jungwölfe unterstützen das Elternpaar bei der Aufzucht der neuen Welpen. Unter normalen Bedingungen besteht ein Rudel im Herbst also aus dem Elternpaar, dem Nachwuchs aus dem Vorjahr und dem Nachwuchs aus demselben Jahr. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Jungwölfe in der Regel aus dem elterlichen Territorium ab und suchen sich ein freies Revier, wo sie mit einem auf der Wanderung getroffenen und ebenso ausgewanderten Jungwolf als Partner eine eigene Familie gründen.[9] Die Elterntiere sind grundsätzlich ***nt gegenüber ihrem Nachwuchs, Kämpfe um die Rangordnung gibt es daher nicht. Eine Paarung verwandter Tiere findet üblicherweise auch dann nicht statt, wenn keine anderen ***ualpartner zur Verfügung stehen, denn der Rüde verweigert eine solche Paarung.

In der Literatur findet sich häufig die Darstellung einer streng hierarchischen Rangordnung mit einem ***nten Alpha-Paar, das in der Regel die Nachkommen des Rudels zeugt, einer Gruppe nachgeordneter Tiere und einem schwachen Tier am Ende der Rangordnung in der Rolle des ?Prügelknaben? oder Omega-Wolfs. Diese Darstellungen sind das Ergebnis der Forschung an Wölfen in Gefangenschaft und keinesfalls auf natürliche Verhältnisse übertragbar. In Gefangenschaft wurden meist Wölfe unterschiedlicher Herkunft oder Familiengruppen zusammengesperrt und gezüchtet. Hier ist weder eine Abwanderung mit Erreichen der Geschlechtsreife, noch die (mit der Abwanderung verbundene) Vermeidung von Verpaarungen verwandter Tiere möglich. In diesen in Gefangenschaft gehaltenen Rudeln sind daher Auseinandersetzungen häufig.
Heulender Wolf
Raumorganisation [Bearbeiten]

Wolfsrudel leben im Normalfall in festen Revieren, die sowohl gegen andere Rudel als auch gegen einzelne Artgenossen abgegrenzt und falls nötig auch vehement verteidigt werden; die Reviere benachbarter Rudel überschneiden sich daher meist nur minimal. Die Größe der Reviere wird im Wesentlichen durch die Größe der Beutetierarten und die Zahl der Beutetiere bestimmt. Die durchschnittliche Größe der Reviere variiert daher von Region zu Region stark und reicht von einigen Dutzend bis zu 13.000 Quadratkilometern. Aus Mitteleuropa liegen bisher nur Werte aus Polen vor, dort wurden Reviergrößen zwischen 150 und 350 km² festgestellt[10], im Bia?owie?a-Wald waren die Reviere von vier Rudeln im Mittel 238 km² groß.[11] Zur Abgrenzung der Reviere werden vor allem Harnmarkierungen benutzt. Bei ihren Wanderungen durch das Revier setzen Wölfe etwa alle 350 m mit erhobenem Bein Harnmarken ab. Dafür werden markante Objekte wie einzelne Bäume, Sträucher, Steine oder Pfosten ausgesucht. Im Bereich der Reviergrenzen wird besonders intensiv markiert. Als weiteres Mittel zur Reviermarkierung dient das gemeinschaftliche Heulen der Rudelmit***er. Dieses wird meist von den benachbarten Rudeln beantwortet.
Wolf howls.ogg
Lautäußerungen von heulenden Wölfen

Diese Reviere werden regelmäßig von den Rudelmit***ern durchwandert; im Bia?owie?a-Wald lag die durchschnittliche, tägliche Laufstrecke der Wölfe von vier Rudeln bei 22,1 km für Weibchen und 27,6 km für Männchen. Pro Tag wurden dabei etwa 9 % des Reviers genutzt, die an aufeinander folgenden Tagen genutzten Revierteile überschnitten sich jeweils nur minimal. Dies dient mit hoher Wahrscheinlichkeit einerseits der Notwendigkeit, möglichst kontinuierlich im gesamten Revier präsent zu sein, um dieses gegen Artgenossen abzugrenzen, zum anderen aber vermutlich auch zur Erhöhung des Jagderfolges, da die Beutetiere auf die längere Anwesenheit der Wölfe mit erhöhter Vorsicht und Ausweichbewegungen reagieren.[11]
Ernährung [Bearbeiten]

Grundnahrung des Wolfes bilden im größten Teil des Verbreitungsgebietes mittelgroße bis große pflanzen***nde Säugetiere, er nutzt dabei die im jeweiligen Lebensraum dominierenden Arten. Wölfe jagen im Norden ihres Verbreitungsgebietes überwiegend im Rudel vor allem Elche, Rentiere und verschiedene andere Hirscharten. Weiter südlich sind auch Wildschweine und in Gebirgen Wildschafe und Steinböcke eine häufige Beute. Kleinere Säuger wie Hasen, Kaninchen, Wühlmäuse und Lemminge werden ebenfalls häufig erbeutet. In der Nähe des Menschen schlagen sie auch Schafe oder junge Rinder, Haushunde und Hauskatzen.

In nahrungsarmen Zeiten frisst der Wolf sowohl Aas als auch Abfälle.

Neuere Untersuchungen eines Zoologenteams um Chris T. Darimont von der University of Victoria haben erbracht, dass sich Wölfe in der kanadischen Küstenprovinz British Columbia im Herbst bevorzugt von Lachs ernähren. Dessen Anteil an der Nahrung beträgt dann bis zu 70 %, obwohl die Nahrung der Wölfe im restlichen Jahr zu 95 % aus Wild besteht. Erklärt wird dieses Verhalten damit, dass der Lachsfang einfach und gefahrlos ist, und Lachse zudem einen höheren Nährwert als Paarhufer haben.[12]
Ein Amerikanischer Bison verteidigt sich gegen ein Wolfsrudel.

In Mitteleuropa dominieren Wildschweine, Hirschartige und Haustiere im Nahrungsspektrum. So wurden in der Slowakei Wildschweine in 45,5 % aller Wolf***kremente gefunden, zweitwichtigste Beute war dort der Rothirsch (23,3 %), danach folgten Rotfuchs (10,4 %), Haushund (7,9 %) und Reh (5,5 %). Im polnischen Bialowieza konnten Hirschartige (Rothirsch und Reh) im Sommer in 93,1 %, im Winter in 97,0 % aller Exkremente nachgewiesen werden; dort war das Wildschwein im Sommer in 47,7 % aller Exkremente und im Winter in 29,0 % der Exkremente nachweisbar und damit das zweitwichtigste Beutetier.[13]

Freilebende Wölfe ***n nach verschiedenen Untersuchungen täglich so viel Fleisch, welches der Masse von 10-21 % ihres Körpergewichtes entspricht. Bei einem mittleren Gewicht von etwa 40 kg also 4,0-8,4 kg pro Tag.[14] Wölfe können innerhalb von 24 h bis zu 12,5 Kilogramm Fleisch verzehren, ein Teil davon wird jedoch wieder ausgewürgt und als Vorrat verscharrt.
Jagdweise [Bearbeiten]

Wölfe finden Beutetiere meist direkt durch deren Geruch, seltener durch die Verfolgung frischer Spuren. Sie versuchen sich den Beutetieren dann unbemerkt bis auf geringe Distanz zu nähern. Fliehende Tiere werden meist nur wenige Dutzend Meter weit mit hoher Geschwindigkeit verfolgt, gelingt es den Wölfen bis dahin nicht, das Beutetier zu erreichen, wird die Jagd abgebrochen. Längere Hetzjagden über mehrere Kilometer sind seltene Ausnahmen. Häufig versuchen Wölfe, für sie günstige Geländegegebenheiten zu nutzen, indem ein Teil des Rudels die Beute in Richtung anderer Rudelmit***er jagt, die an einer geeigneten Stelle in Deckung liegen. Im Winter versuchen Wölfe, Huftiere auf zugefrorene Seen oder Flüsse zu treiben, wo diese mit ihren g***n Hufen schnell ausrutschen.[15]

Huftiere bis zur Größe eines weiblichen Rothirsches versuchen durch Flucht zu entkommen. Große und wehrhafte Beutetiere wie Elche, Bisons, Moschusochsen oder auch Wildschweine stellen sich den Wölfen oft und verteidigen sich häufig erfolgreich. Elche flüchten bei Angriffen häufig ins Wasser und bleiben dort stehen, sie werden dann meist nicht weiter attackiert.

Kleinere Huftiere werden meist durch einen einzigen, sehr kraftvollen Biss in die Kehle oder in den Nacken getötet. Große Tiere, wie Elche, werden durch Bisse in Hinterteil, Flanken, Rücken und Nase aufgehalten und zu Fall gebracht und dann ebenfalls durch Bisse in die Kehle getötet. Das Opfer wird im Normalfall möglichst vollständig ge***n, große Huftiere werden über mehrere Tage lang genutzt und bis auf große Knochen, das Fell und Teile des Darmtraktes verwertet.[16]
Fortpflanzung [Bearbeiten]
Ein Wolfspaar

In Mitteleuropa fällt die Paarungszeit in den Spätwinter und das zeitige Frühjahr von Ende Januar bis Anfang März. Weibchen sind jeweils etwa 7 Tage lang empfängnisbereit. Wie bei vielen Hundeartigen wird die Paarung durch das sogenannte ?Hängen? abgeschlossen, wobei der angeschwollene *** des Männchens noch bis zu 30 Minuten lang in der *** des Weibchens gehalten wird. Die Tragzeit wird je nach Autor mit 62 bis 64 oder 62 bis 75 Tagen angegeben. Vor der Geburt der Jungen wird im Normalfall eine Erdhöhle gegraben oder von anderen Säugern übernommen und vergrößert. Die Höhlen haben ein oder zwei Eingänge. Von diesen führt ein Gang in die große Kammer. Etwa drei Wochen vor der Geburt verlässt das tragende Weibchen die Höhlenumgebung meist nicht mehr.[17]

Die Geburt der Jungen erfolgt in der Höhle. In einem Wurf befinden sich ein bis zwölf, in der Regel vier bis sechs Welpen. Die frisch geborenen, noch blinden und tauben Welpen wiegen 300 bis 500 g und haben ein feines, dunkles Fell. Die Augen öffnen sich nach 11 bis 15 Tagen, die Welpen können nun auch laufen, knurren sowie kauen. Auch die ersten Zähne sind erkennbar. Etwa um den 20. Tag beginnen die Jungen Laute wahrzunehmen, verlassen erstmals die Höhle und beginnen mit den Geschwistern und älteren Familienmit***ern zu spielen. Ab etwa diesem Alter können die Welpen auch feste Nahrung zu sich nehmen, sie werden jedoch noch bis zum Alter von 6 bis 8 Wochen gesäugt. Die mit Nahrung zurückkehrenden Rudelmit***er werden von den Welpen am Maul beschnuppert und deren Schnauze mit der eigenen Schnauze umklammert, bis sie Nahrung auswürgen. In der 16. bis 20. Lebenswoche wachsen die festen Zähne, nach etwa einem Jahr ist das Skelettwachstum abgeschlossen.[18]
Bestand und Gefährdung [Bearbeiten]
Denkmal für den letzten freien Wolf in Westfalen bei Ascheberg

Seit dem 19. Jahrhundert gilt der Wolf in Nord- und Mitteldeutschland sowie in England als ausgestorben. Wolfspopulationen gab es damals noch in Ungarn, Galizien, Kroatien, der Krain, Serbien, Bosnien, Rumänien, Polen, Russland und Skandinavien.

In vielen Teilen der Welt, in denen der Wolf noch vorkommt, wird er noch heute aktiv verfolgt. Allerdings setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Wolf keine Gefahr für den Menschen oder seine Landwirtschaft darstellt; vielmehr wird der Wolf zunehmend im Rahmen der Naturschutzbemühungen als ein willkommener Bestandteil der Tierwelt gesehen.
Bestand in Europa [Bearbeiten]

Insgesamt nimmt der Bestand des Wolfes in vielen europäischen Ländern wieder zu, beispielsweise in Spanien, Italien, Slowenien, Kroatien und der Slowakei. Die sehr kleine Population in Skandinavien gilt vor allem aufgrund ihrer geringen genetischen Vielfalt als gefährdet.[19] Für das Jahr 2008 gibt das Schwedische Raubtierzentrum den Bestand für Schweden und Norwegen mit etwa 180 Tieren an.[20] Neu besiedelt wurden in den letzten Jahrzehnten Frankreich und die Schweiz. Während es in den südöstlichen Nachbarländern Österreichs Populationen mit jeweils bis zu hundert Wölfen gibt, kommen nur vereinzelt Tiere nach Kärnten.[21] Für das Jahr 2010 schätzte der WWF, dass sich nur drei bis fünf Tiere in den östlichen Bundesländern wild aufhalten.[22] Seit 2009 wurden zudem in Tirol mindestens drei unterschiedliche Wölfe nachgewiesen. Im Herbst 2010 hat ein Wolf, wie durch DNA-Proben nachgewiesen wurde, im Schneeberggebiet, wo man ihn bisher nie beobachtete, einige Schafe gerissen.[23] In dem Gebiet wurden im Herbst 2010 ein männlicher Wolf aus den italienischen Alpen und eine Wölfin aus den Karpaten nachgewiesen. Ob die beiden ein Paar sind, ist nicht klar.[24] Aus den französischen Seealpen kommend sind Tiere inzwischen in den katalanischen Pyrenäen ins Gebiet des Naturparks Cadí-Moixeró von Norden nach Spanien vorgedrungen, einige hundert Kilometer östlich des bisherigen Haupt-Verbreitungsgebietes in der Gegend um Soria.[25]
Der Wolf in Deutschland [Bearbeiten]

In Deutschland, insbesondere in seinen Ostprovinzen, hatte sich der Wolf während des Dreißigjährigen Kriegs wieder stark ausgebreitet. Über sein Auftreten in Pommern bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts liegen statistische Angaben vor.[26][27] Der auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik vorläufig letzte freilebende Wolf wurde am 27. Februar 1904 in der Lausitz erschossen. Er war 160 cm lang, hatte eine Widerristhöhe von 80 cm und wog 41 kg. Da es in der Gegend lange Zeit keinen Wolf mehr gegeben hatte, vermutete man hinter dem gerissenen Wild erst ein ausgebrochenes Zirkustier, weshalb er den Spitznamen ?Tiger von Sabrodt? (Ort des ersten Auftauchens) erhielt. Schon nach dem 2. Weltkrieg wanderten immer wieder Wölfe nach Deutschland ein, bis 1990 wurden in Deutschland mindestens 21 Wölfe geschossen oder mit Fallen gefangen.[28] Auch nach 1990 sind immer wieder Wölfe über die polnische Grenze nach Deutschland eingewandert und hielten sich bevorzugt auf Truppenübungsplätzen auf. Im Jahr 2000 wurde im sächsischen Teil der Lausitz erstmals seit mindestens 100 Jahren wieder eine erfolgreiche Reproduktion des Wolfes in Deutschland nachgewiesen. Seitdem hat der Bestand des Wolfes dort kontinuierlich zugenommen und das Verbreitungsgebiet hat sich beständig vergrößert. Ende Februar 2012 lebten in der Lausitz in Sachsen und Brandenburg elf Rudel und ein Wolfspaar.[29] Außerhalb der Lausitz gibt es weitere territoriale Vorkommen: Ein reproduzierendes Rudel in Sachsen-Anhalt in der Altengrabower Heide und mehrere stationäre Einzeltiere oder Paare in anderen Regionen Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, in Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen, womit man von einem Wolfsbestand von 50 bis 60 frei lebenden Wölfen in Deutschland ausgehen kann.[30][31] Ob die in Hessen und Bayern festgestellten Einzeltiere noch anwesend und am Leben sind, ist unklar.[32][33][34] Mit der wachsenden Gesamtpopulation und seiner langsamen Ausbreitung kann bei weiterem erfolgreichen Schutz davon ausgegangen werden, dass der Wolf in Deutschland wieder dauerhaft ansässig wird. Allerdings fordern einzelne Jäger und Jägervertreter in der Lausitz einen Abschuss bzw. eine kontrollierte Bejagung der dort lebenden Wölfe.[35]

Von drei im Frühjahr 2009 besenderten Wolfsrüden des Nochtener (zwei junge Rüden) bzw. Neustädter Rudels (ca. zwei bis drei Jahre alter Rüde) hatte ein junger Rüde[36] nach einem über 1000 km langen Weg im Sommer 2009 Litauen erreicht.[37] Seit Dezember 2009 wurden von ihm keine Signale mehr empfangen.[38] Dies ist der erste Nachweis des Auswanderns eines in Deutschland freilebend geborenen Wolfes seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein zweiter junger Rüde[39] des Rudels war nach einem zweiwöchigen ?Ausflug? mit Distanzen von bis zu 150 km Anfang April 2009 zu diesem Rudel zurückgekehrt.[40] Inzwischen hat er im Raum Spremberg-Schleife ein eigenes Rudel gegründet.

Obwohl Wölfe in Deutschland streng geschützt und nicht jagdbar sind, wurden sie immer wieder von Jägern geschossen ? angeblich wegen Verwechslungen mit wildernden Hunden. Beispielsweise wurde im Zeitraum August/September 2007 eine einjährige Wölfin illegal in der Nähe von Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald) geschossen. Am 15. Dezember 2007 wurde in einem Wald bei Gedelitz (nahe Gorleben, Landkreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen) während einer Gesellschaftsjagd ein 37 Kilogramm schwerer männlicher Wolf von zwei auswärtigen Jägern getötet. Die Schützen gaben an, das Tier wäre bereits angeschossen gewesen und hätte gelahmt, was im Prozess durch Sachverständigengutachten angezweifelt wurde. Gegen sie wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen Naturschutzrecht eingeleitet, welches für die beiden Jäger in erster Instanz mit einer Verurteilung zu hohen Geldstrafen endete. Der zweijährige Rüde soll eindeutig ein freilebender Wolf gewesen sein. Eine genetische Untersuchung ergab, dass dieses Tier der westpolnisch-sächsischen Population zugerechnet werden kann. Dieses ist wohl der zweite aktuelle Nachweis der Art aus dem niedersächsischen Tiefland. Ein ? wahrscheinlich anderes ? Exemplar ist aus der Lüneburger Heide bekannt, wo es erstmals im September 2006 bei Unterlüß gesichtet wurde. Der letzte Nachweis gelang am 18. Mai 2007 durch eine Fotografie. Aus dem Sommer 2009 liegen nach einer zweijährigen Pause wieder neue glaubhafte Hinweise vor.[41][42] Am 26. Februar 2012 wurde nach Einschätzung des Naturschutzbundes Deutschland ein scheuer Wolf im Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz) gesichtet und fotografiert.[43]
Gesetzlicher Schutz [Bearbeiten]

In Europa ist der Wolf durch drei Richtlinien geschützt:

Dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora) vom 3. März 1973 gehören 152 Staaten an. Es stellt Richtlinien für den Handel mit geschützten Tieren und deren Erzeugnissen auf und schränkt die Ein- und Ausfuhr der Tiere oder ihrer Teile (Felle, Schädel, Knochen?) ein. Der Wolf ist hier in Anhang II (gefährdete Tierart) aufgeführt, einige Subpopulationen sind vom Aussterben bedroht und in Anhang I aufgeführt.

In der Berner Konvention haben sich 45 Staaten auf die Erhaltung und den Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume verständigt. Der Wolf ist in Anhang II der Konvention aufgeführt.

Die FFH-Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG) wurde 1992 von der EU in Kraft gesetzt und soll europaweit die Ausweisung und Erhaltung von Lebensräumen und Wildtieren regeln. Der Wolf ist hier in Anhang IV aufgeführt, sein Lebensraum in Anhang II. Diese Richtlinie ist von allen EU-Mit***sstaaten jeweils in nationales Recht umzusetzen.

Mensch und Wolf [Bearbeiten]
Tamaskan: Einige Haushunde haben eine sichtbare Ähnlichkeit zum Wolf.
Wolfsspuren im Sand
Domestizierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Domestizierung (Haushund)

Heute ist nachgewiesen, dass der Haushund vom Wolf abstammt. Wie Wölfe domestiziert wurden, ist unbekannt. Die Verwandtschaft zum Wolf zeigt sich recht deutlich bei einigen Hunderassen; Samojede, Siberian Husky, Alaskan Malamute, Kanaanhund oder der Akita weisen einen ursprünglichen Typ mit spitzem Fang, spitzen Stehohren und quadratischem Körperbau auf; auch andere Rassen wie der Deutsche Schäferhund zeigen noch eine gewisse äußere Ähnlichkeit zum Wolf. Die Annahme, dass diese Rassen daher enger mit dem Wolf verwandt wären als andere, ist jedoch falsch.

Das Lautverhalten der Wolfs- und Schlittenhunde ähnelt dem der Wölfe, sie bellen kaum und wenn, dann nicht anhaltend, statt dessen jaulen und heulen sie in vielen Variationen.
Verhältnis des Menschen zum Wolf [Bearbeiten]
Verehrung [Bearbeiten]

Viele Völker, die von der Jagd lebten (Nordeuropa, Nordamerika), sahen im Wolf einen ihnen ebenbürtigen oder überlegenen Konkurrenten, dessen Ausdauer und Geschick bewundert und begehrt waren. Der Wolf wurde auch als Beschützer oder als übernatürliches Wesen betrachtet und verehrt. Krieger identifizierten sich mit dem Wolf (Therianthropie). Vornamen wie Wolf, ***, Wolfgang oder Wolfhard erinnern an die Wertschätzung des Tiers. Verschiedene Teile des Wolfs galten auch in Deutschland als heilkräftig. So sollten Schuhe aus Wolfsfell Knaben zu tapferen Männern erwachsen lassen.
Der Wolf als Feind des Menschen [Bearbeiten]

Da der Wolf auch Nutztiere schlägt, wurde er in der Vergangenheit als Feind angesehen. Ab dem Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde die Beziehung des Menschen zum Wolf in Europa zunehmend einseitig von Angst und Dämonisierung geprägt. Die starke Ausbreitung menschlicher Siedlungs- und Agrarflächen, sowie die offene Viehhaltung, hier vor allem die bis ins 19. Jahrhundert verbreitete Waldweide von Rindern, Schafen, Schweinen und Pferden, führte zu zahlreichen Haustierverlusten durch Wölfe. Auch wenn die angegebenen Verluste in vielen Fällen sicher maßlos übertrieben waren oder durch wildernde Hunde verursacht wurden, dürften die Verluste bei dieser Art der Viehhaltung für die Bauern wirtschaftlich häufig bedeutend gewesen sein. Zu der direkten Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Wolf gesellte sich im Laufe der Zeit noch die Verurteilung des Wolfes als Jagdkonkurrent.

Berichte und Geschichten über ?Wolfsplagen? und Angriffe auf Menschen (zum Teil mit Todesfolge) finden sich bis in die Neuzeit in zahlreichen schriftlichen Quellen. So wird schon 1197 von einer ?Wolfsplage? an der Mosel berichtet, die angeblich mehrere menschliche Opfer forderte. Noch 1849, also zu einer Zeit, als Wölfe in Mitteleuropa schon weitgehend ausgerottet waren, wurde aus Kottenheim eine ?Wolfsplage? gemeldet, als ein strenger Winter bis Ostern anhielt.

Diese Einstellung zum Wolf führte in West- und Mitteleuropa zu einer beispiellosen Verfolgungskampagne, deren Ziel schließlich, unabhängig von etwaigen Schäden, die völlige Ausrottung des Wolfes war. Der Wolf wurde unter anderem in Großbritannien (letzte Erlegung 1743), Dänemark (1772), Luxemburg (1893)[44] und Deutschland (1904) ausgerottet. In Süd- und Osteuropa wurde dem Wolf (und anderen Großraubtieren) mit erheblich mehr Toleranz begegnet. Auch wenn dort bei verstärkten Schäden an Haustieren Wölfe regional und zeitlich intensiver verfolgt wurden, war dort die völlige Ausrottung nie das Ziel.
Angriffe auf Menschen [Bearbeiten]

Während die Erbeutung von Haustieren durch Wölfe unstrittig ist, sind Angriffe auf Menschen sehr selten. Häufig spielen Tollwuterkrankungen hierbei eine Rolle.[45] In den letzten 50 Jahren wird über neun Fälle in Europa berichtet, bei denen Menschen durch Wölfe getötet wurden. Bei fünf dieser Fälle konnte bei den Wölfen Tollwut nachgewiesen werden.[46]

In Nordamerika zeigt eine Reihe von Fällen, dass es beim Kontakt von Menschen zu halbzahmen, durch ständige direkte oder indirekte Fütterung an Menschen gewöhnten Wölfen zu Missverständnissen, unbeabsichtigten Provokationen u. ä. mit zum Teil fatalen Folgen kommen kann. In den letzten ca. 30 Jahren sind dort 39 Fälle von gegenüber Menschen aggressiven Wölfen bekannt geworden. In 12 dieser Fälle wurde eine Tollwutinfektion nachgewiesen oder vermutet. In sechs Fällen wurden die Menschen durch Hunde begleitet, vermutlich war hier der Hund Auslöser der Attacke. In 16 Fällen wurden Menschen von nicht mit Tollwut infizierten Wölfen gebissen. Diese Fälle waren durch die Opfer fast ausschließlich provoziert und hätten leicht vermieden werden können. Keine der Bissverletzungen war lebensbedrohlich, aber in sechs Fällen waren die Bissverletzungen ernst (?severe?).[47]

In der Türkei gab es zwischen 1995 und 2005 nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei Angriffe von Wölfen auf Menschen. In einem Fall konnte eine Tollwutinfektion des Wolfs nachgewiesen werden, in dem anderen Fall starben zwei der drei gebissenen Personen an Tollwut, aber es konnte nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei dem tollwütigen Tier um einen Wolf gehandelt hat.[48]
Wirtschaftliche Nutzung [Bearbeiten]

Wölfe wurden über Jahrhunderte verfolgt und teilweise systematisch ausgerottet; daneben diente der Wolf aber auch als Pelzlieferant. Im 19. Jahrhundert wurden Wölfe vor allem mit Strychnin getötet, indem man ein getötetes Schaf damit imprägnierte und dieses auf die bekannten Wechsel der Wölfe warf. Wolfsfelle wurden für Bekleidungszwecke und in den Wohn- und Schlafstätten verwendet; sie galten umso wertvoller, je weißer sie waren. Die Wolfshaut wurde auch zu Leder gegerbt und zu Handschuhen, Pauken- und Trommelfellen verarbeitet. In den meisten Ländern ist die wirtschaftliche Nutzung des Wolfes heute verboten, obwohl teilweise noch Abschussprämien gezahlt werden.
Der Wolf in Mythos und Literatur [Bearbeiten]

Der Wolf spielt als Motiv in den Mythologien, Sagen und Märchen sowie in der Literatur und Kunst zahlreicher Völker eine zentrale Rolle. Dabei spiegelt sich die ambivalente Einstellung des Menschen gegenüber dem Wolf wider. Einerseits verehrt er ihn als starkes und überlegenes Tier, zum anderen projiziert er auf das aggressive Tier verschiedenartigste Ängste.
Totem-Kultur [Bearbeiten]

In etlichen Kulturen erscheint der Wolf als Totem, etwa bei dem Indianerstamm der Tlingit, bei den Irokesen, bei den Turkmenen und bei den Mongolen. Die Usbeken und die Hunnen leiteten ihre Herkunft vom Wolf ab, ebenso galt die Wölfin als Urmutter der alten Türken.
Bibel [Bearbeiten]

Bereits in der Bibel wird der Wolf mehrfach als das herdenreißende, gefährliche Tier dargestellt, so etwa in (Gen 49,27 LUT); (Jer 5,6 LUT); (Joh 10,12 LUT). Wenn ?der Wolf beim Lamme? liegt, so bedeutet dies dementsprechend die Verbindung von Ungleichem und wird daher von Jesus Sirach als Gleichnis für den Umgang zwischen Sündern und Gerechten gebraucht, (Sir 13,21 LUT). Jesaja indes verwendet das utopische Bild als Metapher für den Anbruch des Reiches Gottes, (Jes 65,25 LUT).
Griechische Mythologie [Bearbeiten]

Die griechische Göttin Hekate, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, wurde in der bildenden Kunst häufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Der griechische König Lykaon wurde von Zeus in einen Wolf verwandelt.
Die säugende Wölfin [Bearbeiten]
Die Kapitolinische Wölfin mit Romulus und Remus

Die Gründer der Stadt Rom, die Zwillinge Romulus und Remus, sollen von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen worden sein. Die Geschichte beruht indes auf einem Missverständnis: Das Wort lupa bedeutet im Lateinischen sowohl ?Wölfin? als auch ?***?. Mit diesem Wort war ursprünglich Larentia, die leichtlebige ***nde Gattin des Hirten Faustulus gemeint, der das Brüderpaar aufgezogen hatte. Vergleichbare Überlieferungen gibt es aus dem indischen Raum; auch die slowakischen Recken Waligor und Wyrwidub sowie der Gründer des altpersischen Reiches, Kyros II., sollen von Wölfen aufgezogen worden sein. Auch das moderne Motiv der Wolfskinder hat hier seine Ursprünge.
Germanische Mythologie [Bearbeiten]

In der germanischen bzw. nordischen Mythologie werden dem Siegesgott Odin neben zwei Raben auch die Wölfe Geri und Freki beigesellt, die als streitlustige und tapfere Tiere den Kampf verfolgen und sich auf die gefallenen Leichen stürzen. Sonne und Mond werden von den Wolfsbrüdern Skoll bzw. Hati gejagt[49]. Beide besitzen noch einen weiteren Bruder namens Managarm, der sich vom Fleisch der Toten ernährt. Der Fenriswolf spielt beim Wel***rgang Ragnarök eine ent***nde Rolle. Er verschlingt zu Beginn der Götterdämmerung den Mond, später Odin. Der Wolf Ysengrin des Mythos besitzt viele Wesensmerkmale des verschlagenen Fuchses. Germanischen Ursprungs ist auch die Figur des Werwolfs, der ungeachtet seines Lebens in der bürgerlichen Gesellschaft zeitweilig Wolfsgestalt annimmt.
Sonstige Kulturen [Bearbeiten]

Den Chinesen galt der Wolf als Symbol für Grausamkeit, Gefräßigkeit und Gier.

Die nordamerikanischen Ureinwohner kennen mit dem Waheela eine Art Geist in der Gestalt eines riesigen Wolfes.
Literatur [Bearbeiten]

In Fabeln antiker Autoren wie Äsop und Phädrus, deren Stoffe später insbesondere Jean de Lafontaine und Gotthold Ephraim Lessing aufgriffen, werden negative menschliche Charaktereigenschaften wie Habgier, Streitlust, Heimtücke und Verschlagenheit auf den Wolf projiziert. In Der Wolf und das Lamm etwa sucht der Wolf mit aller Macht einen Vorwand, um das mit ihm am Fluss trinkende Lamm zu zerreißen. In Löwe, Wolf und Fuchs fällt eine vom Wolf angezettelte Intrige auf ihn zurück. In Der Wolf und der Kranich betrügt er einen hilfsbereiten Vogel um seinen Lohn. In Der Wolf und der Hund steht er als Vertreter des gefährdeten, aber freien Lebens im Gegensatz zum unter dem Joch lebenden Haushund. Bekannt ist auch Der Junge, der Wolf schrie vom Hirtenjungen, der so oft um Hilfe wegen angeblicher Wölfe rief, bis ihm niemand half, als eines Tages wirklich ein Wolf seine Herde riss.
Der Wolf an der Seite Rotkäppchens

Im lateinischen Mittelalter ist der Wolf als Ysengrimus, eingedeutscht Isegrim, Fabelwesen eines Tierepos. Als meist negative, bösartige Figur erscheint er auch in den Märchen. In Grimms Rotkäppchen etwa erschleicht er sich das Vertrauen eines kleinen Mädchens, frisst dann dessen Großmutter und will am Ende auch Rotkäppchen selbst ***n. In Der Wolf und die sieben jungen Geißlein verschafft er sich mit durch Kreide verfälschter Stimme Zutritt zum Haus einer Ziegenfamilie und verschlingt alle deren Kinder bis auf eines. In beiden Fällen werden die Opfer gerettet und der Wolf getötet. Einige Märchen der Gebrüder Grimm (Der Wolf und der Mensch, Der Wolf und der Fuchs, Der Fuchs und die Frau Gevatterin) berichten von weiteren Wölfen, denen ihre Habgier und Aggression teuer zu stehen kommt: Sie werden zu Opfern sowohl der überlegenen Körperkraft des Menschen wie der Schläue von Füchsen. Aus dem angelsächsischen Bereich schließlich stammt das Märchen vom Wolf und den drei Schweinchen.

In der modernen Wolfsliteratur findet sich das Wolfsmotiv insbesondere in Rudyard Kiplings Das Dschungelbuch und bei Jack London (Ruf der Wildnis, White Fang). In Hermann Hesses Roman Steppenwolf schließlich wird das Wolfmotiv als Metapher für die animalische, die triebgesteuerte Seite des einsamen und menschenscheuen Protagonisten Harry Haller benutzt. Ein bekannter Fantasy-Roman von Käthe Recheis trägt den Titel Der weiße Wolf.
Comic und Zeichentrickfilm [Bearbeiten]

Auch in Comics und Zeichentrickfilmen tauchen vielfach Wölfe auf. In der sowjetischen Zeichentrickserie Hase und Wolf spielen ein böser, tollpatschiger Wolf sowie ein guter Hase mit.

Im Disney-Zeichentrickfilm Die drei kleinen Schweinchen will ein schlaksiger, schwarzfelliger Wolf mit bunter Latzhose und Schlapphut die Häuschen der drei Schweinchen um***. Bei jenen aus Stroh und Holz gelingt ihm dies, nicht so indes bei dem aus Stein. Unter Aufgreifung des Verkleidungsmotivs aus Rotkäppchen nähert er sich den Schweinchen im Aufzug einer alten Frau. Der Kurzfilm beinhaltete auch den von Frank Churchill geschriebenen berühmt gewordenen Song Who's Afraid of the Big Bad Wolf.

Im Disney-Comic Lil' Bad Wolf versucht ein böser Wolf namens Zeke (deutsch: Ede) erfolglos seinen Jungen nach seinem Bilde zu formen: Stattdessen schließt der Kleine enge Freundschaft mit den kleinen Schweinchen.

Ein weiterer schurkenhafter Vertreter der Gattung tritt im Disney-Film The big bad wolf auf. Er hat auch ein Gastspiel im Mickey-Mouse-Cartoon Mickey's Polo Team von 1936, in dem Disney-Figuren gegen Zeichentrick-Versionen berühmter Schauspieler dieser Zeit Polo spielten.

Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Wolfs-Figuren Lupo, Lupinchen und Eusebia aus Rolf Kaukas Serie Fix und Foxi von 1953.

Auch in der auf Runer Jonssens Büchern beruhenden Zeichentrickserie Wickie und die starken Männer von 1974 kommen häufig Wölfe vor, ausgehungerte Tiere von grotesk-zottiger Magerkeit, die den ängstlichen Wikingerjungen Wickie jagen.
Literatur [Bearbeiten]

Dimitrij I. Bibikow: Der Wolf. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 587. Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2003, ISBN 3-89432-380-9
L. David Mech, Luigi Boitani: Wolves - Behaviour, Ecology, and Conservation. The University of Chicago Press, Chicago 2003, ISBN 0-226-51696-2
Henryk Okarma: Der Wolf. Ökologie, Verhalten, Schutz. Parey, Berlin 1997, ISBN 3-8263-8431-8
Elli H. Radinger: Wolfsangriffe ? Fakt oder Fiktion. Peter von Döllen, Worpswede 2004, ISBN 3-933055-33-4
Elli H. Radinger: Die Wölfe von Yellowstone. Peter von Döllen, Worpswede 2004, ISBN 3-933055-15-6
Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland ([1]; PDF-Datei; 3,3 MB). BfN-Skripten Band 201, Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn 2007
Erik Zimen: Der Wolf: Verhalten, Ökologie und Mythos [...]. Neuauflage, Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09742-0

Über angebliche Wolfsplagen

Walter Lung: Kottenheim ? ein Dorf und seine Landschaft. Louis Schreder, Mayen 1962
Nikolaus Kyll: Zur Trierer Wolfsprozession.. Landeskundliche Vierteljahrblätter. Trier 7.1961, H. 1, S. 16 ff. ISSN 0458-6905
Heinrich Strangmeier: Wolfsplagen und Wolfsjagden in Hilden und anderswo. Eine Sammlung von Quellen und Beiträgen zum Thema. Peters, Hilden 1977

Einzelnachweise [Bearbeiten]

? H. Okarma 1997: S. 11 ff.
? A wolf's dark pelt is a gift from the dogs. NewScientist, abgerufen am 9. April 2009.
? H. Okarma 1997: S. 11-12 und dort zitierte Literatur
? Dorit Urd Feddersen-Petersen: Ausdrucksverhalten beim Hund. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-09863-9.
? Dinesh K. Sharma, Jesus E. Maldonado, Yadrendradev V. Jhala and Robert C. Fleischer: Ancient wolf lineages in India. Proc. R. Soc. Lond. B 2004 271, S1-S4
? R. K. Aggarwal 1 , T. Kivisild 2 , J. Ramadevi 1 and L. Singh: Mitochondrial DNA coding region sequences support the phylogenetic distinction of two Indian wolf species. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research, Volume 45 Issue 2, Pages 163 - 172 (2007)
? R. K. Aggarwal 1 , T. Kivisild 2 , J. Ramadevi 1 and L. Singh: Mitochondrial DNA coding region sequences support the phylogenetic distinction of two Indian wolf species. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research, Volume 45 Issue 2, Pages 163 - 172 (2007)
? Eli Knispel Rueness, Maria Gulbrandsen Asmyhr, Claudio Sillero-Zubiri, David W. Macdonald, Afework Bekele, Anagaw Atickem, Nils Chr. Stenseth: The Cryptic African Wolf: Canis aureus lupaster Is Not a Golden Jackal and Is Not Endemic to Egypt. PLoS ONE, Volume 6, Issue 1, 2011 (pp. 1-5) online
? H. Okarma 1997: S. 61
? Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten Band 201, 2007: S. 18
? a b Jedrzejewski W, Schmidt K, Theuerkauf J, Jedrzejewska B, Okarma H: Daily movements and territory use by radio-collared wolves (Canis lupus) in Bialowieza Primeval Forest in Poland. Can. J. Zool. 79, 2001: S. 1993-2004
? Wölfe: Isegrim Fischt Frischen Fisch. In: bild der wissenschaft, 12/2008. Konradin Medien GmbH, Leinfelden-Echterdingen. ISSN 0006-2375.
? H. Okarma 1997: S. 46 ff. und dort zitierte Literatur
? H. Okarma 1997: S. 50 und dort zitierte Literatur
? H. Okarma 1997: S. 91 ff. und dort zitierte Literatur
? Wildbiologische Gesellschaft München e. V. (Hrsg.): Wer war es? Raubtierrisse erkennen und dokumentieren. Broschüre, München 1997: S. 32-33
? H. Okarma 1997: S. 35-37
? H. Okarma 1997: S. 37-43
? www.wissenschaft.de: Zu enge Familienbande unter skandinavischen Wölfen
? Rovdjurscentret De 5 Stora (schwedisch)
? Der Wolf ist in Kärnten "zu Besuch" im ORF vom 3. Juli 2007 abgerufen am 31. Oktober 2010
? Der Wolf kommt - und Österreich ist schlecht vorbereitet im Standard vom 10. August 2010 abgerufen am 28. Oktober 2010
? Ein Wolf macht Puchberg unsicher auf ORF vom 28. Oktober 2010 abgerufen am 28. Oktober 2010
? "Wölfe sind ein Kompliment an die Landschaft" - Gespräch mit Wolf-Experten Heinrich Dungler
? Portada Quercus nº 302 / Abril 2011 (spanisch). Website quercus.es. Abgerufen am 10. August 2011.
? Th. Schmidt: Jubelschrift zur vierhundertjährigen Stiftungsfeier der Universität Greifswald. Zur naturgeschichtlichen Statistik der in Pommern ausgerotteten Säugetiere. Stettin 1856, S. 27-100.
? Julius v. Bohlen-Bohlendorf: Nachrichten über das Vorkommen und die Verbreitung des Luchses (F. lynx.) und des Wolfes (C. lupus) im ehemaligen Schwedischen Antheil von Pommern im 17. und 18. Jahrhundert. In: Mittheilungen aus dem Naturwissenschaftlichen Vereine von Neu-Vorpommern und Rügen, Band 7/8, Berlin 1873 u. 74, S. 1-30.
? Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten Band 201, 2007: S. 156-157
? Wolfsbüro Lausitz - Bestand in der Lausitz (abgerufen 28. Februar 2012)
? Volksstimme-Artikel Erste Daten zum Wolfs-Telemetrieprojekt
? Naturschutzbund Deutschland e.V. - Nachweis über neue Wolfsfamilie in der Lausitz
? Frankfurter Rundschau-Online: Der Wolf ist tot (14. April 2011)
? NABU.de (11. Januar 2011): Hessischer Wolf stammt aus den Alpen
? Bayerns Wolf: Ist er längst abgeschossen? (21. April 2011)
? taz-Artikel ?Wölfen soll es an den Pelz gehen?
? Wolfsbüro Lausitz - Dritter Jungwolf besendert
? Wolfsbüro Lausitz - Wolf Alan in Litauen (abgerufen 28. Februar 2012)
? Wolfsbüro Lausitz - Besenderter Wolf Alan sendet nicht mehr (abgerufen 28. Februar 2012)
? Wolfsbüro Lausitz - Zweiter Wolf in der Lausitz mit Halsbandsender
? Wolfsbüro Lausitz - Junger Wolf kehrt zum Rudel zurück
? Wolfskonzept Niedersachsen
? Wolfsrüde im Wendland erschossen, Artikel bei nabu.de
? ?Willkommen Wolf? im Westerwald
? Siehe S. 372: J.A. Massard: Wölfe in Luxemburg. In: Lëtzebuerger Almanach 1987, Luxemburg: 353-374. Siehe auch: J.A. Massard: Zum hundertsten Jahrestag der ersten Tollwutimpfung (II): Von Hunden und Wölfen. Tageblatt 1985, Nr. 159 (13. Jul.): 9.
? The fear of wolfes: A review on wolf attacks on humans, John D. C. Linell, Norsk institutt for naturforskning, 2002 (aufgerufen am 7. September 2011)
? Die Wölfe sind zurück - auf bmu.de (abgerufen am 7. September 2011)
? McNay M. E.: A case history of Wolf - Human encounters in Alaska and Canada. Wildlife Technical Bulletin, 2002
? Senem Tu?: Conflicts between humans and wolf: a study in Bozda?, Konya province, Turkey. 2005, S. 36 (online).
? Gylfagynning 12.
Kokonus
05.04.12 um 20:01
Avatar von Kokonus

Re: Brauchst du Credits?

Der Wolf (Canis lupus) ist eine Raubtierart aus der Familie der Hunde (Canidae). Wölfe leben und jagen im Rudel, Hauptbeute sind mittelgroße bis große Huftiere. Die Art war früher in ganz Europa verbreitet, wurde jedoch in West- und Mitteleuropa weitgehend ausgerottet. Deutschland wurde erst Ende der 1990er Jahre wieder besiedelt, im Jahr 2000 wurden erstmals Welpen nachgewiesen. Wölfe haben schon frühzeitig Eingang in die Mythen und Märchen vieler Völker gefunden, sie zählen daher zu den bekanntesten Raubtieren.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Merkmale
2 Unterschiede zum Haushund
2.1 Morphologische und anatomische Unterschiede
2.2 Weitere Unterschiede
3 Verbreitung und Lebensraum
4 Systematik
5 Lebensweise
5.1 Soziale Organisation
5.2 Raumorganisation
5.3 Ernährung
5.4 Jagdweise
5.5 Fortpflanzung
6 Bestand und Gefährdung
6.1 Bestand in Europa
6.2 Der Wolf in Deutschland
6.3 Gesetzlicher Schutz
7 Mensch und Wolf
7.1 Domestizierung
7.2 Verhältnis des Menschen zum Wolf
7.2.1 Verehrung
7.2.2 Der Wolf als Feind des Menschen
7.2.3 Angriffe auf Menschen
7.3 Wirtschaftliche Nutzung
7.4 Der Wolf in Mythos und Literatur
7.4.1 Totem-Kultur
7.4.2 Bibel
7.4.3 Griechische Mythologie
7.4.4 Die säugende Wölfin
7.4.5 Germanische Mythologie
7.4.6 Sonstige Kulturen
7.4.7 Literatur
7.4.8 Comic und Zeichentrickfilm
8 Literatur
9 Einzelnachweise
10 Weblinks

Merkmale [Bearbeiten]

Grundsätzlich ähnelt der Wolf einem großen Haushund, wobei der Rumpf im Vergleich zu ähnlich gebauten Haushunden länger und der Brustkorb höher, aber schmaler ist. Der Kopf ist relativ groß, die Stirn ist breit. Die Augen setzen schräg an, die Ohren sind eher kurz. Der buschige *** hat etwa ein Drittel der Kopf-Rumpf-Länge.[1]

Die Färbung ist sehr variabel, es gibt weiße, cremefarbene, dunkle, gelbliche, rötliche, graue und schwarze Wölfe. In den gemäßigten Zonen Europas und Asiens überwiegen graue Wölfe, die nördlichen Populationen zeigen größere Anteile schwarzer und weißer Tiere. Meist überwiegen dunkle Haare auf dem Rücken und dem ***. Bauch, Beine und Schnauze sind meist deutlich heller gefärbt. Nach genetischen Untersuchungen beruht die schwarze Fellfarbe bei Grauwölfen auf einer Mutation, die zuerst unter Haushunden auftrat und später in die Wolfspopulation eindrang.[2]
Wolf im Profil (C. l. lupus)

Maße und Gewichte des Wolfes sind aufgrund seines ausgedehnten Verbreitungsgebietes sehr unterschiedlich (siehe Bergmannsche Regel): Die größten Wölfe in den Waldzonen Lettlands, Weißrusslands, Alaskas und Kanadas erreichen eine Kopfrumpflänge von bis zu 160 cm, der *** ist zusätzlich bis zu 52 cm lang. Die Schulterhöhe beträgt etwa 80 cm. Diese Wölfe können bis zu 80 kg wiegen.

Die kleinsten Wölfe leben im vorderen Orient und auf der Arabischen Halbinsel; ihre Körperlänge beträgt etwa 80 cm bei einem Gewicht von rund 20 kg und einer ***länge von etwa 29 cm. Die Weibchen sind um 2 bis 12 % kleiner als die Rüden und 20 bis 25 % leichter.

Mitteleuropäische Wölfe liegen zwischen diesen Extremen. Männliche polnische Wölfe aus dem Bia?owie?a-Urwald hatten eine Kopf-Rumpf-Länge von im Mittel 119 cm und eine Schulterhöhe von 70-90 cm, Weibchen aus demselben Gebiet eine mittlere Kopf-Rumpf-Länge von 111 cm (Extreme 97-124 cm) und eine Schulterhöhe von 60-80 cm. Männchen aus dem Südosten Polens wogen 35-67 kg, Weibchen 27-50 kg.[3]
Unterschiede zum Haushund [Bearbeiten]

Haushunde sind domestizierte Formen des Wolfes und gehören daher ebenso wie der Dingo der gleichen Art (Canis lupus) an. Anhand einiger charakteristischer Merkmale ist die Unterscheidung von Wölfen und Haushunden meistens möglich, wobei das Ausmaß der Unterschiede je nach Hunderasse stark variieren kann. In einigen Fällen ist es allerdings sehr schwierig festzustellen, ob ein Individuum ein zu 100 % reiner Wolf bzw. Haushund ist.
Morphologische und anatomische Unterschiede [Bearbeiten]

Wölfe tragen ihren *** meist waagerecht oder etwas gesenkt, Hunde hingegen oft nach oben oder eingerollt. Wölfe haben eine Violdrüse an der Oberseite des ***es, die bei vielen Hunden fehlt bzw. reduziert auftritt, bei anderen aber ein weites Drüsenfeld bildet.[4] Insbesondere am Schädel lassen sich zahlreiche Unterschiede zwischen Wolf und Hund feststellen, dies betrifft unter Anderem die Form der Augenhöhle, der Ohrmuschel, des Praesphenoids, des Basis vomerus, der Fissura petrobasialis sowie die Form des Unterkiefers und die Anordnung der Schneidezähne im Unterkiefer.
Weitere Unterschiede [Bearbeiten]

Wölfe bekommen nur einmal jährlich Nachwuchs, Hunde meist zweimal. Bei der Entscheidung, ob Fährten Hunden oder Wölfen zuzuordnen sind, hilft der Verlauf dieser Fährten. Wölfe setzen im Schnee ihre Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten, im Rudel laufen sie hintereinander und setzen ihre Pfoten in die Abdrücke des Vorderwolfes. Daher entsteht oft der Eindruck, dass man der Spur eines einzelnen Wolfes folgt, bis sich die Fährte plötzlich in mehrere Individualfährten aufteilt.
Verbreitung und Lebensraum [Bearbeiten]
Verbreitung des Wolfes
(grün = aktuell, rot = ehemalig)

Der Wolf war bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Er war in ganz Europa und Asien bis nach Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet. In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde die Art durch menschliche Verfolgung ausgerottet. In Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei, und zu einem geringeren Grade dem Iran gibt es noch größere zusammenhängende Populationen. Ansonsten ist der Wolf heute nur in isolierten Beständen (manche umfassen weniger als 100 Tiere) anzutreffen.

Wölfe bewohnen eine Vielzahl von Habitaten. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit lässt sie in der arktischen Tundra ebenso leben wie in den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. Die meisten Wölfe bewohnen Grasland und Wälder. Dass sie vor allem als Waldtiere bekannt wurden, liegt daran, dass der Mensch sie in großen Teilen des Verbreitungsgebietes frühzeitig aus offeneren Landschaften vertrieben hat.
Systematik [Bearbeiten]

Nach Bibikow ist die Unterarten***erung bis heute umstritten; seit 1985 gibt es Versuche einer genetischen Revision der Unterarten des Wolfes (Mitochondrial DNA Method). In den letzten Jahren hat man sich weitgehend auf eine Einteilung in dreizehn lebende und zwei ausgestorbene Unterarten geeinigt. Haushund (Canis lupus familiaris), sowie Neuguinea-Dingo (Canis lupus hallstrom) und australischer Dingo (Canis lupus dingo) sind durch Domestizierung entstandene Unterarten des Wolfs. Wegen ihrer teilweise erheblichen domestikationsbedingten Unterschiede zu den Wildformen wird auf die betreffenden Einzelartikel verwiesen.

Unterarten (Auswahl):
Polarwolf (Canis lupus arctos)
Timberwolf (Canis lupus lycaon)
Arabischer Wolf (Canis lupus arabs)

Polarwolf (C. lupus arctos); kanadische Arktis, Grönland; mittelgroß, weiß oder cremeweiß mit langem Fell; legal bejagt, stabil
Timberwolf (C. l. lycaon); Südostkanada, östliche USA; größere Unterart, sehr variable Fellfarbe von weiß bis schwarz, meist jedoch braun; in Teilen Kanadas legal bejagt, gefährdet
Buffalo Wolf (Canis l. nubilus); südliche Rocky Mountains, Mittlerer Westen, Ost- und Nordostkanada, südwestlichstes Kanada und Südost-Alaska; mittelgroß, meist grau, schwarz, gelbbraun oder rötlich; in Teilen Kanadas legal bejagt, stabil
Mackenzie-Wolf (C. l. occidentalis); Alaska, nördliche Rocky Mountains, West- und Zentralkanada; sehr groß; meist schwarz oder ein gemischtes grau oder braun, allerdings ist das gesamte Farbspektrum vertreten; diese Unterart wurde 1995 im Yellowstone-Nationalpark und in Idaho wiedereingeführt; legal in Alaska und Teilen Kanadas bejagt, sonst geschützt, stabil
Mexikanischer Wolf (C. l. baileyi); Zentral-Mexiko, West-Texas, südliches Neu-Mexiko und Arizona; kleinere Unterart, meist gelbbraun oder rostfarben; seit 1998 in Arizona wieder eingeführt, die Zahl der wildlebenden Tiere beträgt 35-50; vom Aussterben bedroht und geschützt
Tundrawolf (C. l. albus); nördliches Russland, Sibirien; relativ groß, typischerweise cremeweiß oder grau; legal bejagt, stabil
Russischer Wolf (C. l. communis); Zentral-Russland; sehr groß; legal bejagt; stabil oder rückläufig
Eurasischer Wolf (C. l. lupus); Europa, Skandinavien, Russland, China, Mongolei, Himalaya; durchschnittlich groß, gewöhnlich kurzes, graubraunes Fell; die am weitesten verbreitete Unterart Europas und Asiens, geschätzte Zahl 100.000; in einigen Gebieten legal bejagt, in anderen geschützt, stabil
Iberischer Wolf (C. l. signatus); Spanien und Nordportugal; mittelgroß; gewöhnlich graubraunes Fell mit einem charakteristischen Paar dunkler Markierungen an seinen vorderen Beinen und Weißmarkierungen auf den oberen Lippen; gering gefährdet, in Nordspanien teilweise bejagt, sonst geschützt, stabil
Italienischer Wolf (C. l. italicus); Italienische Halbinsel; mittelgroß; Färbung variabel; stark gefährdet und geschützt
Kaspischer Wolf (C. l. cubanensis); zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer; relativ klein; als Schädling verfolgt, stark gefährdet, rückläufig
Hokkaido-Wolf (C. l. hattai); japanische Insel Hokkaido; kleinere Unterart; 1889 aufgrund von Nachstellungen mit Gift ausgestorben
Honshu-Wolf (C. l. hodophilax); japanische Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu; kleinste bekannte Unterart; 1905 durch Tollwut und menschliche Nachstellung ausgestorben
Arabischer Wolf (C. l. arabs); Saudi-Arabien, Jemen, Oman; sehr kleine Unterart, meist braun mit kurzem Fell; wird als Schädling verfolgt, vom Aussterben bedroht, rückläufig
Ägyptischer Wolf (C. l. lupaster); Nordafrika; kleine, schlanke Unterart; Fell meist silbernes bis meliertes grau oder braun; sehr selten, vom Aussterben bedroht.
Tibetischer Wolf (C. l. chanco); Aus dem Gebiet zwischen Transkaspien und dem Fernen Osten beschrieben, allerdings nicht monophyletisch; Wölfe des Himalaya-Gebietes zwischen Kaschmir, Ost-Nepal und Tibet, die ursprünglich dieser Unterart zugerechnet wurden, unter***n sich genetisch deutlich von anderen Wölfen Nordeurasiens und Nordamerikas, aber auch von Indischen Wölfen[5]. Diese Himalaya-Wölfe könnten möglicherweise eine eigene Art C. himalayensis darstellen[6].
Indischer Wolf (C. l. pallipes); Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien; sehr kleine Unterart; typischerweise gelbbraun, sandfarben oder rötlich mit sehr kurzem, dichten Fell; als Schädling verfolgt, stark gefährdet, rückläufig. Stellt möglicherweise eine eigenständige Art dar[7].

Eng verwandt mit dem Wolf sind der Rotwolf (Canis rufus) aus Nordamerika (der vielleicht ein Hybride aus Wolf und Kojote ist), der Kojote (Canis latrans) und der Äthiopische Wolf (Canis simensis). Eine bisher nicht erkannte Form des Wolfs oder zumindest ein enger Verwandter scheint darüber hinaus in Ägypten vorzukommen. DNA-***ysen ergaben, dass sich die ägyptische Unterart des Goldschakals (Canis aureus lupaster) genetisch stark von anderen Goldschakalen unter***t. Diese ägyptischen Schakale, deren Ähnlichkeit zu Indischen Wölfen (Canis lupus pallipes) bereits im 19. Jahrhundert von Zoologen bemerkt wurde, fallen genetisch in die engere Verwandtschaft der Wölfe. Sie sind auch deutlich größer und langbeiniger als typische Goldschakale. Dabei bildet der ägyptische Canide, wie der Indische Wolf und der Himalaya-Wolf auch, offenbar einen basalen Zweig innerhalb der Wölfe. Neben den ägyptischen Tieren wurden Vertreter dieser Form auch im Hochland von Äthiopien 2500 km südöstlich nachgewiesen[8].
Lebensweise [Bearbeiten]
Soziale Organisation [Bearbeiten]
Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald

Obwohl man auch einzelne Wölfe in der Wildnis antrifft, ist die normale Sozialordnung des Wolfes das Rudel. Das Wolfsrudel besteht im Regelfall aus dem Elternpaar und deren Nachkommen, es handelt sich also um eine Familie. Wölfe werden erst mit zwei Jahren geschlechtsreif (Haushunde schon mit 7 bis 11 Monaten) und verbleiben bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. Die vorjährigen Jungwölfe unterstützen das Elternpaar bei der Aufzucht der neuen Welpen. Unter normalen Bedingungen besteht ein Rudel im Herbst also aus dem Elternpaar, dem Nachwuchs aus dem Vorjahr und dem Nachwuchs aus demselben Jahr. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Jungwölfe in der Regel aus dem elterlichen Territorium ab und suchen sich ein freies Revier, wo sie mit einem auf der Wanderung getroffenen und ebenso ausgewanderten Jungwolf als Partner eine eigene Familie gründen.[9] Die Elterntiere sind grundsätzlich ***nt gegenüber ihrem Nachwuchs, Kämpfe um die Rangordnung gibt es daher nicht. Eine Paarung verwandter Tiere findet üblicherweise auch dann nicht statt, wenn keine anderen ***ualpartner zur Verfügung stehen, denn der Rüde verweigert eine solche Paarung.

In der Literatur findet sich häufig die Darstellung einer streng hierarchischen Rangordnung mit einem ***nten Alpha-Paar, das in der Regel die Nachkommen des Rudels zeugt, einer Gruppe nachgeordneter Tiere und einem schwachen Tier am Ende der Rangordnung in der Rolle des ?Prügelknaben? oder Omega-Wolfs. Diese Darstellungen sind das Ergebnis der Forschung an Wölfen in Gefangenschaft und keinesfalls auf natürliche Verhältnisse übertragbar. In Gefangenschaft wurden meist Wölfe unterschiedlicher Herkunft oder Familiengruppen zusammengesperrt und gezüchtet. Hier ist weder eine Abwanderung mit Erreichen der Geschlechtsreife, noch die (mit der Abwanderung verbundene) Vermeidung von Verpaarungen verwandter Tiere möglich. In diesen in Gefangenschaft gehaltenen Rudeln sind daher Auseinandersetzungen häufig.
Heulender Wolf
Raumorganisation [Bearbeiten]

Wolfsrudel leben im Normalfall in festen Revieren, die sowohl gegen andere Rudel als auch gegen einzelne Artgenossen abgegrenzt und falls nötig auch vehement verteidigt werden; die Reviere benachbarter Rudel überschneiden sich daher meist nur minimal. Die Größe der Reviere wird im Wesentlichen durch die Größe der Beutetierarten und die Zahl der Beutetiere bestimmt. Die durchschnittliche Größe der Reviere variiert daher von Region zu Region stark und reicht von einigen Dutzend bis zu 13.000 Quadratkilometern. Aus Mitteleuropa liegen bisher nur Werte aus Polen vor, dort wurden Reviergrößen zwischen 150 und 350 km² festgestellt[10], im Bia?owie?a-Wald waren die Reviere von vier Rudeln im Mittel 238 km² groß.[11] Zur Abgrenzung der Reviere werden vor allem Harnmarkierungen benutzt. Bei ihren Wanderungen durch das Revier setzen Wölfe etwa alle 350 m mit erhobenem Bein Harnmarken ab. Dafür werden markante Objekte wie einzelne Bäume, Sträucher, Steine oder Pfosten ausgesucht. Im Bereich der Reviergrenzen wird besonders intensiv markiert. Als weiteres Mittel zur Reviermarkierung dient das gemeinschaftliche Heulen der Rudelmit***er. Dieses wird meist von den benachbarten Rudeln beantwortet.
Wolf howls.ogg
Lautäußerungen von heulenden Wölfen

Diese Reviere werden regelmäßig von den Rudelmit***ern durchwandert; im Bia?owie?a-Wald lag die durchschnittliche, tägliche Laufstrecke der Wölfe von vier Rudeln bei 22,1 km für Weibchen und 27,6 km für Männchen. Pro Tag wurden dabei etwa 9 % des Reviers genutzt, die an aufeinander folgenden Tagen genutzten Revierteile überschnitten sich jeweils nur minimal. Dies dient mit hoher Wahrscheinlichkeit einerseits der Notwendigkeit, möglichst kontinuierlich im gesamten Revier präsent zu sein, um dieses gegen Artgenossen abzugrenzen, zum anderen aber vermutlich auch zur Erhöhung des Jagderfolges, da die Beutetiere auf die längere Anwesenheit der Wölfe mit erhöhter Vorsicht und Ausweichbewegungen reagieren.[11]
Ernährung [Bearbeiten]

Grundnahrung des Wolfes bilden im größten Teil des Verbreitungsgebietes mittelgroße bis große pflanzen***nde Säugetiere, er nutzt dabei die im jeweiligen Lebensraum dominierenden Arten. Wölfe jagen im Norden ihres Verbreitungsgebietes überwiegend im Rudel vor allem Elche, Rentiere und verschiedene andere Hirscharten. Weiter südlich sind auch Wildschweine und in Gebirgen Wildschafe und Steinböcke eine häufige Beute. Kleinere Säuger wie Hasen, Kaninchen, Wühlmäuse und Lemminge werden ebenfalls häufig erbeutet. In der Nähe des Menschen schlagen sie auch Schafe oder junge Rinder, Haushunde und Hauskatzen.

In nahrungsarmen Zeiten frisst der Wolf sowohl Aas als auch Abfälle.

Neuere Untersuchungen eines Zoologenteams um Chris T. Darimont von der University of Victoria haben erbracht, dass sich Wölfe in der kanadischen Küstenprovinz British Columbia im Herbst bevorzugt von Lachs ernähren. Dessen Anteil an der Nahrung beträgt dann bis zu 70 %, obwohl die Nahrung der Wölfe im restlichen Jahr zu 95 % aus Wild besteht. Erklärt wird dieses Verhalten damit, dass der Lachsfang einfach und gefahrlos ist, und Lachse zudem einen höheren Nährwert als Paarhufer haben.[12]
Ein Amerikanischer Bison verteidigt sich gegen ein Wolfsrudel.

In Mitteleuropa dominieren Wildschweine, Hirschartige und Haustiere im Nahrungsspektrum. So wurden in der Slowakei Wildschweine in 45,5 % aller Wolf***kremente gefunden, zweitwichtigste Beute war dort der Rothirsch (23,3 %), danach folgten Rotfuchs (10,4 %), Haushund (7,9 %) und Reh (5,5 %). Im polnischen Bialowieza konnten Hirschartige (Rothirsch und Reh) im Sommer in 93,1 %, im Winter in 97,0 % aller Exkremente nachgewiesen werden; dort war das Wildschwein im Sommer in 47,7 % aller Exkremente und im Winter in 29,0 % der Exkremente nachweisbar und damit das zweitwichtigste Beutetier.[13]

Freilebende Wölfe ***n nach verschiedenen Untersuchungen täglich so viel Fleisch, welches der Masse von 10-21 % ihres Körpergewichtes entspricht. Bei einem mittleren Gewicht von etwa 40 kg also 4,0-8,4 kg pro Tag.[14] Wölfe können innerhalb von 24 h bis zu 12,5 Kilogramm Fleisch verzehren, ein Teil davon wird jedoch wieder ausgewürgt und als Vorrat verscharrt.
Jagdweise [Bearbeiten]

Wölfe finden Beutetiere meist direkt durch deren Geruch, seltener durch die Verfolgung frischer Spuren. Sie versuchen sich den Beutetieren dann unbemerkt bis auf geringe Distanz zu nähern. Fliehende Tiere werden meist nur wenige Dutzend Meter weit mit hoher Geschwindigkeit verfolgt, gelingt es den Wölfen bis dahin nicht, das Beutetier zu erreichen, wird die Jagd abgebrochen. Längere Hetzjagden über mehrere Kilometer sind seltene Ausnahmen. Häufig versuchen Wölfe, für sie günstige Geländegegebenheiten zu nutzen, indem ein Teil des Rudels die Beute in Richtung anderer Rudelmit***er jagt, die an einer geeigneten Stelle in Deckung liegen. Im Winter versuchen Wölfe, Huftiere auf zugefrorene Seen oder Flüsse zu treiben, wo diese mit ihren g***n Hufen schnell ausrutschen.[15]

Huftiere bis zur Größe eines weiblichen Rothirsches versuchen durch Flucht zu entkommen. Große und wehrhafte Beutetiere wie Elche, Bisons, Moschusochsen oder auch Wildschweine stellen sich den Wölfen oft und verteidigen sich häufig erfolgreich. Elche flüchten bei Angriffen häufig ins Wasser und bleiben dort stehen, sie werden dann meist nicht weiter attackiert.

Kleinere Huftiere werden meist durch einen einzigen, sehr kraftvollen Biss in die Kehle oder in den Nacken getötet. Große Tiere, wie Elche, werden durch Bisse in Hinterteil, Flanken, Rücken und Nase aufgehalten und zu Fall gebracht und dann ebenfalls durch Bisse in die Kehle getötet. Das Opfer wird im Normalfall möglichst vollständig ge***n, große Huftiere werden über mehrere Tage lang genutzt und bis auf große Knochen, das Fell und Teile des Darmtraktes verwertet.[16]
Fortpflanzung [Bearbeiten]
Ein Wolfspaar

In Mitteleuropa fällt die Paarungszeit in den Spätwinter und das zeitige Frühjahr von Ende Januar bis Anfang März. Weibchen sind jeweils etwa 7 Tage lang empfängnisbereit. Wie bei vielen Hundeartigen wird die Paarung durch das sogenannte ?Hängen? abgeschlossen, wobei der angeschwollene *** des Männchens noch bis zu 30 Minuten lang in der *** des Weibchens gehalten wird. Die Tragzeit wird je nach Autor mit 62 bis 64 oder 62 bis 75 Tagen angegeben. Vor der Geburt der Jungen wird im Normalfall eine Erdhöhle gegraben oder von anderen Säugern übernommen und vergrößert. Die Höhlen haben ein oder zwei Eingänge. Von diesen führt ein Gang in die große Kammer. Etwa drei Wochen vor der Geburt verlässt das tragende Weibchen die Höhlenumgebung meist nicht mehr.[17]

Die Geburt der Jungen erfolgt in der Höhle. In einem Wurf befinden sich ein bis zwölf, in der Regel vier bis sechs Welpen. Die frisch geborenen, noch blinden und tauben Welpen wiegen 300 bis 500 g und haben ein feines, dunkles Fell. Die Augen öffnen sich nach 11 bis 15 Tagen, die Welpen können nun auch laufen, knurren sowie kauen. Auch die ersten Zähne sind erkennbar. Etwa um den 20. Tag beginnen die Jungen Laute wahrzunehmen, verlassen erstmals die Höhle und beginnen mit den Geschwistern und älteren Familienmit***ern zu spielen. Ab etwa diesem Alter können die Welpen auch feste Nahrung zu sich nehmen, sie werden jedoch noch bis zum Alter von 6 bis 8 Wochen gesäugt. Die mit Nahrung zurückkehrenden Rudelmit***er werden von den Welpen am Maul beschnuppert und deren Schnauze mit der eigenen Schnauze umklammert, bis sie Nahrung auswürgen. In der 16. bis 20. Lebenswoche wachsen die festen Zähne, nach etwa einem Jahr ist das Skelettwachstum abgeschlossen.[18]
Bestand und Gefährdung [Bearbeiten]
Denkmal für den letzten freien Wolf in Westfalen bei Ascheberg

Seit dem 19. Jahrhundert gilt der Wolf in Nord- und Mitteldeutschland sowie in England als ausgestorben. Wolfspopulationen gab es damals noch in Ungarn, Galizien, Kroatien, der Krain, Serbien, Bosnien, Rumänien, Polen, Russland und Skandinavien.

In vielen Teilen der Welt, in denen der Wolf noch vorkommt, wird er noch heute aktiv verfolgt. Allerdings setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Wolf keine Gefahr für den Menschen oder seine Landwirtschaft darstellt; vielmehr wird der Wolf zunehmend im Rahmen der Naturschutzbemühungen als ein willkommener Bestandteil der Tierwelt gesehen.
Bestand in Europa [Bearbeiten]

Insgesamt nimmt der Bestand des Wolfes in vielen europäischen Ländern wieder zu, beispielsweise in Spanien, Italien, Slowenien, Kroatien und der Slowakei. Die sehr kleine Population in Skandinavien gilt vor allem aufgrund ihrer geringen genetischen Vielfalt als gefährdet.[19] Für das Jahr 2008 gibt das Schwedische Raubtierzentrum den Bestand für Schweden und Norwegen mit etwa 180 Tieren an.[20] Neu besiedelt wurden in den letzten Jahrzehnten Frankreich und die Schweiz. Während es in den südöstlichen Nachbarländern Österreichs Populationen mit jeweils bis zu hundert Wölfen gibt, kommen nur vereinzelt Tiere nach Kärnten.[21] Für das Jahr 2010 schätzte der WWF, dass sich nur drei bis fünf Tiere in den östlichen Bundesländern wild aufhalten.[22] Seit 2009 wurden zudem in Tirol mindestens drei unterschiedliche Wölfe nachgewiesen. Im Herbst 2010 hat ein Wolf, wie durch DNA-Proben nachgewiesen wurde, im Schneeberggebiet, wo man ihn bisher nie beobachtete, einige Schafe gerissen.[23] In dem Gebiet wurden im Herbst 2010 ein männlicher Wolf aus den italienischen Alpen und eine Wölfin aus den Karpaten nachgewiesen. Ob die beiden ein Paar sind, ist nicht klar.[24] Aus den französischen Seealpen kommend sind Tiere inzwischen in den katalanischen Pyrenäen ins Gebiet des Naturparks Cadí-Moixeró von Norden nach Spanien vorgedrungen, einige hundert Kilometer östlich des bisherigen Haupt-Verbreitungsgebietes in der Gegend um Soria.[25]
Der Wolf in Deutschland [Bearbeiten]

In Deutschland, insbesondere in seinen Ostprovinzen, hatte sich der Wolf während des Dreißigjährigen Kriegs wieder stark ausgebreitet. Über sein Auftreten in Pommern bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts liegen statistische Angaben vor.[26][27] Der auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik vorläufig letzte freilebende Wolf wurde am 27. Februar 1904 in der Lausitz erschossen. Er war 160 cm lang, hatte eine Widerristhöhe von 80 cm und wog 41 kg. Da es in der Gegend lange Zeit keinen Wolf mehr gegeben hatte, vermutete man hinter dem gerissenen Wild erst ein ausgebrochenes Zirkustier, weshalb er den Spitznamen ?Tiger von Sabrodt? (Ort des ersten Auftauchens) erhielt. Schon nach dem 2. Weltkrieg wanderten immer wieder Wölfe nach Deutschland ein, bis 1990 wurden in Deutschland mindestens 21 Wölfe geschossen oder mit Fallen gefangen.[28] Auch nach 1990 sind immer wieder Wölfe über die polnische Grenze nach Deutschland eingewandert und hielten sich bevorzugt auf Truppenübungsplätzen auf. Im Jahr 2000 wurde im sächsischen Teil der Lausitz erstmals seit mindestens 100 Jahren wieder eine erfolgreiche Reproduktion des Wolfes in Deutschland nachgewiesen. Seitdem hat der Bestand des Wolfes dort kontinuierlich zugenommen und das Verbreitungsgebiet hat sich beständig vergrößert. Ende Februar 2012 lebten in der Lausitz in Sachsen und Brandenburg elf Rudel und ein Wolfspaar.[29] Außerhalb der Lausitz gibt es weitere territoriale Vorkommen: Ein reproduzierendes Rudel in Sachsen-Anhalt in der Altengrabower Heide und mehrere stationäre Einzeltiere oder Paare in anderen Regionen Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, in Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen, womit man von einem Wolfsbestand von 50 bis 60 frei lebenden Wölfen in Deutschland ausgehen kann.[30][31] Ob die in Hessen und Bayern festgestellten Einzeltiere noch anwesend und am Leben sind, ist unklar.[32][33][34] Mit der wachsenden Gesamtpopulation und seiner langsamen Ausbreitung kann bei weiterem erfolgreichen Schutz davon ausgegangen werden, dass der Wolf in Deutschland wieder dauerhaft ansässig wird. Allerdings fordern einzelne Jäger und Jägervertreter in der Lausitz einen Abschuss bzw. eine kontrollierte Bejagung der dort lebenden Wölfe.[35]

Von drei im Frühjahr 2009 besenderten Wolfsrüden des Nochtener (zwei junge Rüden) bzw. Neustädter Rudels (ca. zwei bis drei Jahre alter Rüde) hatte ein junger Rüde[36] nach einem über 1000 km langen Weg im Sommer 2009 Litauen erreicht.[37] Seit Dezember 2009 wurden von ihm keine Signale mehr empfangen.[38] Dies ist der erste Nachweis des Auswanderns eines in Deutschland freilebend geborenen Wolfes seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein zweiter junger Rüde[39] des Rudels war nach einem zweiwöchigen ?Ausflug? mit Distanzen von bis zu 150 km Anfang April 2009 zu diesem Rudel zurückgekehrt.[40] Inzwischen hat er im Raum Spremberg-Schleife ein eigenes Rudel gegründet.

Obwohl Wölfe in Deutschland streng geschützt und nicht jagdbar sind, wurden sie immer wieder von Jägern geschossen ? angeblich wegen Verwechslungen mit wildernden Hunden. Beispielsweise wurde im Zeitraum August/September 2007 eine einjährige Wölfin illegal in der Nähe von Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald) geschossen. Am 15. Dezember 2007 wurde in einem Wald bei Gedelitz (nahe Gorleben, Landkreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen) während einer Gesellschaftsjagd ein 37 Kilogramm schwerer männlicher Wolf von zwei auswärtigen Jägern getötet. Die Schützen gaben an, das Tier wäre bereits angeschossen gewesen und hätte gelahmt, was im Prozess durch Sachverständigengutachten angezweifelt wurde. Gegen sie wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen Naturschutzrecht eingeleitet, welches für die beiden Jäger in erster Instanz mit einer Verurteilung zu hohen Geldstrafen endete. Der zweijährige Rüde soll eindeutig ein freilebender Wolf gewesen sein. Eine genetische Untersuchung ergab, dass dieses Tier der westpolnisch-sächsischen Population zugerechnet werden kann. Dieses ist wohl der zweite aktuelle Nachweis der Art aus dem niedersächsischen Tiefland. Ein ? wahrscheinlich anderes ? Exemplar ist aus der Lüneburger Heide bekannt, wo es erstmals im September 2006 bei Unterlüß gesichtet wurde. Der letzte Nachweis gelang am 18. Mai 2007 durch eine Fotografie. Aus dem Sommer 2009 liegen nach einer zweijährigen Pause wieder neue glaubhafte Hinweise vor.[41][42] Am 26. Februar 2012 wurde nach Einschätzung des Naturschutzbundes Deutschland ein scheuer Wolf im Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz) gesichtet und fotografiert.[43]
Gesetzlicher Schutz [Bearbeiten]

In Europa ist der Wolf durch drei Richtlinien geschützt:

Dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora) vom 3. März 1973 gehören 152 Staaten an. Es stellt Richtlinien für den Handel mit geschützten Tieren und deren Erzeugnissen auf und schränkt die Ein- und Ausfuhr der Tiere oder ihrer Teile (Felle, Schädel, Knochen?) ein. Der Wolf ist hier in Anhang II (gefährdete Tierart) aufgeführt, einige Subpopulationen sind vom Aussterben bedroht und in Anhang I aufgeführt.

In der Berner Konvention haben sich 45 Staaten auf die Erhaltung und den Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume verständigt. Der Wolf ist in Anhang II der Konvention aufgeführt.

Die FFH-Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG) wurde 1992 von der EU in Kraft gesetzt und soll europaweit die Ausweisung und Erhaltung von Lebensräumen und Wildtieren regeln. Der Wolf ist hier in Anhang IV aufgeführt, sein Lebensraum in Anhang II. Diese Richtlinie ist von allen EU-Mit***sstaaten jeweils in nationales Recht umzusetzen.

Mensch und Wolf [Bearbeiten]
Tamaskan: Einige Haushunde haben eine sichtbare Ähnlichkeit zum Wolf.
Wolfsspuren im Sand
Domestizierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Domestizierung (Haushund)

Heute ist nachgewiesen, dass der Haushund vom Wolf abstammt. Wie Wölfe domestiziert wurden, ist unbekannt. Die Verwandtschaft zum Wolf zeigt sich recht deutlich bei einigen Hunderassen; Samojede, Siberian Husky, Alaskan Malamute, Kanaanhund oder der Akita weisen einen ursprünglichen Typ mit spitzem Fang, spitzen Stehohren und quadratischem Körperbau auf; auch andere Rassen wie der Deutsche Schäferhund zeigen noch eine gewisse äußere Ähnlichkeit zum Wolf. Die Annahme, dass diese Rassen daher enger mit dem Wolf verwandt wären als andere, ist jedoch falsch.

Das Lautverhalten der Wolfs- und Schlittenhunde ähnelt dem der Wölfe, sie bellen kaum und wenn, dann nicht anhaltend, statt dessen jaulen und heulen sie in vielen Variationen.
Verhältnis des Menschen zum Wolf [Bearbeiten]
Verehrung [Bearbeiten]

Viele Völker, die von der Jagd lebten (Nordeuropa, Nordamerika), sahen im Wolf einen ihnen ebenbürtigen oder überlegenen Konkurrenten, dessen Ausdauer und Geschick bewundert und begehrt waren. Der Wolf wurde auch als Beschützer oder als übernatürliches Wesen betrachtet und verehrt. Krieger identifizierten sich mit dem Wolf (Therianthropie). Vornamen wie Wolf, ***, Wolfgang oder Wolfhard erinnern an die Wertschätzung des Tiers. Verschiedene Teile des Wolfs galten auch in Deutschland als heilkräftig. So sollten Schuhe aus Wolfsfell Knaben zu tapferen Männern erwachsen lassen.
Der Wolf als Feind des Menschen [Bearbeiten]

Da der Wolf auch Nutztiere schlägt, wurde er in der Vergangenheit als Feind angesehen. Ab dem Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde die Beziehung des Menschen zum Wolf in Europa zunehmend einseitig von Angst und Dämonisierung geprägt. Die starke Ausbreitung menschlicher Siedlungs- und Agrarflächen, sowie die offene Viehhaltung, hier vor allem die bis ins 19. Jahrhundert verbreitete Waldweide von Rindern, Schafen, Schweinen und Pferden, führte zu zahlreichen Haustierverlusten durch Wölfe. Auch wenn die angegebenen Verluste in vielen Fällen sicher maßlos übertrieben waren oder durch wildernde Hunde verursacht wurden, dürften die Verluste bei dieser Art der Viehhaltung für die Bauern wirtschaftlich häufig bedeutend gewesen sein. Zu der direkten Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Wolf gesellte sich im Laufe der Zeit noch die Verurteilung des Wolfes als Jagdkonkurrent.

Berichte und Geschichten über ?Wolfsplagen? und Angriffe auf Menschen (zum Teil mit Todesfolge) finden sich bis in die Neuzeit in zahlreichen schriftlichen Quellen. So wird schon 1197 von einer ?Wolfsplage? an der Mosel berichtet, die angeblich mehrere menschliche Opfer forderte. Noch 1849, also zu einer Zeit, als Wölfe in Mitteleuropa schon weitgehend ausgerottet waren, wurde aus Kottenheim eine ?Wolfsplage? gemeldet, als ein strenger Winter bis Ostern anhielt.

Diese Einstellung zum Wolf führte in West- und Mitteleuropa zu einer beispiellosen Verfolgungskampagne, deren Ziel schließlich, unabhängig von etwaigen Schäden, die völlige Ausrottung des Wolfes war. Der Wolf wurde unter anderem in Großbritannien (letzte Erlegung 1743), Dänemark (1772), Luxemburg (1893)[44] und Deutschland (1904) ausgerottet. In Süd- und Osteuropa wurde dem Wolf (und anderen Großraubtieren) mit erheblich mehr Toleranz begegnet. Auch wenn dort bei verstärkten Schäden an Haustieren Wölfe regional und zeitlich intensiver verfolgt wurden, war dort die völlige Ausrottung nie das Ziel.
Angriffe auf Menschen [Bearbeiten]

Während die Erbeutung von Haustieren durch Wölfe unstrittig ist, sind Angriffe auf Menschen sehr selten. Häufig spielen Tollwuterkrankungen hierbei eine Rolle.[45] In den letzten 50 Jahren wird über neun Fälle in Europa berichtet, bei denen Menschen durch Wölfe getötet wurden. Bei fünf dieser Fälle konnte bei den Wölfen Tollwut nachgewiesen werden.[46]

In Nordamerika zeigt eine Reihe von Fällen, dass es beim Kontakt von Menschen zu halbzahmen, durch ständige direkte oder indirekte Fütterung an Menschen gewöhnten Wölfen zu Missverständnissen, unbeabsichtigten Provokationen u. ä. mit zum Teil fatalen Folgen kommen kann. In den letzten ca. 30 Jahren sind dort 39 Fälle von gegenüber Menschen aggressiven Wölfen bekannt geworden. In 12 dieser Fälle wurde eine Tollwutinfektion nachgewiesen oder vermutet. In sechs Fällen wurden die Menschen durch Hunde begleitet, vermutlich war hier der Hund Auslöser der Attacke. In 16 Fällen wurden Menschen von nicht mit Tollwut infizierten Wölfen gebissen. Diese Fälle waren durch die Opfer fast ausschließlich provoziert und hätten leicht vermieden werden können. Keine der Bissverletzungen war lebensbedrohlich, aber in sechs Fällen waren die Bissverletzungen ernst (?severe?).[47]

In der Türkei gab es zwischen 1995 und 2005 nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei Angriffe von Wölfen auf Menschen. In einem Fall konnte eine Tollwutinfektion des Wolfs nachgewiesen werden, in dem anderen Fall starben zwei der drei gebissenen Personen an Tollwut, aber es konnte nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei dem tollwütigen Tier um einen Wolf gehandelt hat.[48]
Wirtschaftliche Nutzung [Bearbeiten]

Wölfe wurden über Jahrhunderte verfolgt und teilweise systematisch ausgerottet; daneben diente der Wolf aber auch als Pelzlieferant. Im 19. Jahrhundert wurden Wölfe vor allem mit Strychnin getötet, indem man ein getötetes Schaf damit imprägnierte und dieses auf die bekannten Wechsel der Wölfe warf. Wolfsfelle wurden für Bekleidungszwecke und in den Wohn- und Schlafstätten verwendet; sie galten umso wertvoller, je weißer sie waren. Die Wolfshaut wurde auch zu Leder gegerbt und zu Handschuhen, Pauken- und Trommelfellen verarbeitet. In den meisten Ländern ist die wirtschaftliche Nutzung des Wolfes heute verboten, obwohl teilweise noch Abschussprämien gezahlt werden.
Der Wolf in Mythos und Literatur [Bearbeiten]

Der Wolf spielt als Motiv in den Mythologien, Sagen und Märchen sowie in der Literatur und Kunst zahlreicher Völker eine zentrale Rolle. Dabei spiegelt sich die ambivalente Einstellung des Menschen gegenüber dem Wolf wider. Einerseits verehrt er ihn als starkes und überlegenes Tier, zum anderen projiziert er auf das aggressive Tier verschiedenartigste Ängste.
Totem-Kultur [Bearbeiten]

In etlichen Kulturen erscheint der Wolf als Totem, etwa bei dem Indianerstamm der Tlingit, bei den Irokesen, bei den Turkmenen und bei den Mongolen. Die Usbeken und die Hunnen leiteten ihre Herkunft vom Wolf ab, ebenso galt die Wölfin als Urmutter der alten Türken.
Bibel [Bearbeiten]

Bereits in der Bibel wird der Wolf mehrfach als das herdenreißende, gefährliche Tier dargestellt, so etwa in (Gen 49,27 LUT); (Jer 5,6 LUT); (Joh 10,12 LUT). Wenn ?der Wolf beim Lamme? liegt, so bedeutet dies dementsprechend die Verbindung von Ungleichem und wird daher von Jesus Sirach als Gleichnis für den Umgang zwischen Sündern und Gerechten gebraucht, (Sir 13,21 LUT). Jesaja indes verwendet das utopische Bild als Metapher für den Anbruch des Reiches Gottes, (Jes 65,25 LUT).
Griechische Mythologie [Bearbeiten]

Die griechische Göttin Hekate, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, wurde in der bildenden Kunst häufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Der griechische König Lykaon wurde von Zeus in einen Wolf verwandelt.
Die säugende Wölfin [Bearbeiten]
Die Kapitolinische Wölfin mit Romulus und Remus

Die Gründer der Stadt Rom, die Zwillinge Romulus und Remus, sollen von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen worden sein. Die Geschichte beruht indes auf einem Missverständnis: Das Wort lupa bedeutet im Lateinischen sowohl ?Wölfin? als auch ?***?. Mit diesem Wort war ursprünglich Larentia, die leichtlebige ***nde Gattin des Hirten Faustulus gemeint, der das Brüderpaar aufgezogen hatte. Vergleichbare Überlieferungen gibt es aus dem indischen Raum; auch die slowakischen Recken Waligor und Wyrwidub sowie der Gründer des altpersischen Reiches, Kyros II., sollen von Wölfen aufgezogen worden sein. Auch das moderne Motiv der Wolfskinder hat hier seine Ursprünge.
Germanische Mythologie [Bearbeiten]

In der germanischen bzw. nordischen Mythologie werden dem Siegesgott Odin neben zwei Raben auch die Wölfe Geri und Freki beigesellt, die als streitlustige und tapfere Tiere den Kampf verfolgen und sich auf die gefallenen Leichen stürzen. Sonne und Mond werden von den Wolfsbrüdern Skoll bzw. Hati gejagt[49]. Beide besitzen noch einen weiteren Bruder namens Managarm, der sich vom Fleisch der Toten ernährt. Der Fenriswolf spielt beim Wel***rgang Ragnarök eine ent***nde Rolle. Er verschlingt zu Beginn der Götterdämmerung den Mond, später Odin. Der Wolf Ysengrin des Mythos besitzt viele Wesensmerkmale des verschlagenen Fuchses. Germanischen Ursprungs ist auch die Figur des Werwolfs, der ungeachtet seines Lebens in der bürgerlichen Gesellschaft zeitweilig Wolfsgestalt annimmt.
Sonstige Kulturen [Bearbeiten]

Den Chinesen galt der Wolf als Symbol für Grausamkeit, Gefräßigkeit und Gier.

Die nordamerikanischen Ureinwohner kennen mit dem Waheela eine Art Geist in der Gestalt eines riesigen Wolfes.
Literatur [Bearbeiten]

In Fabeln antiker Autoren wie Äsop und Phädrus, deren Stoffe später insbesondere Jean de Lafontaine und Gotthold Ephraim Lessing aufgriffen, werden negative menschliche Charaktereigenschaften wie Habgier, Streitlust, Heimtücke und Verschlagenheit auf den Wolf projiziert. In Der Wolf und das Lamm etwa sucht der Wolf mit aller Macht einen Vorwand, um das mit ihm am Fluss trinkende Lamm zu zerreißen. In Löwe, Wolf und Fuchs fällt eine vom Wolf angezettelte Intrige auf ihn zurück. In Der Wolf und der Kranich betrügt er einen hilfsbereiten Vogel um seinen Lohn. In Der Wolf und der Hund steht er als Vertreter des gefährdeten, aber freien Lebens im Gegensatz zum unter dem Joch lebenden Haushund. Bekannt ist auch Der Junge, der Wolf schrie vom Hirtenjungen, der so oft um Hilfe wegen angeblicher Wölfe rief, bis ihm niemand half, als eines Tages wirklich ein Wolf seine Herde riss.
Der Wolf an der Seite Rotkäppchens

Im lateinischen Mittelalter ist der Wolf als Ysengrimus, eingedeutscht Isegrim, Fabelwesen eines Tierepos. Als meist negative, bösartige Figur erscheint er auch in den Märchen. In Grimms Rotkäppchen etwa erschleicht er sich das Vertrauen eines kleinen Mädchens, frisst dann dessen Großmutter und will am Ende auch Rotkäppchen selbst ***n. In Der Wolf und die sieben jungen Geißlein verschafft er sich mit durch Kreide verfälschter Stimme Zutritt zum Haus einer Ziegenfamilie und verschlingt alle deren Kinder bis auf eines. In beiden Fällen werden die Opfer gerettet und der Wolf getötet. Einige Märchen der Gebrüder Grimm (Der Wolf und der Mensch, Der Wolf und der Fuchs, Der Fuchs und die Frau Gevatterin) berichten von weiteren Wölfen, denen ihre Habgier und Aggression teuer zu stehen kommt: Sie werden zu Opfern sowohl der überlegenen Körperkraft des Menschen wie der Schläue von Füchsen. Aus dem angelsächsischen Bereich schließlich stammt das Märchen vom Wolf und den drei Schweinchen.

In der modernen Wolfsliteratur findet sich das Wolfsmotiv insbesondere in Rudyard Kiplings Das Dschungelbuch und bei Jack London (Ruf der Wildnis, White Fang). In Hermann Hesses Roman Steppenwolf schließlich wird das Wolfmotiv als Metapher für die animalische, die triebgesteuerte Seite des einsamen und menschenscheuen Protagonisten Harry Haller benutzt. Ein bekannter Fantasy-Roman von Käthe Recheis trägt den Titel Der weiße Wolf.
Comic und Zeichentrickfilm [Bearbeiten]

Auch in Comics und Zeichentrickfilmen tauchen vielfach Wölfe auf. In der sowjetischen Zeichentrickserie Hase und Wolf spielen ein böser, tollpatschiger Wolf sowie ein guter Hase mit.

Im Disney-Zeichentrickfilm Die drei kleinen Schweinchen will ein schlaksiger, schwarzfelliger Wolf mit bunter Latzhose und Schlapphut die Häuschen der drei Schweinchen um***. Bei jenen aus Stroh und Holz gelingt ihm dies, nicht so indes bei dem aus Stein. Unter Aufgreifung des Verkleidungsmotivs aus Rotkäppchen nähert er sich den Schweinchen im Aufzug einer alten Frau. Der Kurzfilm beinhaltete auch den von Frank Churchill geschriebenen berühmt gewordenen Song Who's Afraid of the Big Bad Wolf.

Im Disney-Comic Lil' Bad Wolf versucht ein böser Wolf namens Zeke (deutsch: Ede) erfolglos seinen Jungen nach seinem Bilde zu formen: Stattdessen schließt der Kleine enge Freundschaft mit den kleinen Schweinchen.

Ein weiterer schurkenhafter Vertreter der Gattung tritt im Disney-Film The big bad wolf auf. Er hat auch ein Gastspiel im Mickey-Mouse-Cartoon Mickey's Polo Team von 1936, in dem Disney-Figuren gegen Zeichentrick-Versionen berühmter Schauspieler dieser Zeit Polo spielten.

Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Wolfs-Figuren Lupo, Lupinchen und Eusebia aus Rolf Kaukas Serie Fix und Foxi von 1953.

Auch in der auf Runer Jonssens Büchern beruhenden Zeichentrickserie Wickie und die starken Männer von 1974 kommen häufig Wölfe vor, ausgehungerte Tiere von grotesk-zottiger Magerkeit, die den ängstlichen Wikingerjungen Wickie jagen.
Literatur [Bearbeiten]

Dimitrij I. Bibikow: Der Wolf. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 587. Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2003, ISBN 3-89432-380-9
L. David Mech, Luigi Boitani: Wolves - Behaviour, Ecology, and Conservation. The University of Chicago Press, Chicago 2003, ISBN 0-226-51696-2
Henryk Okarma: Der Wolf. Ökologie, Verhalten, Schutz. Parey, Berlin 1997, ISBN 3-8263-8431-8
Elli H. Radinger: Wolfsangriffe ? Fakt oder Fiktion. Peter von Döllen, Worpswede 2004, ISBN 3-933055-33-4
Elli H. Radinger: Die Wölfe von Yellowstone. Peter von Döllen, Worpswede 2004, ISBN 3-933055-15-6
Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland ([1]; PDF-Datei; 3,3 MB). BfN-Skripten Band 201, Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn 2007
Erik Zimen: Der Wolf: Verhalten, Ökologie und Mythos [...]. Neuauflage, Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09742-0

Über angebliche Wolfsplagen

Walter Lung: Kottenheim ? ein Dorf und seine Landschaft. Louis Schreder, Mayen 1962
Nikolaus Kyll: Zur Trierer Wolfsprozession.. Landeskundliche Vierteljahrblätter. Trier 7.1961, H. 1, S. 16 ff. ISSN 0458-6905
Heinrich Strangmeier: Wolfsplagen und Wolfsjagden in Hilden und anderswo. Eine Sammlung von Quellen und Beiträgen zum Thema. Peters, Hilden 1977

Einzelnachweise [Bearbeiten]

? H. Okarma 1997: S. 11 ff.
? A wolf's dark pelt is a gift from the dogs. NewScientist, abgerufen am 9. April 2009.
? H. Okarma 1997: S. 11-12 und dort zitierte Literatur
? Dorit Urd Feddersen-Petersen: Ausdrucksverhalten beim Hund. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-09863-9.
? Dinesh K. Sharma, Jesus E. Maldonado, Yadrendradev V. Jhala and Robert C. Fleischer: Ancient wolf lineages in India. Proc. R. Soc. Lond. B 2004 271, S1-S4
? R. K. Aggarwal 1 , T. Kivisild 2 , J. Ramadevi 1 and L. Singh: Mitochondrial DNA coding region sequences support the phylogenetic distinction of two Indian wolf species. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research, Volume 45 Issue 2, Pages 163 - 172 (2007)
? R. K. Aggarwal 1 , T. Kivisild 2 , J. Ramadevi 1 and L. Singh: Mitochondrial DNA coding region sequences support the phylogenetic distinction of two Indian wolf species. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research, Volume 45 Issue 2, Pages 163 - 172 (2007)
? Eli Knispel Rueness, Maria Gulbrandsen Asmyhr, Claudio Sillero-Zubiri, David W. Macdonald, Afework Bekele, Anagaw Atickem, Nils Chr. Stenseth: The Cryptic African Wolf: Canis aureus lupaster Is Not a Golden Jackal and Is Not Endemic to Egypt. PLoS ONE, Volume 6, Issue 1, 2011 (pp. 1-5) online
? H. Okarma 1997: S. 61
? Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten Band 201, 2007: S. 18
? a b Jedrzejewski W, Schmidt K, Theuerkauf J, Jedrzejewska B, Okarma H: Daily movements and territory use by radio-collared wolves (Canis lupus) in Bialowieza Primeval Forest in Poland. Can. J. Zool. 79, 2001: S. 1993-2004
? Wölfe: Isegrim Fischt Frischen Fisch. In: bild der wissenschaft, 12/2008. Konradin Medien GmbH, Leinfelden-Echterdingen. ISSN 0006-2375.
? H. Okarma 1997: S. 46 ff. und dort zitierte Literatur
? H. Okarma 1997: S. 50 und dort zitierte Literatur
? H. Okarma 1997: S. 91 ff. und dort zitierte Literatur
? Wildbiologische Gesellschaft München e. V. (Hrsg.): Wer war es? Raubtierrisse erkennen und dokumentieren. Broschüre, München 1997: S. 32-33
? H. Okarma 1997: S. 35-37
? H. Okarma 1997: S. 37-43
? www.wissenschaft.de: Zu enge Familienbande unter skandinavischen Wölfen
? Rovdjurscentret De 5 Stora (schwedisch)
? Der Wolf ist in Kärnten "zu Besuch" im ORF vom 3. Juli 2007 abgerufen am 31. Oktober 2010
? Der Wolf kommt - und Österreich ist schlecht vorbereitet im Standard vom 10. August 2010 abgerufen am 28. Oktober 2010
? Ein Wolf macht Puchberg unsicher auf ORF vom 28. Oktober 2010 abgerufen am 28. Oktober 2010
? "Wölfe sind ein Kompliment an die Landschaft" - Gespräch mit Wolf-Experten Heinrich Dungler
? Portada Quercus nº 302 / Abril 2011 (spanisch). Website quercus.es. Abgerufen am 10. August 2011.
? Th. Schmidt: Jubelschrift zur vierhundertjährigen Stiftungsfeier der Universität Greifswald. Zur naturgeschichtlichen Statistik der in Pommern ausgerotteten Säugetiere. Stettin 1856, S. 27-100.
? Julius v. Bohlen-Bohlendorf: Nachrichten über das Vorkommen und die Verbreitung des Luchses (F. lynx.) und des Wolfes (C. lupus) im ehemaligen Schwedischen Antheil von Pommern im 17. und 18. Jahrhundert. In: Mittheilungen aus dem Naturwissenschaftlichen Vereine von Neu-Vorpommern und Rügen, Band 7/8, Berlin 1873 u. 74, S. 1-30.
? Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen, Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten Band 201, 2007: S. 156-157
? Wolfsbüro Lausitz - Bestand in der Lausitz (abgerufen 28. Februar 2012)
? Volksstimme-Artikel Erste Daten zum Wolfs-Telemetrieprojekt
? Naturschutzbund Deutschland e.V. - Nachweis über neue Wolfsfamilie in der Lausitz
? Frankfurter Rundschau-Online: Der Wolf ist tot (14. April 2011)
? NABU.de (11. Januar 2011): Hessischer Wolf stammt aus den Alpen
? Bayerns Wolf: Ist er längst abgeschossen? (21. April 2011)
? taz-Artikel ?Wölfen soll es an den Pelz gehen?
? Wolfsbüro Lausitz - Dritter Jungwolf besendert
? Wolfsbüro Lausitz - Wolf Alan in Litauen (abgerufen 28. Februar 2012)
? Wolfsbüro Lausitz - Besenderter Wolf Alan sendet nicht mehr (abgerufen 28. Februar 2012)
? Wolfsbüro Lausitz - Zweiter Wolf in der Lausitz mit Halsbandsender
? Wolfsbüro Lausitz - Junger Wolf kehrt zum Rudel zurück
? Wolfskonzept Niedersachsen
? Wolfsrüde im Wendland erschossen, Artikel bei nabu.de
? ?Willkommen Wolf? im Westerwald
? Siehe S. 372: J.A. Massard: Wölfe in Luxemburg. In: Lëtzebuerger Almanach 1987, Luxemburg: 353-374. Siehe auch: J.A. Massard: Zum hundertsten Jahrestag der ersten Tollwutimpfung (II): Von Hunden und Wölfen. Tageblatt 1985, Nr. 159 (13. Jul.): 9.
? The fear of wolfes: A review on wolf attacks on humans, John D. C. Linell, Norsk institutt for naturforskning, 2002 (aufgerufen am 7. September 2011)
? Die Wölfe sind zurück - auf bmu.de (abgerufen am 7. September 2011)
? McNay M. E.: A case history of Wolf - Human encounters in Alaska and Canada. Wildlife Technical Bulletin, 2002
? Senem Tu?: Conflicts between humans and wolf: a study in Bozda?, Konya province, Turkey. 2005, S. 36 (online).
? Gylfagynning 12.
laura01
07.04.12 um 10:02
Avatar von laura01

Re: Brauchst du Credits?

die Kartoffel (Solanum tuberosum), in Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auch als Erdapfel (Herdöpfel) oder Grundbirne (Grumbeer) und im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt, ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch Tomate, Paprika und Tabak gehören. Das Wort Kartoffel leitet sich von tartufolo, dem italienischen Wort für Trüffel ab, das wiederum vom lateinischen "terrae tuber" abgeleitet ist. Der Name der Süßkartoffel (Ipomoea batatas) leitet sich von der ähnlichen Verwendung und dem ähnlichen Aussehen der Knollen ab, nicht von einer Verwandtschaft. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ?Kartoffel? für die unterirdischen Knollen verwendet. Über diese Knollen kann sich die Pflanze vegetativ vermehren.
Die Samen werden in tomatenähnlichen Beeren gebildet, welche wie alle grünen Teile der Pflanze und die Keime der Knolle für Menschen ungenießbar bis leicht giftig sind.
Weltweit werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Die Kartoffel ist das viertwichtigste Nahrungsmittel der Welt; daneben aber auch Futtermittel und Industrierohstoff.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Beschreibung
1.1 Genom
2 Herkunft
2.1 Ursprüngliche Herkunft
2.2 Kultivierung
3 Systematik
4 Kartoffelanbau
4.1 Wirtschaftliche Bedeutung
4.2 Anbaubedingungen
4.3 Europa
4.4 Anbau weltweit
4.5 Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008
5 Kartoffelsorten
5.1 Reifezeit
5.2 Verwendungszweck
5.3 weitere Unterscheidungskriterien
6 Wichtige Krankheiten und Schädlinge
6.1 Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze
6.2 Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.3 Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.4 Insekten (Insecta)
6.5 Asseln
6.6 Fadenwürmer (Nematoda)
7 Lagerung
8 Verwendung
8.1 Futterkartoffel
8.2 Stärkekartoffel
8.3 Biotechnologie
8.4 Volksmedizin
9 Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten
9.1 Alkaloide in Kartoffeln
10 Regionale Namen
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Einzelnachweise
14 Weblinks
Beschreibung [Bearbeiten]



Unterer Teil einer Pflanze. Die Mutterknolle ist dunkel gezeichnet.


Früchte der Kartoffelpflanze
Kartoffeln sind aufrecht oder kletternd wachsende, krautige Pflanzen, die über 1 m hoch werden können. Die Sprossachse ist manchmal vierkantig, teilweise sogar geflügelt. Unterirdisch oder knapp über der Oberfläche bildet die Pflanze knollentragende Stolone aus.
Die wechselständig stehenden Blätter sind unpaarig gefiedert, kurzstielig und werden 10 bis 30 cm lang und 5 bis 15 cm breit. Die Teilblätter sind leicht bis stark behaart, stehen sich gegenüber oder sind wechselständig, oft von unterschiedlichster Form und Größe. Die größeren Teilblätter besitzen zum Teil eigene Blattstiele, sind zwischen 2 bis 10 cm lang und 1 bis 6 cm breit. Sie sind eiförmig bis länglich-eiförmig, an der Spitze zugespitzt bis stark zugespitzt. Die kleineren Teilblätter besitzen eine stumpfere Spitze, mit einer eher herzförmigen Basis, meist eiförmig bis kugelförmig und besitzen einen Durchmesser von 2 bis 15 mm.
Die Blüten stehen in trugdoldenförmigen Blütenständen. Die Blütenstandstiele sind 5 bis 15 cm lang und behaart, die Blütenstiele sind ebenfalls behaart und 3 bis 35 mm lang. Der Blütenkelch ist glockenförmig, 5-lappig und hat einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm. Die Kelchlappen sind spitz bis stark zugespitzt. Die Kronblätter sind weiß bis blau, die Krone ist doppelt so lang wie der Kelch und hat einen Durchmesser von 3,5 bis 4 cm. Die gelben Antheren stehen frei, aufrecht und porig. Die Frucht ist eine gelblich-grüne, zweikammerige Beere mit vielen Samen.[1]
Die Keimung erfolgt epigäisch. Am Beginn treten nur die Wurzelanlage und das Hypokotyl aus der Samenschale hervor, während die Keimblätter zunächst noch in ihr verbleiben. Erst später verlassen auch sie die Samenschale, ergrünen und werden zu den ersten Assimilationsorganen. Die zunächst gebildeten Primärblätter sind noch einfacher gebaut als die später gefiederten Folgeblätter.[2]
An den basalen Teilen des Sprosses treiben Achselknospen aus, die in den Boden eindringen und dort waagrecht (plagiotrop) ausläuferartig weiterwachsen und zu den Stolonen werden. Anstatt Laubblättern tragen sie Schuppenblätter. Die Enden dieser Ausläufer verdicken sich und wandeln sich in die Knollen um. Es handelt sich hierbei um ein primäres Dickenwachstum. Es sind also Sprossknollen. Die Knolle besitzt nur kleine, schuppenartige Blätter, die jedoch hinfällig sind, also früh abfallen. In den Achseln der Blattnarben sitzen die Knospen (hier Augen genannt), aus denen die Knolle nach der Ruhephase wieder austreibt. Die Knolle ist polar differenziert: Die Basis, das der Mutterpflanze zugewendete Ende, wird Nabelende genannt. Es ist die Ansatzstelle des Ausläufers, der nach Reifung der Knolle zugrunde geht. An der Spitze sitzt die Endknospe in einer grubenartigen Vertiefung. Beim Wiederaustrieb wächst bevorzugt die Endknospe aus, die dann senkrecht (orthotrop) wachsend einen Luftspross bildet.[2]
In den grünen Pflanzenteilen der Kartoffel konzentrieren sich Alkaloide, unter anderen Solanin, die eine natürliche Abwehrbarriere zum Beispiel gegen Bakterien und Insekten bilden. Aus diesem Grund sind Kartoffeln, die im Licht gelagert grün geworden sind, nicht mehr genießbar.

Blatt



Habitus



Kartoffelknollen



Junge Knolle am Stolon



Blüten

Genom [Bearbeiten]
Das Potato Genome Sequencing Consortium, ein Team aus 29 Forschungsgruppen aus 14 Ländern, begann im Januar 2006 mit der Arbeit an der Sequenzierung. Am 10. Juli 2011 wurde das Genom der Kartoffel in Nature veröffentlicht. Es enthält mehr als 39.000 Protein-kodierende Gene. Die Kartoffel hat 12 Chromosome. Einige Sorten sind tetraploid und andere diploid. Die Sequenzierung des Genoms soll es Züchtern ermöglichen, Ertrag, Qualität, Nährwert und Krankheitsresistenz zu verbessern. Auch soll die Zeit zur Kreation neuer Sorten (derzeit 10-12 Jahre) verkürzt werden. Die wichtigste Entdeckung sind über 800 Krankheitsresistenzgene, von denen jedes potenziell zur Bekämpfung wichtiger Krankheiten wie Goldnematoden oder Kartoffelfäule eingesetzt werden kann.[3][4]
Herkunft [Bearbeiten]

Ursprüngliche Herkunft [Bearbeiten]
Die heute kultivierten Kartoffeln stammen von verschiedenen Landsorten ab, die in den Anden vom westlichen Venezuela bis nach Argentinien und der Insel Chiloé bzw. dem Chonos-Archipel im Süden von Chile vorkommen. Auf Chiloé fand man die ältesten bekannten Spuren von wilden Kartoffeln, man schätzt ihr Alter auf 13.000 Jahre. Die chilenischen Landsorten stammen ihrerseits jedoch vermutlich von den peruanischen Andensorten (Solanum tuberosum ssp. andigena) ab, wahrscheinlich nach Hybridisierung mit der Wildart Solanum tarijense, die in Bolivien und Argentinien zu finden ist.[5] In dem lange Zeit als Ursprungsland der Kartoffel angesehenen Peru gibt es wiederum mehr als 3.000 endemische Kartoffelsorten. Die meisten können nur in den peruanischen Anden angebaut werden, weil sie aufgrund ihrer geologischen und klimatischen Ansprüche in anderen Weltgegenden nicht gedeihen.[6] Der Haup***rschied der Andenkartoffel zu den in anderen Anbaugebieten kultivierten Sorten besteht darin, dass sie an andere Lichtverhältnisse (Tag- und Nachtzyklus) angepasst ist.
Kultivierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Kulturgeschichte der Kartoffel


Kartoffelanbau, ca. 1910, Russisches Kaiserreich


Kartoffelernte in der DDR
Wann, wie und durch wen die Kartoffel nach Europa kam, ist bis heute nicht genau geklärt. Auf ihrem Weg von Südamerika nach Spanien machte die Kartoffel Zwischenstation auf den (spanischen) Kanarischen Inseln. Dies ist bekannt, weil im November 1567 drei Fässer, die Kartoffeln, Orangen und grüne Zitronen enthielten, von Gran Canaria nach Antwerpen, und im Jahre 1574 zwei Fässer mit Kartoffeln von Teneriffa via Gran Canaria nach Rouen verschifft wurden. Geht man davon aus, dass mindestens fünf Jahre nötig waren, um so viele Kartoffeln zu erhalten, dass sie zum Exportartikel werden konnten, so fand die Einbürgerung der Pflanze auf den Kanaren spätestens 1562 statt.
Der früheste Beleg für die Kartoffel in Spanien findet sich in den Büchern des Hospital de la Sangre in Sevilla, das im Jahre 1573 Kartoffeln eingekauft hat. Man nimmt an, dass die Kartoffel Spanien frühestens 1564/65 und spätestens 1570 erreicht hat, da ansonsten der Botaniker Clusius, der das Land 1564 auf der Suche nach neuen Pflanzen bereiste, sie wohl bemerkt hätte. Von Spanien aus gelangte die Kartoffel nach Italien und breitete sich dann langsam auf dem europäischen Festland aus.
Auf die britischen Inseln soll die Kartoffel ohne den Umweg über Spanien gelangt sein. Wer die Kartoffel dorthin gebracht hat, ist nicht geklärt. Francis Drake war es jedenfalls nicht, wahrscheinlich auch nicht Walter Raleigh oder Thomas Harriot, Namen, die immer wieder in diesem Zusammenhang genannt werden. Erstmals belegt ist die Kartoffel in England im 1596 in London erschienenen Katalog der Pflanzen, die der Botaniker John Gerard in seinem Garten in Holborn züchtete.[7]
Nach Europa wurde die Kartoffel vielfach wegen der schönen Blüte und des üppigen Laubes als reine Zierpflanze importiert und als seltene Pflanze in botanische Gärten aufgenommen. Mitte des 16. Jahrhunderts tauchte sie in den Niederlanden, in Italien und in Burgund auf.
In Deutschland sollen die ersten Kartoffeln während der Regierung Ferdinand III. 1647 in Pilgramsreuth (Oberfranken) angebaut worden sein.[8] Im Kloster Seitenstetten in Niederösterreich verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, das bereits 1621 in Linz erschien.[9] Der Anbau in großem Stil begann 1684 in Lancashire, 1716 in Sachsen, 1728 in Schottland, 1738 in Preußen und 1783 in Frankreich.
Außerhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen wird die Kartoffel heute weltweit angebaut. Nachdem sich ihre Kultur in Europa durchgesetzt hatte und die Kartoffel zu einem Grundnahrungsmittel geworden war, brachten Europäer sie überall mit, wo sie später Fuß fassten. Im Einzelhandel werden heute neben den einheimischen Kartoffeln auch solche aus Sizilien, von den Kanarischen Inseln, aus Ägypten oder aus Südafrika angeboten. Auf Teneriffa oder auf Madeira wachsen Kartoffeln unter Palmen und neben Bananengärten. Dort sind zwei Ernten im Jahr möglich, der Export erfolgt vornehmlich in die Staaten der Europäischen Union. Aus Gründen des Ertrags werden Kartoffeln im Alpenraum nur noch selten bis auf 2.000 Meter Höhe angebaut. Eine dieser Anbauinseln ist der Lungau (Österreich), wo unter der Bezeichnung "Lungauer Eachtling" auf 150 ha verschiedene Sorten angebaut werden[10].
Systematik [Bearbeiten]

Solanum tuberosum wird innerhalb der Gattung der Nachtschatten (Solanum) in die Sektion Petota eingeordnet. Zu dieser Sektion gehören schätzungsweise 190 Arten, von denen viele Wildarten sind, die ebenfalls knollentragend sind. Zudem existiert eine große Anzahl an südamerikanischen Landsorten, die zum Teil mit zu Solanum tuberosum gerechnet werden, andererseits jedoch auch in bis zu 21 eigene Arten aufgeteilt werden. Die nächsten wilden Verwandten der kultivierten Kartoffel werden im Solanum brevicaule-Komplex zusammengefasst. Aufgrund phylogenetischer Untersuchungen konnte die Herkunft der südamerikanischen Landsorten und damit auch der kultivierten Kartoffel auf die südperuanische Art Solanum bukasovii aus dem Solanum brevicaule-Komplex zurückgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung widerlegten damit die These, dass die kultivierten Kartoffeln mehrere Ursprünge besitzen.[5]
Kartoffelanbau [Bearbeiten]

Wirtschaftliche Bedeutung [Bearbeiten]


73 % der Welternte von Kartoffeln wird von 12 Staaten erbracht
Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO [11] betrug im Jahr 2005 die Weltproduktion 322 Millionen Tonnen Kartoffeln.
Die führenden Anbauländer sind: (Produktion in Millionen Tonnen)
Land 1990 2000 2009 Ertrag 2009 (t/ha)
China 32 66 69 14,5
Indien 15 25 34 18,8
Russland 34 31 36 14,3
Ukraine 20 20 13,9
Vereinigte Staaten 18 23 20 46,3
Deutschland 14 12 11 44,1
Polen 36 24 10 19,9
In Deutschland nahm die Anbaufläche in den vergangenen Jahren stark ab. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die bundesweite Anbaufläche bei rund 267.400 Hektar Kartoffeln. 1990 waren es noch 548.000 Hektar. Niedersachsen liegt mit insgesamt 114.100 Hektar an der Spitze der Bundesländer. Auf dem zweiten Platz kommt Bayern mit 52.700 Hektar[12]. Die Erntemenge stieg 2004 auf 12,6 Millionen Tonnen, gegenüber 9,2 Millionen Tonnen im Vorjahr. Deutschland ist zudem wichtigstes Importland für Frühkartoffeln, die überwiegend aus Frankreich, Italien und Ägypten kommen. Wichtige Exportländer sind neben Frankreich die Beneluxstaaten und für Kartoffelprodukte auch Deutschland. Der Selbstversorgungsgrad betrug 2001 in Deutschland rund 108 %.
Marktversorgung von Speisefrühkartoffeln 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Ernte in Tonnen 559.000 468.000 486.000 453.000 514.000 477.000 447.000 508.000
Importe in Tonnen 107.000 130.000 118.000 112.000 146.000 95.000 136.000 121.000
Quelle: Statistisches Bundesamt
Anbaubedingungen [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Maine, USA


Kartoffelfeld von Gut Böckel in Rödinghausen
Unter guten Anbaubedingungen können von einem Hektar Ackerland in subtropischen Gebieten zwischen 25 und 35 Tonnen geerntet werden, im tropischen Klima erreichen die Ernten 15 bis 25 Tonnen je Hektar.
Für kultivierte Kartoffeln liegen die optimalen Temperaturbedingungen bei einem Tagesmittel zwischen 18 und 20 °C. Um die Knollenbildung zu fördern, ist eine Maximalnachttemperatur von 15 °C erforderlich, für das Knollenwachstum ist eine Bodentemperatur von 15 bis 18 °C optimal. Sinken die Temperaturen unter 10 oder steigen sie über 30 °C, stellt die Pflanze das Wachstum nahezu ein.
Kultivierte Kartoffeln werden in frühe (90 bis 120 Tage), mittlere (120 bis 150 Tage) und späte (150 bis 180 Tage) Sorten unterteilt. Wird bei zu kalten Temperaturen gepflanzt, können sich diese Angaben jedoch noch erhöhen. Zum erfolgreichen Anbau früher Kartoffelsorten ist ein Langtag von 15 bis 17 Stunden erforderlich, spätreifende Sorten erzielen sowohl unter Kurztags- als auch Langtagsbedingungen gute Ernten. Siehe dazu Photoperiodismus.
Um die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen zu unterbinden, wird empfohlen, ein Feld nur alle drei Jahre mit Kartoffeln zu bestellen. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 5 und 6 liegen, der Bedarf an Nährstoffen liegt bei 80 bis 120 kg Stickstoff je Hektar, 50 bis 80 kg Phosphor je Hektar und 125 bis 160 kg Kalium je Hektar. Der beste Ertrag für Sorten mit einer Reifezeit von 120 bis 150 Tagen wird bei einer Wassermenge von 500 bis 700 mm jährlichem Niederschlag erreicht.[13]. In Deutschland liegen die Erträge meist bei 30 bis 50 Tonnen je Hektar Anbaufläche[14]. Bei einzelnen Stärkekartoffelsorten wird bei Einsatz gezielter Bewässerung über 80 Tonnen Ertrag je Hektar berichtet[15].
Europa [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Nakkila (Finnland)
Die Vorbereitung des Ackers auf den Anbau von Kartoffeln beginnt in der Regel mit einer wendenden Grundbodenbearbeitung durch Pflügen entweder im vorhergehenden Herbst, um vor allem bei schweren Böden den Effekt der Frostgare auszunutzen, oder im Frühjahr. Bei Herbstpflugfurche erfolgt im Frühjahr nochmals eine lockernde Bodenbearbeitung durch nichtwendende Geräte auf rund 15 cm Tiefe. Das Pflanzbett sollte abgesetzt, feinkrümelig, klutenfrei und trocken sein, um den Legevorgang der Pflanzkartoffeln, den Dammaufbau, etwaige mechanische Pflegemaßnahmen und die Ernte zu erleichtern. Der Boden sollte einen guten Luft-, Wasser- und Wärmeaustausch ermöglichen. Flache, große und zusammenhängende Flächen mit feinen, sandigen Böden ohne Steine eignen sich besonders für den Kartoffelanbau. Zudem sind Gebiete mit geringerer Luftfeuchtigkeit, z. B. in trockeneren Regionen oder in höheren Lagen wegen des reduzierten Krankheitsrisikos besonders interessant für den Kartoffelanbau. Die Kartoffeln werden in allen Systemen in Dämmen angebaut, was dem vorher erwähnten Anspruch an den Boden entgegenkommt. Die Pflanzendichte und -anordnung im Feld (Reihen- und Pflanzenabstände) sind abhängig vom Nutzungszweck: Größere Bestandsdichten sind typisch für die Erzeugung von Pflanzgut und haben kleinere Knollen zur Folge. Beim Anbau der Kartoffeln für Nahrungszwecke sind die Bestandesdichten geringer und die Knollen größer. Angestrebt werden zum Beispiel beim Anbau für Speisezwecke zwischen 40.000 bis 45.000 Pflanzen je Hektar, zur Erzeugung von Pflanzkartoffeln aber rund 60.000 Pflanzen je Hektar. Teils werden Kartoffeln rund zwei Monate vor der Pflanzung vorgekeimt, um einen frühen Reihenschluss sicherzustellen.
Das Setzen der Pflanzkartoffeln erfolgt durch spezielle Legemaschinen, welche die Knollen in eine Tiefe von 8 bis 10 cm setzen und anschließend den Boden wieder in Dammform schließen. Der Abstand der Reihen beträgt zwischen 60 bis 90 cm; in Hinblick auf Spurweiten und Reifenbreiten der verwendeten Maschinen ist in Deutschland ein Reihenabstand von 75 cm gebräuchlich. Der Abstand der Pflanzen zueinander in der Reihe variiert je nach angestrebter Bestandesdichte zwischen 25 und 40 cm.[16]
Die Unkrautregulierung kann durch mechanische Bekämpfungsmaßnahmen, thermische Verfahren, dem Einsatz von Herbiziden oder durch Kombinationen dieser Bekämpfungsmet*** erfolgen. Im konventionellen Landbau ist die Unkrautbekämpfung durch Herbizide üblich[17], im ökologischen Landbau hingegen werden mechanische oder thermische Verfahren eingesetzt. Die mechanische Unkrautbekämpfung kann mit folgenden Geräten betrieben werden: Hackgerät mit Gänsefußschar, Vielfachgerät, Rollsternhacke, Netzegge, Dammformer, Dammfräse, Dammstriegel oder gewöhnlicher Striegel. Ziel der mechanischen Bekämpfung ist es, dass das keimende Unkraut aus dem Boden gelöst wird und dadurch in der Sonne verdorrt. Diese Maßnahme muss bei entsprechendem Auflauf von Unkräutern so oft wie nötig wiederholt werden, bis die Kartoffelstauden den Boden vollständig abdecken.
Am Ende der Vegetationszeit stirbt das Kraut ab. Es wird verbreitet auch abgetötet, wenn die Knollen genügend groß sind, um das Wachstum bei der optimalen Knollenbeschaffenheit zu unterbrechen, die Erntefähigkeit durch Lösen der Knollen von den Stolonen und Festigung der Schalen herbeizuführen und die Ansteckung der Knollen durch Krankheiten zu verhindern. Für diese Abreifebehandlung gibt es verschiedene Met***, welche vom Anbausystem abhängig sein können. Dazu gehören das mechanische Zerstören der oberirdischen Pflanzenteile durch Abschlegeln oder der Einsatz von Herbiziden (Sikkation).
Anbau weltweit [Bearbeiten]


Chuños, Kartoffeln, die nach traditionellem Verfahren in Peru und Bolivien im Boden gefriergetrocknet konserviert werden


Kartoffelernte in Indonesien
Dank der großen Anpassungsfähigkeit der Kartoffel wird diese heutzutage praktisch auf der ganzen Welt angebaut. Während der Anbau in entwickelten Ländern über die letzten zwei Jahrzehnte tendenziell abgenommen hat, war in Drittweltländern eine Zunahme zu beobachten, am deutlichsten in Asien. Diese Zunahme beruht sowohl auf der Ausdehnung der Anbauflächen wie auf der einfachen Einbeziehung der Kartoffel in bestehende Anbausysteme: Die Entwicklung von früh reifenden Sorten mit einer Vegetationszeit von 80 bis 100 Tagen erlaubt es z. B. in Indien, die Anbaupause zwischen Reis- und Weizenanbau ideal zu nutzen.
Die Anbautechniken in der Dritten Welt sind sehr unterschiedlich, je nach Wachstums- und Marktbedingungen. In den Anden, Zentralafrika und dem Himalaja werden Kartoffeln hauptsächlich von kleinen Subsistenzbetrieben von Hand angebaut. Ansonsten ist der Anbau in den meisten Regionen stark mechanisiert worden.
Anbaubeispiel Afrika ? Äthiopien
In Äthiopien werden Kartoffeln hauptsächlich in Rotations- und Mischanbau (?multicropping?)-Systemen während der großen Regenzeit angebaut. Die Saatbettbereitung wird vor der Regenzeit durchgeführt, meist ein bis zwei Monate vor dem Pflanzen. In vielen Regionen ist diese Feldbestellung noch mit Handarbeit oder mit Hilfe von Ochsen verbunden. Als Pflanzgut werden hauptsächlich ganze Knollen verwendet, da diese weniger anfällig auf Krankheiten sind und chemische Pflanzenschutzmittel kaum verwendet werden. Auch die Unkrautkontrolle wird hauptsächlich von Hand erledigt.
Anbaubeispiel Eurasien ? Indien
Die Großzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Indien sind kleine Familienbetriebe. Die Kartoffelproduktion erfolgt während des Monsuns von Juli bis September, wie auch im Winter, allerdings nur bei Bewässerung. Je nach Region sind Rotationen von Mais-Kartoffel-Weizen bzw. mit Reis oder Jute üblich.
Anbaubeispiel Amerika ? Peru
Peru liegt im Ursprungsgebiet der Kartoffel und noch heute gibt es viele wilde Sorten. Seit ungefähr 7.000 Jahren werden Kartoffeln angebaut und stellten lange Zeit das Hauptnahrungsmittel der Menschen dar. Der Hauptanteil der Kartoffelernte wird von Kleinbauern mit weniger als 3 ha Anbaufläche produziert. Grundsätzlich ist der Kartoffelanbau in zwei Zyklen aufgeteilt: das ?frühe Pflanzen? und das ?große Pflanzen?. Je nach Gegend sind die beiden Zyklen unterschiedlich wichtig. In der Fruchtfolge folgen auf Kartoffeln zuerst meist andere südamerikanische Wurzel- oder Knollenfrüchte und danach Quinoa oder Gerste. [18][19][20]
Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008 [Bearbeiten]
Einer Deklaration der UN-Generalversammlung vom November 2005 folgend[21], wurde am 18. Oktober 2007 in New York das Jahr 2008 als das Internationale Jahr der Kartoffel von den Vereinten Nationen eingeführt.[22]
Die Mission des Internationalen Jahrs der Kartoffel ist, das Bewusstsein für die Bedeutung der Kartoffel als Nahrungsmittel in den Entwicklungsländern zu steigern, Forschung und Entwicklung von kartoffelbasierten Systemen zu fördern und damit zum Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen beizutragen.[23] Die Kartoffel hat ein erhebliches Potenzial, bei der Bekämpfung der Unterernährung beizutragen.[24]
Aus Anlass des Jahrs der Kartoffel gab die Schweizerische Post zudem am 4. März 2008 eine Sonderbriefmarke[25] im Wert von 85 Rappen heraus.
Kartoffelsorten [Bearbeiten]



Kartoffel Atlanta


Verschiedene Kartoffelsorten auf einem Markt
Weltweit gibt es rund 5000 Kartoffelsorten. Diese sind aufgrund der vielen verschiedenen Verwendungszwecke und der geographisch weit auseinander liegenden Anbaugebiete gezüchtet worden. Zudem werden ständig weitere Sorten entwickelt. Die weltweit größte Gendatenbank mit zirka 100 wilden und 3800 in den Anden traditionell kultivierten Kartoffelsorten unterhält das internationale Kartoffelinstitut mit Sitz in Lima, Peru.
Die verschiedenen Sorten können nach der Reifezeit und dem Verwendungszweck unterschieden werden:
Reifezeit [Bearbeiten]
Dieses Kriterium ist für den Produzenten von großer Wichtigkeit. Die Sortenwahl hängt von den klimatischem Bedingungen und der Dauer der Vegetationsperiode ab. Folgende Kategorien werden unterschieden:
Die frühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 90?110 Tagen auf. Meist kann man sie im Juni-Juli ernten (wenn die Knollen im März-April gepflanzt worden sind). In Küstengebieten, welche schon früher frostfrei sind, ist sogar noch eine frühere Ernte möglich. Damit die frühreife Kartoffel bereits im Juni?Juli geerntet werden kann, muss schon früh die Anlage für die Knollen gebildet werden sowie auch das Wurzelwachstum schnell erfolgen. Dabei wird nicht nur der Ertrag, sondern auch die Stärkeeinlagerung in die Knollen reduziert, da diese verzögert zum Volumenwachstum erfolgt.
Beispiele für die frühreifen Sorten sind: Agata, Amandine, Birte Derby, Frühgold, Lady Christl, Lady Felicia
Die mittelfrühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 120?140 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrühreifen Sorten sind: Gourmandine, Bintje, Victoria, Ditta, Nicola, Urgenta, Pamela, Naturella, Désirée, Agria, Eden, Allians
Die mittelfrüh-späten Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 140?160 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrüh-späten Sorten sind: Atlanta, Lady Jo, Lady Claire, Innovator, Lady Rosetta, Marlen, Fontane, Hermes, Eba, Markies, Panda
Verwendungszweck [Bearbeiten]


Kartoffeleimer aus Email, Niederlande
Speisekartoffeln werden nach ihren Kocheigenschaften unterschieden. Nach der Handelsklassenverordnung müssen alle im Handel (auch lose) angebotenen Kartoffeln nach diesen Kocheigenschaften eingeordnet werden. In der EU werden Speisekartoffeln in vier Kochtypen eingeteilt, die mit den Buchstaben A bis D sowie Kombinationen daraus bezeichnet werden. Deutsche Kartoffeln werden darüber hinaus mit einem farbigen Streifen auf der Verpackung gekennzeichnet.
Kartoffel zu Speisezwecken
Festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: A und A-B
Farbkennzeichnung: grün
Sorten: Annabelle, Agata, Amandine, Anais, Belana, Charlotte, Cilena, Ditta, Filea, Hansa, Kipfler, Marabel[26], Linda, Nicola, Primura, Princess, Renate, Selma, Sieglinde, Spunta, Stella, Vitelotte
Form: Länglich bis oval
Konsistenz: fest, feinkörnig, feucht
Kocheigenschaften: Kein Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Bratkartoffeln, Gratins, Kartoffelsalat
Vorwiegend festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-A und B
Farbkennzeichnung: rot
Sorten: Agria, Arkula, Astilla, Atica, Bamberger Hörnchen, Bolero, Christa, Colette, Désirée, Finka, Gala, Gloria, Grandifolia, Granola, Hela, Jelly, Laura, Leyla, Maja, Quarta (Kartoffel), Rosara, Saskia, Saturna, Secura, Solara, Satina, Tizia, Ukama
Form: uneinheitlich
Konsistenz: feinkörnig, mäßig feucht
Kocheigenschaften: Geringes Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Salz- und Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Suppen
Mehlig kochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-C und C
Farbkennzeichnung: blau
Sorten: Adretta, Afra, Arkula, Aula, Bintje, Blauer Schwede, Freya, Karat, Karlena, Koretta, Libana, Likaria, Lipsi, Mariella, Melina, Naturella, Schwarzblaue aus dem Frankenwald
Form: uneinheitlich
Konsistenz: grobkörnig, trocken
Kocheigenschaften: häufiges Aufspringen
Geschmack: angenehm kräftig
Gerichte: Eintöpfe, Kartoffelpüree
übrige Kochtypen
Kochtypen: C-D und D
dies sind keine Kochtypen im Sinn der Handelsklassenverordnung
Konsistenz: stark mehlig, trocken
Kocheigenschaften: besonders locker bis zerfallend.
Sorten zur Weiterverarbeitung
Veredlungskartoffel
Pommes frites: Agria, Eba, Fontane, Innovator, Markies, Felsina
Kartoffelchips: Erntestolz, Fontane, Hermes, Lady Claire, Lady Rosetta
Kartoffelflocken: Saturna, Eba
Wirtschaftskartoffel
hoher Stärkegehalt
Futterkartoffel
Pflanzkartoffel
weitere Unterscheidungskriterien [Bearbeiten]


Kartoffeln mit violetter Fleischfarbe (Sorte Salad Blue)


rosa Kartoffeln (Sorte Rote Emmalie)
Stärkegehalt
Schalenfarbe
gelb: Karlena etc.
rot: Rode Eersteling etc.
blau: Blauer Schwede, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Fleischfarbe
weiß: Urgenta etc.
hellgelb: Charlotte, Ostara etc.
gelb: Bernadette, Gala, Donella etc.
blau-violett: Blauer Schwede, Salad Blue, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Knollenform
lang: Bernadette etc.
oval: Marabel, Donella etc.
kugelrund: Gala, Adretta etc.
nierenförmig
Schalenbeschaffenheit
glatt: Marabel etc.
Kartoffelsorten sind in Deutschland beim Bundessortenamt in Hannover registriert und unterliegen für dreißig Jahre einem Sortenschutz. Dies bedeutet, dass bei Anbau Lizenzabgaben an den jeweiligen Schutzrechtsinhaber fällig werden können. Dadurch kann es zu Konflikten mit Anbietern kommen, etwa wenn etablierte Sorten nach Ablauf der Schutzfrist vom Markt genommen werden ? ein freier Verkauf von Saatgut ist nicht mehr erlaubt (siehe Kartoffelsorte Linda). Die Vermehrung aus eigenen Beständen und der Verkauf zum Verbrauch sind dagegen erlaubt.
In der Schweiz wird die Weiterentwicklung der Kartoffel von den Forschungsstationen Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) und Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) betrieben. Die aktuelle Sortenliste umfasst 31 Sorten.
Wichtige Krankheiten und Schädlinge [Bearbeiten]

Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze [Bearbeiten]
Kartoffelfäule, auch als Kraut- und Knollenfäule bekannt (Phytophthora infestans)
Dürrf***krankheit oder Hartfäule (Alternaria solani)
Weißhosigkeit, Kartoffelpocken, Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani)
Pulverschorf (Spongospora subterranea)
Weißfäule (Kartoffel) (Fusarium coeruleum)
Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum)
Silberschorf (Helminthosporium solani)
Fusarium-Welke (Fusarium oxysporum)
Colletotrichum-Welkekrankheit (Colletotrichum coccodes)
Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Schwarzbeinigkeit und Nassfäule (Erwinia carotovora)
Kartoffelschorf (Streptomyces scabies)
Bakterienringfäule (Clavibacter michiganensis subsp. sepedonicus)
Schleimkrankheit (Ralstonia solanacearum)
Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Blattrollkrankheit, verursacht durch Blattrollvirus (Potato leafroll virus, PLRV)
Strichelkrankheit, verursacht durch Y-Virus
Mosaikkrankheiten: (Leichte Mosaik-Krankheit und Kräuselmosaik-Krankheit)
Stängelbuntkrankheit, verursacht durch Tabakmosaikvirus
Eisenfleckigkeit bzw. Tabak-Rattle-Virus (TRV) oder Tabak-Mosaik-Virus (TMV)
Insekten (Insecta) [Bearbeiten]


Von den Larven des Kartoffelkäfers befallene Kartoffelstaude
Saatschnellkäfer (Agrigotes obscurus)
Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)
Blattläuse (Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae), Grüne Pfirsichblattlaus (Myzodes persicae))
Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) resp. Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani)
Wintersaateule (Agrotis segetum)
Asseln [Bearbeiten]
Kellerassel
Fadenwürmer (Nematoda) [Bearbeiten]
Goldnematoden (Heterodera rostochiensis)
Stengelälchen (Ditylenchus dispaci)
[27] [28]
Lagerung [Bearbeiten]



Ergebnis falscher Lagerung
Damit Kartoffeln das gesamte Jahr über angeboten werden können, werden diese nicht nur aus fernen Anbaugebieten importiert, sondern auch hierzulande eingelagert. Sie werden in dunklen, gut belüfteten Lagerstätten bei 5?10 °C und etwa 90 % Luftfeuchtigkeit aufbewahrt. Zum Teil kommen hierbei Keimhemmungsmittel und Fungizide zum Einsatz. Bei einer zu kalten Lagerung würden die Knollen ?erfrieren?, die enthaltene Stärke wandelt sich dabei in Zucker um; bei zu warmen Temperaturen und Lichteinfall würden sie zu keimen beginnen und giftiges Solanin bilden. Zu trockene Lagerung lässt die wasserhaltigen Knollen welken, ebenso gilt es Schimmelbildung durch Feuchtigkeitsstau zu vermeiden. Des Weiteren verhindert eine niedrige Schütthöhe schädliche Druckstellen.[29] Das gemeinsame Lagern mit Obst (wie etwa Äpfeln) ist nicht empfehlenswert.
Verwendung [Bearbeiten]

Kartoffeln finden Verwendung als Nahrungs- und Futtermittel sowie zur Herstellung von Stärke und Alkohol. Dabei werden beispielsweise in Deutschland fast 60 % der Kartoffelernte direkt als Nahrungsmittel genutzt. Etwa 30 % der Kartoffelernte wird für die Herstellung von Stärke und etwa 4 % für die Ethanolgewinnung genutzt. Von der verbleibenden Ernte fallen etwa 6 % als Saatgut und gerade mal 1,2 % als Futtermittel an.[30]
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Deutschland immer weniger Kartoffeln gegessen, der Verbrauch hat sich mehr als halbiert. Die Nahrungsmittelindustrie versucht immer mehr Fertiggerichte aus Kartoffeln auf den Markt zu bringen. Kartoffelchips, Pommes frites, Kroketten, Fertig-Rösti und Trockenflocken werden zwar immer mehr konsumiert, als Beilage zum Fleisch werden jedoch auch häufig Alternativen wie Reis und Teigwaren gewählt, die noch leichter zuzubereiten sind.
Der durchschnittliche Kartoffelverbrauch pro Bundesbürger und Jahr liegt etwa bei 50 Kilogramm.[31]
Futterkartoffel [Bearbeiten]
Preisgünstigere Futterimporte, besonders von stärkereichen Futtermitteln, machen der Kartoffel auch als Viehfutter große Konkurrenz.
Seit dem 19. Jahrhundert werden in Mitteleuropa die Schweine mehrheitlich nicht mehr auf die Weide getrieben, sondern im Stall gehalten. Die früher von den Schweinen so geschätzte *** und andere Waldfrüchte wurden zuerst vor allem durch die kostengünstigere Kartoffel ersetzt. Eine Ausnahme sind nur Schweine, die zur Herstellung von Spezialitäten wie dem Jamón Ibérico de Bellota gehalten werden. In den letzten Jahrzehnten werden immer mehr Mastmittel auf dem Weltmarkt eingekauft. Gegen die niedrigen Weltmarktpreise des häufig in Entwicklungsländern produzierten Sojas hat die im Inland angebaute Kartoffel einen schweren Stand.
Stärkekartoffel [Bearbeiten]


Kartoffeldammformer
Neben Kartoffeln gibt es viele Stärkepflanzen, die Organe mit einem hohen Gehalt an Stärke besitzen. Stärke stellt oft einen wichtigen Bestandteil der menschlichen und tierischen Ernährung dar. Zudem ist sie ein nachwachsender Rohstoff (Nawaro), der sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden kann (Stärke als nachwachsender Rohstoff). In Deutschland wurden im Jahr 2008 rund 1,53 Millionen Tonnen (Europa: 9,4 Millionen Tonnen) Stärke produziert. Dabei stammten 42 % der produzierten Stärke aus der Kartoffel. In Europa ist der Anteil der Kartoffel an der Stärkeproduktion mit 16 % bzw. 1,5 Millionen Tonnen geringer.[32]
Ein Teil der Stärke wird in aufgereinigter Form gewonnen und vor allem in der Nahrungsmittelindustrie und für die stoffliche Nutzung verwendet. Stärke besteht ? je nach Art ? zu unterschiedlichen Anteilen aus dem verzweigten Amylopektin und der linearen (unverzweigten) Amylose. Da für die industrielle Verwertung vor allem Amylopektin benötigt wird, werden Stärkepflanzen mit möglichst hohem Amylopektingehalt bevorzugt. In Deutschland benötigt die Papier- und Wellpappeindustrie jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Tonnen native Kartoffelstärke mit hohem Amylopektingehalt während mehr als 250.000 Tonnen für die Herstellung von modifizierten Stärken (vor allem Dextrine, Stärkeester und -ether) genutzt werden. Diese Modifikate werden zu etwa 50 % in der Papierindustrie als Papierstärke genutzt, weitere 17 % gehen in die Produktion von Pappen und Klebstoffen. Das verbleibende Drittel wird in der Lebensmittelindustrie genutzt, vor allem für Fruchtzubereitungen und Milchprodukte.
Biotechnologie [Bearbeiten]
In der EU befand sich die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffelsorte Amflora seit 1996 im Zulassungsverfahren, deren Stärke fast ausschließlich aus Amylopektinen besteht.[33] Amflora wurde im März 2010 zum Anbau und als Futtermittel zugelassen. Daneben hat auch das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) mit dem TILLING-Verfahren eine Karoffelsorte gezüchtet, die ausschließlich Amylopektin enthält. TILLING steht für ?Targeting Induced Local Lesions In Genoms? und ist ein Züchtungsverfahren bei dem durch Zugabe von Chemikalien die natürliche Mutationsrate von Pflanzengenomen erhöht wird. Daher kommt dieses Verfahren ohne gentechnische Veränderung aus.[34]
Es wurden bereits mehrere Bt-Kartoffelsorten getestet, die resistent gegen den Kartoffelkäfer sind. Ihnen wird insbesondere in Osteuropa und Russland Potenzial vorhergesagt.
Volksmedizin [Bearbeiten]
Kartoffelsaft wird in der Volksmedizin innerlich bei Magenbeschwerden und äußerlich bei Verletzungen oder Geschwüren angewendet.
Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten [Bearbeiten]

Gepellte/geschälte Kartoffeln enthalten:[35]
ca. 15 Prozent Kohlenhydrate (Stärke)
ca. 2 Prozent Eiweiß
ca. 0,1 Prozent Fett
ca. 2,1 Prozent Ballaststoffe
ca. 78 Prozent Wasser
ca. 1 Prozent Mineralstoffe und Spurenelemente wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen
zahlreiche Vitamine, hauptsächlich Vitamin C, aber auch Vitamin A und Vitamine der B-Gruppe
Stoffe, die für den Geschmack und den Geruch der Knolle verantwortlich sind; etwa 140 chemische Verbindungen wurden in rohen, gekochten oder dehydrierten Kartoffeln entdeckt. Die wichtigsten sind 1-Octen-3-ol, (E)-2-Octenol, (E)-2-Oct*** und Geraniol, sowie 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin, welches die erdige Note im Geruch und Geschmack hervorruft. Derivate des Pyrazin sind es auch, die das Aroma gebackener Kartoffeln ausmachen.[35][36]
Eiweiß liefert die Kartoffel zwar in be***ner Menge, dafür ist es aber vergleichsweise hochwertig. Von allen pflanzlichen Eiweißlieferanten hat sie den höchsten Anteil an verwertbarem Eiweiß, das Kartoffeleiweiß verfügt also über eine hohe biologische Wertigkeit. Besonders reich ist das Knollengewächs an den Vitaminen B1, B2 und C.
100 Gramm frische Kartoffeln entsprechen einer Energiemenge von etwa 298 Kilojoule, das entspricht 70 Kilokalorien.[37]
Alkaloide in Kartoffeln [Bearbeiten]
Kartoffelschalen und ergrünte Kartoffeln enthalten gegenüber geschälten normalen Kartoffeln ein mehrfaches an Alkaloiden, allen voran das für die Gattung der Nachtschatten typische Solanin, welches in allen Teilen einer Kartoffelpflanze vorkommt. Kartoffeln die bei Tageslicht gelagert werden ergrünen, was ein Zeichen erhöhter Solaningehalte ist. Aus diesem Grunde sollte man Kartoffelschalen und grüne Kartoffeln nicht in größeren Mengen für die Ernährung oder Fütterung verwenden. Der Solaningehalt von Kartoffeln war früher wesentlich höher als heute. Modernere Kartoffelsorten weisen einen Solaningehalt von 3 bis 7 mg/100 g in der Schale auf, der Gehalt im Kartoffelkörper ist wesentlich geringer. Wenngleich die Dosis von 200 mg, bei der erste Vergiftungserscheinungen bei erwachsenen Menschen auftreten können dem Genuss von mehr als 25 Kilogramm ungeschälter roher Kartoffeln entspricht, sollte man Kleinkinder und geschwächte Personen vom Verzehr auch kleiner Mengen ergrünter Kartoffeln fernhalten. Durch Lagerung im Dunkeln, Schälung und Zubereitung wird der Gehalt an Solanin reduziert bzw. abgebaut. Die erhältlichen Kartoffelsorten haben unter den üblichen Bedingungen keinen gesundheitlich bedenklichen Glycoalkaloid-Gehalt.[38] Das gilt jedoch nicht unbedingt für ältere Sorten.
Neben Solanin enthalten grüne Knollen und Keimlinge Chaconin und Leptine.
Regionale Namen [Bearbeiten]

Es haben sich zahlreiche Regionalnamen für die Kartoffel entwickelt, darunter Arber, Ärpel, Bramburi (im Norden Niederösterreichs, vermutlich aus dem tschechischen von Lilek brambor abgeleitet), Erdapfel (Erdtoffel), Erdbirn, Flezbirn, Grübling, Grundbirn, Knulle (im Süden von Brandenburg), Krumbiir, Krumbeer, Nudel, Schucke, Bulwe, Kästen und Erpfel. Im Plattdeutschen wird sie Tüfte, Tüffel oder Pipper genannt. In Franken verwendet man noch vereinzelt die Bezeichnung Potacken oder, näher an der Aussprache, Bodaggn. In Teilen von Rheinland-Pfalz (hauptsächlich der Pfalz) und dem Saarland nennt man die Kartoffeln Grumbeere oder Grumbiere, so auch in den benachbarten Nordelsass, der Kurpfalz und Nordbaden. In Luxemburg sagt man Gromper; in Trier wird Gromper aber eher als Krumpa ausgesprochen. Dafür wird in Schwaben das ähnliche Wort Grombiera verwendet (Herleitung: grom, ähnlich Krume oder Boden, und biera, ähnlich Beere(n), zusammen also Erdfrucht). Im österreichischen Deutsch heißen sie Erdäpfel (Alemannisch Härdöpfel, Berndeutsch Härdöpfu), im Salzburger Lungau sagt man Eachtling dazu. Auf Grund unterschiedlicher Dialektvarianten können die Namen bereits von Ort zu Ort wechseln: Ebbiera und im Nachbarort heißen die Kartoffeln schon: Eaberra.
Der Wortstamm Grumbier hat sich auch in den südslawischen Sprachen verbreitet: auf serbokroatisch heißt die Kartoffel Krumpir.
Ähnlich ist Kumpir, ein türkisches Fastfood-Gericht, es besteht vor allem aus großen Kartoffeln.
Im Russischen und Polnischen wurde dagegen ?Kartoffel? als Fremdwort übernommen, wobei in Polen auch der Begriff ziemniak (Erdling) verbreitet ist. Der tschechische Begriff brambor leitet sich von Braniborsko (Brandenburg) ab, von wo aus die Kartoffel einst nach Böhmen eingeführt wurde.
Siehe auch [Bearbeiten]

Liste von Kartoffelsorten
Kartoffelroder
Kulturgeschichte der Kartoffel
Literatur [Bearbeiten]

Horst Eichhorn (Hrsg.): Landtechnik. 7. Auflage. S. 357 ff., Ulmer, Stuttgart 1952, 1999, ISBN 3-8001-1086-5
Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau. 7. Auflage. S. 219 ff., 283 f., Ulmer, Stuttgart 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6
FAO: INTERNATIONAL YEAR OF THE POTATO 2008: New light on a hidden treasure. Rom 2009, ISBN 978-92-5-306142-8 (formal falsche ISBN). online verfügbar
Einzelnachweise [Bearbeiten]

? James A. Duke: Solanum tuberosum L. In: Handbook of Energy Crops. 1983, unveröffentlicht.
? a b W. Troll: Praktische Einführung in die Pflanzenmorphologie. Erster Teil. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1954, S. 226-230. (ohne ISBN)
? ?Potato Genome Sequence is the cover story in the journal Nature?. Potato Genome Sequencing Consortium, 10. Juli 2011.
? Chloe McIvor: All eyes on the potato genome. Nature, 10. Juli 2011.
? a b David M. Spooner, Karen McLean, Gavin Ramsay, Robbie Waugh, und Glenn J. Bryan: A single domestication for potato based on multilocus amplified fragment length polymorphism genotyping. In: Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America. Volume 102, 2005. Seiten 14694-14699. doi:10.1073/pnas.0507400102
? Centro Internacional de la Papa: Papas nativas poseen ventajas comparativas que deben ser aprovechadas (2006)
? Jos. A. Massard: 300 Jahre Kartoffel in Luxemburg: (I) Europa entdeckt die Kartoffel. (II) Grundbirne, Grompir, Gromper: die Kartoffel erobert Luxemburg. (III) Die Kartoffel in Luxemburg im 19. Jh. Lëtzebuerger Journal 2009, [I] Nr. 15 (22. Jan.): 23; Nr.16 (23. Jan.): 10, Nr. 17 (24./25. Jan.): 11; [II] Nr. 18 (27. Jan.): 23, Nr. 19 (28. Jan.): 21; [III] Nr. 20 (29. Jan.): 9, Nr. 21 (30. Jan.): 21. Text mit Referenzen.
? Erster feldmäßige Kartoffelanbau in Bayern. historisches-franken.de, abgerufen am 27. Mai 2007.
? Honorius Philoponus [= Pseudonym von Caspar Plautz], Nova Typis Transacta Navigatio. Novi Orbis Indiae Occidentalis ..., [Linz] 1621.
? Lungauer Eachtling
? Statistik der FAO
? Henke, Detlef: Kartoffel-Anbau-Rangliste der Bundesländer basierend auf den Daten des Statistischem Bundesamtes(Daten Juni 2009)
? AGLW Water Management Group: Crop Water Management - Potato. FAO. Online Resource, abgerufen am 13. Juni 2007.
? Landwirtschaft MLR Baden-Wuerttemberg
? Landwirtschaft.Sachsen.de, Seite 37
? Bodo Frahm, BGJ Agrarwirtschaft, 4. Auflage, Ulmer, Stuttgart, 1980, 1991, ISBN 3-8001-1049-0, S. 459
? Anbauhinweise der Landwirtschaftskammer NRW
? CIP-Forschung
? Beukema, van der Zaag: Introduction to Potato Production. Pudoc Wageningen 1990
? Paul M. Harris: The potato crop. Chapman and Hall 1992
? United Nations Declaration gefunden am 29. Februar 2008
? Launching of the International Year gefunden am 29. Februar 2008
? IYP concept gefunden am 29. Februar 2008
? Die Kartoffelchance 1999
? Kartoffel-Sondermarke
? Sorte Marabel
? Umfangreiche Beschreibungen der Kartoffelkrankheiten
? oekolandbau.de
? Toffi KISS-Projekt, begleitende Webseite zur Ausstellung über die Kartoffel, Wilfried Ahrens, Fachhochschule Weihenstephan
? Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2007. Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup 2008; Zahlen für Deutschland 2005/6 (in 1000 t): Inlandsverwendung insgesamt: 9687; Saatgut 602; Futter: 108; Verluste: 287; Verwendung für Stärkeherstellung: 2964 (ergibt 710 kt Stärke); Verwendung für Alkoholherstellung: 156 (ergibt 177 khl Alkohol); Nahrungsverbrauch: 5572
? Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass?. In: Südkurier vom 23. März 2011
? Zahlen und Daten zur deutschen Stärkeindustrie. Angaben vom Fachverband der Stärke-Industrie e. V.
? www.bioSicherheit.de: Gv-Stärkekartoffel als Nachwachsender Rohstoff: Amflora - eine Kartoffel für die Industrie. Abgerufen am 8. April 2009.
? Fraunhofer-Gesellschaft: Turbo-Züchtung schafft Super-Kartoffel, Presseinformation vom 8. Dezember 2009
? a b Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.): Die Kartoffel. (PDF)
? G. Reineccius: Sourcebook of Flavors. 2. Auflage. Springer 1993. ISBN 978-0-8342-1307-4. S. 362
? Souci/Fachmann/Kraut. Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, 5. Auflage, 1994.
? Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Solanin (Glycoalkaloide) in Kartoffeln
Weblinks [Bearbeiten]

Commons: Kartoffel ? Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kartoffel ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks: Kochbuch, Gerichte mit Kartoffeln ? Lern- und Lehrmaterialien
Wikiquote: Kartoffel ? Zitate
Kartoffelsortenliste des deutschen Bundessortenamts (2007) (PDF-Datei; 303 kB)
International Potato Center/Centro Internacional de la Papa (Internationales Kartoffelforschungszentrum, englisch/spanisch)
Encyclopedia of Life: umfassende Informationen zur Pflanze (englisch)
United Nations International Year of the Potato 2008 (englisch)
Dieser Artikel wurde in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
Einklappen
Gemüse des Jahres in Deutschland
***bohne (1999) | Gartenmelde (2000) | Tomate (2001) | Flaschenkürbis (2002) | Kartoffel (2003) | Körnerbohne (2004) | Zichorie (2005) | Kopfkohl (2006) | Gartensalat (2007?2008) | Erbse (2009?2010) | Pastinaken (2011?2012)

Kategorien: Wikipedia:LesenswertKartoffelNachtschattenNutzpflanze
Anmelden / Benutzerkonto erstellenArtikelDiskussionLesenQuelltext anzeigenVersionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel
Mitmachen
Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen
?????
Afrikaans
Alemannisch
????
Aragonés
Ænglisc
???????
????
???????
Asturianu
Aymar aru
Az?rbaycanca
?????????
Boarisch
?emait??ka
??????????
??????????? (???????????)?
?????????
?????
???????
Brezhoneg
Bosanski
Català
Cebuano
?????
Corsu
?esky
Kaszëbsczi
Cymraeg
Dansk
Zazaki
Dolnoserbski
????????
English
Esperanto
Español
Eesti
Euskara
?????
Fulfulde
Suomi
Français
Frysk
Gaeilge
??
Gàidhlig
Galego
???????
Gaelg
?????
??????
Hrvatski
Hornjoserbsce
Kreyòl ayisyen
Magyar
???????
Bahasa Indonesia
Iñupiak
Ido
Íslenska
Italiano
???
Basa Jawa
???????
Qaraqalpaqsha
???????
?????
???
????? ????
????????-???????
????? - ?????
Ripoarisch
Kurdî
????
Latina
Lëtzebuergesch
?????
Lumbaart
Lietuvi?
Latvie?u
Basa Banyumasan
???????
Malagasy
??????????
??????
??????
?????
????? ????
Bahasa Melayu
N?huatl
Nnapulitano
Plattdüütsch
Nedersaksisch
??????
????? ????
Nederlands
?Norsk (nynorsk)?
?Norsk (bokmål)?
Diné bizaad
Occitan
????
Kapampangan
Picard
Pälzisch
Polski
??????
Português
Runa Simi
Kirundi
Român?
???????
??????????
Kinyarwanda
?????????
???? ????
Sardu
Sicilianu
Scots
Sámegiella
Srpskohrvatski / ??????????????
Simple English
Sloven?ina
Sloven??ina
Gagana Samoa
chiShona
Shqip
?????? / Srpski
Seeltersk
Basa Sunda
Svenska
Kiswahili
?l?nski
?????
??????
???
Tagalog
lea faka-Tonga
Türkçe
??????????
????
Ti?ng Vi?t
West-Vlams
Walon
Winaray
??
??????
??
Bân-lâm-gú
??
isiZulu
Diese Seite wurde zuletzt am 27. März 2012 um 07:30 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

Antworten
Zitieren
Antwort abonnieren
laura01
07.04.12 um 10:02
Avatar von laura01

Re: Brauchst du Credits?

Zitat von laura01die Kartoffel (Solanum tuberosum), in Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auch als Erdapfel (Herdöpfel) oder Grundbirne (Grumbeer) und im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt, ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch Tomate, Paprika und Tabak gehören. Das Wort Kartoffel leitet sich von tartufolo, dem italienischen Wort für Trüffel ab, das wiederum vom lateinischen "terrae tuber" abgeleitet ist. Der Name der Süßkartoffel (Ipomoea batatas) leitet sich von der ähnlichen Verwendung und dem ähnlichen Aussehen der Knollen ab, nicht von einer Verwandtschaft. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ?Kartoffel? für die unterirdischen Knollen verwendet. Über diese Knollen kann sich die Pflanze vegetativ vermehren.
Die Samen werden in tomatenähnlichen Beeren gebildet, welche wie alle grünen Teile der Pflanze und die Keime der Knolle für Menschen ungenießbar bis leicht giftig sind.
Weltweit werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Die Kartoffel ist das viertwichtigste Nahrungsmittel der Welt; daneben aber auch Futtermittel und Industrierohstoff.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Beschreibung
1.1 Genom
2 Herkunft
2.1 Ursprüngliche Herkunft
2.2 Kultivierung
3 Systematik
4 Kartoffelanbau
4.1 Wirtschaftliche Bedeutung
4.2 Anbaubedingungen
4.3 Europa
4.4 Anbau weltweit
4.5 Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008
5 Kartoffelsorten
5.1 Reifezeit
5.2 Verwendungszweck
5.3 weitere Unterscheidungskriterien
6 Wichtige Krankheiten und Schädlinge
6.1 Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze
6.2 Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.3 Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.4 Insekten (Insecta)
6.5 Asseln
6.6 Fadenwürmer (Nematoda)
7 Lagerung
8 Verwendung
8.1 Futterkartoffel
8.2 Stärkekartoffel
8.3 Biotechnologie
8.4 Volksmedizin
9 Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten
9.1 Alkaloide in Kartoffeln
10 Regionale Namen
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Einzelnachweise
14 Weblinks
Beschreibung [Bearbeiten]



Unterer Teil einer Pflanze. Die Mutterknolle ist dunkel gezeichnet.


Früchte der Kartoffelpflanze
Kartoffeln sind aufrecht oder kletternd wachsende, krautige Pflanzen, die über 1 m hoch werden können. Die Sprossachse ist manchmal vierkantig, teilweise sogar geflügelt. Unterirdisch oder knapp über der Oberfläche bildet die Pflanze knollentragende Stolone aus.
Die wechselständig stehenden Blätter sind unpaarig gefiedert, kurzstielig und werden 10 bis 30 cm lang und 5 bis 15 cm breit. Die Teilblätter sind leicht bis stark behaart, stehen sich gegenüber oder sind wechselständig, oft von unterschiedlichster Form und Größe. Die größeren Teilblätter besitzen zum Teil eigene Blattstiele, sind zwischen 2 bis 10 cm lang und 1 bis 6 cm breit. Sie sind eiförmig bis länglich-eiförmig, an der Spitze zugespitzt bis stark zugespitzt. Die kleineren Teilblätter besitzen eine stumpfere Spitze, mit einer eher herzförmigen Basis, meist eiförmig bis kugelförmig und besitzen einen Durchmesser von 2 bis 15 mm.
Die Blüten stehen in trugdoldenförmigen Blütenständen. Die Blütenstandstiele sind 5 bis 15 cm lang und behaart, die Blütenstiele sind ebenfalls behaart und 3 bis 35 mm lang. Der Blütenkelch ist glockenförmig, 5-lappig und hat einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm. Die Kelchlappen sind spitz bis stark zugespitzt. Die Kronblätter sind weiß bis blau, die Krone ist doppelt so lang wie der Kelch und hat einen Durchmesser von 3,5 bis 4 cm. Die gelben Antheren stehen frei, aufrecht und porig. Die Frucht ist eine gelblich-grüne, zweikammerige Beere mit vielen Samen.[1]
Die Keimung erfolgt epigäisch. Am Beginn treten nur die Wurzelanlage und das Hypokotyl aus der Samenschale hervor, während die Keimblätter zunächst noch in ihr verbleiben. Erst später verlassen auch sie die Samenschale, ergrünen und werden zu den ersten Assimilationsorganen. Die zunächst gebildeten Primärblätter sind noch einfacher gebaut als die später gefiederten Folgeblätter.[2]
An den basalen Teilen des Sprosses treiben Achselknospen aus, die in den Boden eindringen und dort waagrecht (plagiotrop) ausläuferartig weiterwachsen und zu den Stolonen werden. Anstatt Laubblättern tragen sie Schuppenblätter. Die Enden dieser Ausläufer verdicken sich und wandeln sich in die Knollen um. Es handelt sich hierbei um ein primäres Dickenwachstum. Es sind also Sprossknollen. Die Knolle besitzt nur kleine, schuppenartige Blätter, die jedoch hinfällig sind, also früh abfallen. In den Achseln der Blattnarben sitzen die Knospen (hier Augen genannt), aus denen die Knolle nach der Ruhephase wieder austreibt. Die Knolle ist polar differenziert: Die Basis, das der Mutterpflanze zugewendete Ende, wird Nabelende genannt. Es ist die Ansatzstelle des Ausläufers, der nach Reifung der Knolle zugrunde geht. An der Spitze sitzt die Endknospe in einer grubenartigen Vertiefung. Beim Wiederaustrieb wächst bevorzugt die Endknospe aus, die dann senkrecht (orthotrop) wachsend einen Luftspross bildet.[2]
In den grünen Pflanzenteilen der Kartoffel konzentrieren sich Alkaloide, unter anderen Solanin, die eine natürliche Abwehrbarriere zum Beispiel gegen Bakterien und Insekten bilden. Aus diesem Grund sind Kartoffeln, die im Licht gelagert grün geworden sind, nicht mehr genießbar.

Blatt



Habitus



Kartoffelknollen



Junge Knolle am Stolon



Blüten

Genom [Bearbeiten]
Das Potato Genome Sequencing Consortium, ein Team aus 29 Forschungsgruppen aus 14 Ländern, begann im Januar 2006 mit der Arbeit an der Sequenzierung. Am 10. Juli 2011 wurde das Genom der Kartoffel in Nature veröffentlicht. Es enthält mehr als 39.000 Protein-kodierende Gene. Die Kartoffel hat 12 Chromosome. Einige Sorten sind tetraploid und andere diploid. Die Sequenzierung des Genoms soll es Züchtern ermöglichen, Ertrag, Qualität, Nährwert und Krankheitsresistenz zu verbessern. Auch soll die Zeit zur Kreation neuer Sorten (derzeit 10-12 Jahre) verkürzt werden. Die wichtigste Entdeckung sind über 800 Krankheitsresistenzgene, von denen jedes potenziell zur Bekämpfung wichtiger Krankheiten wie Goldnematoden oder Kartoffelfäule eingesetzt werden kann.[3][4]
Herkunft [Bearbeiten]

Ursprüngliche Herkunft [Bearbeiten]
Die heute kultivierten Kartoffeln stammen von verschiedenen Landsorten ab, die in den Anden vom westlichen Venezuela bis nach Argentinien und der Insel Chiloé bzw. dem Chonos-Archipel im Süden von Chile vorkommen. Auf Chiloé fand man die ältesten bekannten Spuren von wilden Kartoffeln, man schätzt ihr Alter auf 13.000 Jahre. Die chilenischen Landsorten stammen ihrerseits jedoch vermutlich von den peruanischen Andensorten (Solanum tuberosum ssp. andigena) ab, wahrscheinlich nach Hybridisierung mit der Wildart Solanum tarijense, die in Bolivien und Argentinien zu finden ist.[5] In dem lange Zeit als Ursprungsland der Kartoffel angesehenen Peru gibt es wiederum mehr als 3.000 endemische Kartoffelsorten. Die meisten können nur in den peruanischen Anden angebaut werden, weil sie aufgrund ihrer geologischen und klimatischen Ansprüche in anderen Weltgegenden nicht gedeihen.[6] Der Haup***rschied der Andenkartoffel zu den in anderen Anbaugebieten kultivierten Sorten besteht darin, dass sie an andere Lichtverhältnisse (Tag- und Nachtzyklus) angepasst ist.
Kultivierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Kulturgeschichte der Kartoffel


Kartoffelanbau, ca. 1910, Russisches Kaiserreich


Kartoffelernte in der DDR
Wann, wie und durch wen die Kartoffel nach Europa kam, ist bis heute nicht genau geklärt. Auf ihrem Weg von Südamerika nach Spanien machte die Kartoffel Zwischenstation auf den (spanischen) Kanarischen Inseln. Dies ist bekannt, weil im November 1567 drei Fässer, die Kartoffeln, Orangen und grüne Zitronen enthielten, von Gran Canaria nach Antwerpen, und im Jahre 1574 zwei Fässer mit Kartoffeln von Teneriffa via Gran Canaria nach Rouen verschifft wurden. Geht man davon aus, dass mindestens fünf Jahre nötig waren, um so viele Kartoffeln zu erhalten, dass sie zum Exportartikel werden konnten, so fand die Einbürgerung der Pflanze auf den Kanaren spätestens 1562 statt.
Der früheste Beleg für die Kartoffel in Spanien findet sich in den Büchern des Hospital de la Sangre in Sevilla, das im Jahre 1573 Kartoffeln eingekauft hat. Man nimmt an, dass die Kartoffel Spanien frühestens 1564/65 und spätestens 1570 erreicht hat, da ansonsten der Botaniker Clusius, der das Land 1564 auf der Suche nach neuen Pflanzen bereiste, sie wohl bemerkt hätte. Von Spanien aus gelangte die Kartoffel nach Italien und breitete sich dann langsam auf dem europäischen Festland aus.
Auf die britischen Inseln soll die Kartoffel ohne den Umweg über Spanien gelangt sein. Wer die Kartoffel dorthin gebracht hat, ist nicht geklärt. Francis Drake war es jedenfalls nicht, wahrscheinlich auch nicht Walter Raleigh oder Thomas Harriot, Namen, die immer wieder in diesem Zusammenhang genannt werden. Erstmals belegt ist die Kartoffel in England im 1596 in London erschienenen Katalog der Pflanzen, die der Botaniker John Gerard in seinem Garten in Holborn züchtete.[7]
Nach Europa wurde die Kartoffel vielfach wegen der schönen Blüte und des üppigen Laubes als reine Zierpflanze importiert und als seltene Pflanze in botanische Gärten aufgenommen. Mitte des 16. Jahrhunderts tauchte sie in den Niederlanden, in Italien und in Burgund auf.
In Deutschland sollen die ersten Kartoffeln während der Regierung Ferdinand III. 1647 in Pilgramsreuth (Oberfranken) angebaut worden sein.[8] Im Kloster Seitenstetten in Niederösterreich verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, das bereits 1621 in Linz erschien.[9] Der Anbau in großem Stil begann 1684 in Lancashire, 1716 in Sachsen, 1728 in Schottland, 1738 in Preußen und 1783 in Frankreich.
Außerhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen wird die Kartoffel heute weltweit angebaut. Nachdem sich ihre Kultur in Europa durchgesetzt hatte und die Kartoffel zu einem Grundnahrungsmittel geworden war, brachten Europäer sie überall mit, wo sie später Fuß fassten. Im Einzelhandel werden heute neben den einheimischen Kartoffeln auch solche aus Sizilien, von den Kanarischen Inseln, aus Ägypten oder aus Südafrika angeboten. Auf Teneriffa oder auf Madeira wachsen Kartoffeln unter Palmen und neben Bananengärten. Dort sind zwei Ernten im Jahr möglich, der Export erfolgt vornehmlich in die Staaten der Europäischen Union. Aus Gründen des Ertrags werden Kartoffeln im Alpenraum nur noch selten bis auf 2.000 Meter Höhe angebaut. Eine dieser Anbauinseln ist der Lungau (Österreich), wo unter der Bezeichnung "Lungauer Eachtling" auf 150 ha verschiedene Sorten angebaut werden[10].
Systematik [Bearbeiten]

Solanum tuberosum wird innerhalb der Gattung der Nachtschatten (Solanum) in die Sektion Petota eingeordnet. Zu dieser Sektion gehören schätzungsweise 190 Arten, von denen viele Wildarten sind, die ebenfalls knollentragend sind. Zudem existiert eine große Anzahl an südamerikanischen Landsorten, die zum Teil mit zu Solanum tuberosum gerechnet werden, andererseits jedoch auch in bis zu 21 eigene Arten aufgeteilt werden. Die nächsten wilden Verwandten der kultivierten Kartoffel werden im Solanum brevicaule-Komplex zusammengefasst. Aufgrund phylogenetischer Untersuchungen konnte die Herkunft der südamerikanischen Landsorten und damit auch der kultivierten Kartoffel auf die südperuanische Art Solanum bukasovii aus dem Solanum brevicaule-Komplex zurückgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung widerlegten damit die These, dass die kultivierten Kartoffeln mehrere Ursprünge besitzen.[5]
Kartoffelanbau [Bearbeiten]

Wirtschaftliche Bedeutung [Bearbeiten]


73 % der Welternte von Kartoffeln wird von 12 Staaten erbracht
Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO [11] betrug im Jahr 2005 die Weltproduktion 322 Millionen Tonnen Kartoffeln.
Die führenden Anbauländer sind: (Produktion in Millionen Tonnen)
Land 1990 2000 2009 Ertrag 2009 (t/ha)
China 32 66 69 14,5
Indien 15 25 34 18,8
Russland 34 31 36 14,3
Ukraine 20 20 13,9
Vereinigte Staaten 18 23 20 46,3
Deutschland 14 12 11 44,1
Polen 36 24 10 19,9
In Deutschland nahm die Anbaufläche in den vergangenen Jahren stark ab. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die bundesweite Anbaufläche bei rund 267.400 Hektar Kartoffeln. 1990 waren es noch 548.000 Hektar. Niedersachsen liegt mit insgesamt 114.100 Hektar an der Spitze der Bundesländer. Auf dem zweiten Platz kommt Bayern mit 52.700 Hektar[12]. Die Erntemenge stieg 2004 auf 12,6 Millionen Tonnen, gegenüber 9,2 Millionen Tonnen im Vorjahr. Deutschland ist zudem wichtigstes Importland für Frühkartoffeln, die überwiegend aus Frankreich, Italien und Ägypten kommen. Wichtige Exportländer sind neben Frankreich die Beneluxstaaten und für Kartoffelprodukte auch Deutschland. Der Selbstversorgungsgrad betrug 2001 in Deutschland rund 108 %.
Marktversorgung von Speisefrühkartoffeln 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Ernte in Tonnen 559.000 468.000 486.000 453.000 514.000 477.000 447.000 508.000
Importe in Tonnen 107.000 130.000 118.000 112.000 146.000 95.000 136.000 121.000
Quelle: Statistisches Bundesamt
Anbaubedingungen [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Maine, USA


Kartoffelfeld von Gut Böckel in Rödinghausen
Unter guten Anbaubedingungen können von einem Hektar Ackerland in subtropischen Gebieten zwischen 25 und 35 Tonnen geerntet werden, im tropischen Klima erreichen die Ernten 15 bis 25 Tonnen je Hektar.
Für kultivierte Kartoffeln liegen die optimalen Temperaturbedingungen bei einem Tagesmittel zwischen 18 und 20 °C. Um die Knollenbildung zu fördern, ist eine Maximalnachttemperatur von 15 °C erforderlich, für das Knollenwachstum ist eine Bodentemperatur von 15 bis 18 °C optimal. Sinken die Temperaturen unter 10 oder steigen sie über 30 °C, stellt die Pflanze das Wachstum nahezu ein.
Kultivierte Kartoffeln werden in frühe (90 bis 120 Tage), mittlere (120 bis 150 Tage) und späte (150 bis 180 Tage) Sorten unterteilt. Wird bei zu kalten Temperaturen gepflanzt, können sich diese Angaben jedoch noch erhöhen. Zum erfolgreichen Anbau früher Kartoffelsorten ist ein Langtag von 15 bis 17 Stunden erforderlich, spätreifende Sorten erzielen sowohl unter Kurztags- als auch Langtagsbedingungen gute Ernten. Siehe dazu Photoperiodismus.
Um die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen zu unterbinden, wird empfohlen, ein Feld nur alle drei Jahre mit Kartoffeln zu bestellen. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 5 und 6 liegen, der Bedarf an Nährstoffen liegt bei 80 bis 120 kg Stickstoff je Hektar, 50 bis 80 kg Phosphor je Hektar und 125 bis 160 kg Kalium je Hektar. Der beste Ertrag für Sorten mit einer Reifezeit von 120 bis 150 Tagen wird bei einer Wassermenge von 500 bis 700 mm jährlichem Niederschlag erreicht.[13]. In Deutschland liegen die Erträge meist bei 30 bis 50 Tonnen je Hektar Anbaufläche[14]. Bei einzelnen Stärkekartoffelsorten wird bei Einsatz gezielter Bewässerung über 80 Tonnen Ertrag je Hektar berichtet[15].
Europa [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Nakkila (Finnland)
Die Vorbereitung des Ackers auf den Anbau von Kartoffeln beginnt in der Regel mit einer wendenden Grundbodenbearbeitung durch Pflügen entweder im vorhergehenden Herbst, um vor allem bei schweren Böden den Effekt der Frostgare auszunutzen, oder im Frühjahr. Bei Herbstpflugfurche erfolgt im Frühjahr nochmals eine lockernde Bodenbearbeitung durch nichtwendende Geräte auf rund 15 cm Tiefe. Das Pflanzbett sollte abgesetzt, feinkrümelig, klutenfrei und trocken sein, um den Legevorgang der Pflanzkartoffeln, den Dammaufbau, etwaige mechanische Pflegemaßnahmen und die Ernte zu erleichtern. Der Boden sollte einen guten Luft-, Wasser- und Wärmeaustausch ermöglichen. Flache, große und zusammenhängende Flächen mit feinen, sandigen Böden ohne Steine eignen sich besonders für den Kartoffelanbau. Zudem sind Gebiete mit geringerer Luftfeuchtigkeit, z. B. in trockeneren Regionen oder in höheren Lagen wegen des reduzierten Krankheitsrisikos besonders interessant für den Kartoffelanbau. Die Kartoffeln werden in allen Systemen in Dämmen angebaut, was dem vorher erwähnten Anspruch an den Boden entgegenkommt. Die Pflanzendichte und -anordnung im Feld (Reihen- und Pflanzenabstände) sind abhängig vom Nutzungszweck: Größere Bestandsdichten sind typisch für die Erzeugung von Pflanzgut und haben kleinere Knollen zur Folge. Beim Anbau der Kartoffeln für Nahrungszwecke sind die Bestandesdichten geringer und die Knollen größer. Angestrebt werden zum Beispiel beim Anbau für Speisezwecke zwischen 40.000 bis 45.000 Pflanzen je Hektar, zur Erzeugung von Pflanzkartoffeln aber rund 60.000 Pflanzen je Hektar. Teils werden Kartoffeln rund zwei Monate vor der Pflanzung vorgekeimt, um einen frühen Reihenschluss sicherzustellen.
Das Setzen der Pflanzkartoffeln erfolgt durch spezielle Legemaschinen, welche die Knollen in eine Tiefe von 8 bis 10 cm setzen und anschließend den Boden wieder in Dammform schließen. Der Abstand der Reihen beträgt zwischen 60 bis 90 cm; in Hinblick auf Spurweiten und Reifenbreiten der verwendeten Maschinen ist in Deutschland ein Reihenabstand von 75 cm gebräuchlich. Der Abstand der Pflanzen zueinander in der Reihe variiert je nach angestrebter Bestandesdichte zwischen 25 und 40 cm.[16]
Die Unkrautregulierung kann durch mechanische Bekämpfungsmaßnahmen, thermische Verfahren, dem Einsatz von Herbiziden oder durch Kombinationen dieser Bekämpfungsmet*** erfolgen. Im konventionellen Landbau ist die Unkrautbekämpfung durch Herbizide üblich[17], im ökologischen Landbau hingegen werden mechanische oder thermische Verfahren eingesetzt. Die mechanische Unkrautbekämpfung kann mit folgenden Geräten betrieben werden: Hackgerät mit Gänsefußschar, Vielfachgerät, Rollsternhacke, Netzegge, Dammformer, Dammfräse, Dammstriegel oder gewöhnlicher Striegel. Ziel der mechanischen Bekämpfung ist es, dass das keimende Unkraut aus dem Boden gelöst wird und dadurch in der Sonne verdorrt. Diese Maßnahme muss bei entsprechendem Auflauf von Unkräutern so oft wie nötig wiederholt werden, bis die Kartoffelstauden den Boden vollständig abdecken.
Am Ende der Vegetationszeit stirbt das Kraut ab. Es wird verbreitet auch abgetötet, wenn die Knollen genügend groß sind, um das Wachstum bei der optimalen Knollenbeschaffenheit zu unterbrechen, die Erntefähigkeit durch Lösen der Knollen von den Stolonen und Festigung der Schalen herbeizuführen und die Ansteckung der Knollen durch Krankheiten zu verhindern. Für diese Abreifebehandlung gibt es verschiedene Met***, welche vom Anbausystem abhängig sein können. Dazu gehören das mechanische Zerstören der oberirdischen Pflanzenteile durch Abschlegeln oder der Einsatz von Herbiziden (Sikkation).
Anbau weltweit [Bearbeiten]


Chuños, Kartoffeln, die nach traditionellem Verfahren in Peru und Bolivien im Boden gefriergetrocknet konserviert werden


Kartoffelernte in Indonesien
Dank der großen Anpassungsfähigkeit der Kartoffel wird diese heutzutage praktisch auf der ganzen Welt angebaut. Während der Anbau in entwickelten Ländern über die letzten zwei Jahrzehnte tendenziell abgenommen hat, war in Drittweltländern eine Zunahme zu beobachten, am deutlichsten in Asien. Diese Zunahme beruht sowohl auf der Ausdehnung der Anbauflächen wie auf der einfachen Einbeziehung der Kartoffel in bestehende Anbausysteme: Die Entwicklung von früh reifenden Sorten mit einer Vegetationszeit von 80 bis 100 Tagen erlaubt es z. B. in Indien, die Anbaupause zwischen Reis- und Weizenanbau ideal zu nutzen.
Die Anbautechniken in der Dritten Welt sind sehr unterschiedlich, je nach Wachstums- und Marktbedingungen. In den Anden, Zentralafrika und dem Himalaja werden Kartoffeln hauptsächlich von kleinen Subsistenzbetrieben von Hand angebaut. Ansonsten ist der Anbau in den meisten Regionen stark mechanisiert worden.
Anbaubeispiel Afrika ? Äthiopien
In Äthiopien werden Kartoffeln hauptsächlich in Rotations- und Mischanbau (?multicropping?)-Systemen während der großen Regenzeit angebaut. Die Saatbettbereitung wird vor der Regenzeit durchgeführt, meist ein bis zwei Monate vor dem Pflanzen. In vielen Regionen ist diese Feldbestellung noch mit Handarbeit oder mit Hilfe von Ochsen verbunden. Als Pflanzgut werden hauptsächlich ganze Knollen verwendet, da diese weniger anfällig auf Krankheiten sind und chemische Pflanzenschutzmittel kaum verwendet werden. Auch die Unkrautkontrolle wird hauptsächlich von Hand erledigt.
Anbaubeispiel Eurasien ? Indien
Die Großzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Indien sind kleine Familienbetriebe. Die Kartoffelproduktion erfolgt während des Monsuns von Juli bis September, wie auch im Winter, allerdings nur bei Bewässerung. Je nach Region sind Rotationen von Mais-Kartoffel-Weizen bzw. mit Reis oder Jute üblich.
Anbaubeispiel Amerika ? Peru
Peru liegt im Ursprungsgebiet der Kartoffel und noch heute gibt es viele wilde Sorten. Seit ungefähr 7.000 Jahren werden Kartoffeln angebaut und stellten lange Zeit das Hauptnahrungsmittel der Menschen dar. Der Hauptanteil der Kartoffelernte wird von Kleinbauern mit weniger als 3 ha Anbaufläche produziert. Grundsätzlich ist der Kartoffelanbau in zwei Zyklen aufgeteilt: das ?frühe Pflanzen? und das ?große Pflanzen?. Je nach Gegend sind die beiden Zyklen unterschiedlich wichtig. In der Fruchtfolge folgen auf Kartoffeln zuerst meist andere südamerikanische Wurzel- oder Knollenfrüchte und danach Quinoa oder Gerste. [18][19][20]
Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008 [Bearbeiten]
Einer Deklaration der UN-Generalversammlung vom November 2005 folgend[21], wurde am 18. Oktober 2007 in New York das Jahr 2008 als das Internationale Jahr der Kartoffel von den Vereinten Nationen eingeführt.[22]
Die Mission des Internationalen Jahrs der Kartoffel ist, das Bewusstsein für die Bedeutung der Kartoffel als Nahrungsmittel in den Entwicklungsländern zu steigern, Forschung und Entwicklung von kartoffelbasierten Systemen zu fördern und damit zum Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen beizutragen.[23] Die Kartoffel hat ein erhebliches Potenzial, bei der Bekämpfung der Unterernährung beizutragen.[24]
Aus Anlass des Jahrs der Kartoffel gab die Schweizerische Post zudem am 4. März 2008 eine Sonderbriefmarke[25] im Wert von 85 Rappen heraus.
Kartoffelsorten [Bearbeiten]



Kartoffel Atlanta


Verschiedene Kartoffelsorten auf einem Markt
Weltweit gibt es rund 5000 Kartoffelsorten. Diese sind aufgrund der vielen verschiedenen Verwendungszwecke und der geographisch weit auseinander liegenden Anbaugebiete gezüchtet worden. Zudem werden ständig weitere Sorten entwickelt. Die weltweit größte Gendatenbank mit zirka 100 wilden und 3800 in den Anden traditionell kultivierten Kartoffelsorten unterhält das internationale Kartoffelinstitut mit Sitz in Lima, Peru.
Die verschiedenen Sorten können nach der Reifezeit und dem Verwendungszweck unterschieden werden:
Reifezeit [Bearbeiten]
Dieses Kriterium ist für den Produzenten von großer Wichtigkeit. Die Sortenwahl hängt von den klimatischem Bedingungen und der Dauer der Vegetationsperiode ab. Folgende Kategorien werden unterschieden:
Die frühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 90?110 Tagen auf. Meist kann man sie im Juni-Juli ernten (wenn die Knollen im März-April gepflanzt worden sind). In Küstengebieten, welche schon früher frostfrei sind, ist sogar noch eine frühere Ernte möglich. Damit die frühreife Kartoffel bereits im Juni?Juli geerntet werden kann, muss schon früh die Anlage für die Knollen gebildet werden sowie auch das Wurzelwachstum schnell erfolgen. Dabei wird nicht nur der Ertrag, sondern auch die Stärkeeinlagerung in die Knollen reduziert, da diese verzögert zum Volumenwachstum erfolgt.
Beispiele für die frühreifen Sorten sind: Agata, Amandine, Birte Derby, Frühgold, Lady Christl, Lady Felicia
Die mittelfrühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 120?140 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrühreifen Sorten sind: Gourmandine, Bintje, Victoria, Ditta, Nicola, Urgenta, Pamela, Naturella, Désirée, Agria, Eden, Allians
Die mittelfrüh-späten Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 140?160 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrüh-späten Sorten sind: Atlanta, Lady Jo, Lady Claire, Innovator, Lady Rosetta, Marlen, Fontane, Hermes, Eba, Markies, Panda
Verwendungszweck [Bearbeiten]


Kartoffeleimer aus Email, Niederlande
Speisekartoffeln werden nach ihren Kocheigenschaften unterschieden. Nach der Handelsklassenverordnung müssen alle im Handel (auch lose) angebotenen Kartoffeln nach diesen Kocheigenschaften eingeordnet werden. In der EU werden Speisekartoffeln in vier Kochtypen eingeteilt, die mit den Buchstaben A bis D sowie Kombinationen daraus bezeichnet werden. Deutsche Kartoffeln werden darüber hinaus mit einem farbigen Streifen auf der Verpackung gekennzeichnet.
Kartoffel zu Speisezwecken
Festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: A und A-B
Farbkennzeichnung: grün
Sorten: Annabelle, Agata, Amandine, Anais, Belana, Charlotte, Cilena, Ditta, Filea, Hansa, Kipfler, Marabel[26], Linda, Nicola, Primura, Princess, Renate, Selma, Sieglinde, Spunta, Stella, Vitelotte
Form: Länglich bis oval
Konsistenz: fest, feinkörnig, feucht
Kocheigenschaften: Kein Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Bratkartoffeln, Gratins, Kartoffelsalat
Vorwiegend festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-A und B
Farbkennzeichnung: rot
Sorten: Agria, Arkula, Astilla, Atica, Bamberger Hörnchen, Bolero, Christa, Colette, Désirée, Finka, Gala, Gloria, Grandifolia, Granola, Hela, Jelly, Laura, Leyla, Maja, Quarta (Kartoffel), Rosara, Saskia, Saturna, Secura, Solara, Satina, Tizia, Ukama
Form: uneinheitlich
Konsistenz: feinkörnig, mäßig feucht
Kocheigenschaften: Geringes Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Salz- und Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Suppen
Mehlig kochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-C und C
Farbkennzeichnung: blau
Sorten: Adretta, Afra, Arkula, Aula, Bintje, Blauer Schwede, Freya, Karat, Karlena, Koretta, Libana, Likaria, Lipsi, Mariella, Melina, Naturella, Schwarzblaue aus dem Frankenwald
Form: uneinheitlich
Konsistenz: grobkörnig, trocken
Kocheigenschaften: häufiges Aufspringen
Geschmack: angenehm kräftig
Gerichte: Eintöpfe, Kartoffelpüree
übrige Kochtypen
Kochtypen: C-D und D
dies sind keine Kochtypen im Sinn der Handelsklassenverordnung
Konsistenz: stark mehlig, trocken
Kocheigenschaften: besonders locker bis zerfallend.
Sorten zur Weiterverarbeitung
Veredlungskartoffel
Pommes frites: Agria, Eba, Fontane, Innovator, Markies, Felsina
Kartoffelchips: Erntestolz, Fontane, Hermes, Lady Claire, Lady Rosetta
Kartoffelflocken: Saturna, Eba
Wirtschaftskartoffel
hoher Stärkegehalt
Futterkartoffel
Pflanzkartoffel
weitere Unterscheidungskriterien [Bearbeiten]


Kartoffeln mit violetter Fleischfarbe (Sorte Salad Blue)


rosa Kartoffeln (Sorte Rote Emmalie)
Stärkegehalt
Schalenfarbe
gelb: Karlena etc.
rot: Rode Eersteling etc.
blau: Blauer Schwede, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Fleischfarbe
weiß: Urgenta etc.
hellgelb: Charlotte, Ostara etc.
gelb: Bernadette, Gala, Donella etc.
blau-violett: Blauer Schwede, Salad Blue, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Knollenform
lang: Bernadette etc.
oval: Marabel, Donella etc.
kugelrund: Gala, Adretta etc.
nierenförmig
Schalenbeschaffenheit
glatt: Marabel etc.
Kartoffelsorten sind in Deutschland beim Bundessortenamt in Hannover registriert und unterliegen für dreißig Jahre einem Sortenschutz. Dies bedeutet, dass bei Anbau Lizenzabgaben an den jeweiligen Schutzrechtsinhaber fällig werden können. Dadurch kann es zu Konflikten mit Anbietern kommen, etwa wenn etablierte Sorten nach Ablauf der Schutzfrist vom Markt genommen werden ? ein freier Verkauf von Saatgut ist nicht mehr erlaubt (siehe Kartoffelsorte Linda). Die Vermehrung aus eigenen Beständen und der Verkauf zum Verbrauch sind dagegen erlaubt.
In der Schweiz wird die Weiterentwicklung der Kartoffel von den Forschungsstationen Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) und Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) betrieben. Die aktuelle Sortenliste umfasst 31 Sorten.
Wichtige Krankheiten und Schädlinge [Bearbeiten]

Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze [Bearbeiten]
Kartoffelfäule, auch als Kraut- und Knollenfäule bekannt (Phytophthora infestans)
Dürrf***krankheit oder Hartfäule (Alternaria solani)
Weißhosigkeit, Kartoffelpocken, Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani)
Pulverschorf (Spongospora subterranea)
Weißfäule (Kartoffel) (Fusarium coeruleum)
Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum)
Silberschorf (Helminthosporium solani)
Fusarium-Welke (Fusarium oxysporum)
Colletotrichum-Welkekrankheit (Colletotrichum coccodes)
Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Schwarzbeinigkeit und Nassfäule (Erwinia carotovora)
Kartoffelschorf (Streptomyces scabies)
Bakterienringfäule (Clavibacter michiganensis subsp. sepedonicus)
Schleimkrankheit (Ralstonia solanacearum)
Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Blattrollkrankheit, verursacht durch Blattrollvirus (Potato leafroll virus, PLRV)
Strichelkrankheit, verursacht durch Y-Virus
Mosaikkrankheiten: (Leichte Mosaik-Krankheit und Kräuselmosaik-Krankheit)
Stängelbuntkrankheit, verursacht durch Tabakmosaikvirus
Eisenfleckigkeit bzw. Tabak-Rattle-Virus (TRV) oder Tabak-Mosaik-Virus (TMV)
Insekten (Insecta) [Bearbeiten]


Von den Larven des Kartoffelkäfers befallene Kartoffelstaude
Saatschnellkäfer (Agrigotes obscurus)
Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)
Blattläuse (Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae), Grüne Pfirsichblattlaus (Myzodes persicae))
Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) resp. Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani)
Wintersaateule (Agrotis segetum)
Asseln [Bearbeiten]
Kellerassel
Fadenwürmer (Nematoda) [Bearbeiten]
Goldnematoden (Heterodera rostochiensis)
Stengelälchen (Ditylenchus dispaci)
[27] [28]
Lagerung [Bearbeiten]



Ergebnis falscher Lagerung
Damit Kartoffeln das gesamte Jahr über angeboten werden können, werden diese nicht nur aus fernen Anbaugebieten importiert, sondern auch hierzulande eingelagert. Sie werden in dunklen, gut belüfteten Lagerstätten bei 5?10 °C und etwa 90 % Luftfeuchtigkeit aufbewahrt. Zum Teil kommen hierbei Keimhemmungsmittel und Fungizide zum Einsatz. Bei einer zu kalten Lagerung würden die Knollen ?erfrieren?, die enthaltene Stärke wandelt sich dabei in Zucker um; bei zu warmen Temperaturen und Lichteinfall würden sie zu keimen beginnen und giftiges Solanin bilden. Zu trockene Lagerung lässt die wasserhaltigen Knollen welken, ebenso gilt es Schimmelbildung durch Feuchtigkeitsstau zu vermeiden. Des Weiteren verhindert eine niedrige Schütthöhe schädliche Druckstellen.[29] Das gemeinsame Lagern mit Obst (wie etwa Äpfeln) ist nicht empfehlenswert.
Verwendung [Bearbeiten]

Kartoffeln finden Verwendung als Nahrungs- und Futtermittel sowie zur Herstellung von Stärke und Alkohol. Dabei werden beispielsweise in Deutschland fast 60 % der Kartoffelernte direkt als Nahrungsmittel genutzt. Etwa 30 % der Kartoffelernte wird für die Herstellung von Stärke und etwa 4 % für die Ethanolgewinnung genutzt. Von der verbleibenden Ernte fallen etwa 6 % als Saatgut und gerade mal 1,2 % als Futtermittel an.[30]
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Deutschland immer weniger Kartoffeln gegessen, der Verbrauch hat sich mehr als halbiert. Die Nahrungsmittelindustrie versucht immer mehr Fertiggerichte aus Kartoffeln auf den Markt zu bringen. Kartoffelchips, Pommes frites, Kroketten, Fertig-Rösti und Trockenflocken werden zwar immer mehr konsumiert, als Beilage zum Fleisch werden jedoch auch häufig Alternativen wie Reis und Teigwaren gewählt, die noch leichter zuzubereiten sind.
Der durchschnittliche Kartoffelverbrauch pro Bundesbürger und Jahr liegt etwa bei 50 Kilogramm.[31]
Futterkartoffel [Bearbeiten]
Preisgünstigere Futterimporte, besonders von stärkereichen Futtermitteln, machen der Kartoffel auch als Viehfutter große Konkurrenz.
Seit dem 19. Jahrhundert werden in Mitteleuropa die Schweine mehrheitlich nicht mehr auf die Weide getrieben, sondern im Stall gehalten. Die früher von den Schweinen so geschätzte *** und andere Waldfrüchte wurden zuerst vor allem durch die kostengünstigere Kartoffel ersetzt. Eine Ausnahme sind nur Schweine, die zur Herstellung von Spezialitäten wie dem Jamón Ibérico de Bellota gehalten werden. In den letzten Jahrzehnten werden immer mehr Mastmittel auf dem Weltmarkt eingekauft. Gegen die niedrigen Weltmarktpreise des häufig in Entwicklungsländern produzierten Sojas hat die im Inland angebaute Kartoffel einen schweren Stand.
Stärkekartoffel [Bearbeiten]


Kartoffeldammformer
Neben Kartoffeln gibt es viele Stärkepflanzen, die Organe mit einem hohen Gehalt an Stärke besitzen. Stärke stellt oft einen wichtigen Bestandteil der menschlichen und tierischen Ernährung dar. Zudem ist sie ein nachwachsender Rohstoff (Nawaro), der sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden kann (Stärke als nachwachsender Rohstoff). In Deutschland wurden im Jahr 2008 rund 1,53 Millionen Tonnen (Europa: 9,4 Millionen Tonnen) Stärke produziert. Dabei stammten 42 % der produzierten Stärke aus der Kartoffel. In Europa ist der Anteil der Kartoffel an der Stärkeproduktion mit 16 % bzw. 1,5 Millionen Tonnen geringer.[32]
Ein Teil der Stärke wird in aufgereinigter Form gewonnen und vor allem in der Nahrungsmittelindustrie und für die stoffliche Nutzung verwendet. Stärke besteht ? je nach Art ? zu unterschiedlichen Anteilen aus dem verzweigten Amylopektin und der linearen (unverzweigten) Amylose. Da für die industrielle Verwertung vor allem Amylopektin benötigt wird, werden Stärkepflanzen mit möglichst hohem Amylopektingehalt bevorzugt. In Deutschland benötigt die Papier- und Wellpappeindustrie jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Tonnen native Kartoffelstärke mit hohem Amylopektingehalt während mehr als 250.000 Tonnen für die Herstellung von modifizierten Stärken (vor allem Dextrine, Stärkeester und -ether) genutzt werden. Diese Modifikate werden zu etwa 50 % in der Papierindustrie als Papierstärke genutzt, weitere 17 % gehen in die Produktion von Pappen und Klebstoffen. Das verbleibende Drittel wird in der Lebensmittelindustrie genutzt, vor allem für Fruchtzubereitungen und Milchprodukte.
Biotechnologie [Bearbeiten]
In der EU befand sich die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffelsorte Amflora seit 1996 im Zulassungsverfahren, deren Stärke fast ausschließlich aus Amylopektinen besteht.[33] Amflora wurde im März 2010 zum Anbau und als Futtermittel zugelassen. Daneben hat auch das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) mit dem TILLING-Verfahren eine Karoffelsorte gezüchtet, die ausschließlich Amylopektin enthält. TILLING steht für ?Targeting Induced Local Lesions In Genoms? und ist ein Züchtungsverfahren bei dem durch Zugabe von Chemikalien die natürliche Mutationsrate von Pflanzengenomen erhöht wird. Daher kommt dieses Verfahren ohne gentechnische Veränderung aus.[34]
Es wurden bereits mehrere Bt-Kartoffelsorten getestet, die resistent gegen den Kartoffelkäfer sind. Ihnen wird insbesondere in Osteuropa und Russland Potenzial vorhergesagt.
Volksmedizin [Bearbeiten]
Kartoffelsaft wird in der Volksmedizin innerlich bei Magenbeschwerden und äußerlich bei Verletzungen oder Geschwüren angewendet.
Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten [Bearbeiten]

Gepellte/geschälte Kartoffeln enthalten:[35]
ca. 15 Prozent Kohlenhydrate (Stärke)
ca. 2 Prozent Eiweiß
ca. 0,1 Prozent Fett
ca. 2,1 Prozent Ballaststoffe
ca. 78 Prozent Wasser
ca. 1 Prozent Mineralstoffe und Spurenelemente wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen
zahlreiche Vitamine, hauptsächlich Vitamin C, aber auch Vitamin A und Vitamine der B-Gruppe
Stoffe, die für den Geschmack und den Geruch der Knolle verantwortlich sind; etwa 140 chemische Verbindungen wurden in rohen, gekochten oder dehydrierten Kartoffeln entdeckt. Die wichtigsten sind 1-Octen-3-ol, (E)-2-Octenol, (E)-2-Oct*** und Geraniol, sowie 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin, welches die erdige Note im Geruch und Geschmack hervorruft. Derivate des Pyrazin sind es auch, die das Aroma gebackener Kartoffeln ausmachen.[35][36]
Eiweiß liefert die Kartoffel zwar in be***ner Menge, dafür ist es aber vergleichsweise hochwertig. Von allen pflanzlichen Eiweißlieferanten hat sie den höchsten Anteil an verwertbarem Eiweiß, das Kartoffeleiweiß verfügt also über eine hohe biologische Wertigkeit. Besonders reich ist das Knollengewächs an den Vitaminen B1, B2 und C.
100 Gramm frische Kartoffeln entsprechen einer Energiemenge von etwa 298 Kilojoule, das entspricht 70 Kilokalorien.[37]
Alkaloide in Kartoffeln [Bearbeiten]
Kartoffelschalen und ergrünte Kartoffeln enthalten gegenüber geschälten normalen Kartoffeln ein mehrfaches an Alkaloiden, allen voran das für die Gattung der Nachtschatten typische Solanin, welches in allen Teilen einer Kartoffelpflanze vorkommt. Kartoffeln die bei Tageslicht gelagert werden ergrünen, was ein Zeichen erhöhter Solaningehalte ist. Aus diesem Grunde sollte man Kartoffelschalen und grüne Kartoffeln nicht in größeren Mengen für die Ernährung oder Fütterung verwenden. Der Solaningehalt von Kartoffeln war früher wesentlich höher als heute. Modernere Kartoffelsorten weisen einen Solaningehalt von 3 bis 7 mg/100 g in der Schale auf, der Gehalt im Kartoffelkörper ist wesentlich geringer. Wenngleich die Dosis von 200 mg, bei der erste Vergiftungserscheinungen bei erwachsenen Menschen auftreten können dem Genuss von mehr als 25 Kilogramm ungeschälter roher Kartoffeln entspricht, sollte man Kleinkinder und geschwächte Personen vom Verzehr auch kleiner Mengen ergrünter Kartoffeln fernhalten. Durch Lagerung im Dunkeln, Schälung und Zubereitung wird der Gehalt an Solanin reduziert bzw. abgebaut. Die erhältlichen Kartoffelsorten haben unter den üblichen Bedingungen keinen gesundheitlich bedenklichen Glycoalkaloid-Gehalt.[38] Das gilt jedoch nicht unbedingt für ältere Sorten.
Neben Solanin enthalten grüne Knollen und Keimlinge Chaconin und Leptine.
Regionale Namen [Bearbeiten]

Es haben sich zahlreiche Regionalnamen für die Kartoffel entwickelt, darunter Arber, Ärpel, Bramburi (im Norden Niederösterreichs, vermutlich aus dem tschechischen von Lilek brambor abgeleitet), Erdapfel (Erdtoffel), Erdbirn, Flezbirn, Grübling, Grundbirn, Knulle (im Süden von Brandenburg), Krumbiir, Krumbeer, Nudel, Schucke, Bulwe, Kästen und Erpfel. Im Plattdeutschen wird sie Tüfte, Tüffel oder Pipper genannt. In Franken verwendet man noch vereinzelt die Bezeichnung Potacken oder, näher an der Aussprache, Bodaggn. In Teilen von Rheinland-Pfalz (hauptsächlich der Pfalz) und dem Saarland nennt man die Kartoffeln Grumbeere oder Grumbiere, so auch in den benachbarten Nordelsass, der Kurpfalz und Nordbaden. In Luxemburg sagt man Gromper; in Trier wird Gromper aber eher als Krumpa ausgesprochen. Dafür wird in Schwaben das ähnliche Wort Grombiera verwendet (Herleitung: grom, ähnlich Krume oder Boden, und biera, ähnlich Beere(n), zusammen also Erdfrucht). Im österreichischen Deutsch heißen sie Erdäpfel (Alemannisch Härdöpfel, Berndeutsch Härdöpfu), im Salzburger Lungau sagt man Eachtling dazu. Auf Grund unterschiedlicher Dialektvarianten können die Namen bereits von Ort zu Ort wechseln: Ebbiera und im Nachbarort heißen die Kartoffeln schon: Eaberra.
Der Wortstamm Grumbier hat sich auch in den südslawischen Sprachen verbreitet: auf serbokroatisch heißt die Kartoffel Krumpir.
Ähnlich ist Kumpir, ein türkisches Fastfood-Gericht, es besteht vor allem aus großen Kartoffeln.
Im Russischen und Polnischen wurde dagegen ?Kartoffel? als Fremdwort übernommen, wobei in Polen auch der Begriff ziemniak (Erdling) verbreitet ist. Der tschechische Begriff brambor leitet sich von Braniborsko (Brandenburg) ab, von wo aus die Kartoffel einst nach Böhmen eingeführt wurde.
Siehe auch [Bearbeiten]

Liste von Kartoffelsorten
Kartoffelroder
Kulturgeschichte der Kartoffel
Literatur [Bearbeiten]

Horst Eichhorn (Hrsg.): Landtechnik. 7. Auflage. S. 357 ff., Ulmer, Stuttgart 1952, 1999, ISBN 3-8001-1086-5
Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau. 7. Auflage. S. 219 ff., 283 f., Ulmer, Stuttgart 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6
FAO: INTERNATIONAL YEAR OF THE POTATO 2008: New light on a hidden treasure. Rom 2009, ISBN 978-92-5-306142-8 (formal falsche ISBN). online verfügbar
Einzelnachweise [Bearbeiten]

? James A. Duke: Solanum tuberosum L. In: Handbook of Energy Crops. 1983, unveröffentlicht.
? a b W. Troll: Praktische Einführung in die Pflanzenmorphologie. Erster Teil. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1954, S. 226-230. (ohne ISBN)
? ?Potato Genome Sequence is the cover story in the journal Nature?. Potato Genome Sequencing Consortium, 10. Juli 2011.
? Chloe McIvor: All eyes on the potato genome. Nature, 10. Juli 2011.
? a b David M. Spooner, Karen McLean, Gavin Ramsay, Robbie Waugh, und Glenn J. Bryan: A single domestication for potato based on multilocus amplified fragment length polymorphism genotyping. In: Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America. Volume 102, 2005. Seiten 14694-14699. doi:10.1073/pnas.0507400102
? Centro Internacional de la Papa: Papas nativas poseen ventajas comparativas que deben ser aprovechadas (2006)
? Jos. A. Massard: 300 Jahre Kartoffel in Luxemburg: (I) Europa entdeckt die Kartoffel. (II) Grundbirne, Grompir, Gromper: die Kartoffel erobert Luxemburg. (III) Die Kartoffel in Luxemburg im 19. Jh. Lëtzebuerger Journal 2009, [I] Nr. 15 (22. Jan.): 23; Nr.16 (23. Jan.): 10, Nr. 17 (24./25. Jan.): 11; [II] Nr. 18 (27. Jan.): 23, Nr. 19 (28. Jan.): 21; [III] Nr. 20 (29. Jan.): 9, Nr. 21 (30. Jan.): 21. Text mit Referenzen.
? Erster feldmäßige Kartoffelanbau in Bayern. historisches-franken.de, abgerufen am 27. Mai 2007.
? Honorius Philoponus [= Pseudonym von Caspar Plautz], Nova Typis Transacta Navigatio. Novi Orbis Indiae Occidentalis ..., [Linz] 1621.
? Lungauer Eachtling
? Statistik der FAO
? Henke, Detlef: Kartoffel-Anbau-Rangliste der Bundesländer basierend auf den Daten des Statistischem Bundesamtes(Daten Juni 2009)
? AGLW Water Management Group: Crop Water Management - Potato. FAO. Online Resource, abgerufen am 13. Juni 2007.
? Landwirtschaft MLR Baden-Wuerttemberg
? Landwirtschaft.Sachsen.de, Seite 37
? Bodo Frahm, BGJ Agrarwirtschaft, 4. Auflage, Ulmer, Stuttgart, 1980, 1991, ISBN 3-8001-1049-0, S. 459
? Anbauhinweise der Landwirtschaftskammer NRW
? CIP-Forschung
? Beukema, van der Zaag: Introduction to Potato Production. Pudoc Wageningen 1990
? Paul M. Harris: The potato crop. Chapman and Hall 1992
? United Nations Declaration gefunden am 29. Februar 2008
? Launching of the International Year gefunden am 29. Februar 2008
? IYP concept gefunden am 29. Februar 2008
? Die Kartoffelchance 1999
? Kartoffel-Sondermarke
? Sorte Marabel
? Umfangreiche Beschreibungen der Kartoffelkrankheiten
? oekolandbau.de
? Toffi KISS-Projekt, begleitende Webseite zur Ausstellung über die Kartoffel, Wilfried Ahrens, Fachhochschule Weihenstephan
? Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2007. Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup 2008; Zahlen für Deutschland 2005/6 (in 1000 t): Inlandsverwendung insgesamt: 9687; Saatgut 602; Futter: 108; Verluste: 287; Verwendung für Stärkeherstellung: 2964 (ergibt 710 kt Stärke); Verwendung für Alkoholherstellung: 156 (ergibt 177 khl Alkohol); Nahrungsverbrauch: 5572
? Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass?. In: Südkurier vom 23. März 2011
? Zahlen und Daten zur deutschen Stärkeindustrie. Angaben vom Fachverband der Stärke-Industrie e. V.
? www.bioSicherheit.de: Gv-Stärkekartoffel als Nachwachsender Rohstoff: Amflora - eine Kartoffel für die Industrie. Abgerufen am 8. April 2009.
? Fraunhofer-Gesellschaft: Turbo-Züchtung schafft Super-Kartoffel, Presseinformation vom 8. Dezember 2009
? a b Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.): Die Kartoffel. (PDF)
? G. Reineccius: Sourcebook of Flavors. 2. Auflage. Springer 1993. ISBN 978-0-8342-1307-4. S. 362
? Souci/Fachmann/Kraut. Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, 5. Auflage, 1994.
? Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Solanin (Glycoalkaloide) in Kartoffeln
Weblinks [Bearbeiten]

Commons: Kartoffel ? Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kartoffel ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks: Kochbuch, Gerichte mit Kartoffeln ? Lern- und Lehrmaterialien
Wikiquote: Kartoffel ? Zitate
Kartoffelsortenliste des deutschen Bundessortenamts (2007) (PDF-Datei; 303 kB)
International Potato Center/Centro Internacional de la Papa (Internationales Kartoffelforschungszentrum, englisch/spanisch)
Encyclopedia of Life: umfassende Informationen zur Pflanze (englisch)
United Nations International Year of the Potato 2008 (englisch)
Dieser Artikel wurde in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
Einklappen
Gemüse des Jahres in Deutschland
***bohne (1999) | Gartenmelde (2000) | Tomate (2001) | Flaschenkürbis (2002) | Kartoffel (2003) | Körnerbohne (2004) | Zichorie (2005) | Kopfkohl (2006) | Gartensalat (2007?2008) | Erbse (2009?2010) | Pastinaken (2011?2012)

Kategorien: Wikipedia:LesenswertKartoffelNachtschattenNutzpflanze
Anmelden / Benutzerkonto erstellenArtikelDiskussionLesenQuelltext anzeigenVersionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel
Mitmachen
Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen
?????
Afrikaans
Alemannisch
????
Aragonés
Ænglisc
???????
????
???????
Asturianu
Aymar aru
Az?rbaycanca
?????????
Boarisch
?emait??ka
??????????
??????????? (???????????)?
?????????
?????
???????
Brezhoneg
Bosanski
Català
Cebuano
?????
Corsu
?esky
Kaszëbsczi
Cymraeg
Dansk
Zazaki
Dolnoserbski
????????
English
Esperanto
Español
Eesti
Euskara
?????
Fulfulde
Suomi
Français
Frysk
Gaeilge
??
Gàidhlig
Galego
???????
Gaelg
?????
??????
Hrvatski
Hornjoserbsce
Kreyòl ayisyen
Magyar
???????
Bahasa Indonesia
Iñupiak
Ido
Íslenska
Italiano
???
Basa Jawa
???????
Qaraqalpaqsha
???????
?????
???
????? ????
????????-???????
????? - ?????
Ripoarisch
Kurdî
????
Latina
Lëtzebuergesch
?????
Lumbaart
Lietuvi?
Latvie?u
Basa Banyumasan
???????
Malagasy
??????????
??????
??????
?????
????? ????
Bahasa Melayu
N?huatl
Nnapulitano
Plattdüütsch
Nedersaksisch
??????
????? ????
Nederlands
?Norsk (nynorsk)?
?Norsk (bokmål)?
Diné bizaad
Occitan
????
Kapampangan
Picard
Pälzisch
Polski
??????
Português
Runa Simi
Kirundi
Român?
???????
??????????
Kinyarwanda
?????????
???? ????
Sardu
Sicilianu
Scots
Sámegiella
Srpskohrvatski / ??????????????
Simple English
Sloven?ina
Sloven??ina
Gagana Samoa
chiShona
Shqip
?????? / Srpski
Seeltersk
Basa Sunda
Svenska
Kiswahili
?l?nski
?????
??????
???
Tagalog
lea faka-Tonga
Türkçe
??????????
????
Ti?ng Vi?t
West-Vlams
Walon
Winaray
??
??????
??
Bân-lâm-gú
??
isiZulu
Diese Seite wurde zuletzt am 27. März 2012 um 07:30 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

Antworten
Zitieren
Antwort abonnieren
laura01
07.04.12 um 10:02
Avatar von laura01

Re: Brauchst du Credits?

Zitat von laura01
Zitat von laura01die Kartoffel (Solanum tuberosum), in Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auch als Erdapfel (Herdöpfel) oder Grundbirne (Grumbeer) und im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt, ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch Tomate, Paprika und Tabak gehören. Das Wort Kartoffel leitet sich von tartufolo, dem italienischen Wort für Trüffel ab, das wiederum vom lateinischen "terrae tuber" abgeleitet ist. Der Name der Süßkartoffel (Ipomoea batatas) leitet sich von der ähnlichen Verwendung und dem ähnlichen Aussehen der Knollen ab, nicht von einer Verwandtschaft. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ?Kartoffel? für die unterirdischen Knollen verwendet. Über diese Knollen kann sich die Pflanze vegetativ vermehren.
Die Samen werden in tomatenähnlichen Beeren gebildet, welche wie alle grünen Teile der Pflanze und die Keime der Knolle für Menschen ungenießbar bis leicht giftig sind.
Weltweit werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Die Kartoffel ist das viertwichtigste Nahrungsmittel der Welt; daneben aber auch Futtermittel und Industrierohstoff.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Beschreibung
1.1 Genom
2 Herkunft
2.1 Ursprüngliche Herkunft
2.2 Kultivierung
3 Systematik
4 Kartoffelanbau
4.1 Wirtschaftliche Bedeutung
4.2 Anbaubedingungen
4.3 Europa
4.4 Anbau weltweit
4.5 Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008
5 Kartoffelsorten
5.1 Reifezeit
5.2 Verwendungszweck
5.3 weitere Unterscheidungskriterien
6 Wichtige Krankheiten und Schädlinge
6.1 Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze
6.2 Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.3 Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten
6.4 Insekten (Insecta)
6.5 Asseln
6.6 Fadenwürmer (Nematoda)
7 Lagerung
8 Verwendung
8.1 Futterkartoffel
8.2 Stärkekartoffel
8.3 Biotechnologie
8.4 Volksmedizin
9 Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten
9.1 Alkaloide in Kartoffeln
10 Regionale Namen
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Einzelnachweise
14 Weblinks
Beschreibung [Bearbeiten]



Unterer Teil einer Pflanze. Die Mutterknolle ist dunkel gezeichnet.


Früchte der Kartoffelpflanze
Kartoffeln sind aufrecht oder kletternd wachsende, krautige Pflanzen, die über 1 m hoch werden können. Die Sprossachse ist manchmal vierkantig, teilweise sogar geflügelt. Unterirdisch oder knapp über der Oberfläche bildet die Pflanze knollentragende Stolone aus.
Die wechselständig stehenden Blätter sind unpaarig gefiedert, kurzstielig und werden 10 bis 30 cm lang und 5 bis 15 cm breit. Die Teilblätter sind leicht bis stark behaart, stehen sich gegenüber oder sind wechselständig, oft von unterschiedlichster Form und Größe. Die größeren Teilblätter besitzen zum Teil eigene Blattstiele, sind zwischen 2 bis 10 cm lang und 1 bis 6 cm breit. Sie sind eiförmig bis länglich-eiförmig, an der Spitze zugespitzt bis stark zugespitzt. Die kleineren Teilblätter besitzen eine stumpfere Spitze, mit einer eher herzförmigen Basis, meist eiförmig bis kugelförmig und besitzen einen Durchmesser von 2 bis 15 mm.
Die Blüten stehen in trugdoldenförmigen Blütenständen. Die Blütenstandstiele sind 5 bis 15 cm lang und behaart, die Blütenstiele sind ebenfalls behaart und 3 bis 35 mm lang. Der Blütenkelch ist glockenförmig, 5-lappig und hat einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm. Die Kelchlappen sind spitz bis stark zugespitzt. Die Kronblätter sind weiß bis blau, die Krone ist doppelt so lang wie der Kelch und hat einen Durchmesser von 3,5 bis 4 cm. Die gelben Antheren stehen frei, aufrecht und porig. Die Frucht ist eine gelblich-grüne, zweikammerige Beere mit vielen Samen.[1]
Die Keimung erfolgt epigäisch. Am Beginn treten nur die Wurzelanlage und das Hypokotyl aus der Samenschale hervor, während die Keimblätter zunächst noch in ihr verbleiben. Erst später verlassen auch sie die Samenschale, ergrünen und werden zu den ersten Assimilationsorganen. Die zunächst gebildeten Primärblätter sind noch einfacher gebaut als die später gefiederten Folgeblätter.[2]
An den basalen Teilen des Sprosses treiben Achselknospen aus, die in den Boden eindringen und dort waagrecht (plagiotrop) ausläuferartig weiterwachsen und zu den Stolonen werden. Anstatt Laubblättern tragen sie Schuppenblätter. Die Enden dieser Ausläufer verdicken sich und wandeln sich in die Knollen um. Es handelt sich hierbei um ein primäres Dickenwachstum. Es sind also Sprossknollen. Die Knolle besitzt nur kleine, schuppenartige Blätter, die jedoch hinfällig sind, also früh abfallen. In den Achseln der Blattnarben sitzen die Knospen (hier Augen genannt), aus denen die Knolle nach der Ruhephase wieder austreibt. Die Knolle ist polar differenziert: Die Basis, das der Mutterpflanze zugewendete Ende, wird Nabelende genannt. Es ist die Ansatzstelle des Ausläufers, der nach Reifung der Knolle zugrunde geht. An der Spitze sitzt die Endknospe in einer grubenartigen Vertiefung. Beim Wiederaustrieb wächst bevorzugt die Endknospe aus, die dann senkrecht (orthotrop) wachsend einen Luftspross bildet.[2]
In den grünen Pflanzenteilen der Kartoffel konzentrieren sich Alkaloide, unter anderen Solanin, die eine natürliche Abwehrbarriere zum Beispiel gegen Bakterien und Insekten bilden. Aus diesem Grund sind Kartoffeln, die im Licht gelagert grün geworden sind, nicht mehr genießbar.

Blatt



Habitus



Kartoffelknollen



Junge Knolle am Stolon



Blüten

Genom [Bearbeiten]
Das Potato Genome Sequencing Consortium, ein Team aus 29 Forschungsgruppen aus 14 Ländern, begann im Januar 2006 mit der Arbeit an der Sequenzierung. Am 10. Juli 2011 wurde das Genom der Kartoffel in Nature veröffentlicht. Es enthält mehr als 39.000 Protein-kodierende Gene. Die Kartoffel hat 12 Chromosome. Einige Sorten sind tetraploid und andere diploid. Die Sequenzierung des Genoms soll es Züchtern ermöglichen, Ertrag, Qualität, Nährwert und Krankheitsresistenz zu verbessern. Auch soll die Zeit zur Kreation neuer Sorten (derzeit 10-12 Jahre) verkürzt werden. Die wichtigste Entdeckung sind über 800 Krankheitsresistenzgene, von denen jedes potenziell zur Bekämpfung wichtiger Krankheiten wie Goldnematoden oder Kartoffelfäule eingesetzt werden kann.[3][4]
Herkunft [Bearbeiten]

Ursprüngliche Herkunft [Bearbeiten]
Die heute kultivierten Kartoffeln stammen von verschiedenen Landsorten ab, die in den Anden vom westlichen Venezuela bis nach Argentinien und der Insel Chiloé bzw. dem Chonos-Archipel im Süden von Chile vorkommen. Auf Chiloé fand man die ältesten bekannten Spuren von wilden Kartoffeln, man schätzt ihr Alter auf 13.000 Jahre. Die chilenischen Landsorten stammen ihrerseits jedoch vermutlich von den peruanischen Andensorten (Solanum tuberosum ssp. andigena) ab, wahrscheinlich nach Hybridisierung mit der Wildart Solanum tarijense, die in Bolivien und Argentinien zu finden ist.[5] In dem lange Zeit als Ursprungsland der Kartoffel angesehenen Peru gibt es wiederum mehr als 3.000 endemische Kartoffelsorten. Die meisten können nur in den peruanischen Anden angebaut werden, weil sie aufgrund ihrer geologischen und klimatischen Ansprüche in anderen Weltgegenden nicht gedeihen.[6] Der Haup***rschied der Andenkartoffel zu den in anderen Anbaugebieten kultivierten Sorten besteht darin, dass sie an andere Lichtverhältnisse (Tag- und Nachtzyklus) angepasst ist.
Kultivierung [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Kulturgeschichte der Kartoffel


Kartoffelanbau, ca. 1910, Russisches Kaiserreich


Kartoffelernte in der DDR
Wann, wie und durch wen die Kartoffel nach Europa kam, ist bis heute nicht genau geklärt. Auf ihrem Weg von Südamerika nach Spanien machte die Kartoffel Zwischenstation auf den (spanischen) Kanarischen Inseln. Dies ist bekannt, weil im November 1567 drei Fässer, die Kartoffeln, Orangen und grüne Zitronen enthielten, von Gran Canaria nach Antwerpen, und im Jahre 1574 zwei Fässer mit Kartoffeln von Teneriffa via Gran Canaria nach Rouen verschifft wurden. Geht man davon aus, dass mindestens fünf Jahre nötig waren, um so viele Kartoffeln zu erhalten, dass sie zum Exportartikel werden konnten, so fand die Einbürgerung der Pflanze auf den Kanaren spätestens 1562 statt.
Der früheste Beleg für die Kartoffel in Spanien findet sich in den Büchern des Hospital de la Sangre in Sevilla, das im Jahre 1573 Kartoffeln eingekauft hat. Man nimmt an, dass die Kartoffel Spanien frühestens 1564/65 und spätestens 1570 erreicht hat, da ansonsten der Botaniker Clusius, der das Land 1564 auf der Suche nach neuen Pflanzen bereiste, sie wohl bemerkt hätte. Von Spanien aus gelangte die Kartoffel nach Italien und breitete sich dann langsam auf dem europäischen Festland aus.
Auf die britischen Inseln soll die Kartoffel ohne den Umweg über Spanien gelangt sein. Wer die Kartoffel dorthin gebracht hat, ist nicht geklärt. Francis Drake war es jedenfalls nicht, wahrscheinlich auch nicht Walter Raleigh oder Thomas Harriot, Namen, die immer wieder in diesem Zusammenhang genannt werden. Erstmals belegt ist die Kartoffel in England im 1596 in London erschienenen Katalog der Pflanzen, die der Botaniker John Gerard in seinem Garten in Holborn züchtete.[7]
Nach Europa wurde die Kartoffel vielfach wegen der schönen Blüte und des üppigen Laubes als reine Zierpflanze importiert und als seltene Pflanze in botanische Gärten aufgenommen. Mitte des 16. Jahrhunderts tauchte sie in den Niederlanden, in Italien und in Burgund auf.
In Deutschland sollen die ersten Kartoffeln während der Regierung Ferdinand III. 1647 in Pilgramsreuth (Oberfranken) angebaut worden sein.[8] Im Kloster Seitenstetten in Niederösterreich verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz ein Kochbuch mit Kartoffelrezepten, das bereits 1621 in Linz erschien.[9] Der Anbau in großem Stil begann 1684 in Lancashire, 1716 in Sachsen, 1728 in Schottland, 1738 in Preußen und 1783 in Frankreich.
Außerhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen wird die Kartoffel heute weltweit angebaut. Nachdem sich ihre Kultur in Europa durchgesetzt hatte und die Kartoffel zu einem Grundnahrungsmittel geworden war, brachten Europäer sie überall mit, wo sie später Fuß fassten. Im Einzelhandel werden heute neben den einheimischen Kartoffeln auch solche aus Sizilien, von den Kanarischen Inseln, aus Ägypten oder aus Südafrika angeboten. Auf Teneriffa oder auf Madeira wachsen Kartoffeln unter Palmen und neben Bananengärten. Dort sind zwei Ernten im Jahr möglich, der Export erfolgt vornehmlich in die Staaten der Europäischen Union. Aus Gründen des Ertrags werden Kartoffeln im Alpenraum nur noch selten bis auf 2.000 Meter Höhe angebaut. Eine dieser Anbauinseln ist der Lungau (Österreich), wo unter der Bezeichnung "Lungauer Eachtling" auf 150 ha verschiedene Sorten angebaut werden[10].
Systematik [Bearbeiten]

Solanum tuberosum wird innerhalb der Gattung der Nachtschatten (Solanum) in die Sektion Petota eingeordnet. Zu dieser Sektion gehören schätzungsweise 190 Arten, von denen viele Wildarten sind, die ebenfalls knollentragend sind. Zudem existiert eine große Anzahl an südamerikanischen Landsorten, die zum Teil mit zu Solanum tuberosum gerechnet werden, andererseits jedoch auch in bis zu 21 eigene Arten aufgeteilt werden. Die nächsten wilden Verwandten der kultivierten Kartoffel werden im Solanum brevicaule-Komplex zusammengefasst. Aufgrund phylogenetischer Untersuchungen konnte die Herkunft der südamerikanischen Landsorten und damit auch der kultivierten Kartoffel auf die südperuanische Art Solanum bukasovii aus dem Solanum brevicaule-Komplex zurückgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung widerlegten damit die These, dass die kultivierten Kartoffeln mehrere Ursprünge besitzen.[5]
Kartoffelanbau [Bearbeiten]

Wirtschaftliche Bedeutung [Bearbeiten]


73 % der Welternte von Kartoffeln wird von 12 Staaten erbracht
Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO [11] betrug im Jahr 2005 die Weltproduktion 322 Millionen Tonnen Kartoffeln.
Die führenden Anbauländer sind: (Produktion in Millionen Tonnen)
Land 1990 2000 2009 Ertrag 2009 (t/ha)
China 32 66 69 14,5
Indien 15 25 34 18,8
Russland 34 31 36 14,3
Ukraine 20 20 13,9
Vereinigte Staaten 18 23 20 46,3
Deutschland 14 12 11 44,1
Polen 36 24 10 19,9
In Deutschland nahm die Anbaufläche in den vergangenen Jahren stark ab. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die bundesweite Anbaufläche bei rund 267.400 Hektar Kartoffeln. 1990 waren es noch 548.000 Hektar. Niedersachsen liegt mit insgesamt 114.100 Hektar an der Spitze der Bundesländer. Auf dem zweiten Platz kommt Bayern mit 52.700 Hektar[12]. Die Erntemenge stieg 2004 auf 12,6 Millionen Tonnen, gegenüber 9,2 Millionen Tonnen im Vorjahr. Deutschland ist zudem wichtigstes Importland für Frühkartoffeln, die überwiegend aus Frankreich, Italien und Ägypten kommen. Wichtige Exportländer sind neben Frankreich die Beneluxstaaten und für Kartoffelprodukte auch Deutschland. Der Selbstversorgungsgrad betrug 2001 in Deutschland rund 108 %.
Marktversorgung von Speisefrühkartoffeln 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Ernte in Tonnen 559.000 468.000 486.000 453.000 514.000 477.000 447.000 508.000
Importe in Tonnen 107.000 130.000 118.000 112.000 146.000 95.000 136.000 121.000
Quelle: Statistisches Bundesamt
Anbaubedingungen [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Maine, USA


Kartoffelfeld von Gut Böckel in Rödinghausen
Unter guten Anbaubedingungen können von einem Hektar Ackerland in subtropischen Gebieten zwischen 25 und 35 Tonnen geerntet werden, im tropischen Klima erreichen die Ernten 15 bis 25 Tonnen je Hektar.
Für kultivierte Kartoffeln liegen die optimalen Temperaturbedingungen bei einem Tagesmittel zwischen 18 und 20 °C. Um die Knollenbildung zu fördern, ist eine Maximalnachttemperatur von 15 °C erforderlich, für das Knollenwachstum ist eine Bodentemperatur von 15 bis 18 °C optimal. Sinken die Temperaturen unter 10 oder steigen sie über 30 °C, stellt die Pflanze das Wachstum nahezu ein.
Kultivierte Kartoffeln werden in frühe (90 bis 120 Tage), mittlere (120 bis 150 Tage) und späte (150 bis 180 Tage) Sorten unterteilt. Wird bei zu kalten Temperaturen gepflanzt, können sich diese Angaben jedoch noch erhöhen. Zum erfolgreichen Anbau früher Kartoffelsorten ist ein Langtag von 15 bis 17 Stunden erforderlich, spätreifende Sorten erzielen sowohl unter Kurztags- als auch Langtagsbedingungen gute Ernten. Siehe dazu Photoperiodismus.
Um die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen zu unterbinden, wird empfohlen, ein Feld nur alle drei Jahre mit Kartoffeln zu bestellen. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 5 und 6 liegen, der Bedarf an Nährstoffen liegt bei 80 bis 120 kg Stickstoff je Hektar, 50 bis 80 kg Phosphor je Hektar und 125 bis 160 kg Kalium je Hektar. Der beste Ertrag für Sorten mit einer Reifezeit von 120 bis 150 Tagen wird bei einer Wassermenge von 500 bis 700 mm jährlichem Niederschlag erreicht.[13]. In Deutschland liegen die Erträge meist bei 30 bis 50 Tonnen je Hektar Anbaufläche[14]. Bei einzelnen Stärkekartoffelsorten wird bei Einsatz gezielter Bewässerung über 80 Tonnen Ertrag je Hektar berichtet[15].
Europa [Bearbeiten]


Kartoffelfeld in Nakkila (Finnland)
Die Vorbereitung des Ackers auf den Anbau von Kartoffeln beginnt in der Regel mit einer wendenden Grundbodenbearbeitung durch Pflügen entweder im vorhergehenden Herbst, um vor allem bei schweren Böden den Effekt der Frostgare auszunutzen, oder im Frühjahr. Bei Herbstpflugfurche erfolgt im Frühjahr nochmals eine lockernde Bodenbearbeitung durch nichtwendende Geräte auf rund 15 cm Tiefe. Das Pflanzbett sollte abgesetzt, feinkrümelig, klutenfrei und trocken sein, um den Legevorgang der Pflanzkartoffeln, den Dammaufbau, etwaige mechanische Pflegemaßnahmen und die Ernte zu erleichtern. Der Boden sollte einen guten Luft-, Wasser- und Wärmeaustausch ermöglichen. Flache, große und zusammenhängende Flächen mit feinen, sandigen Böden ohne Steine eignen sich besonders für den Kartoffelanbau. Zudem sind Gebiete mit geringerer Luftfeuchtigkeit, z. B. in trockeneren Regionen oder in höheren Lagen wegen des reduzierten Krankheitsrisikos besonders interessant für den Kartoffelanbau. Die Kartoffeln werden in allen Systemen in Dämmen angebaut, was dem vorher erwähnten Anspruch an den Boden entgegenkommt. Die Pflanzendichte und -anordnung im Feld (Reihen- und Pflanzenabstände) sind abhängig vom Nutzungszweck: Größere Bestandsdichten sind typisch für die Erzeugung von Pflanzgut und haben kleinere Knollen zur Folge. Beim Anbau der Kartoffeln für Nahrungszwecke sind die Bestandesdichten geringer und die Knollen größer. Angestrebt werden zum Beispiel beim Anbau für Speisezwecke zwischen 40.000 bis 45.000 Pflanzen je Hektar, zur Erzeugung von Pflanzkartoffeln aber rund 60.000 Pflanzen je Hektar. Teils werden Kartoffeln rund zwei Monate vor der Pflanzung vorgekeimt, um einen frühen Reihenschluss sicherzustellen.
Das Setzen der Pflanzkartoffeln erfolgt durch spezielle Legemaschinen, welche die Knollen in eine Tiefe von 8 bis 10 cm setzen und anschließend den Boden wieder in Dammform schließen. Der Abstand der Reihen beträgt zwischen 60 bis 90 cm; in Hinblick auf Spurweiten und Reifenbreiten der verwendeten Maschinen ist in Deutschland ein Reihenabstand von 75 cm gebräuchlich. Der Abstand der Pflanzen zueinander in der Reihe variiert je nach angestrebter Bestandesdichte zwischen 25 und 40 cm.[16]
Die Unkrautregulierung kann durch mechanische Bekämpfungsmaßnahmen, thermische Verfahren, dem Einsatz von Herbiziden oder durch Kombinationen dieser Bekämpfungsmet*** erfolgen. Im konventionellen Landbau ist die Unkrautbekämpfung durch Herbizide üblich[17], im ökologischen Landbau hingegen werden mechanische oder thermische Verfahren eingesetzt. Die mechanische Unkrautbekämpfung kann mit folgenden Geräten betrieben werden: Hackgerät mit Gänsefußschar, Vielfachgerät, Rollsternhacke, Netzegge, Dammformer, Dammfräse, Dammstriegel oder gewöhnlicher Striegel. Ziel der mechanischen Bekämpfung ist es, dass das keimende Unkraut aus dem Boden gelöst wird und dadurch in der Sonne verdorrt. Diese Maßnahme muss bei entsprechendem Auflauf von Unkräutern so oft wie nötig wiederholt werden, bis die Kartoffelstauden den Boden vollständig abdecken.
Am Ende der Vegetationszeit stirbt das Kraut ab. Es wird verbreitet auch abgetötet, wenn die Knollen genügend groß sind, um das Wachstum bei der optimalen Knollenbeschaffenheit zu unterbrechen, die Erntefähigkeit durch Lösen der Knollen von den Stolonen und Festigung der Schalen herbeizuführen und die Ansteckung der Knollen durch Krankheiten zu verhindern. Für diese Abreifebehandlung gibt es verschiedene Met***, welche vom Anbausystem abhängig sein können. Dazu gehören das mechanische Zerstören der oberirdischen Pflanzenteile durch Abschlegeln oder der Einsatz von Herbiziden (Sikkation).
Anbau weltweit [Bearbeiten]


Chuños, Kartoffeln, die nach traditionellem Verfahren in Peru und Bolivien im Boden gefriergetrocknet konserviert werden


Kartoffelernte in Indonesien
Dank der großen Anpassungsfähigkeit der Kartoffel wird diese heutzutage praktisch auf der ganzen Welt angebaut. Während der Anbau in entwickelten Ländern über die letzten zwei Jahrzehnte tendenziell abgenommen hat, war in Drittweltländern eine Zunahme zu beobachten, am deutlichsten in Asien. Diese Zunahme beruht sowohl auf der Ausdehnung der Anbauflächen wie auf der einfachen Einbeziehung der Kartoffel in bestehende Anbausysteme: Die Entwicklung von früh reifenden Sorten mit einer Vegetationszeit von 80 bis 100 Tagen erlaubt es z. B. in Indien, die Anbaupause zwischen Reis- und Weizenanbau ideal zu nutzen.
Die Anbautechniken in der Dritten Welt sind sehr unterschiedlich, je nach Wachstums- und Marktbedingungen. In den Anden, Zentralafrika und dem Himalaja werden Kartoffeln hauptsächlich von kleinen Subsistenzbetrieben von Hand angebaut. Ansonsten ist der Anbau in den meisten Regionen stark mechanisiert worden.
Anbaubeispiel Afrika ? Äthiopien
In Äthiopien werden Kartoffeln hauptsächlich in Rotations- und Mischanbau (?multicropping?)-Systemen während der großen Regenzeit angebaut. Die Saatbettbereitung wird vor der Regenzeit durchgeführt, meist ein bis zwei Monate vor dem Pflanzen. In vielen Regionen ist diese Feldbestellung noch mit Handarbeit oder mit Hilfe von Ochsen verbunden. Als Pflanzgut werden hauptsächlich ganze Knollen verwendet, da diese weniger anfällig auf Krankheiten sind und chemische Pflanzenschutzmittel kaum verwendet werden. Auch die Unkrautkontrolle wird hauptsächlich von Hand erledigt.
Anbaubeispiel Eurasien ? Indien
Die Großzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Indien sind kleine Familienbetriebe. Die Kartoffelproduktion erfolgt während des Monsuns von Juli bis September, wie auch im Winter, allerdings nur bei Bewässerung. Je nach Region sind Rotationen von Mais-Kartoffel-Weizen bzw. mit Reis oder Jute üblich.
Anbaubeispiel Amerika ? Peru
Peru liegt im Ursprungsgebiet der Kartoffel und noch heute gibt es viele wilde Sorten. Seit ungefähr 7.000 Jahren werden Kartoffeln angebaut und stellten lange Zeit das Hauptnahrungsmittel der Menschen dar. Der Hauptanteil der Kartoffelernte wird von Kleinbauern mit weniger als 3 ha Anbaufläche produziert. Grundsätzlich ist der Kartoffelanbau in zwei Zyklen aufgeteilt: das ?frühe Pflanzen? und das ?große Pflanzen?. Je nach Gegend sind die beiden Zyklen unterschiedlich wichtig. In der Fruchtfolge folgen auf Kartoffeln zuerst meist andere südamerikanische Wurzel- oder Knollenfrüchte und danach Quinoa oder Gerste. [18][19][20]
Das Internationale Jahr der Kartoffel 2008 [Bearbeiten]
Einer Deklaration der UN-Generalversammlung vom November 2005 folgend[21], wurde am 18. Oktober 2007 in New York das Jahr 2008 als das Internationale Jahr der Kartoffel von den Vereinten Nationen eingeführt.[22]
Die Mission des Internationalen Jahrs der Kartoffel ist, das Bewusstsein für die Bedeutung der Kartoffel als Nahrungsmittel in den Entwicklungsländern zu steigern, Forschung und Entwicklung von kartoffelbasierten Systemen zu fördern und damit zum Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen beizutragen.[23] Die Kartoffel hat ein erhebliches Potenzial, bei der Bekämpfung der Unterernährung beizutragen.[24]
Aus Anlass des Jahrs der Kartoffel gab die Schweizerische Post zudem am 4. März 2008 eine Sonderbriefmarke[25] im Wert von 85 Rappen heraus.
Kartoffelsorten [Bearbeiten]



Kartoffel Atlanta


Verschiedene Kartoffelsorten auf einem Markt
Weltweit gibt es rund 5000 Kartoffelsorten. Diese sind aufgrund der vielen verschiedenen Verwendungszwecke und der geographisch weit auseinander liegenden Anbaugebiete gezüchtet worden. Zudem werden ständig weitere Sorten entwickelt. Die weltweit größte Gendatenbank mit zirka 100 wilden und 3800 in den Anden traditionell kultivierten Kartoffelsorten unterhält das internationale Kartoffelinstitut mit Sitz in Lima, Peru.
Die verschiedenen Sorten können nach der Reifezeit und dem Verwendungszweck unterschieden werden:
Reifezeit [Bearbeiten]
Dieses Kriterium ist für den Produzenten von großer Wichtigkeit. Die Sortenwahl hängt von den klimatischem Bedingungen und der Dauer der Vegetationsperiode ab. Folgende Kategorien werden unterschieden:
Die frühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 90?110 Tagen auf. Meist kann man sie im Juni-Juli ernten (wenn die Knollen im März-April gepflanzt worden sind). In Küstengebieten, welche schon früher frostfrei sind, ist sogar noch eine frühere Ernte möglich. Damit die frühreife Kartoffel bereits im Juni?Juli geerntet werden kann, muss schon früh die Anlage für die Knollen gebildet werden sowie auch das Wurzelwachstum schnell erfolgen. Dabei wird nicht nur der Ertrag, sondern auch die Stärkeeinlagerung in die Knollen reduziert, da diese verzögert zum Volumenwachstum erfolgt.
Beispiele für die frühreifen Sorten sind: Agata, Amandine, Birte Derby, Frühgold, Lady Christl, Lady Felicia
Die mittelfrühreifen Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 120?140 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrühreifen Sorten sind: Gourmandine, Bintje, Victoria, Ditta, Nicola, Urgenta, Pamela, Naturella, Désirée, Agria, Eden, Allians
Die mittelfrüh-späten Kartoffelsorten weisen eine Vegetationsperiode von 140?160 Tagen auf.
Beispiele für die mittelfrüh-späten Sorten sind: Atlanta, Lady Jo, Lady Claire, Innovator, Lady Rosetta, Marlen, Fontane, Hermes, Eba, Markies, Panda
Verwendungszweck [Bearbeiten]


Kartoffeleimer aus Email, Niederlande
Speisekartoffeln werden nach ihren Kocheigenschaften unterschieden. Nach der Handelsklassenverordnung müssen alle im Handel (auch lose) angebotenen Kartoffeln nach diesen Kocheigenschaften eingeordnet werden. In der EU werden Speisekartoffeln in vier Kochtypen eingeteilt, die mit den Buchstaben A bis D sowie Kombinationen daraus bezeichnet werden. Deutsche Kartoffeln werden darüber hinaus mit einem farbigen Streifen auf der Verpackung gekennzeichnet.
Kartoffel zu Speisezwecken
Festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: A und A-B
Farbkennzeichnung: grün
Sorten: Annabelle, Agata, Amandine, Anais, Belana, Charlotte, Cilena, Ditta, Filea, Hansa, Kipfler, Marabel[26], Linda, Nicola, Primura, Princess, Renate, Selma, Sieglinde, Spunta, Stella, Vitelotte
Form: Länglich bis oval
Konsistenz: fest, feinkörnig, feucht
Kocheigenschaften: Kein Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Bratkartoffeln, Gratins, Kartoffelsalat
Vorwiegend festkochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-A und B
Farbkennzeichnung: rot
Sorten: Agria, Arkula, Astilla, Atica, Bamberger Hörnchen, Bolero, Christa, Colette, Désirée, Finka, Gala, Gloria, Grandifolia, Granola, Hela, Jelly, Laura, Leyla, Maja, Quarta (Kartoffel), Rosara, Saskia, Saturna, Secura, Solara, Satina, Tizia, Ukama
Form: uneinheitlich
Konsistenz: feinkörnig, mäßig feucht
Kocheigenschaften: Geringes Aufspringen
Geschmack: mild bis angenehm kräftig
Gerichte: Salz- und Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Suppen
Mehlig kochende Speisekartoffeln
Kochtypen: B-C und C
Farbkennzeichnung: blau
Sorten: Adretta, Afra, Arkula, Aula, Bintje, Blauer Schwede, Freya, Karat, Karlena, Koretta, Libana, Likaria, Lipsi, Mariella, Melina, Naturella, Schwarzblaue aus dem Frankenwald
Form: uneinheitlich
Konsistenz: grobkörnig, trocken
Kocheigenschaften: häufiges Aufspringen
Geschmack: angenehm kräftig
Gerichte: Eintöpfe, Kartoffelpüree
übrige Kochtypen
Kochtypen: C-D und D
dies sind keine Kochtypen im Sinn der Handelsklassenverordnung
Konsistenz: stark mehlig, trocken
Kocheigenschaften: besonders locker bis zerfallend.
Sorten zur Weiterverarbeitung
Veredlungskartoffel
Pommes frites: Agria, Eba, Fontane, Innovator, Markies, Felsina
Kartoffelchips: Erntestolz, Fontane, Hermes, Lady Claire, Lady Rosetta
Kartoffelflocken: Saturna, Eba
Wirtschaftskartoffel
hoher Stärkegehalt
Futterkartoffel
Pflanzkartoffel
weitere Unterscheidungskriterien [Bearbeiten]


Kartoffeln mit violetter Fleischfarbe (Sorte Salad Blue)


rosa Kartoffeln (Sorte Rote Emmalie)
Stärkegehalt
Schalenfarbe
gelb: Karlena etc.
rot: Rode Eersteling etc.
blau: Blauer Schwede, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Fleischfarbe
weiß: Urgenta etc.
hellgelb: Charlotte, Ostara etc.
gelb: Bernadette, Gala, Donella etc.
blau-violett: Blauer Schwede, Salad Blue, Schwarzblaue aus dem Frankenwald, Vitelotte etc.
Knollenform
lang: Bernadette etc.
oval: Marabel, Donella etc.
kugelrund: Gala, Adretta etc.
nierenförmig
Schalenbeschaffenheit
glatt: Marabel etc.
Kartoffelsorten sind in Deutschland beim Bundessortenamt in Hannover registriert und unterliegen für dreißig Jahre einem Sortenschutz. Dies bedeutet, dass bei Anbau Lizenzabgaben an den jeweiligen Schutzrechtsinhaber fällig werden können. Dadurch kann es zu Konflikten mit Anbietern kommen, etwa wenn etablierte Sorten nach Ablauf der Schutzfrist vom Markt genommen werden ? ein freier Verkauf von Saatgut ist nicht mehr erlaubt (siehe Kartoffelsorte Linda). Die Vermehrung aus eigenen Beständen und der Verkauf zum Verbrauch sind dagegen erlaubt.
In der Schweiz wird die Weiterentwicklung der Kartoffel von den Forschungsstationen Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) und Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) betrieben. Die aktuelle Sortenliste umfasst 31 Sorten.
Wichtige Krankheiten und Schädlinge [Bearbeiten]

Pilzkrankheiten der Kartoffelpflanze [Bearbeiten]
Kartoffelfäule, auch als Kraut- und Knollenfäule bekannt (Phytophthora infestans)
Dürrf***krankheit oder Hartfäule (Alternaria solani)
Weißhosigkeit, Kartoffelpocken, Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani)
Pulverschorf (Spongospora subterranea)
Weißfäule (Kartoffel) (Fusarium coeruleum)
Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum)
Silberschorf (Helminthosporium solani)
Fusarium-Welke (Fusarium oxysporum)
Colletotrichum-Welkekrankheit (Colletotrichum coccodes)
Durch Bakterien hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Schwarzbeinigkeit und Nassfäule (Erwinia carotovora)
Kartoffelschorf (Streptomyces scabies)
Bakterienringfäule (Clavibacter michiganensis subsp. sepedonicus)
Schleimkrankheit (Ralstonia solanacearum)
Durch Viren hervorgerufene Kartoffelkrankheiten [Bearbeiten]
Blattrollkrankheit, verursacht durch Blattrollvirus (Potato leafroll virus, PLRV)
Strichelkrankheit, verursacht durch Y-Virus
Mosaikkrankheiten: (Leichte Mosaik-Krankheit und Kräuselmosaik-Krankheit)
Stängelbuntkrankheit, verursacht durch Tabakmosaikvirus
Eisenfleckigkeit bzw. Tabak-Rattle-Virus (TRV) oder Tabak-Mosaik-Virus (TMV)
Insekten (Insecta) [Bearbeiten]


Von den Larven des Kartoffelkäfers befallene Kartoffelstaude
Saatschnellkäfer (Agrigotes obscurus)
Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)
Blattläuse (Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae), Grüne Pfirsichblattlaus (Myzodes persicae))
Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) resp. Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani)
Wintersaateule (Agrotis segetum)
Asseln [Bearbeiten]
Kellerassel
Fadenwürmer (Nematoda) [Bearbeiten]
Goldnematoden (Heterodera rostochiensis)
Stengelälchen (Ditylenchus dispaci)
[27] [28]
Lagerung [Bearbeiten]



Ergebnis falscher Lagerung
Damit Kartoffeln das gesamte Jahr über angeboten werden können, werden diese nicht nur aus fernen Anbaugebieten importiert, sondern auch hierzulande eingelagert. Sie werden in dunklen, gut belüfteten Lagerstätten bei 5?10 °C und etwa 90 % Luftfeuchtigkeit aufbewahrt. Zum Teil kommen hierbei Keimhemmungsmittel und Fungizide zum Einsatz. Bei einer zu kalten Lagerung würden die Knollen ?erfrieren?, die enthaltene Stärke wandelt sich dabei in Zucker um; bei zu warmen Temperaturen und Lichteinfall würden sie zu keimen beginnen und giftiges Solanin bilden. Zu trockene Lagerung lässt die wasserhaltigen Knollen welken, ebenso gilt es Schimmelbildung durch Feuchtigkeitsstau zu vermeiden. Des Weiteren verhindert eine niedrige Schütthöhe schädliche Druckstellen.[29] Das gemeinsame Lagern mit Obst (wie etwa Äpfeln) ist nicht empfehlenswert.
Verwendung [Bearbeiten]

Kartoffeln finden Verwendung als Nahrungs- und Futtermittel sowie zur Herstellung von Stärke und Alkohol. Dabei werden beispielsweise in Deutschland fast 60 % der Kartoffelernte direkt als Nahrungsmittel genutzt. Etwa 30 % der Kartoffelernte wird für die Herstellung von Stärke und etwa 4 % für die Ethanolgewinnung genutzt. Von der verbleibenden Ernte fallen etwa 6 % als Saatgut und gerade mal 1,2 % als Futtermittel an.[30]
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Deutschland immer weniger Kartoffeln gegessen, der Verbrauch hat sich mehr als halbiert. Die Nahrungsmittelindustrie versucht immer mehr Fertiggerichte aus Kartoffeln auf den Markt zu bringen. Kartoffelchips, Pommes frites, Kroketten, Fertig-Rösti und Trockenflocken werden zwar immer mehr konsumiert, als Beilage zum Fleisch werden jedoch auch häufig Alternativen wie Reis und Teigwaren gewählt, die noch leichter zuzubereiten sind.
Der durchschnittliche Kartoffelverbrauch pro Bundesbürger und Jahr liegt etwa bei 50 Kilogramm.[31]
Futterkartoffel [Bearbeiten]
Preisgünstigere Futterimporte, besonders von stärkereichen Futtermitteln, machen der Kartoffel auch als Viehfutter große Konkurrenz.
Seit dem 19. Jahrhundert werden in Mitteleuropa die Schweine mehrheitlich nicht mehr auf die Weide getrieben, sondern im Stall gehalten. Die früher von den Schweinen so geschätzte *** und andere Waldfrüchte wurden zuerst vor allem durch die kostengünstigere Kartoffel ersetzt. Eine Ausnahme sind nur Schweine, die zur Herstellung von Spezialitäten wie dem Jamón Ibérico de Bellota gehalten werden. In den letzten Jahrzehnten werden immer mehr Mastmittel auf dem Weltmarkt eingekauft. Gegen die niedrigen Weltmarktpreise des häufig in Entwicklungsländern produzierten Sojas hat die im Inland angebaute Kartoffel einen schweren Stand.
Stärkekartoffel [Bearbeiten]


Kartoffeldammformer
Neben Kartoffeln gibt es viele Stärkepflanzen, die Organe mit einem hohen Gehalt an Stärke besitzen. Stärke stellt oft einen wichtigen Bestandteil der menschlichen und tierischen Ernährung dar. Zudem ist sie ein nachwachsender Rohstoff (Nawaro), der sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden kann (Stärke als nachwachsender Rohstoff). In Deutschland wurden im Jahr 2008 rund 1,53 Millionen Tonnen (Europa: 9,4 Millionen Tonnen) Stärke produziert. Dabei stammten 42 % der produzierten Stärke aus der Kartoffel. In Europa ist der Anteil der Kartoffel an der Stärkeproduktion mit 16 % bzw. 1,5 Millionen Tonnen geringer.[32]
Ein Teil der Stärke wird in aufgereinigter Form gewonnen und vor allem in der Nahrungsmittelindustrie und für die stoffliche Nutzung verwendet. Stärke besteht ? je nach Art ? zu unterschiedlichen Anteilen aus dem verzweigten Amylopektin und der linearen (unverzweigten) Amylose. Da für die industrielle Verwertung vor allem Amylopektin benötigt wird, werden Stärkepflanzen mit möglichst hohem Amylopektingehalt bevorzugt. In Deutschland benötigt die Papier- und Wellpappeindustrie jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Tonnen native Kartoffelstärke mit hohem Amylopektingehalt während mehr als 250.000 Tonnen für die Herstellung von modifizierten Stärken (vor allem Dextrine, Stärkeester und -ether) genutzt werden. Diese Modifikate werden zu etwa 50 % in der Papierindustrie als Papierstärke genutzt, weitere 17 % gehen in die Produktion von Pappen und Klebstoffen. Das verbleibende Drittel wird in der Lebensmittelindustrie genutzt, vor allem für Fruchtzubereitungen und Milchprodukte.
Biotechnologie [Bearbeiten]
In der EU befand sich die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffelsorte Amflora seit 1996 im Zulassungsverfahren, deren Stärke fast ausschließlich aus Amylopektinen besteht.[33] Amflora wurde im März 2010 zum Anbau und als Futtermittel zugelassen. Daneben hat auch das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) mit dem TILLING-Verfahren eine Karoffelsorte gezüchtet, die ausschließlich Amylopektin enthält. TILLING steht für ?Targeting Induced Local Lesions In Genoms? und ist ein Züchtungsverfahren bei dem durch Zugabe von Chemikalien die natürliche Mutationsrate von Pflanzengenomen erhöht wird. Daher kommt dieses Verfahren ohne gentechnische Veränderung aus.[34]
Es wurden bereits mehrere Bt-Kartoffelsorten getestet, die resistent gegen den Kartoffelkäfer sind. Ihnen wird insbesondere in Osteuropa und Russland Potenzial vorhergesagt.
Volksmedizin [Bearbeiten]
Kartoffelsaft wird in der Volksmedizin innerlich bei Magenbeschwerden und äußerlich bei Verletzungen oder Geschwüren angewendet.
Inhaltsstoffe, Nährwert und ökotrophologische Besonderheiten [Bearbeiten]

Gepellte/geschälte Kartoffeln enthalten:[35]
ca. 15 Prozent Kohlenhydrate (Stärke)
ca. 2 Prozent Eiweiß
ca. 0,1 Prozent Fett
ca. 2,1 Prozent Ballaststoffe
ca. 78 Prozent Wasser
ca. 1 Prozent Mineralstoffe und Spurenelemente wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor und Eisen
zahlreiche Vitamine, hauptsächlich Vitamin C, aber auch Vitamin A und Vitamine der B-Gruppe
Stoffe, die für den Geschmack und den Geruch der Knolle verantwortlich sind; etwa 140 chemische Verbindungen wurden in rohen, gekochten oder dehydrierten Kartoffeln entdeckt. Die wichtigsten sind 1-Octen-3-ol, (E)-2-Octenol, (E)-2-Oct*** und Geraniol, sowie 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin, welches die erdige Note im Geruch und Geschmack hervorruft. Derivate des Pyrazin sind es auch, die das Aroma gebackener Kartoffeln ausmachen.[35][36]
Eiweiß liefert die Kartoffel zwar in be***ner Menge, dafür ist es aber vergleichsweise hochwertig. Von allen pflanzlichen Eiweißlieferanten hat sie den höchsten Anteil an verwertbarem Eiweiß, das Kartoffeleiweiß verfügt also über eine hohe biologische Wertigkeit. Besonders reich ist das Knollengewächs an den Vitaminen B1, B2 und C.
100 Gramm frische Kartoffeln entsprechen einer Energiemenge von etwa 298 Kilojoule, das entspricht 70 Kilokalorien.[37]
Alkaloide in Kartoffeln [Bearbeiten]
Kartoffelschalen und ergrünte Kartoffeln enthalten gegenüber geschälten normalen Kartoffeln ein mehrfaches an Alkaloiden, allen voran das für die Gattung der Nachtschatten typische Solanin, welches in allen Teilen einer Kartoffelpflanze vorkommt. Kartoffeln die bei Tageslicht gelagert werden ergrünen, was ein Zeichen erhöhter Solaningehalte ist. Aus diesem Grunde sollte man Kartoffelschalen und grüne Kartoffeln nicht in größeren Mengen für die Ernährung oder Fütterung verwenden. Der Solaningehalt von Kartoffeln war früher wesentlich höher als heute. Modernere Kartoffelsorten weisen einen Solaningehalt von 3 bis 7 mg/100 g in der Schale auf, der Gehalt im Kartoffelkörper ist wesentlich geringer. Wenngleich die Dosis von 200 mg, bei der erste Vergiftungserscheinungen bei erwachsenen Menschen auftreten können dem Genuss von mehr als 25 Kilogramm ungeschälter roher Kartoffeln entspricht, sollte man Kleinkinder und geschwächte Personen vom Verzehr auch kleiner Mengen ergrünter Kartoffeln fernhalten. Durch Lagerung im Dunkeln, Schälung und Zubereitung wird der Gehalt an Solanin reduziert bzw. abgebaut. Die erhältlichen Kartoffelsorten haben unter den üblichen Bedingungen keinen gesundheitlich bedenklichen Glycoalkaloid-Gehalt.[38] Das gilt jedoch nicht unbedingt für ältere Sorten.
Neben Solanin enthalten grüne Knollen und Keimlinge Chaconin und Leptine.
Regionale Namen [Bearbeiten]

Es haben sich zahlreiche Regionalnamen für die Kartoffel entwickelt, darunter Arber, Ärpel, Bramburi (im Norden Niederösterreichs, vermutlich aus dem tschechischen von Lilek brambor abgeleitet), Erdapfel (Erdtoffel), Erdbirn, Flezbirn, Grübling, Grundbirn, Knulle (im Süden von Brandenburg), Krumbiir, Krumbeer, Nudel, Schucke, Bulwe, Kästen und Erpfel. Im Plattdeutschen wird sie Tüfte, Tüffel oder Pipper genannt. In Franken verwendet man noch vereinzelt die Bezeichnung Potacken oder, näher an der Aussprache, Bodaggn. In Teilen von Rheinland-Pfalz (hauptsächlich der Pfalz) und dem Saarland nennt man die Kartoffeln Grumbeere oder Grumbiere, so auch in den benachbarten Nordelsass, der Kurpfalz und Nordbaden. In Luxemburg sagt man Gromper; in Trier wird Gromper aber eher als Krumpa ausgesprochen. Dafür wird in Schwaben das ähnliche Wort Grombiera verwendet (Herleitung: grom, ähnlich Krume oder Boden, und biera, ähnlich Beere(n), zusammen also Erdfrucht). Im österreichischen Deutsch heißen sie Erdäpfel (Alemannisch Härdöpfel, Berndeutsch Härdöpfu), im Salzburger Lungau sagt man Eachtling dazu. Auf Grund unterschiedlicher Dialektvarianten können die Namen bereits von Ort zu Ort wechseln: Ebbiera und im Nachbarort heißen die Kartoffeln schon: Eaberra.
Der Wortstamm Grumbier hat sich auch in den südslawischen Sprachen verbreitet: auf serbokroatisch heißt die Kartoffel Krumpir.
Ähnlich ist Kumpir, ein türkisches Fastfood-Gericht, es besteht vor allem aus großen Kartoffeln.
Im Russischen und Polnischen wurde dagegen ?Kartoffel? als Fremdwort übernommen, wobei in Polen auch der Begriff ziemniak (Erdling) verbreitet ist. Der tschechische Begriff brambor leitet sich von Braniborsko (Brandenburg) ab, von wo aus die Kartoffel einst nach Böhmen eingeführt wurde.
Siehe auch [Bearbeiten]

Liste von Kartoffelsorten
Kartoffelroder
Kulturgeschichte der Kartoffel
Literatur [Bearbeiten]

Horst Eichhorn (Hrsg.): Landtechnik. 7. Auflage. S. 357 ff., Ulmer, Stuttgart 1952, 1999, ISBN 3-8001-1086-5
Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau. 7. Auflage. S. 219 ff., 283 f., Ulmer, Stuttgart 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6
FAO: INTERNATIONAL YEAR OF THE POTATO 2008: New light on a hidden treasure. Rom 2009, ISBN 978-92-5-306142-8 (formal falsche ISBN). online verfügbar
Einzelnachweise [Bearbeiten]

? James A. Duke: Solanum tuberosum L. In: Handbook of Energy Crops. 1983, unveröffentlicht.
? a b W. Troll: Praktische Einführung in die Pflanzenmorphologie. Erster Teil. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1954, S. 226-230. (ohne ISBN)
? ?Potato Genome Sequence is the cover story in the journal Nature?. Potato Genome Sequencing Consortium, 10. Juli 2011.
? Chloe McIvor: All eyes on the potato genome. Nature, 10. Juli 2011.
? a b David M. Spooner, Karen McLean, Gavin Ramsay, Robbie Waugh, und Glenn J. Bryan: A single domestication for potato based on multilocus amplified fragment length polymorphism genotyping. In: Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America. Volume 102, 2005. Seiten 14694-14699. doi:10.1073/pnas.0507400102
? Centro Internacional de la Papa: Papas nativas poseen ventajas comparativas que deben ser aprovechadas (2006)
? Jos. A. Massard: 300 Jahre Kartoffel in Luxemburg: (I) Europa entdeckt die Kartoffel. (II) Grundbirne, Grompir, Gromper: die Kartoffel erobert Luxemburg. (III) Die Kartoffel in Luxemburg im 19. Jh. Lëtzebuerger Journal 2009, [I] Nr. 15 (22. Jan.): 23; Nr.16 (23. Jan.): 10, Nr. 17 (24./25. Jan.): 11; [II] Nr. 18 (27. Jan.): 23, Nr. 19 (28. Jan.): 21; [III] Nr. 20 (29. Jan.): 9, Nr. 21 (30. Jan.): 21. Text mit Referenzen.
? Erster feldmäßige Kartoffelanbau in Bayern. historisches-franken.de, abgerufen am 27. Mai 2007.
? Honorius Philoponus [= Pseudonym von Caspar Plautz], Nova Typis Transacta Navigatio. Novi Orbis Indiae Occidentalis ..., [Linz] 1621.
? Lungauer Eachtling
? Statistik der FAO
? Henke, Detlef: Kartoffel-Anbau-Rangliste der Bundesländer basierend auf den Daten des Statistischem Bundesamtes(Daten Juni 2009)
? AGLW Water Management Group: Crop Water Management - Potato. FAO. Online Resource, abgerufen am 13. Juni 2007.
? Landwirtschaft MLR Baden-Wuerttemberg
? Landwirtschaft.Sachsen.de, Seite 37
? Bodo Frahm, BGJ Agrarwirtschaft, 4. Auflage, Ulmer, Stuttgart, 1980, 1991, ISBN 3-8001-1049-0, S. 459
? Anbauhinweise der Landwirtschaftskammer NRW
? CIP-Forschung
? Beukema, van der Zaag: Introduction to Potato Production. Pudoc Wageningen 1990
? Paul M. Harris: The potato crop. Chapman and Hall 1992
? United Nations Declaration gefunden am 29. Februar 2008
? Launching of the International Year gefunden am 29. Februar 2008
? IYP concept gefunden am 29. Februar 2008
? Die Kartoffelchance 1999
? Kartoffel-Sondermarke
? Sorte Marabel
? Umfangreiche Beschreibungen der Kartoffelkrankheiten
? oekolandbau.de
? Toffi KISS-Projekt, begleitende Webseite zur Ausstellung über die Kartoffel, Wilfried Ahrens, Fachhochschule Weihenstephan
? Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2007. Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup 2008; Zahlen für Deutschland 2005/6 (in 1000 t): Inlandsverwendung insgesamt: 9687; Saatgut 602; Futter: 108; Verluste: 287; Verwendung für Stärkeherstellung: 2964 (ergibt 710 kt Stärke); Verwendung für Alkoholherstellung: 156 (ergibt 177 khl Alkohol); Nahrungsverbrauch: 5572
? Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass?. In: Südkurier vom 23. März 2011
? Zahlen und Daten zur deutschen Stärkeindustrie. Angaben vom Fachverband der Stärke-Industrie e. V.
? www.bioSicherheit.de: Gv-Stärkekartoffel als Nachwachsender Rohstoff: Amflora - eine Kartoffel für die Industrie. Abgerufen am 8. April 2009.
? Fraunhofer-Gesellschaft: Turbo-Züchtung schafft Super-Kartoffel, Presseinformation vom 8. Dezember 2009
? a b Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.): Die Kartoffel. (PDF)
? G. Reineccius: Sourcebook of Flavors. 2. Auflage. Springer 1993. ISBN 978-0-8342-1307-4. S. 362
? Souci/Fachmann/Kraut. Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, 5. Auflage, 1994.
? Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Solanin (Glycoalkaloide) in Kartoffeln
Weblinks [Bearbeiten]

Commons: Kartoffel ? Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kartoffel ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks: Kochbuch, Gerichte mit Kartoffeln ? Lern- und Lehrmaterialien
Wikiquote: Kartoffel ? Zitate
Kartoffelsortenliste des deutschen Bundessortenamts (2007) (PDF-Datei; 303 kB)
International Potato Center/Centro Internacional de la Papa (Internationales Kartoffelforschungszentrum, englisch/spanisch)
Encyclopedia of Life: umfassende Informationen zur Pflanze (englisch)
United Nations International Year of the Potato 2008 (englisch)
Dieser Artikel wurde in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
Einklappen
Gemüse des Jahres in Deutschland
***bohne (1999) | Gartenmelde (2000) | Tomate (2001) | Flaschenkürbis (2002) | Kartoffel (2003) | Körnerbohne (2004) | Zichorie (2005) | Kopfkohl (2006) | Gartensalat (2007?2008) | Erbse (2009?2010) | Pastinaken (2011?2012)

Kategorien: Wikipedia:LesenswertKartoffelNachtschattenNutzpflanze
Anmelden / Benutzerkonto erstellenArtikelDiskussionLesenQuelltext anzeigenVersionsgeschichte

Hauptseite
Über Wikipedia
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel
Mitmachen
Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen
?????
Afrikaans
Alemannisch
????
Aragonés
Ænglisc
???????
????
???????
Asturianu
Aymar aru
Az?rbaycanca
?????????
Boarisch
?emait??ka
??????????
??????????? (???????????)?
?????????
?????
???????
Brezhoneg
Bosanski
Català
Cebuano
?????
Corsu
?esky
Kaszëbsczi
Cymraeg
Dansk
Zazaki
Dolnoserbski
????????
English
Esperanto
Español
Eesti
Euskara
?????
Fulfulde
Suomi
Français
Frysk
Gaeilge
??
Gàidhlig
Galego
???????
Gaelg
?????
??????
Hrvatski
Hornjoserbsce
Kreyòl ayisyen
Magyar
???????
Bahasa Indonesia
Iñupiak
Ido
Íslenska
Italiano
???
Basa Jawa
???????
Qaraqalpaqsha
???????
?????
???
????? ????
????????-???????
????? - ?????
Ripoarisch
Kurdî
????
Latina
Lëtzebuergesch
?????
Lumbaart
Lietuvi?
Latvie?u
Basa Banyumasan
???????
Malagasy
??????????
??????
??????
?????
????? ????
Bahasa Melayu
N?huatl
Nnapulitano
Plattdüütsch
Nedersaksisch
??????
????? ????
Nederlands
?Norsk (nynorsk)?
?Norsk (bokmål)?
Diné bizaad
Occitan
????
Kapampangan
Picard
Pälzisch
Polski
??????
Português
Runa Simi
Kirundi
Român?
???????
??????????
Kinyarwanda
?????????
???? ????
Sardu
Sicilianu
Scots
Sámegiella
Srpskohrvatski / ??????????????
Simple English
Sloven?ina
Sloven??ina
Gagana Samoa
chiShona
Shqip
?????? / Srpski
Seeltersk
Basa Sunda
Svenska
Kiswahili
?l?nski
?????
??????
???
Tagalog
lea faka-Tonga
Türkçe
??????????
????
Ti?ng Vi?t
West-Vlams
Walon
Winaray
??
??????
??
Bân-lâm-gú
??
isiZulu
Diese Seite wurde zuletzt am 27. März 2012 um 07:30 Uhr geändert.
Der Text ist unter der Lizenz ?Creative Commons Attribution/Share Alike? verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

Antworten
Zitieren
Antwort abonnieren
kapukati
07.04.12 um 10:05
Avatar von kapukati

Re: Brauchst du Credits?

Mode (aus dem Französischen mode; lat. modus ?Maß? bzw. ?Art?, eigentlich ?Gemessenes? bzw. ?Erfasstes?) bezeichnet die in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gruppe von Menschen als zeitgemäß geltende Art, bestimmte Dinge zu tun, Dinge zu benutzen oder anzuschaffen, sofern diese Art, etwas zu tun, nicht von großer Dauer ist, sondern im Verlauf der Zeit infolge gesellschaftlicher Prozesse immer wieder durch neue - dann als zeitgemäß geltende - Arten revidiert wird, sofern sie also zyklischem Wandel unterliegt. Moden sind Momentaufnahmen eines Prozesses kontinuierlichen Wandels. Mit Moden werden also in der Regel eher kurzfristige Äußerungen des Zeitgeistes assoziiert. Vergleichsweise längerfristige Äußerungen des Zeitgeistes, die sich über mehrere Modewellen hinweg in positiver Bewertung halten können, gelten nicht als Mode, sondern als Klassiker. Ganz kurzlebige Moden, die sich oft nur um ein individuelles Produkt drehen, bezeichnet man als Fads.

Jede neue Mode etabliert neue Verhaltens-, Denk- und Gestaltmuster. Jede neue Mode bringt damit neue Wertungen mit sich und bewertet damit auch bestehende Phänomene der menschlichen Umwelt immer wieder neu. ?Mode? wird umgangssprachlich häufig synonym mit ?Kleidung? als Verkürzung des Begriffs ?Kleidermode? verwendet. Das Adjektiv zu Mode ist modisch (?der Mode entsprechend?), nicht zu verwechseln mit ?modern?, dem Adjektiv zu Moderne. Umgangssprachlich wird der Begriff ?modern? häufig im Sinne von ?modisch? verwandt.

Der Begriff ?Mode? beinhaltet folgende Bedeutungsaspekte:

etwas, das dem gerade vorherrschenden bevorzugten Geschmack oder den vorherrschenden Überzeugungen entspricht.
etwas, was gerade üblich ist: Sitte, Brauch, Gewohnheit
etwas, was einem ständigem Wandlungsprozess unterzogen ist, einem Wandlungsprozess bzgl. dessen, was in einem gesellschaftlichen Kontext als üblich, vorherrschend oder als dem Zeitgeschmack entsprechend angesehen wird.
kapukati
07.04.12 um 10:08
Avatar von kapukati

Re: Brauchst du Credits?

Die ***uelle Generation, die Gametophyten, bildet spezielle, mehrzellige ***ualorgane aus, die von mehreren sterilen Zellen umgeben sind. Die männlichen Organe sind die Antheridien und die weiblichen die Archegonien. Die Eizellen verbleiben in den Archegonien und werden hier befruchtet. Bei den Bedecktsamern sind die Gametophyten und damit auch die Antheridien und Archegonien extrem reduziert.[5]

Der Sporophyt wird zunächst als mehrzelliger Embryo angelegt, der an der Mutterpflanze verbleibt und von dieser ernährt wird. Häufig stellt er ein Ruhestadium dar. Der Sporophyt ist stets vielzellig.

Die Pflanzen sind wie alle Vertreter der Chloroplastida, zu denen sie gehören, fast alle phototroph, decken also ihren Energiebedarf aus Licht. Weiterhin sind sie autotroph, das heißt, sie benötigen zum Aufbau der zum Wachsen und Lebensunterhalt notwendigen organischen Stoffe lediglich anorganische Stoffe, als Kohlenstoffquelle verwenden sie in der Regel ausschließlich Kohlenstoffdioxid. Der Aufbau dieser Stoffe mit Licht als Energiequelle wird als Photosynthese bezeichnet. Man bezeichnet Pflanzen als photoautotroph. Nicht autotrophe Vertreter sind stets abgeleitete Formen. Dies sind einige mykotrophe Pflanzen, die heterotroph von Pilzen leben (z. B. einige Orchideen, Corsiaceae, Burmanniaceae), die im Laufe der Evolution ihr Chlorophyll (Blattgrün) verloren haben, und einige heterotrophe Vollschmarotzer auf anderen Pflanzen (z. B. Rafflesiaceae, einige Orobanchaceae und Convolvulaceae).

Die Basalkörper der Geißeln besitzen eine eigentümliche viellagige Struktur aus Mikrotubuli sowie eine Verankerung im Cytoskelett. Die Mitose ist offen, während der Zellteilung wird ein Phragmoplast gebildet. Pyrenoide fehlen meist.[4]

Weitere Merkmale, die auch viele andere Vertreter der übergeordneten Taxa Charophyta oder Chloroplastida besitzen, sind Chloroplasten mit Chlorophyll a und b als Photosynthesepigmente und Carotinoide als akzessorische Pigmente, Stärke als Reservepolysaccharid und Zellwände aus Zellulose.[4] Die Sporenwand enthält Sporopollenin, die Sporophyten bilden eine Cuticula.[6]

Darüber hinaus sind Pflanzen in der Lage, miteinander aber im Wurzelbereich auch mit Pilzen, Bakterien und anderen Mikroorganismen zu kommunizieren. Die Kommunikationsprozesse sichern zum einen die Verfügbarkeit geeigneter Nährstoffe zum anderen aber auch die kurz-, mittel- und langfristige Koordination und Organisation von Wachstums- und Entwicklungsprozessen in all ihren Detailschritten.[7]
Shammy
07.04.12 um 10:11
Avatar von Shammy

Re: Brauchst du Credits?

Gemüsespargel oder Gemeiner Spargel (Asparagus officinalis) ist eine Art aus der Gattung Spargel (Asparagus). Umgangssprachlich wird er meist kurz Spargel genannt. Die jungen Triebe (griechisch asp(h)áragos, ?junger Trieb?) werden in Europa je nach Region von März bis Juni geerntet und sind als Gemüse besonders geschätzt.

Die Heimat des Gemüsespargels sind die warmen und gemäßigten Regionen Süd- und Mitteleuropas, Algeriens und Vorderasiens, besonders an Flussufern. Er wird in mehreren Cultivaren als Gemüsepflanze kultiviert.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Beschreibung
2 Verbreitungsgebiet
3 Geschichte
4 Anbau
4.1 Ernte
4.2 Anbaugebiete in Deutschland
4.3 Anbaugebiete außerhalb Deutschlands
5 Verwendung in der Küche
6 Zubereitung
6.1 Inhaltsstoffe und Wirkung
6.2 Verzehr
7 Literatur
8 Einzelnachweise
9 Weblinks

Beschreibung [Bearbeiten]

Der Gemüsespargel ist eine mehrjährige, krautige Pflanze. Aus dem Rhizom treibt er fleischige, saftige, mit Niederblättern spiralig besetzte, weißliche oder blassrötliche Sprosse, die sich über der Erde in einem verzweigten, grünen, 0,6 bis 1,5 Meter hohen, g***n Stängel verlängern. Die blattartigen Zweige sind nadelförmig, glatt. Die kleinen, zwittrigen oder diözischen Blüten sind gelblich, dreizählig und bis zu 6,5 Millimeter lang. Wild wachsender Spargel blüht im Juni bis Juli. Die Beeren sind scharlachrot und gering giftig.[1]
Verbreitungsgebiet [Bearbeiten]

Gemüsespargel kommt wild in Mittel- und Südeuropa, Vorderasien, dem westlichen Sibirien und Nordafrika vor. In Süd- und Nordamerika sowie in Neuseeland kommt er stellenweise eingebürgert vor. Ob die schon von mittelalterlichen Autoren erwähnten Bestände auf Kies- und Sandbänken von Rhein, Main und Donau echte Wildvorkommen sind oder auf Verwilderungen zurückgehen, ist unklar. Verwilderter Spargel findet sich in Mitteleuropa auf trockenen, mäßig nährstoffreichen Standorten, auf Dämmen, an Wegrändern, in Dünen und in (ruderalen) Trockenrasen.
Geschichte [Bearbeiten]

Spargel ist als Gemüse und Heilpflanze seit langem bekannt. In China wurden die Stangen des Spargels vor über 5000 Jahren schon gegen Husten, ***probleme und Geschwüre verordnet.[2] Die Ägypter verwendeten ihn vor 4.500 Jahren, Griechen und Römer kannten ihn bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. Der römische Autor Columella erwähnt ihn in seinem Buch De re rustica. Als Heilpflanze diente bevorzugt wildwachsender Spargel, der schon bei Hippokrates von Kós erwähnt wurde und nach Dioskurides harntreibend und abführend wirken sowie gegen Gelbsucht helfen sollte. Mit diesen Indikationen wurde er bis ins 19. Jahrhundert verwendet.

Die Römer machten den Spargel auch nördlich der Alpen bekannt, er geriet aber wieder in Vergessenheit. Erst im 16. Jahrhundert ist der Anbau wieder belegt ? Spargel galt damals als teure Delikatesse, vermutlich weil sein Nährwert gering und der Anbau aufwendig ist.

Früher war die Wurzel amtlich als Heilmittel anerkannt (offizinell); die Samen wurden als Kaffeesurrogat verwertet.
Anbau [Bearbeiten]

Spargel benötigt Wärme und lockeren, sandigen, nicht zu feuchten Boden. Zur Anlage der Spargelbeete hebt man vor Eintritt des Winters die Erde einen Spatenstich tief aus, gräbt Mist unter, setzt ein- bis zweijährige Spargelpflanzen (Klauen) ein und bedeckt sie mit Erde. Im darauffolgenden Herbst werden die Stängel gekürzt und das Beet mit reifem Mist bedeckt. Im Frühjahr wird das Gröbere fortgenommen und der Rest mit Erde mehrere Zentimeter hoch bedeckt. Im dritten Jahr erhöht man die Beete mit fetter, sandiger Erde so stark, dass die Pflanzen eine Hand breit tief liegen. Jetzt kann mit der Ernte begonnen werden. Die Beete geben bei richtiger Pflege und Düngung mit Mist, Jauche, Asche und Kalidünger bis zu zehn Jahre guten Ertrag.

In letzter Zeit wird Spargel immer häufiger auf "normalen" Böden kultiviert. Er gedeiht auf jedem normalen Garten- oder Feldboden, selbst wenn dieser schwer oder lehmig ist, sofern der Boden gelockert wird, keine Staunässe aufweist und genügend Kalk enthält (pH 7,0). Notfalls wird etwas herbeigeholter Sand in den zu schweren Boden eingearbeitet. Kenner behaupten, dass Spargel von nährstoffreichen schwereren Böden eine stärkere, selten strengere Geschmacksnote ausbildet.Quelle benötigt

Wenn die Witterung warm und feucht ist, kann Spargel bis zu sieben Zentimeter am Tag wachsen. Durch Aufhäufeln der Erde bei der Spargelzucht bleiben die Triebe auch bei einer Länge von 20 Zentimetern hell, da sie ohne Licht kein Chlorophyll bilden können. Diese kleinen Erdwälle werden im süddeutschen und österreichischen Sprachgebiet als Bifang bezeichnet.[3][4] Der so gezogene Spargel wird Weißer Spargel genannt und ist erst seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Bis dahin wurde nur Grüner Spargel geerntet, der nicht durch Erde vor dem Sonnenlicht geschützt wird und in voller Länge kräftig grün gefärbt ist. Vor allem in Frankreich wartet man, bis der Schössling etwas aus der Erde ragt und die Spitze eine leicht violett-grünliche Färbung annimmt. Diese Variante heißt violetter Spargel. Im professionellen Anbau werden für Weißen und Grünen Spargel unterschiedliche Sorten verwendet.
Ernte [Bearbeiten]

Die Spargelstangen werden in Handarbeit einzeln geerntet. Meist anhand von kleinen Erdrissen erkennt der Erntearbeiter den knapp unter der Oberfläche austreibenden Spargel und gräbt ihn mit den *** auf, um den geeigneten Punkt zum Abtrennen am unteren Ende des Spargels zu finden. Nach dem ?Stechen? (Abtrennen der Spargelstange durch stoßartigen Schnitt mit einem speziellen länglichen Spargelmesser/Spargelstechmesser oder Spargel***, Braunschweiger Form) wird das Erdloch wieder zugedeckt und die Oberfläche geglättet. Zum Schutz vor Lichteinfall auf schon ausgetriebene Spargelspitzen, der die Köpfe verfärben würde, und um bessere Wärmebedingungen für das Wachstum zu geben, werden die Spargeldämme heute oft mit einer dunklen Plastikfolie abgedeckt, die während des Stechens mit einer Erntehilfevorrichtung partiell angehoben und wieder aufgelegt wird. Die Spargel werden anschließend im Betrieb mit einer Spargelsortiermaschine nach Qualitäten getrennt und an Großhändler weitergegeben oder direkt verkauft.

Da sich die Spargelernte kaum automatisieren lässt, ist sie sehr personalintensiv. In Deutschland wird sie traditionell von gering bezahlten Saisonarbeitern ausgeführt, seit dem Fall der Mauer meist von polnischen oder osteuropäischen Hilfskräften.

Bereits zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, seit 1907, gab es in den USA die ersten Versuche, den Spargel mechanisch zu ernten. Vor allem seit den 1950er-Jahren bis in die 1990er-Jahre wurden viele Forschungen unternommen und einige Patente in den USA und in Australien für die selektive und nicht selektive Spargelernte erteilt, doch keine der Met*** konnte sich bis heute durchsetzen oder einen Preisvorteil bieten. Auch in Deutschland wird seit 2004 eine Spargelerntemaschine angeboten, die alle Spargeltriebe automatisch mit einem schwingenden Messerblatt unten am Damm abschneidet. Vorne nimmt sie die Erde des Spargeldamms auf und befördert sie nach oben. Hier stehen zwei Arbeiter, diese greifen die weißen Stangen heraus und legen sie in Kisten. An der Rückseite der Maschine läuft die Erde zusammen, der Ernter hinterlässt wieder einen Spargeldamm. Diese Erntemethode ist jedoch umstritten, da sie einerseits nicht zwischen unreifen und ausgewachsenen Spargeln unter***t und andererseits die Wurzeln für die folgende Ertragssaison nicht so schonend behandelt wie beim Ernten von Hand.

Das Ende der Spargelsaison beschreiben althergebrachte Bauernregeln: ?Stich den Spargel nie nach Johanni.? oder ?Kirschen rot, Spargel tot?. Ihr offizielles Ende in Deutschland ist traditionellerweise der 24. Juni, der Johannistag. Der Hintergrund für diese Bauernregel ist die Einhaltung einer ausreichenden Regenerationszeit der Pflanze für eine ertragreiche Ernte im nächsten Jahr.[5] Wurde die Spargelsaison aufgrund günstiger Witterungsumstände eher begonnen, so ziehen die Bauern das Ernteende oftmals um ein bis zwei Wochen vor.
Marktversorgung von Spargel in Deutschland 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000
Ernte in Tonnen 103.500 92.400 98.200 92.700 94.000 82.000 83.000 73.000 65.000 57.000 52.000 51.000
Importe in Tonnen 24.000 29.000 28.000 29.000 32.000 40.000 39.000 35.000
Gesamt in Tonnen 118.000 111.000 111.000 102.000 97.000 97.000 91.000 86.000

Quelle: Statistisches Bundesamt
Anbaugebiete in Deutschland [Bearbeiten]

Die Anbaufläche in Deutschland wächst seit einigen Jahren sehr stark und stieg von 15.500 Hektar im Jahr 2000 auf 21.700 Hektar im Jahr 2007. Etwa 80 % des in Deutschland verzehrten Spargels stammt aus heimatlichem Anbau.

Wichtige deutsche Spargelanbaugebiete sind:

Sachsen
in Kyhna
Schleswig-Holstein
in Aukrug bei Neumünster
in der Region Lauenburg
Niedersachsen
Landkreis Nienburg/Weser
nordwestlich und nördlich bei Braunschweig
bei Burgdorf und bei Neustadt a. Rbge in der Region Hannover
bei Bardowick bei Lüneburg
kleinere Standorte in der Lüneburger Heide
im Artland, Landkreis Osnabrück
im südlichen Osnabrücker Land (Glandorf, Bad Iburg)
Nordrhein-Westfalen
am linken Niederrhein Spargeldorf Kessel und bei Walbeck, einem Stadtteil von Geldern
in Brüggen und Effeld, an der niederländischen Grenze.
zwischen Köln und Bonn (Vorgebirge)
das Münsterland
die Senne bei Paderborn

Brandenburg und Sachsen-Anhalt
die Zauche rund um Beelitz südwestlich von Berlin
Beetz/Sommerfeld im Brandenburgischen Oberhavel
die Altmark rund um Osterburg, Stendal, Seehausen und Klötze
Hohenseeden und Parchen im Jerichower Land

Thüringen
im gesamten Thüringer Becken an verschiedenen Standorten, z.B. Herbsleben und Kutzleben

Hessen (Westfranken) und Bayrisch Franken (Ostfranken)
die südhessische Sandbodenregion bei Weiterstadt, Griesheim und Pfungstadt westlich von Darmstadt
im Kreis Groß-Gerau (Südhessen)
im Rodgau, dem Gebiet zwischen Mühlheim am Main und Dieburg

Rheinland-Pfalz
die Rheinpfalz
in Altrheinsanden von Rheinhessen (Rheinland-Pfalz)

Baden-Württemberg
die nordbadische Hardtregion mit dem größten Spargelmarkt Europas in Bruchsal
in Südbaden im Breisgau bei Munzingen, einem Ortsteil von Freiburg im Breisgau, am und auf dem Tuniberg
in Nordbaden in Hügelsheim im Landkreis Rastatt,
im Rhein-Neckar-Kreis bei Schwetzingen, Oftersheim, Reilingen, St. Leon
eingestreut in die Obstbaugebiete um den Bodensee und das Schussental (Tettnang, Meckenbeuren, Ravensburg) in Oberschwaben

Bayern
bei Abensberg in Niederbayern
seit 1912 bei Schrobenhausen in Oberbayern
das fränkische Knoblauchsland zwischen Erlangen und Nürnberg
die Region südlich Nürnbergs um Schwabach
das Bamberger Umland
im Gebiet des fränkischen Maindreiecks

Anbaugebiete außerhalb Deutschlands [Bearbeiten]

Argenteuil (Frankreich)
Cavaillon (Frankreich)
Elsass (Frankreich)
Horburg (Frankreich)
Mechelen (Belgien)
Weinviertel (Österreich)
Marchfeld (Österreich)
Eferdinger Becken (Österreich)
Poebene (Norditalien)
Griechenland
Spanien
Niederlande
***sburg (Südafrika)
Taiwan
Trujillo (Peru)
Rafzerfeld Schweiz

In Schrobenhausen gibt es ein Europäisches Spargelmuseum, weitere Spargelmuseen in Schlunkendorf bei Beelitz und in Nienburg an der Weser. In Baden führt die Badische Spargelstraße zu den Anbaugebieten. In Niedersachsen gibt es die Niedersächsische Spargelstraße.
Verwendung in der Küche [Bearbeiten]
Spargel fallen aus einer Spargelschälmaschine in ein Wasserbecken
Spargelsprossen und Schälmesser
Typische Zubereitung mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise
Spargelschalen werden häufig als Grundlage für eine kräftige Spargelsuppe verwendet

Spargel ist ein sehr empfindliches Gemüse und sollte von der Ernte bis zur Zubereitung sorgsam behandelt werden. Guten weißen oder violetten Spargel erkennt man an geschlossenen Köpfen, gleichmäßigem Wuchs, einem noch feuchten, nicht hohlen Ende (bei Druck mit dem ***agel sollte Feuchtigkeit austreten) und an dem quietschenden Geräusch, das frische Spargelstangen beim Aneinanderreiben erzeugen. Dünne Stangen sind von minderer Qualität, die Handelsklasse 1 hat einen Durchmesser von zwölf bis 16 Millimetern, Handelsklasse 1 einen von 16 bis 26 Millimetern. Grüner Spargel kann etwas dünner sein, der Kopf ist durch die Lichteinwirkung schon leicht geöffnet.

Spargel sollte möglichst frisch verzehrt werden, hält sich im Kühlschrank jedoch zwei bis drei Tage, wenn man ihn in ein feuchtes Handtuch einwickelt. Er kann geschält (und auch bereits gekocht) unproblematisch eingefroren werden und ist dann lange Zeit haltbar. Allerdings verringert sich die geschmackliche Qualität. Schälen nach dem Einfrieren und Auftauen ist nicht möglich.
Zubereitung [Bearbeiten]

Spargel wird meistens gekocht, seltener gedünstet oder gebraten. Zur Vorbereitung muss weißer und violetter Spargel geschält werden, da die Schale faserig und zäh ist. Zum Schälen setzt man etwas unterhalb des Kopfes an und schält in Richtung des Spargelendes. Von ihm sollten einige Zentimeter abgeschnitten werden, da es holzig und/oder bitter sein kann. Die Reste lassen sich zur Herstellung eines Fonds als Suppengrundlage oder zum Garen des Spargels auskochen. Grüner Spargel muss oft nicht geschält werden, häufig nur das untere Drittel. Pro Person sind etwa 500 Gramm Spargel (bezogen auf das ungeschälte Gemüse) angemessen.

Da die zarten Köpfe schneller garen als der Rest, sollte Spargel aufrecht ? vorsichtig zusammengebunden ? in einem schmalen, hohen Topf bei mäßiger Temperatur gegart werden. Der Topf darf nicht aus Aluminium sein, da sich der Spargel sonst durch Aluminiumverbindungen (welche ungesund sind) grau verfärbt. Das Wasser wird mit Salz, etwas Zucker und einem Stück Butter angereichert und sollte nur bis höchstens knapp unter die Köpfe reichen. Man kann Zitronensaft hinzugeben, der für eine helle Farbe des Spargels sorgt, aber das Aroma leicht überdeckt. Je nach Dicke wird der Spargel 8 bis 15 Minuten gegart. In der modernen Küche wird Spargel auch ?bissiger? zubereitet, dazu wird er etwa drei bis vier Minuten gekocht und muss anschließend sechs bis acht Minuten ziehen.

Für besonders aroma- und inhaltsstoffschonend halten es manche Köche, den Spargel ohne Wasser im eigenen Saft zu garen. Dazu wird der geschälte Spargel in einem geschlossenen Topf für 15 bis 20 Minuten auf den eigenen Schalen und Abschnitten gedünstet. Spargel lässt sich, am besten in schmale Stücke geteilt, ebenfalls gut braten. Spargel kann auch roh verzehrt werden, etwa als Salat. Der typische Spargelgeschmack ist in roher Form jedoch weniger vorhanden.

Klassisch wird Spargel mit gekochten jungen Kartoffeln, zerlassener Butter, Sauce hollandaise oder Mayonnaise und Schinken serviert. In der Region um den Niederrhein wird Spargel auch mit zerlassener Butter und Rührei gegessen, in der Mark Brandenburg mit in Butter gerösteten Semmelbröseln. Als Variante wird zum Spargel auch ein gebratenes Kalbsschnitzel gereicht, seit etwa 20 Jahren gewinnt die Kombination von Spargel mit gebratenem oder gedünstetem Fisch an Bedeutung. In Baden serviert man Spargel mit Flädle oder Kratzete (Schmarrn) und gekochtem Schinken. Rund um Nürnberg wird der Spargel meist in der Form von Spargelsalat aus den ganzen, gekochten Stangen mit groben, fränkischen Bratwürsten oder kleinen Nürnberger Bratwürsten gereicht. In Südtirol ist Bozener Sauce, eine Art Mayonnaise aus gekochten Eiern üblich. In einigen Regionen Schleswig Holsteins wird Spargel auch mit "süßen" Pellkartoffeln gegessen. Diese Pellkartoffeln sind fertig gekocht und geschält nochmal in einer Pfanne mit Butter und Zucker angebraten. Dazu Würfelschinken und Sauce Hollandaise.
Inhaltsstoffe und Wirkung [Bearbeiten]

Spargel enthält durchschnittlich 2,26 % Proteine, 0,31 % Fett, 0,47 % Kohlenhydrate, 2,80 % sonstige stickstofffreie Substanzen, 1,54 % Cellulose, 0,57 % Phosphor und 92,04 % Wasser. Aufgrund der enthaltenen Asparaginsäure und seines hohen Kalium-Gehalts wirkt er harntreibend.

Spargel enthält in 100 Gramm Frischsubstanz:[6]

4 mg Natrium
210 mg Kalium
20 mg Calcium
20 mg Magnesium
45 mg Phosphor
1 mg Eisen
500 I.E. Vitamin A
0,11 mg Vitamin B1
0,12 mg Vitamin B2
0,60 mg Vitamin B6
1 mg Niacin
20 mg Vitamin C
2,5 mg Vitamin E

Verantwortlich für den strengen Geruch des Urins nach dem Verzehr von Spargel ist der im Spargel enthaltene Aromastoff Asparagusinsäure (1,2-Dithiolan-4-carbonsäure), der im Körper enzymatisch gespalten wird.[7] Die dabei entstehenden schwefelhaltigen geruchsintensiven Verbindungen werden über den Urin ausgeschieden.

Britische Wissenschaftler kamen 1980 zu dem Schluss, dass deren geruchliche Wahrnehmbarkeit genetisch bedingt ist: Nur ein Teil (22 % nach der zitierten Studie) der Menschen kann die aus Asparagusinsäure gebildeten Abbauprodukte geruchlich wahrnehmen. Sie finden sich aber auch im Urin von Menschen, denen diese Wahrnehmung fehlt.

Dies wurde jedoch 1987 durch eine Studie mit 800 Freiwilligen widerlegt. Es liegt nicht am Geruchssinn, sondern tatsächlich am genetisch bedingten Vorhandensein oder nicht Vorhandensein des Enzyms.[8] Das Phänomen ist allerdings weiterhin Forschungsgegenstand.[9] In einer neuen Studie (n=38) aus dem Jahre 2011 wurden beide Hypothesen in gewisser Weise bestätigt.[10]
Verzehr [Bearbeiten]

Früher wurde Spargel vornehmlich mit den *** verzehrt. Dies hatte den einfachen Grund, dass die Bestecke der damaligen Zeit aus Silber oder nicht-rostfreiem Stahl bestanden und durch schwefelhaltige Verbindungen im Spargel anliefen. Das Essen von Spargel mit den *** stellte keine Restriktion oder Verletzung der Etikette dar. Heutzutage werden insbesondere bei feinen Anlässen Messer und Gabel benutzt.
Literatur [Bearbeiten]

Klaus Englert, Hans-Peter Wodarz: Spargel: Geschichte ? Anbau ? Rezepte. HLV Ludwig, Pfaffenhofen 1985, ISBN 3-7787-2067-8.
Klaus Englert, Grieser, Hastreiter, Heller; Hans-Peter Wodarz (Hrsg.): Asparagus ? Vom Zauber des Spargels. Edition q, Berlin 1993 (ohne ISBN).
Franz Göschke: Die rationelle Spargelzucht. Berlin 1889.
Burmester und Bültemann: Spargelbau. Braunschweig 1880.
Gerhard Sulzmann: Genussfrucht Spargel. [göttliches Gemüse] In: AV-Buch. Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf 2005, ISBN 978-3-7040-2079-6 (mit Rezepten und Weinempfehlungen von Manfred Buchinger).
Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 7, Ulmer, Stuttgart, 1998.
Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland. Das kompetente Nachschlagewerk. Nikol, Hamburg 2001, ISBN 3-933203-40-6 (Lizenz des Theiss-Verlags Stuttgart).

Einzelnachweise [Bearbeiten]

? Spargel bei Informationszentrale gegen Vergiftungen der Uni Bonn
? http://www.fid-gesundheitswissen.de/spargel-wirkt-gut-gegen-wasserbeine-/103003362/
? Frische ent***t über Geschmack beim Bayerischen Bauernverband
? Spargelanbau bei www.marchfeldspargel.at
? Spargel - das königliche Gemüse Anbautipps - Trends, Neuheiten - Rezepte, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, S. 4 PDF-Datei, 590 kB
? Dr. med. Ernst Schneider: Nutze die Heilkraft deiner Nahrung. 16. Aufl., Saatkornverlag, Seite 180
? A polymorphism of the ability to smell urinary metabolites of asparagus.. www.pubmedcentral.nih.gov. Abgerufen am 9. Mai 2009.
? Wenn der Urin nach Spargel riecht. www.aerztezeitung.de. Abgerufen am 9. Mai 2009.
? Kai Kupferschmidt: Die Sache mit dem Spargel. www.tagesspiegel.de. Abgerufen am 1. Mai 2011.
? Pelchat et al.; "Excretion and perception of a characteristic odor in urine after asparagus ingestion: a psychophysical and genetic study" oder: Volltext Abgerufen am 6. Mai 2011

Weblinks [Bearbeiten]
Commons: Gemüsespargel (Asparagus officinalis) ? Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Spargel ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks Wikibooks: Kochbuch ? Lern- und Lehrmaterialien

Karte der Gesamtverbreitung
Europäisches Spargelmuseum Schrobenhausen
Spargelinhaltsstoffe
Spargelmuseum Nienburg
Geschichte des Spargels, Verwendung in der Küche und in der Medizin
Ursachen des Spargelgeruchs im Urin


Quelle:Wikipedia
















jetzt noch ein Artikel



Der Begriff Mittelalter bezeichnet in der europäischen Geschichte die Epoche zwischen dem Ende der Antike und der Neuzeit (ca. 6. bis 15. Jahrhundert). Sowohl der Beginn als auch das Ende des Mittelalters sind Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion und werden recht unterschiedlich angesetzt.

Im Mittelalter wurde die politische und kulturelle ***nz des griechisch-römisch geprägten Mittelmeerraums abgelöst durch eine neue, fast ganz Europa umfassende Welt christlicher Feudalstaaten romanischer, germanischer, slawischer und keltischer Völkerschaften. Grundzüge des europäischen Mittelalters waren eine nach Ständen geordnete Gesellschaft, eine gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft und Latein als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache. Daneben waren die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem Großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) sowie ein recht einheitliches Weltbild kennzeichnend für diese Epoche. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform des Mittelalters war der Feudalismus.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Begriffsgeschichte
1.1 Mittelalterlicher Eigenbegriff
1.2 Geschichte des Begriffs ?Mittelalter?
2 Zeitliche Einordnung
3 Unter***erung des Mittelalters
3.1 Frühmittelalter
3.2 Hochmittelalter
3.3 Spätmittelalter
3.4 Ende des Mittelalters
4 Populäre Mythen und Missverständnisse
5 Sonstiges
6 Siehe auch
7 Literatur
7.1 Nachschlagewerke und Handbücher
7.2 Sekundärliteratur
8 Weblinks
9 Einzelnachweise

Begriffsgeschichte [Bearbeiten]
Mittelalterlicher Eigenbegriff [Bearbeiten]

Das christliche Mittelalter sah sich selbst noch nicht als ein ?Mittelalter?, sondern verstand sich heilsgeschichtlich als eine im Glauben allen anderen Zeitaltern überlegene aetas christiana (?christliches Zeitalter?), die mit der Geburt Christi begann und erst mit dem Jüngsten Tag enden sollte. Während die vorausgegangenen Weltalter der Heilsgeschichte gemäß der Lehre von den drei, vier oder sechs Weltaltern (aetates mundi) noch weiter unterteilt wurden, gab es für die interne Periodisierung der aetas christiana kein fest etabliertes Epochenschema, sondern lediglich Ansätze, wie die Lehre von den sieben Perioden der Kirche (abgeleitet aus der Johannesapokalypse) oder die von Joachim von Fiore begründete Einteilung in eine Zeit des ?Sohnes? (von der Geburt Christi bis etwa 1260) und eine darauf folgende Zeit des ?Geistes?.

Die Vorstellung, dass auch innerhalb der aetas christiana geschichtliche Entwicklung im Sinne von Fortschritt oder Verfall stattfinden könnte, war dem christlichen Mittelalter dabei keineswegs fremd. Sie war jedoch aus der Sicht der römischen Kirche prekär, weil diese einerseits eine Weiterentwicklung oder Überbietung der christlichen Lehre seit der Zeit des Evangeliums und der Kirchenväter nicht zulassen oder zugeben und andererseits auch die eigene Entwicklung nicht unter dem Gesichtspunkt des Verfalls betrachten lassen wollte. Soweit sich entsprechende Geschichtsvorstellungen mit kirchenkritischen Reformkonzepten und eschatologischen Berechnungen der Endzeit verbanden, wurden sie deshalb, wie die Lehre Joachims und seiner Nachfolger, von der römischen Kirche bekämpft.
Karl der Große mit den Päpsten Gelasius I. und Gregor I. Darstellung aus dem 9. Jahrhundert

In der politischen, dabei gleichfalls heilsgeschichtlich ausgerichteten Geschichtsbetrachtung traten Periodisierungsvorstellungen besonders in Form der Lehre von der Translatio imperii auf, wonach die römische Kaiserwürde zunächst auf die oströmischen Kaiser von Byzanz, dann in der renovatio imperii Karls des Großen auf die Franken und schließlich mit der Kaiserkrönung Ottos des Großen auf die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches übertragen wurde. Die Translatio-Lehre war mit der christlichen Weltalterlehre im Ansatz vereinbar, da sie die Vorzugsstellung und dogmatische Einheit der aetas christiana nicht in Frage stellte und ihr Konfliktpotential stattdessen in der Beziehung zwischen Papst und Kaisertum lag. Ein Periodensystem für die Geschichtsschreibung zur christlichen Epoche ergab sich jedoch aus dieser Vorstellung nicht.
Geschichte des Begriffs ?Mittelalter? [Bearbeiten]

Der Begriff Mittelalter wurde in der Form medium aevum (?mittleres Zeitalter?) erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten eingeführt, die damit dann in den beiden folgenden Jahrhunderten zugleich auch das Verständnis der eigenen Epoche als Epoche der Wiedergeburt (Renaissance) begründeten. In der humanistischen Geschichtsbetrachtung wurde der christliche Glaube nicht in seiner allgemeinen Verbindlichkeit, sondern in seiner Gültigkeit als Maßstab für die Bewertung der weltgeschichtlichen Entwicklung entthronisiert und durch ein profangeschichtliches, nicht mehr primär von Theologen, sondern von Dichtern und Philologen konstruiertes Ideal der griechisch-römischen Antike ersetzt. Aus humanistischer Sicht war das Mittelalter ein ?dunkles Zeitalter? (aetas obscura), eine Epoche des Zerfalls und des Niedergangs, in der der sprachliche, literarische, technologische und zivilisatorische Entwicklungsstand der griechisch-römischen Antike bedingt durch den Einfall germanischer Völker und das dadurch herbeigeführte Ende des Weströmischen Reiches verloren ging, um erst in der eigenen Zeit durch die Wiederentdeckung antiker Quellen und die Wiederbelebung antiker Stilnormen zum Gegenstand der Nachahmung (imitatio) oder sogar Überbietung (aemulatio) zu werden.

Der Begriff des Mittelalters etablierte sich in der Folgezeit dann als Epochenbegriff mit tendenziell abwertender Bedeutung, wobei die Epochengrenzen meist einerseits mit dem Ende des Weströmischen Kaisertums im Jahr 476 und andererseits mit dem Ende des Oströmischen Reiches durch die osmanische Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 angesetzt wurden, letzteres speziell im Hinblick darauf, dass byzantinische Gelehrte bei ihrer Flucht in den Westen wichtige griechische Handschriften mitbrachten, die dem lateinischen Mittelalter unbekannt geblieben oder nur durch arabische Übersetzungen bekannt geworden waren.

Eine dezidiert positive Neubewertung, zum Teil verbunden mit nostalgischer Verklärung und mit dem Bedürfnis nach Bestimmung der eigenen christlichen oder nationalen Wurzeln und Identität, kam erst in der Zeit der ausgehenden Aufklärung und besonders in der Romantik auf und war seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts ein wesentlicher Antrieb für die verstärkte philologische und historische Beschäftigung mit dem Mittelalter. In der modernen Forschung werden die originären Leistungen des Mittelalters und dessen eigene Kontinuation antiker Überlieferung nicht mehr wertend an der humanistischen Elle antiker ?Größe? gemessen, sofern Fortschritt, Verfall oder Wiedergeburt überhaupt noch als geeignete Kategorien wissenschaftlicher Geschichtsforschung angesehen werden, und an die Stelle nationalistischer tritt häufig eine europäisch ausgerichtete Rückbesinnung, die die ?Geburt Europas im Mittelalter? (Jacques Le Goff) betont.

Mit dem humanistischen Begriff der aetas obscura verwandt, aber in der Bedeutung abweichend ist der besonders in der englischsprachigen Geschichts- und Frühgeschichtsforschung etablierte Begriff der Dunklen Jahrhunderte (Dark Ages), worunter allgemein Perioden fehlender oder in der Forschung noch nicht aufgearbeiteter schriftlicher bzw. archäologischer Überlieferung, meist als Zwischenphasen gegenüber vorausgegangenen, vergleichsweise besser dokumentierten Perioden verstanden werden. In der Geschichte Englands zum Beispiel bezeichnet man so speziell den Zeitraum nach dem Ende der römischen Besatzung bis etwa zur Zeit König Alfreds von Wes***, also die Zeit der Einwanderung der Angeln, Sachsen und Jüten.

Außerhalb der Fachsprache werden heute Denk- oder Verhaltensweisen oder ganze Kulturen überspitzt als ?mittelalterlich? bezeichnet, um ihnen besondere Rückständigkeit und einen Mangel an Aufklärung und Humanität zuzuschreiben.
Zeitliche Einordnung [Bearbeiten]
Mittelalterliche Burg in Deutschland

Die Bezeichnung ?Mittelalter? bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation, denn der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet. Es bezieht sich also in erster Linie auf den europäischen Kontinent und die Britischen Inseln. Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n. Chr. bis etwa 1500 ein. Wesentlich konkreter sind folgende Bezugsdaten:

Das europäische Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ausklang der Völkerwanderungszeit, deren Ende in der Forschung in das Jahr 568 datiert wird, bis zum Zeitalter der Renaissance seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts (bezüglich der Problematik der Datierung des Beginns des Mittelalters siehe auch Ende der Antike und Spätantike).

Die Datierungsansätze sind nicht immer einheitlich, denn es kommt ent***nd darauf an, welche Aspekte der Entwicklung betont werden und welche Region man jeweils betrachtet.[1] Stellt man zum Beispiel den Einfluss des Islam und die Eroberung weiter Teile des einstmals römischen Gebietes durch die Araber in den Vordergrund und blickt eher auf den östlichen Mittelmeerraum als auf Westeuropa, so kann man Mohammeds Hidschra (622) oder den Beginn der arabischen Expansion ab 632 als Ende der Spätantike und Beginn des Mittelalters sehen. Desgleichen gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks (um 1450), die Eroberung von Konstantinopel 1453, die Entdeckung Amerikas 1492, der Beginn der Reformation (1517) oder auch der große Bauernkrieg von 1525. Andere Ansätze weiten das Ende des Mittelalters noch darüber hinaus aus (sogenanntes ?langes Mittelalter? bis ins 19. Jahrhundert, wofür z. B. Jacques Le Goff eintritt),[2] doch sind dies Minderheitsmeinungen.

Fokussiert man einzelne Länder, so kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die Antike am Rhein oder in Britannien aufgrund der dortigen Entwicklungen während der Völkerwanderung deutlich früher als etwa in Italien, Kleinasien oder Syrien. Auf der anderen Seite war zum Beispiel zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Italien bereits das Zeitalter der Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in England noch vom Mittelalter spricht. Im Norden Europas folgt der Völkerwanderungszeit die "germanische Eisenzeit", die in Schweden durch die Vendelzeit (650-800) abgelöst wird. In Skandinavien beginnt um 800 die Wikingerzeit, die 1050 endet und dann in das "nordische Mittelalter" übergeht.
Unter***erung des Mittelalters [Bearbeiten]
Ottos Sieg über Berengar II. (Illustration einer Mailänder Handschrift, um 1200). Otto I. (?Theotonicorum rex?) empfängt als Zeichen der Unterwerfung ein Schwert vom links knienden König, der mit ?Beringarius? bezeichnet wird. Der Gefolgsmann Ottos rechts trägt ein Schwert mit der Spitze nach oben als Zeichen der Richtgewalt.

Im deutschsprachigen Raum hat seit dem 19. Jahrhundert die von der Nationalidee beeinflusste, an der fränkischen und deutschen Herrschergeschichte orientierte Geschichtsschreibung das europäische Mittelalter vornehmlich in drei Hauptphasen ge***ert:

Frühmittelalter (spätes 6. Jahrhundert bis Anfang 10. Jahrhundert), die Epoche der Merowinger und Karolinger
Hochmittelalter (Anfang 10. Jahrhundert bis ca. 1250), die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer
Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500), der "Herbst des Mittelalters", nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee

Diese Trinität war an der Vorstellung von Aufstieg, Blüte und Verfall ausgerichtet.

Durch veränderte Fragestellungen, insbesondere auch den Einfluss wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlicher Fragestellungen, ging man allmählich von dem an der Herrschergeschichte ausgerichteten Ordnungsmodell ab und betonte die Veränderungen des 11./12. Jahrhundert als ent***nde Zäsur des als Mittelalter bezeichneten Jahrtausends. Oft führt das dazu, dass man nur noch das frühere vom späteren Mittelalter unter***t.

Von einzelnen Autoren vorgenommene abweichende Ein- und Zuordnungen sind naturgemäß von unterschiedlichen Fragestellungen und Schwerpunktsetzungen beeinflusst. Neben rein sachlichen Kriterien haben sie allerdings bisweilen auch Profilierungsgründe zur Ursache.
Frühmittelalter [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Frühmittelalter

Die Völkerwanderung wird von der Forschung als Binde*** zwischen Antike und Mittelalter angesehen und in der Regel der Spätantike zugerechnet. Mit dem Ende der Völkerwanderung, das traditionell mit dem Einfall der Langobarden in Italien (568) verbunden wird, begann zumindest in West- und Mitteleuropa das Frühmittelalter. In Ostrom hingegen hielten sich antike Strukturen noch einige Jahrzehnte länger.
Frühmittelalterliche Bewaffnung: Spatha, Sax, Franziska, Spangenhelm, Lanzenspitze und Schildbuckel, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Im Frühmittelalter fanden viele einschneidende Entwicklungen statt. So begann in den noch nicht christlichen Gebieten (wie Britannien und die Gebiete östlich des Rheins) die Christianisierung, hauptsächlich durch die Tätigkeit irischer Missionare. Etwa um 500 begann unter König Chlodwig I., der mit seinem Adel geschlossen zum katholischen Christentum übergetreten war (dem Glaubensbekenntnis der gallischen Mehrheitsbevölkerung), der Aufstieg des Frankenreichs, das schließlich auf der Grundlage der Überreste des Weströmischen Reiches und der Reiche mehrerer germanischer Völker (so der Burgunder und den Gebieten der Westgoten in Gallien sowie der Langobarden in Oberitalien) seine Vorherrschaft in West- und Mitteleuropa begründet. Dabei blieb das (476 im Westen de facto zusammengebrochene) Römische Reich während des gesamten Mittelalters ein wesentlicher Referenzpunkt politischen Denkens. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellte die Krönung Karls des Großen zum ?römischen Kaiser? (Translatio imperii) durch den Papst an Weihnachten des Jahres 800 dar. Nach seinem Tod 814 zerfiel das Frankenreich allmählich. Aus seiner westlichen Hälfte entstand das spätere Frankreich, während sich aus der Osthälfte später das ?Heilige Römische Reich? entwickelte. Daneben erhielt der Papst durch die sogenannte ***nische Schenkung 754 neben seiner geistlichen nun auch weltliche Macht, was später (vor allem ab dem 11. Jahrhundert) häufiger zu Spannungen zwischen den Königen und dem Papst führen sollte, wobei die ent***nde Frage war, ob der gekrönte Kaiser dem Papst untergeordnet sei oder nicht.

Zwischen 800 und 1100 bzw. 900 und 950 fallen die Einfälle der Wikinger sowie der Magyaren. Zusammen mit der Eroberung Nordafrikas und eines Großteils der Iberischen Halbinsel von ca. 650 bis 720 durch die Muslime bewirken sie die Auslöschung der letzten spätantiken Strukturen ? soweit diese noch vorhanden waren ? und setzten eine Entwicklung in Gang, die viele Bauern im Frankenreich ihrer Freiheit beraubte und die staatliche Autorität zersplitterte, da die Verteidigung der einzelnen Gebiete den dortigen Grundherren auferlegt wurde. Dies führte letztendlich zum Entstehen des feudalistischen Wirtschaftssystems. Die britischen Inseln und Nordfrankreich haben am meisten unter den Angriffen der Wikinger zu leiden, wobei die Angreifer in Britannien einige Königreiche errichteten, aus denen später England entstand.

Wirtschaftlich stellte das Frühmittelalter hauptsächlich eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der Grundherrschaft herauszustellen ist. Nur in Byzanz und in einigen urbanen Zentren spielte Geldwirtschaft im Alltag weiterhin eine bedeutende Rolle.

Wesentliche Kulturträger waren das Byzantinische Reich, die Klöster, insbesondere die des Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des arabisch-muslimischen Kulturkreises, durch die ein wesentlicher Teil der antiken Literatur und Wissenschaften bewahrt werden konnte.
Hochmittelalter [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Hochmittelalter
Ritterdarstellung im Codex Manesse, 14. Jahrhundert

Das Hochmittelalter war die Blütezeit des Rittertums und des römisch-deutschen Kaiserreichs, des Lehnswesens und des Minnesangs. Man kann diese Ära auch als Zeitalter der Wiedererstarkung Europas bezeichnen, wobei die Machtstellung mehrerer europäischer Reiche zunahm. Die Bevölkerung begann zu wachsen, Handwerk und Handel wurden gefördert und auch die Bildung war nun nicht länger ausschließlich ein Privileg des Klerus. Allerdings verlief die Entwicklung in den einzelnen Reichen recht unterschiedlich.

In diese Epoche fallen die Kreuzzüge, in denen sich der massive Einfluss der seit 1054 gespaltenen Kirche zeigt (siehe hierzu auch Morgenländisches Schisma). Während der Kreuzzüge ziehen immer wieder Heere aus West- und Mitteleuropa in den Nahen Osten, um die dortigen christlichen ?heiligen Stätten? von den Moslems zu ?befreien?, doch gelang es den (West-)Europäern nicht, sich dauerhaft dort festzusetzen. Später traten die einstmals religiösen Ziele der Kreuzzüge oftmals zugunsten von Machtgelüsten oder Profitgier in den Hintergrund.

Im Laufe der Kreuzzüge entwickelte sich auch ein Fernhandel mit der Levante, von dem insbesondere die italienischen Stadtstaaten, v.a. die Republik Venedig, profitieren konnten. Mit dem Handel gewann die Geldwirtschaft an Bedeutung. Ebenso gelangten neue bzw. wiederentdeckte Ideen nach Europa; so wurde zum Beispiel Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität innerhalb der Scholastik. In Italien und später in Frankreich entstanden die ersten Universitäten. Vor allem in Mitteleuropa entstand das Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägte.

Das Hochmittelalter war auch eine Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste zur Folge hatte. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters waren neben den Zisterziensern die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Daneben entstanden neue christliche Laienbewegungen, die von der katholischen Kirche als häretisch bezeichnet wurden, darunter die Glaubensbewegungen der Katharer oder Waldenser. Im Hochmittelalter wurde auch deshalb die Inquisition ins Leben gerufen, um gegen diese sogenannten Ketzer vorzugehen.

In Nord- und Osteuropa bildeten sich im Zuge der fortschreitenden Christianisierung neue Königreiche wie England, Norwegen, Dänemark, Polen, Ungarn und Böhmen. Ebenso entstanden noch weiter im Osten unter dem Einfluss der Wikinger und orthodoxer Missionare aus dem byzantinischen Reich, das um 1000 seinen Höhepunkt erreichte, weitere Reiche wie das Kiewer Reich. Während Byzanz durch den vierten Kreuzzug im Jahre 1204 eine ent***nde Schwächung seiner Macht erfuhr, wurde das Reich der Kiewer Rus im Zuge des Mongolensturms 1223 zerstört; weitere osteuropäische Reiche (vor allem Polen und Ungarn) entgingen nur knapp dem Untergang. Daneben begannen ab 1000 die nach der islamischen Eroberung verbliebenen christlichen Reiche der Iberischen Halbinsel mit der sogenannten Reconquista, also der Rückeroberung des späteren Staatsgebietes von Spanien und Portugal von den Mauren.
Spätmittelalter [Bearbeiten]
? Hauptartikel: Spätmittelalter
Original-Doppelseite aus dem Reiner Musterbuch, Anfang 13. Jh., seit 16. Jh. in der Österreichischen Nationalbibliothek
Burghof einer spätmittelalterlichen Burg in Deutschland

Das Spätmittelalter war die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. Während das Byzantinische Reich nach der Eroberung Konstantinopels 1204 während des Vierten Kreuzzuges langsam aber sicher seinem Untergang entgegenging, gewannen die christlichen Staaten auf der iberischen Halbinsel nach dem Sieg bei Las Navas de Tolosa im Jahre 1212 immer weiter an Boden.

Dennoch erlebte Europa ab etwa 1300 auch eine gewisse Krisenzeit, wenngleich die neuere Forschung wesentlich differenzierter als die ältere urteilt. Im Jahre 1291 fiel Akkon, die letzte Festung der Kreuzfahrer im Nahen Osten, die Autorität des Papstes schwand im Zuge des sogenannten Abendländischen Schismas. Die schlimmste Katastrophe in der sogenannten Krise des 14. Jahrhunderts stellte jedoch die Pest dar, der ?Schwarze Tod?, die ab 1347 von der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer kommend die Länder Europas verheerte und zwischen einem Drittel und der Hälfte der europäischen Bevölkerung, v.a. in den Städten, das Leben kostete. Die Entvölkerung führte zu Aufständen und einem Wandel der Sozialstrukturen, die das Rittertum zugunsten des Bürgertums schwächten und in der katholischen Kirche einige Reformbewegungen auslösten.

Etwa zur gleichen Zeit wie die Entvölkerung begann aufgrund von Erbstreitigkeiten um die französische Krone der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England. Von 1340 bis etwa 1420 behielten die Engländer die Oberhand, bis Jeanne d'Arc, heute als die Jungfrau von Orleans bekannt, den Franzosen wieder Hoffnung gab und ihnen bei Orleans zum Sieg verhalf. Obwohl sie schon 1431 von den Engländern zum Tode verurteilt wurde, konnte Frankreich den Krieg 1453 siegreich beenden, in demselben Jahr, in dem Konstantinopel an die osmanischen Türken fiel und in Deutschland der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden wurde.

Kunst und Wissenschaften befanden sich im Spätmittelalter im Aufbruch. Die bereits im Hochmittelalter erfolgte Gründung der ersten Universitäten, vor allem in Italien (Bologna) und Frankreich (Paris), verhalf den Wissenschaften und der Philosophie zu einem neuen Aufschwung, denn sie verbreiten die Lehren antiker Gelehrter und ebneten so den Boden für die Epoche der Renaissance. Den Künstlern eröffneten sich neue Möglichkeiten dank Auftragsarbeiten für das selbstbewusste Bürgertum: Die bisher auf kirchliche Motive beschränkte Malerei wurde nun auf andere Bereiche ausgeweitet, auch die Dreidimensionalität wurde von den Malern entdeckt. Die Architektur lehnte sich infolge der Renaissancebewegung wieder an alte römische und griechische Vorbilder an.

Auch die Wirtschaft erlebte trotz der Pest eine Blüte. Hier sind vor allem wieder die italienischen Stadtstaaten hervorzuheben, aber auch der in der Nord- und Ostsee entstandene Städtebund der Hanse. Die Hanse bewirkte durch den schwunghaften Handel eine weitere Besiedelung Nord- und vor allem Osteuropas durch hauptsächlich deutsche Kolonisten (siehe hierzu den Artikel Ostkolonisation). Durch die Handelskontakte entstanden daneben in Russland eine Reihe neuer Fürstentümer, die nach und nach das mongolische Joch abschüttelten. Aus dem mächtigsten von ihnen, dem Fürstentum Moskau, sollte sich später das russische Zarenreich entwickeln.
Ende des Mittelalters [Bearbeiten]
Der Fall Konstantinopels in einer Darstellung aus dem 15. Jahrhundert

Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im Allgemeinen die Zeit der Renaissance (je nach Land spätes 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert), die Erfindung des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, die Entdeckung insbesondere der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492, oder auch den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der Reformation. Diese Ereignisse sind alle zwischen der Mitte des 15. und der Schwelle zum 16. Jahrhundert anzusiedeln. Im selben Zeitraum kann man das Ende des Mittelalters in Deutschland auch mit der Reichsreform als dem verfassungsrechtlichen Ende des klassischen Feudalismus lokalisieren.

Angeführt wird ferner die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453), da mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Staatsgebilde der Antike unterging. Der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach Italien wird für den Beginn der Renaissance als mitverantwortlich gesehen. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches blockiert, sodass westeuropäische Seefahrer neue Handelswege erkundeten. Die Suche nach einem Seeweg nach Indien führte unter anderem zur Entdeckung Amerikas 1492.
Populäre Mythen und Missverständnisse [Bearbeiten]

Bereits in der Renaissance wurden die Epoche zwischen der Antike und der damaligen Gegenwart als ein Zeitalter betrachtet, wo das Wissen und die Werte der antiken Kulturen in Vergessenheit gerieten, woraus sich ihre kulturelle und geistige Unterlegenheit ableiten ließ. Diese Einstellung wurde im 19. Jahrhundert im Zuge der aufkommenden Romantik übernommen und weiter ausgebaut, wobei die Rezeption vergangener Zeiten gemäß der Aufklärung, der M*** des Viktorianischen Zeitalters und durch ?Fortschrittsgläubigkeit? und Vernunftsorientierung beeinflusst wurde. Dadurch entstand im 19. Jahrhundert eine moderne und bis heute populäre Rezeption des historischen Mittelalters, die im Großen und Ganzen eher auf dem romantischen Zeitgeist als auf historischen Quellen basiert.
Durch das Loch in der Decke wurde im Mittelalter zur Abwehr des Feindes heißer Teer gekippt. Bild: ? Burg Schönfels
Mittelalterliche Produktion von Manuskripten[3]

Im Laufe der Zeit haben sich auf diese Weise Vorstellungen vom historischen Mittelalter herausgebildet, die keine historische Grundlage besitzen und sich dennoch einer breiten Bekanntheit erfreuen[4].

Die Menschen des Mittelalters glaubten, die Erde sei flach (siehe auch Flache Erde#Ansichten über die Scheibenform der Erde in der Moderne). Diese Meinung ist entgegen landläufiger Ansicht eine moderne und wird durch historische Quellen nicht gestützt. Die bekannteste Abbildung, welche oft als symbolischer ?Beweis? herangezogen wird, ist der Holzstich von Flammarion, der jedoch aus dem Jahr 1888 stammt und deshalb diesbezüglich keinerlei Aussagekraft besitzt. Die Behauptung, Menschen des Mittelalters glaubten, dass die Erde flach sei, taucht zum ersten Mal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und ist somit für das Mittelalter nicht als historisch zu betrachten.[5] Vor allem Washington Irving trug wesentlich zur Festigung des o.g. Mythos bei durch seine Columbus-Biografie von 1828, wo er aus literarischen Gründen den Matrosen unterstellte sie hätten Angst vom Rand der ?Erdenscheibe? herunterzufallen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die im Mittelalter bekannten Ideen des Aristoteles sowie das Ptolemäische Weltbild die Erde als eine Art Sphäroid lehren, war die Vorstellung einer ?Erdenscheibe? für die Gelehrten des Hochmittelalters an sich untragbar.[6]

Menschen im Mittelalter waren ungebildet, rückständig und abergläubisch. Diese Vorstellung trifft nur bedingt zu (schichtenabhängig). Werke bedeutender Autoren entstanden im Mittelalter, etwa jene von Thomas von Aquin, Meister Eckhart, Roger Bacon, Albertus Magnus u. v. a. Die Gründung von Universitäten, der Ausbau der Städte, technologische Fortschritte (z.B. die Erfindung der Brille) sowie umfangreiche zeitgenössische Überlieferungen widersprechen der Annahme eines "barbarischen" Mittelalters.[7]. Die so häufig genannte Hexenverfolgung war v.a. ein Phänomen zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert - und somit eine Erscheinung der Renaissance bzw. der Neuzeit und nicht des Mittelalters.

Die islamische Welt brachte die Wissenschaft nach Europa. Zwar gab es um die Jahrtausendwende intensive Kontakte und kulturellen Austausch zwischen dem Nahen Osten und Abendland, die Vorstellung eines komplett ignoranten Europas ist jedoch nicht haltbar (siehe Hauptartikel Philosophie des Mittelalters). Nach dem Zusammenbruch des einheitlichen Römischen Reiches gingen viele Werke der antiken Wissenschaftler und Philosophen verloren, Werke, die unter anderem Mathematik, Astronomie und Medizin behandelten (siehe Bücherverluste in der Spätantike). Viele davon fanden Eingang in die arabisch-muslimische Welt und lagen in arabischer Übersetzung vor, so dass viele Werke z.B. des Aristoteles und Euklid (die in Europa de facto zumindest teilweise verloren gegangen sind) im Zuge der Conquista und der Kreuzzüge quasi eine Rückführung nach Europa erfuhren. Dabei profitierte der Westen ebenfalls von den eigenen Werken arabischer Philosophen und Denker, die noch Jahrhunderte lang die westliche Wissenschaft mitgeprägt haben. Dass es in Europa bereits im 8 Jh. weitreichende Bildung und regelrechte Bildungszentren gab, ist historisch belegt, vor allem ist die sog. Karolingische Renaissance diesbezüglich sehr aufschlussreich, und widerlegt die populäre Vorstellung der kompletten Übernahme der westlichen Wissenschaft aus dem Orient. Ebenfalls weit verbreitet ist die Vorstellung dass wichtige Erfindungen wie Buchdruck, Schwarzpulver, Kompass, Armbrust, Fernrohr und Papier allesamt aus China oder Persien übernommen wurden, was die Rückständigkeit des mittelalterlichen Europas unterstreichen soll. Zwar gibt es Hinweise dass Schwarzpulver als solches durch die Expansion des Mongolischen Reiches nach Europa gelangt ist und das Papier nachgewiesenermaßen entlang der Seidenstraße ihren Weg nach Europa fand[8], existieren jedoch für die meisten anderen Erfindungen europäische Gegenstücke[9][10], welche oft bis in die römisch-griechische Antike reichen und keinen chinesischen oder persischen Einfluss erkennen lassen. Man geht heute davon aus, mangels gültiger Beweise eines direkten chinesischen Einflusses, dass die meisten dieser Erfindungen keine "Kopien" oder "Übernahmen" sondern eigene Parallelentwicklungen darstellten.

Gewalt, Krieg und Seuchen waren allgegenwärtig, die Lebenserwartung war gering. Obwohl es in Europa zwischen 500 und 1500 zahlreiche Kriege gab, gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass diese mit größerer Brutalität oder Rücksichtslosigkeit als in der Neuzeit geführt wurden.[11] Außerdem ist in der Zeit zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert ein deutliches Bevölkerungswachstum sowie eine Ausbreitung des Siedlungsgebietes feststellbar, was auf die günstigeren Klimabedingungen zurückzuführen ist. Die kleine Körpergröße der Menschen im Mittelalter ist eine weitverbreitete, heute jedoch weitgehend widerlegte Annahme. Untersuchungen an Skeletten in den letzten Jahrzehnten haben ergeben, dass die durchschnittliche Körpergröße des mittelalterlichen Menschen vergleichbar ist mit der durchschnittlichen Größe der Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.[12] Europa erlebte im Hochmittelalter eine ausgeprägte Wärmeperiode, im Süden Englands wurde Wein angebaut. Erst im 14., 15. Jahrhundert verschlechterte sich das Klima zur sogenannten ?Kleinen Eiszeit?; die damit verbundene Nahrungsumstellung und teilweise Mangelernährung wirkte sich in den darauffolgenden Jahrhunderten auf die durchschnittliche Körpergröße aus.

Die Pest als dominierende Seuche des Mittelalters. Die Betrachtung der Pest als typisch mittelalterliche Erscheinung ist eine Vorstellung der Moderne: Zwischen der Justinianischen Pest und der spätmittelalterlichen Pandemie lagen vom 8. bis zum 14. Jahrhundert mehr als 500 ?pestilenz-freie? Jahre. Laut den neuesten Erkenntnissen der Genetik[13] ist der Erreger, der für die spätmittelalterliche Pandemie 1347?1353 verantwortlich ist, ein zu dieser Zeit kürzlich entstandener Stamm der Yersinia pestis gewesen. Da die modernen für Tier und Mensch gefährlichen Yersinia-Varianten laut genetischen Befunden von diesem Ur-Typ (und evtl. seinen Variationen) abstammen, und sich untereinander nur wenig unter***n, geht man zurzeit davon aus, dass die extreme Virulenz des mittelalterlichen Yersinia-Typus auf mangelhafte Immunität der Bevölkerung (was gewöhnlich bei neuen und aggressiven Erregern oft der Fall ist) und die ungünstigen gesellschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen sind.[14] Die so häufig postulierte "mangelnde Hygiene" und "völlige Abwesenheit medizinischer Kenntnisse" als einzig und alleinige Ursache für die Pandemie sind demzufolge nicht zutreffend - die nachfolgenden Epidemien verliefen bei weitem nicht so dramatisch, was durch die immunologische Anpassung der Bevölkerung (Selektionsdruck durch Yersinia pestis) und medizinische Erkenntnisse möglich wurde. Gerade weil es sich um eine bis dahin unbekannte Seuche handelte, waren die Gelehrten ratlos und überfordert; diese Defizite konnten nur im Verlauf der Zeit ausgeglichen werden. Die genetischen Erkenntnisse stellen außerdem die Zugehörigkeit dieses Yersinia-Erregers der "Justinianischen Pest" in Frage, denn laut oben genannten Befunden ist jene mittelalterliche Yersinia-Variante im 13-14 Jh. vermutlich in China entstanden und kann hiermit nicht für Epidemien der Spätantike und des Frühmittelalters verantwortlich sein. Als "typisch mittelalterliche Seuche" im Zeitraum vom 6 bis 16 Jh. kann jene spätmittelalterlich-neuzeitliche Yersinia pestis - Variante, welche für die Pandemie 1347-1353 verantwortlich war, mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden.[15]

Bauern und die niederen Stände mussten ständigen Hunger, Kälte und unmenschliche Arbeit erdulden. Das Bild vom geschundenen Bauern in zerlumpter Kleidung erfuhr seine größte Popularität in der filmischen Darstellung des Mittelalters. Historisch gesehen war das Leben der niederen Stände jedoch deutlich vielseitiger und weniger entbehrungsreich, als heute oft angenommen wird.[16] (siehe dazu: Esskultur des Mittelalters). Der durchschnittliche Fleischverbrauch pro Kopf war im mittelalterlichen Mitteleuropa ca. siebenmal so hoch wie im Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts und immer noch höher als der Fleischkonsum in Mitteleuropa zu Beginn des 21. Jahrhunderts.[17][18] Während der mittelalterlichen Warmzeit waren Missernten viel seltener als später, was den sozialen und technologischen Ausbau sowie die Expansion der Siedlungsräume ermöglichte. Außerdem ist zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ein rasanter Bevölkerungszuwachs nachweisbar[19] der rein physiologisch nur mit einer entsprechenden Ernährung stattfinden konnte. Klimatisch und jahreszeitlich bedingte Schwankungen in der Erntemenge und Nahrungsverfügbarkeit waren zu allen Zeiten gegeben (Hunger im späten Winter), eine oft zitierte ?vom Hunger beherrschte dunkle Zeit? lässt sich im historischen Hochmittelalter nicht nachweisen.

Abwesenheit der Körperhygiene. Zahlreiche Badehäuser sind in mittelalterlichen Städten archäologisch belegt[20], genauso wie zeitgenössische Schriften, in denen eindeutig zu ausgedehnter Körperpflege und Hygiene gemahnt wird (z. B.: Passionibus Mulierum Curandorum von Trotula sowie Regimen Sanitatis Salernitanum aus dem Umfeld von Schola Medica Salernitana und Compendium Medicinae von Gilbertus Anglicus). Anderweitige historische Überlieferungen zeugen außerdem von ausgeprägter Badelust der gehobener Schichten.[21] Wie auch zu anderen Zeiten und in anderen Ländern war Hygiene eine persönliche Angelegenheit, die mit Sicherheit auch von der gesellschaftlichen Schicht abhängig, unterschiedlich extensiv praktiziert wurde.[22] Besonders im nördlichen Europa finden sich seit dem Frühmittelalter hölzerne Badehäuser und Dampfbäder, welche bis heute in Skandinavien und Osteuropa verwendet werden.

Willkür, Folter und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. Entgegen der weitläufigen Meinung ist im 16. Jahrhundert der eigentliche Höhepunkt der Hexenverfolgung anzubringen. Bereits der Sachsenspiegel, ein bedeutender hochmittelalterlicher Rechtscodex, offenbart wohlstrukturierte Rechtsverhältnisse, welche große Teile des Lebens regeln. Eine besondere Rechtlosigkeit des Bürgers und des Bauern ist angesichts der feudalen Strukturen sowie der damals sehr wohl bestehenden Rechtsordnung nicht zutreffend.

Sonstiges [Bearbeiten]

In der japanischen Geschichte wird die Zeit von ca. 1200 bis ca. 1600 als Japanisches Mittelalter bezeichnet. Diese Epoche zeichnete sich durch eine starke ***nz des Buddhismus und des Feudalismus aus.
Siehe auch [Bearbeiten]

Portal:Mittelalter ? Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Mittelalter
Literatur [Bearbeiten]

Wichtige Quellen sind im großen Umfang gesammelt in den Monumenta Germaniae Historica. Siehe auch die dt.-latein. Ausgaben der Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe (FSGA). Wichtige Quellen stellen u. a. neben der Geschichtsschreibung auch Konstitutionen und andere Aktenquellen sowie Regesten dar.

Eine hervorragende Bibliographie findet sich hier (erstellt vom Historischen Seminar der Uni. Bonn) sowie hier (Uni. Tübingen; umfangreiche Liste mit Quellen- und Literaturangaben). Ansonsten sei auf die Angaben im Lexikon des Mittelalters, den einschlägigen Bänden der Reihe Oldenbourg Grundriss der Geschichte (Bd. 4?9) sowie der Enzyklopädie deutscher Geschichte oder den Bibliographien der unten aufgeführten Werke verwiesen.
Nachschlagewerke und Handbücher [Bearbeiten]

The New Cambridge Medieval History. Cambridge 1995?2005 (Hervorragende und aktuelle Gesamtdarstellung; jeder Band bietet eine umfassende Bibliographie).
Lexikon des Mittelalters. 9 Bände, dtv-Verlag, München 2002 (in Hardcover München-Zürich 1980?1998, grundlegendes Werk).
The Oxford Dictionary of the Middle Ages. Hrsg. von Robert E. Bjork. 4 Bde. Oxford 2010.

Sekundärliteratur [Bearbeiten]

Hartmut Boockmann: Einführung in die Geschichte des Mittelalters. 8. Auflage. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-36677-2 (Eine gute strukturelle Einführung ins Mittelalter).
Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter. Frankfurt am Main/Berlin 1988, ISBN 3-548-34004-0.
Arno Borst: Barbaren, Ketzer und Artisten: Welten des Mittelalters. München 1988, ISBN 3-492-03152-8.
Arnold Esch: Wahre Geschichte aus dem Mittelalter. Kleine Schicksale selbst erzählt in Schreiben an den Papst. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60133-0.
Fischer Weltgeschichte, Mittelalter und frühe Neuzeit. 4 Bände, ISBN 3-596-50732-4.
Horst Fuhrmann: Einladung ins Mittelalter. C. H. Beck, München 1987, ISBN 3-406-32052-X.
Horst Fuhrmann: Überall ist Mittelalter: von der Gegenwart einer vergangenen Zeit. C. H. Beck, München 1996, ISBN 3-406-40518-5.
Johannes Fried: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur. C.H. Beck, München 2008, ISBN 3406578292.
Johannes Fried, Olaf B. Rader (Hrsg.): Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends. C.H. Beck, München 2011.
Friedrich Heer: Mittelalter. Von 1100 bis 1350. In: Kindlers Kulturgeschichte. Parkland-Verlag, Köln 2004, ISBN 3-89340-060-5.
Karl Helmer: Bildungswelten des Mittelalters. Denken, Gedanken, Vorstellungen und Einstellungen. Schneider Hohengehren, Baltmannsweiler 1997, ISBN 978-3-87116-762-1.
Heinz-Dieter Heimann: Einführung in die Geschichte des Mittelalters. 2. Auflage, UTB, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8252-1957-4
Peter Hilsch: Das Mittelalter ? die Epoche. 2. Auflage. UTB, Stuttgart 2008.
Jacques Le Goff: Die Geburt Europas im Mittelalter. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51762-5.
Tom Holland: Millennium. Die Geburt Europas aus dem Mittelalter (aus dem Englischen von Susanne Held, Original: Millennium. The End of the World and the Forging of Christendom), Klett Cotta, München 2009, ISBN 978-3-608-94379-5.
Gerhard Lubich: Das Mittelalter. Schöningh, Paderborn u.a. 2010, ISBN 978-3-8252-3106-4.
Michael Matheus / Massimo Miglio (Hrsg.): Stato della ricerca e prospettive della medievistica tedesca. Atti della Giornata sulle storiografie (Roma 19-20 febbraio 2004). Istituto storico italiano per il medio evo, Roma 2007, ISBN 88-89190-24-8.
Harald Müller: Mittelalter. Akademie-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004366-1.
Ferdinand Seibt: Glanz und Elend des Mittelalters. Eine endliche Geschichte. Siedler, Berlin 1987, ISBN 3-88680-279-5.
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter ? Natürliches Lebensumfeld und menschliches Miteinander. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002, ISBN 3-534-15999-3.
Elisabeth Vavra (Hrsg.): Bild und Abbild vom Menschen im Mittelalter. Wieser Verlag, Klagenfurt 1999, ISBN 3-85129-269-3 (Schriftenreihe der Akademie Friesach, Band 6).
Wilhelm Volkert: Adel bis Zunft ? Ein Lexikon des Mittelalters. C. H. Beck, München 1991, ISBN 3-406-35499-8.

Weblinks [Bearbeiten]
Wiktionary Wiktionary: Mittelalter ? Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Mittelalter ? Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Mittelalter ? Zitate

Matthias Kluge: Einführung in das Studium der Mittelalterlichen Geschichte (Filme, Material, Übungen)
Historisches Seminar der Universität Tübingen, Abteilung für Mittelalterliche Geschichte mit zahlreichen Links und Materialsammlungen
Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters (Bayer. Akademie der Wissenschaften)
Internet Medieval Sourcebook Project (Quellen in englischer Übersetzung)
Ingrid Heidrich: Einführung in die Geschichte des Mittelalters (überarbeitete elektronische Fassung von Einführung in die Geschichte des europäischen Mittelalters, H-C-I, Bad Münstereifel 2003, ISBN 3-00-010998-6)
Gemeinfreie historische Bücher über das Mittelalter als Volltext online bei Lexikus
Essays in Medieval Studies, engl. Fachzeitschrift, Ausgaben 1984-2000 als Volltext online

Einzelnachweise [Bearbeiten]

? Knapper Überblick unter anderem bei Martina Hartmann: Mittelalterliche Geschichte studieren. Konstanz 2004, S. 42ff.
? Vgl. Jacques Le Goff: Pour un long Moyen Age. In: Europe 61 (1983), S. 19?24.
? Eltjo Buringh; Jan Luiten van Zanden: ?Charting the ?Rise of the West?: Manuscripts and Printed Books in Europe, A Long-Term Perspective from the Sixth through Eighteenth Centuries?, in: The Journal of Economic History, Bd. 69, Nr. 2 (2009), S. 409?445 (416, Tafel 1)
? Regine Pernoud: Those Terrible Middle Ages: Debunking the Myths. Ignatius Press © 2000
? Philip Wolff: Wie die Erde zur Scheibe wurde
? Dazu ausführlich: Rudolf Simek: Erde und Kosmos im Mittelalter: Das Weltbild vor Kolumbus, München 1992, Kapitel 3: Die Form der Erde (S. 37 ? 54).
? Karin Schneider-Ferber: Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über das Mittelalter. Konrad Theiss-Verlag, Stuttgart © 2009,
? Geschichte der europäisch - chinesischen Beziehungen
? Griechisches Feuer und Schwarzpulver in: Math & Science Footnotes for Khan Amore?s Hypatia Section 10
? Petra G. Schmidl: Frühe arabische Quellen über den Kompass, in: Journal of Arabic and Islamic Studies 1 (1997?98)
? Ewart Oakeshott: A Knight in Battle. Dufour Editions, 1998
? Medieval ancestors measured up to our height standards in: British Archaeology No 84: 51 September 19, 2005
? Genom des Schwarzen Todes vollständig rekonstruiert. www.uni-tuebingen.de/aktuel
? Erreger des Schwarzen Todes von 1348 entschlüsselt. Johannes Krause im Gespräch mit Uli Blumenthal
? Das Genom des Pest-Erregers ist entschlüsselt; saw/Eurekalert/dpa/dapd ; "Schwarzer Tod entschlüsselt", von Peter-Philipp Schmitt
? Norman F. Cantor: The Civilization of the Middle Ages: A Completely Revised and Expanded Edition of Medieval History. Harper Perennial 1994; Werner Rösener: Bauern im Mittelalter. 4., unveränd. Aufl., C.H.Beck, München 1993.
? Massimo Livi Bacci, Europa und seine Menschen: eine Bevölkerungsgeschichte, C.H.Beck Verlag, 1999, ISBN 3406447007, S. 69
? Hans Jürgen Teuteberg, Günter Wiegelmann, Nahrungsgewohnheiten in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, LIT Verlag Münster, 1995, ISBN 3825822737, S. 99
? Werner Rösener: Bauern im Mittel




Alexandria oder Alexandrien (griechisch %u1F08%u03BB%u03B5%u03BE%u03AC%u03BD%u03B4%u03C1%u03B5%u03B9%u03B1 Alexándreia, nach Alexander dem Großen; arabisiert %u200F%u0627%u0644%u0625%u0633%u0643%u0646%u062F%u0631%u064A%u0629%u200E al-Iskandariyya) ist eine Hafenstadt an der Mittelmeerküste Ägyptens und Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

1 Geografie und Klima
2 Bevölkerung
3 Geschic
Taylor11
07.04.12 um 11:06
Avatar von Taylor11

Re: Brauchst du Credits?

Die Erdnuss (Arachis hypogaea), auch Aschanti-, Arachis- oder Kamerunnuss genannt, ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae). Diese Nutzpflanze stammt aus der Neuen Welt und wird daher in manchen Schweizer Kantonen auch Spanisches Nüssli genannt. Die Frucht der Erdnuss ist botanisch keine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht und damit beispielsweise mit der Erbse und den Bohnen-Arten verwandt. Die Ähnlichkeit zu botanischen Nüssen ergibt sich durch die Beschaffenheit der Samen, die Konsistenz, den hohen Fettgehalt und den vergleichsweise niedrigen Anteil an Stärke. Der englische Trivialname der Erdnuss, peanut (zu deutsch ?Erbsennuss?), weist auf die botanische Zugehörigkeit zu den Hülsenfrüchtlern hin. Im Vergleich zu echten Nüssen ist der Anteil an Omega-3-Fettsäuren gering. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hülsenfrüchten sind Erdnüsse allerdings roh genießbar. Das allergene Potential ist im Vergleich zu anderen Lebensmittelallergenen relativ hoch.
Erscheinungsbild und Blatt [Bearbeiten]

Die Erdnuss wächst als einjährige krautige Pflanze. Der gelblich behaarte bis kahle Stängel ist selbständig aufrecht bis kriechend und zwischen 6 bis 80 cm, meist jedoch 30 cm lang.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite ge***ert. Der 3,7 bis 10 cm lange Blattstiel ist mit lang gewundenen Trichomen bedeckt. Die paarig gefiederte Blattspreite besitzt meist zwei Paare sich an der Rhachis gegenständig gegenüberstehende mit 1 bis 10 mm nur kurz gestielte Fiederblättchen. Die mit einer Länge von 1,1 bis 5,9 cm und einer Breite von 0,5 bis 3,4 cm eiförmig-länglichen bis verkehrt-eiförmigen Fiederblättchen sind papierartig mit weitgehend gerundeter Basis und das Ende ist stumpf oder ausgerandet mit Stachelspitze. Die mit langen Haaren besetzten Blattflächen besitzen etwa zehn Seitennerven auf jeder Seite des Mittelnerves. Der Rand der Fiederblättchen ist bewimpert. Die 2 bis 4 cm großen, häutigen, behaarten Nebenblätter sind teilweise mit dem Blattstiel verwachsen
Frucht und Samen [Bearbeiten]

Die Hülsenfrüchte sind geokarp, befinden sich also im Erdreich, deshalb der Name Erdnuss. Die mit einer Länge von 2 bis 6 cm und einem Durchmesser von 1 bis 1,5 cm länglichen, eingebogenen Hülsenfrüchte enthalten einen bis vier, selten bis zu sechs Samen und sind zwischen ihnen etwas eingeschnürt. Diese unterirdischen Hülsenfrüchte öffnen sich nicht selbstständig. Die dicken Fruchtwände besitzen eine netzartige Oberfläche. Der mit einer Länge von 1 bis 2 cm und einem Durchmesser von 0,5 bis 1 cm fast eiförmige, hellbraune Samen besitzt zwei reichlich ölhaltige Keimblätter (Kotyledonen). Die Früchte reifen zwischen Juli und September. Die Hülse der erntereifen Kerne ist braun, papierartig und schmeckt bitter, daher wird sie vor der Weiterverarbeitung oder dem Verzehr der Kerne meist entfernt.

Antworten

Du musst eingeloggt sein, um antworten zu können.